Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Zeitkratzer & Mariam Wallentin
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

The Shape of Jazz to come
(2020, Eigenverlag/Bocian zeitkratzer zkr0025)

Das Cover nennt zwar nur die Band als Interpret, auf der Webseite und in der Promotion wird allerdings von »zeitkratzer & Mariam Wallentin« geschrieben; zudem darf die schwedische Sängerin allein das Covermotiv abgeben. Die in Berlin beheimatete Band (die ihren Namen derzeit zur Abwechslung in coolen kleinbuchstaben vermarktet) mit internationaler und wechselnder Besetzung ist immer für Überraschungen gut, und so wundert man sich auch nur kurz, wenn – nach den vorhergehenden, rein akustischen Gesamtneueinspielungen radikaler Albumklassiker (»METAL MACHINE MUSIC«, »KRAFTWERK 1« und »2«) – »THE SHAPE OF JAZZ TO COME« keine Neuinterpretation von Ornette Colemans Klassiker aus dem Jahr 1959 bietet. Jazz aber wird hier durchaus geboten, die Besetzung aus neun Instrumentalist/innen, darunter SPUNK-Hornistin Hild Sofie Tafjord, Saxofonist Hayden Chisholm und Posaunist Hilary Jeffery, plus Sängerin Mariam Wallentin spielte diese eigens zusammengestellte Suite aus Kompositionen von Geri Allen über Abel Meeropol alias Lewis Allan (»Strange Fruit«) bis hin zu Rodgers & Harts »My Funny Valentine« live im September 2018 beim Festival Sacrum Profanum in Krakau.

Reinhold Friedl, der Klavier bei Alexander von Schlippenbach studierte, ist als Chef von Zeitkratzer nur primus inter pares, wobei man fairerweise vielleicht doch sagen muss, dass Mariam Wallentin mit ihrer emotionalen und wendigen Brillanz den Laden mehr als zusammenhält, die instrumental hervorragend arrangierten und abwechslungsreichen sieben Stücke sozusagen veredelt und vollendet. Das Album beginnt mit Richard Muhal Abrams' »Bird Song«, in dem die Musiker allesamt zu Vögeln werden und, tatsächlich auch im Coleman'schen Sinne von Avantgarde, die diese schräge Welt über eine knappe Viertelstunde hinweg entwickeln – bevor sie sich danach rückhaltlos der kaum wenig heiteren Dixieland-Nummer »Struttin' with Some Barbecue« widmen. Und zwischen diesen Polen spielt sich das gesamte, rund 40 Minuten kurze Programm der CD ab; ein (leider) wieder hochaktuelles »Strange Fruit« wird mit einer enervierend quietschenden Violine aufgeladen und zugleich nicht seiner bewegenden Intimität beraubt, »Drummer Song« hingegen knüpft an die aufregende Free-Jazz-Tradition an, und auch hier ist wieder Mariam Wallentin die verdichtende Stimme im Ensemble. Anzunehmen ist, dass in dem Konzert mehr als diese sieben Stücke gespielt wurden, die entweder im Sinne einer Verdichtung weg gelassen wurden oder in Form einer Nachfolge-CD veröffentlicht werden. Selten nur hört man das Publikum, manchmal (speziell in den ersten 15 Minuten) aber etwas stark den Raum, doch die gesamte Aufnahme profitiert ungemein von der Energie einer Konzert-Performance. (ijb)



Siehe auch:
Mariam The Believer
Wildbirds & Peacedrums
Fire! Orchestra
Hild Sofie Tafjord

 Zeitkratzer & Mariam Wallentin: The Shape of Jazz to come

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      https://www.zeitkratzer.de



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2020, Design & Programmierung: Polarpixel