Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Katrine Amsler
(Genre »Avantgarde«, Land »Dänemark«)

 

Laslafaria
(2020, Boogie Post Recordings BP028)

Manche Alben haben so kuriose und interessante Entstehungsgeschichten, dass man schon deswegen vorab eine riesige Lust auf Hineinhören bekommt. In diesem Fall geht es um die familiären (und musikalischen) Wurzeln Katrine Amslers. Dorthin begibt sich nämlich die in Dänemark lebende Keyboarderin, die wir bereits von ihrer Band Televison Pickup kennen mit ihrem aktuellen Album: Ihre Eltern sind Schweizer aus dem Kanton Zug, beide waren in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts Mitglieder der etwa 50-köpfigen Guggenmusik »Laslafaria«. Wer mit dem Begriff Guggenmusik nichts anzufangen weiß, hat in seinem Leben musikalisch was verpasst. Nur soviel sei gesagt: Es geht um die schwäbisch-alemannische Fasnet, es geht um krachende Blasmusik, in der von Schlager über Pop bis Volkslied alles verwurstet wird, was partytauglich ist, und es geht um jede Menge Spaß – nicht nur beim Musizieren, wie das verlinkte Video zeigt. Zwei alte LPs der Kapelle seien im heimischen Plattenregal seit ihrer Kindheit zu finden gewesen und an jene hätte sich Katrine Amsler erinnert, als es an die Arbeit für das Album ging, dessen Titel sie der elterlichen Combo widmete.

Um so mehr überrascht es, dass sie überhaupt nicht krachmusikalisch beginnt, sondern uns eher mit der Musik gewordenen Entdeckung der Langsamkeit empfängt. Über einen düsteren, flächigen, rhythmuslosen Klangteppich lässt sie ein verlorenes Saxofon und betörende Chorsounds erklingen. Ganz weit weg vom Guggenmusik-Klischee also. Zwar schlägt bereits hier ein subtiler Humor durch, da Amsler das Stück »Average Speed« nennt und das vielleicht als kleinen Seitenhieb auf die Mentalität der Eidgenossen verstanden wissen will, aber ihren Humor muss man sich zunächst hart erarbeiten. Da macht es einem die Sounddesignerin und Komponistin für Computerspiele-Musik nicht leicht. Auch später nicht, wenn die Sache dann mehr Fahrt aufnimmt und es in »Obwalden« über ein gepflegtes »Detuning« (genretypisch für Guggenmusik, auch wenn es dort niemand so nennen würde) in die totale Dekonstruktion der Klänge (=Krach; ebenfalls genretypisch, s.o.) geht. Ob die Obwaldner Halbkantonisten (zum ganzen Kanton reicht es bei den Zentralschweizern nicht…) damit glücklich sind? Wer weiß.

Aber dann geht es aufwärts – mit der »Rigibahn« nämlich – und wir hören zum ersten Mal einen Hauch alpenländischer Blechblas-Töne. Und ganz am Ende noch einen kurzen zünftigen Gruß: »Salü!« Ähnliches Glück widerfährt uns bei »The Niesenbahn Defeat«, in dem uns plötzlich hart sequenzierte Billig-Synthiesounds und längst vergessen geglaubte Elektro-Drums herrlich um die Ohren fliegen. Genau passend zum alljährlich dort stattfindenden Wettlauf die längste Treppe der Welt(!) hinauf. Und ganz am Ende, nachdem wir die Hoffnung darauf fast verloren hatten, in den letzten Zügen des finalen Tracks, der auch nicht immer ganz einfach zu bewältigen ist, da... ja, da hören wir es: ganz zaghaft, dänn aber immer ä chli dütlicher: ä ächti schwyzer Guggemusig! Natürlich detuned! Wunderbar. (stv)



Siehe auch:
Television Pickup
Samuel Hällkvist
Nils Berg Cinemascope
Shitney

Katrine Amsler: Laslafaria

Video-Link Offizielle Website

Die CD »Laslafaria« war »CD des Monats« im Monat 3 / 2020.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:





Offizielle Website      http://katrineamsler.com



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2020, Design & Programmierung: Polarpixel