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Alle Rezensionen zu AKB
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

Marianergraven
(2020, Lamour Records/vinyl-distribution.com lamour093)

Erstaunlicherweise ist uns das schwedische Avantgarde- und Elektronik-Label Lamour Records in den acht Jahren seines Bestehens vollkommen entgangen. Shame on us, wie konnte das passieren!? Beheimatet in Gävle, zwei Stunden nördlich von Stockholm, erschien mit AKBs Album »MARIANERGRAVEN« nun bereits Lamours Katalognummer 93. Die Initialen stehen für Anna-Karin Berglund, ebenfalls aus Gävle, deren erste Platte »SÖNDAGSBARN« (»Sonntagskind«) das Label im April 2016 herausbrachte. Schon damals griff Berglunds Musik den »klassischen« bis »kosmischen« Ambient der Siebziger- und Achtzigerjahre auf, was sie auf dieser famosen CD beeindruckend fortführt und in eine konzeptionelle Idee kleidet.

Nun ist die Idee, ozeanische Weiten und Tiefseeatmosphären im Ambientgenre zu reflektieren, weder neu noch besonders individuell; vergleichbare Projekte gab es seit den frühen Tagen von Eno und Budd nicht wenige, und gerade auch unter nordischen und nordwärts reisenden Musiker/innen ist dieser Gedanke ein nicht selten anzutreffender, wie vielfältige Ozean-Themenalben belegen. AKB holt die Inspiration für ihre epische Ambient-Suite allerdings nicht aus dem Norden, sondern aus dem im westlichen Pazifik gelegenen Marianengraben. Dieser rund 2400 Kilometer lange Graben ist an seiner tiefsten Stelle elf Kilometer unterhalb des Meeresspiegels und damit der weltweit tiefste Meeresgrund. Gerade einmal drei Menschen waren bislang dort unten – und damit weniger als auf dem Mond.

Die Künstlerin begab sich also nicht direkt in die Tiefen des Meeres, um dort Feldaufnahmen zu sammeln wie etwa ihre norwegische Kollegin Jana Winderen im Nordpolarmeer, sondern nahm die Idee, den extremen Druck und die dunklen Tiefen jener fremden, mysteriösen Welt als Bild für eine sanft berauschende, uns zugleich unaufdringlich mehr und mehr einnehmende Serie warm schwebender Stücke. Anders als man anhand der Beschreibung erwarten könnte und im Gegensatz zu vergleichbaren Projekten geht Berglunds Klangwelt nie ins wirklich Dunkle oder Düstere. Man fühlt sich nicht eingeengt oder gar bedrückt wie es beim Subgenre Dark Ambient gerne vorkommt, sondern eher beflügelt und eingeladen, sich durch die traumnahen klanglichen Räume zu treiben zu lassen. AKB fügt dem Genre keine revolutionäre neue Idee hinzu, ergänzt es aber mit einer eigenen künstlerischen Stimme, die sich keineswegs hinter den Großen der Ambient-Geschichte verstecken muss. Klasse Cover-Artwork zudem. (ijb)



Siehe auch:
Angélica Castelló
Thomas Köner
Machinefabriek
Jana Winderen

 AKB: Marianergraven

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.lamour.se/akb-marianergraven



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