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Alle Rezensionen zu Eivind Aarset & Jan Bang
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Snow Catches on her Eyelashes
(2020, Jazzland/Edel 377 925 0)

Die Wege von Eivind Aarset und Jan Bang haben sich im Laufe ihrer Karrieren immer wieder gekreuzt. So war der Soundtüftler und Produzent Bang bei einigen der Studio-Alben des Gitarristen mit von der Partie. Darüber hinaus traf man sich letzthin etwa beim norwegisch-jamaikanischen Gipfeltreffen »Nordub«, bei einigen Arbeiten des Trompeters Arve Henriksen oder als Dark Star Safari unter der Ägide des Schweizer Schlagzeugers Samuel Rohrer. »SNOW CATCHES ON HER EYELASHES« darf nun aber als ihr zweites großes Duo-Werk bezeichnet werden, nachdem das 2012 bei ECM erschienene »DREAM LOGIC« ebenfalls ein solches war, wenngleich es im Titel lediglich Aarsets Namen trug. Sehr stark war damals der Klangkosmos noch von der Gitarre geprägt. Auf dem aktuellen Album bekommt man dagegen oftmals nur noch eine (sprichwörtlich) leise Ahnung davon, dass auch diese Klänge unter anderem mit Gitarren erzeugt sein könnten.

Die hier dargebotene Musik könnte man als Ambient mit größeren improvisierten Anteilen bezeichnen, als »cineastische« oder vielleicht gar als konkrete Musik. Wer dagegen weniger in Begrifflichkeiten verhaftet ist, der stelle sich die Musik als Landschaft vor, die an einem sehr regnerischen und trüben Tag während einer Zugfahrt langsam an einem vorbeizieht. Das ist alles durchaus gleitend, zugleich sehr verhangen und in der Schwebe gehalten. Darin kann man sich auf die wunderbarste Weise verlieren, man muss es aber auch – auf Albumlänge betrachtet – wirklich mögen. Unter den Stücken ist kaum eines, das einen treibenden Flow entwickelt, außer vielleicht die Vorab-Single »Asphalt Lake«, bei der man das Gefühl haben könnte, eine große Welle zu reiten. Auf dem Album folgen diesem Titel zwei balladenähnliche Stücke, die am ehesten einem herkömmlichen Songformat entsprechen, doch auch in dieser Phase des Albums ist nichts, was dynamisch ausbräche oder zu einer Hymne anhöbe, und anschließend führen uns Aarset und Bang wieder in deutlich abstraktere Gefilde.

Einige Gastmusiker konnten für das Album engagiert werden, darunter mit Nils Petter Molvær und Audun Erlien Vertreter der ersten Garde der ehemaligen norwegischen Nu-Jazz-Ära. Ihre dezenten Beiträge fügen sich nahtlos die Soundscapes von Aarset und Bang ein, bringen jedoch keine entscheidenden Wendungen ins Geschehen und haben eher einen »Featuring«-Charakter, als dass sie das Album etwa zu einem Band-Projekt machten. Sidsel Endresen taucht sogar nur in Form eines fast zur Unkenntlichkeit verfremdeten Vokal-Samples auf.

In seiner Zurückgenommenheit und Verschlossenheit ist dieses Album somit durchaus etwas für die Hartgesottenen unter uns. Wer sich aber die Zeit nimmt tiefer in den Klangmalkosmos einzudringen, kann einige bleibende Entdeckungen machen. (stv)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Jan Bang
Dark Star Safari
Eivind Aarset, Michele Rabbia, Gianluca Petrella

Eivind Aarset: Snow Catches on her Eyelashes



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