Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Kalle Moberg
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

The Tokyo Sessions Volume 1: Unheard-of
(2020, Eigenverlag Kamo Records KAMO001)

Soloalben von Akkordeonisten sind zumeist rare Liebhaberprojekte – sowohl die Produktion als auch das Publikum betreffend. Nur wenigen Künstlern auf diesem Instrument wird weitreichende Aufmerksamkeit zuteil. Noch randständiger wird es, wenn die Musik ins Experimentelle und die Klangkunst reicht. Die wenig verbreitete Kenntnis dieses Instruments, seinen Spielweisen und seinen Fähigkeiten, von Detailwissen im Bereich der Akkordeon-Experimentalmusik macht es den meisten Hörern (und Rezensenten) umso schwerer, ein fundiertes Urteil zu fällen.

Dies vorweg geschickt kann man von der Vorgeschichte dieses Debütalbums beeindruckt sein: Der junge Norweger Kalle Moberg spielte in einer der jüngsten Besetzungen von Paal Nilssen-Loves Large Unit mit, und im Rahmen einer der unter norwegischen Bands recht üblichen Japantourneen hörte ihn der seit langem in Japan lebende Musiker und Produzent Jim O‘Rourke, der selbst unter anderem Akkordeon spielt, bei mehreren Konzerten im November 2017 in Tokio. Er sprach Moberg nach einem Konzert an und lud ihn direkt zu Aufnahmen in sein Tokioter Studio ein. Während einer Woche im Februar 2019 organisierteder US-Amerikaner schließlich mehrere Projekte, von denen die mit dieser »Volume 1« vorliegende Solo-CD bzw. -LP die erste Veröffentlichung ist; Moberg startete hierfür sein eigenes Label, KAMO Records.

Von der prominenten Unterstützung gestärkt (»geflasht« würde man in Mobergs Generation wohl sagen) verspricht der 25-Jährige in seinem ersten Release Info eine Musik, die »anders ist als alles, was Sie jemals gehört haben!« – eine großspurige Ankündigung, die wohl jeden, der sich auch nur oberflächlich mit zeitgenössischer Akkordeon- und Experimentalmusik befasst hat, Spektakuläres erwarten lässt. Derart Unerhörtes bieten Mobergs »Tokyo Sessions« tatsächlich nicht; aber er schlägt sich beachtlich beim Treten in die Fußstapfen seiner großen Vorgänger, von der vor wenigen Jahren verstorbenen amerikanischen Pionierin Pauline Oliveros bis zu Mobergs nach wie vor sehr aktivem und vielseitigem Landsmann Frode Haltli. Wie letztgenannter spielt Moberg das Instrument ohne elektronische Hilfsmittel oder Verfremdungen und erzeugt auch die abwegigsten und polyphonen Sounds rein durch unkonventionelle Spieltechniken auf seinem Instrument. Hörern mit offenen Ohren und Neugier auf schräge Töne abseits von Hörgewohnheiten jeder Art vermag Kalle Moberg neue Einblicke und Anregungen zu schenken. (ijb)



Siehe auch:
Frode Haltli
Large Unit
Jim O'Rourke
Kimmo Pohjonen

Kalle Moberg: The Tokyo Sessions Volume 1: Unheard-of

Audio-Link



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2020, Design & Programmierung: Polarpixel