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Alle Rezensionen zu Mortality
(Genre »Jazz«, Land »Finnland«)

 

Mortality
(2020, Eclipse Music/Galileo ECD-2020100)

Streckenweise ist die Musik auf diesem Album sehr traurig. Aber auch sehr schön. Und streckenweise ist die Musik auf diesem Album verhalten optimistisch, zuletzt sogar fast schon euphorisch. Und immer ist die Musik auf diesem Album sehr, sehr gut.

Aber der Reihe nach, das Verständnis dieser CD verlangt nach ausführlicheren Erklärungen. Wir hören ein halbes Dutzend der besten Jazzmusiker Finnlands, nämlich Verneri Pohjola an der Trompete, Pauli Lyytinen an Sopran- und Tenor-saxophon, Aki Rissanen am Flügel und Rhodes, Jori Huhtala am Kontrabass, Mika Kallio am Schlagzeug und Jere Haakana an der Gitarre, dazu kommt bei einem Stück auch noch der Gitarrenstar Teemu Viinikainen – das ist eine veritable All Star-Band.

Die Kompositionen stammen aber von Tapio Ylinen, seines Zeichens Gitarrist in der renommierten Pink Floyd-Tribute Band »Pulse«, und noch in verschiedenste andere genreübergreifende Projekte involviert. Ylinen verlor 2015 seine 28-jährige Ehefrau aufgrund einer Krebserkrankung. In der Folge schrieb Ylinen kurze Stücke und nahm Fragmente davon auf, ohne den Plan, irgendetwas davon jemals zu veröffentlichen. Zwei Jahre später nahm er die Stücke wieder zur Hand und entwarf die Idee, diese Stücke zu einer Suite oder gar einem Konzeptalbum zu verdichten. Als großer Pink Floyd- und Prog Rock-Fan verwarf er allerdings die erste Idee, eine derartige Musik zu machen, relativ schnell – zum Glück war er in der finnischen Jazz-Szene bestens vernetzt. Irgendwie schaffte er es (ein Wunder!), die oben genannten Musiker zusammenzubringen, und nicht nur das: Ein jeder arrangierte mindestens eine von Ylinens Kompositionen für die Band.

Nun sind wir endlich bei der Musik angelangt: Eine Band aus Weltklassemusikern interpretiert Stücke, deren zusammenhängende Klammer der Tod und die Trauer um einen geliebten Menschen ist. Natürlich ist die Stimmung weitgehend getragen, vor allem in der dreiteiligen Suite »In Memoriam«, doch ist dies beileibe kein »Beerdigungs-Soundtrack«, dafür sind die beteiligten Akteure zu sehr Jazzmusiker. Auch in den dunkelsten Moll-Akkorden wird noch geforscht, gesucht, und mit einem kleinen Lächeln kommt man wieder heraus.

Und die ebenso dreiteilige Suite »Towards Dawn«, die Ylinen später seiner neuen Partnerin widmete, lässt neuen Lebensmut sprießen – die Musik wird verspielter, die Improvisationen lebendiger. Die ganze Band spielt traumhaft gut zusammen, und auch wenn es vielleicht nicht die allergrandiosesten Soli gibt: Es geht hier um ein ganz großes Thema, und diese wunderbaren Musiker machen eine ganz große CD daraus. (tjk)



Siehe auch:
Verneri Pohjola & Mika Kallio
Aki Rissanen
Pauli Lyytinen
Jori Huhtala

 Mortality: Mortality

Offizielle Website

Die CD »Mortality« war »CD des Monats« im Monat 5 / 2020.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe waren mir bereits vertraut, aus unterschiedlichen Projekten, nicht aber Tapio Ylinen. Diese Scheibe regt an, viele Alben der Mitwirkenden wieder aus dem Regal zu ziehen und neu zu entdecken. Toll, wie hier alle zueinander finden.
Ingo J. Biermann

Wenn sich ein halbes Dutzend Top-Musiker zusammentun, ist noch lange nicht gesagt, dass auch ein Top-Album daraus entsteht. Aber hier ist es definitiv so. Und wie es Tim schön beschrieben hat: Durch diese Musik scheinen Verlust und Trauer ebenso durch, wie Zuversicht und Aufbruch. Großartig.
Stefan Vinaricky

In der Tat: Wer sich wie ich bislang eher auf die norwegische Jazzszene fokussiert hat, kann mit dieser Truppe einen hervorragenden Startpunkt fürs Eintauchen in die Jazzwelt Finnlands bekommen.
Leif Haugjord


Eva-Maria Vochazer

Offizielle Website      http://tapioylinen.com



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