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Alle Rezensionen zu Ivar Grydeland & Henry Kaiser
(Genre »Avantgarde«, Land »Arctic Area«)

 

In The Arctic Dreamtime
(2020, Rune Grammofon/Grappa RCD 2211)

Improvisierte Musik als Filmsoundtrack ist fast immer ein Wagnis – das punkt- und szenengenaue Treffen der richtigen bzw. passenden Stimmungen, die die Musik beim Zuschauer (und -hörer) auslösen oder anstacheln soll, ist ohnehin eine (künstlerische) Wissenschaft für sich; doch es auf improvisierte Weise überzeugend hinzubekommen, verlangt einiges Können. Interessanterweise gelang den beiden Gitarristen dies bei diesem Projekt sehr gut, was mehrere Gründe hat: Erstens handelt es sich um stummes Arktis-Dokumentarfilmmaterial von 1925, d.h. die dramaturgische Verdichtung lässt sich bei weitem nicht mit dem vergleichen, was wir heute gewohnt sind; zudem war der Filmemacher kein Regisseur im eigentlichen Sinn, es wurde eher zu Dokumentationszwecken gefilmt. Dazu kommt, dass der kalifornische Fusion- und Rock-Gitarrist Henry Kaiser (geb. 1952) seit Jahren auch als wissenschaftlicher Taucher und Unterwasserfilmer tätig ist, unter anderem lassen sich seine Aufnahmen aus dem antarktischen McMurdo-Sund in Werner Herzogs Film »The Wild Blue Yonder« (2005) bestaunen; auch produzierte er Herzogs »Encounters at the End of the World« (2007, 2009 für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert) und zeichnete für die Filmmusik verantwortlich. Zahlreiche Reisen hat Kaiser in nord- und südpolare Regionen unternommen, etwa er nahm als erster Musiker ein Album in der Antarktis auf, als er vor knapp 20 Jahren zweieinhalb Monate dort auf einer Forschungsstation verbrachte.

Während Kaiser also prädestiniert dafür scheint, dokumentarisches Nordpolar-Filmmaterial des norwegischen Polarforschers Roald Amundsen angemessen zu »vertonen« bzw. zu konterkarieren, zumal er sogar im Film zu sehende Orte aus eigener (Tauch-)Erfahrung kennt, kann sein rund 25 Jahre jüngerer Duopartner Ivar Grydeland freilich nicht mit dieser arktischen Erfahrung mithalten. Beide waren indes schon auf Rune Grammofon mit Alben vertreten (Kaiser initiierte und organisierte vor ein paar Jahren etwa das Rypdal-Tributprojekt und -album »SKY MUSIC«), weshalb ihr etwas sperriges Projekt bei Runes Vorliebe für interessante Gitarrenalben sicherlich auf fruchtbaren Boden fiel. Die an einem Tag im Januar 2019 improvisierte, atmosphärische Musik bedient sich daher vielmehr eines verbindenden Charakters, hebt das schwarzweiße, historische Filmmaterial auf eine neue, künstlerische Ebene. Allerdings führt dies auch dazu, dass die teils epischen Stücke als CD nur selten eine wirklich durchschlagende, mitreißende Qualität entfalten; für Gitarrenliebhaber mag das noch angehen, aber für Jazzfans bleibt das Hörerlebnis ohne die dazugehörigen Bilder mitunter etwas dürftig, zumindest streckenweise eisig unterkühlt.

Der Film, online zu finden (siehe Link), dauert etwa 80 Minuten, für diese CD wurde die Musik auf fünf Titel einer Gesamtlänge von 65 Minuten verdichtet. (ijb)



Siehe auch:
Ivar Grydeland
Henry Kaiser & David Lindley
Sky Music – A Tribute to Terje Rypdal
Erik Friedlander

Ivar Grydeland: In The Arctic Dreamtime

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.henrykaiserguitar.com



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