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Alle Rezensionen zu Jasper Høiby
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Planet B
(2020, Edition Records EDN1149)

Wie wird der Jazz durch gesellschaftliche und politische Themen beeinflusst, und wie können Jazzmusiker durch ihre Kunst diesen Diskurs bereichern? Das sind Fragen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten Stück für Stück an Bedeutung verloren haben. Lange vorbei sind etwa die Zeiten, in denen John Coltrane mit »A LOVE SUPREME« so etwas wie den Soundtrack zu Martin Luther Kings »I Have a Dream«-Rede schuf. Ganz zu schweigen davon, dass ja die Entstehung des Jazz als solchem schon in hohem Maße gesellschaftspolitisch konnotiert ist.

Mit dem Start einer Reihe von vier Alben, die binnen fünf Jahren veröffentlicht werden sollen, geht der dänische Bassist Jasper Høiby gegen diese Entpolitisierung des Jazz an und wirft auf »PLANET B« die großen Fragen unserer Zeit auf, welche die Themen Ökologie bzw. Klimaschutz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit umfassen. Er tut dies, indem er Redeauszüge von Kulturphilosophen, Professoren für Psychologie und Bürgerrechtlern als Sprachsamples unter seine Musik legt.

Diese mögen für den Einen oder Anderen, der schlichtweg Musik hören möchte, nervig sein; und tatsächlich mag man trefflich darüber streiten, ob er damit den zweifellos drängenden Anliegen gerecht wird. Doch Høiby geht im Umgang mit den Samples recht geschickt vor: Die Stücke mit größeren Redeanteilen sind kompositorisch eher einfach gehalten, und über den dadurch entstehenden musikalischen Fluss bekommen die Redebeiträge einen fast soundtrack-artigen Charakter. Zudem greift er beim Bassspiel immer wieder zum Bogen und zu Effektgeräten und erzeugt durch Klangschichtungen einen dichten Soundteppich, der die Sprache trägt. Bei den ausschließlich instrumentalen Stücken hingegen geht er mit seinem internationalen Mitstreitern – dem Briten Josh Arcoleo am Saxofon und dem Franzosen Marc Michel an den Drums – wesentlich kraftvoller zu Werke und präsentiert uns einen bisweilen durchaus freien Trio-Jazz, ohne dass das Album dadurch in zwei unvereinbare Teile auseinander fiele.

Insgesamt ist »PLANET B« somit ein sehr gelungenes Album, auch in klanglicher Hinsicht. Es wird sich allerdings weisen, ob Høiby neben der durchaus lobenswerten Intention auch genügend Ideen auf Lager haben wird, um die geplante Reihe über ihre gesamte Länge hinweg tragen zu können. Es soll dann auch um Themen wie Humanität und künstliche Intelligenz gehen. (stv)



Siehe auch:
Phronesis
Håkon Kornstad
Malija
Marius Neset

Jasper Høiby: Planet B

Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.jasperhoiby.com



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