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Alle Rezensionen zu Kim Myhr & Australian Art Orchestra
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Vesper
(2020, Hubro/Grappa HUBROCD2630)

Nach zwei Projekten bzw. Alben mit dem Trondheim Jazz Orchestra und vielen Konzerten mit seiner sechs- bis siebenköpfigen »You|Me«-Band ist Kim Myhr die Ensemblearbeit gewohnt, so dass er sein jüngstes Unterfangen live mit einer neuen Truppe beim Melbourne International Jazz Festival im fernen Australien ausarbeiten konnte. Hinter dem Namen Australian Art Orchestra verbirgt sich eine Gruppe experimenteller Musiker/innen, die auch individuell mit unterschiedlichen Projekten und Bands bekannt sind, nicht zuletzt von CDs auf Myhrs Label Sofa. Speziell mit Schlagzeuger Tony Buck dürfte über diverse Zusammenarbeiten eine solide Geistesverwandtschaft gewachsen sein; als Teil des Quartetts Circadia veröffentlichten sie ein vielschichtiges Konzertalbum, und auch an Myhrs »YOU|ME« und den folgenden Ensemblekonzerten wirkte Buck mit. So kommt einem beim Hören dieser CD bald der Gedanke, dies könnte fast ein Album der Necks sein, des Improv-Trios, mit dem Tony Buck seit mehr als 30 Jahren spielt.

Wie die aktuelle Necks-CD »THREE« ist auch »VESPER« aus drei jeweils rund 20-minütigen Stücken konzipiert, bei denen die Entwicklungen minimal scheinen und sich langsam aber sicher ein irrealer Schwebezustand herstellt. Und wie auf vorigen Alben, mit denen Myhr bereits mehrfach Vergleichbares schuf, sei es solistisch oder mit Ensembles, werden sich an diesem Minimalismus die Geister scheiden. Was die einen Hörer stupend langatmig empfinden, verschafft anderen wunderbar halluzinogene Zustände; in den letzten Jahren wurde der Begriff »immersiv(e)« für derartige Erlebnisse geprägt. Eine entscheidende Hilfestellung ist wohl, dass »VESPER«, der Titel deutet es an, als Abend- oder Nachtmusik konzipiert wurde, die Ruhe und Lichtstimmung soll auf Hörer/innen eine Art meditative Qualität haben oder in einen traumartigen Zustand verleiten.

Das 1994 gegründete Australian Art Orchestra (AAO) spielt seit 2013 unter der Leitung von Trompeter / Klangkünstler Peter Knight. In seiner Heimat wird es für zeitgenössische Projekte zwischen Jazz und Avantgarde geschätzt und hat bislang einige CDs mit Auftragswerken veröffentlicht. Hier spielte nur eine kleine Auswahl der Ensemblemitglieder, Myhr selbst (an der elektrischen 12-saitigen Gitarre) eingeschlossen acht Instrumentalisten, mit Klarinetten (Aviva Endean, unlängst mit einem Soloalbum bei Sofa vertreten), Bass, Autoharp (Jacques Emery), Bratsche (Erkki Veltheim), Geige (Lizzy Welsh), Tonbandgerät und Elektronik (Joe Talia). Diese Instrumentierung und der daraus resultierende Sound knüpft nahtlos an »YOU|ME« an, vor allem an die Live-Version mit sieben Musikern. Auch die Konzerte und CDs des Trios Mural (Myhr mit Ingar Zach und dem Australier Jim Denley) sind enge, klanglich kargere Wesensverwandte dieser kammerorchestralen Nachtmusik. (ijb)



Siehe auch:
Kim Myhr
Mural
Aviva Endean
Erkki Veltheim

Kim Myhr: Vesper

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.kimmyhr.com



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