Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Eva Lindal & Anna Lindal
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

Bäver
(2019, Plugged Records 7320470246986)

»BÄVER«, die erste CD der Geschwister Eva und Anna Lindal beginnt mit dem Stück »Χαλκίδα«: Chalkida, früher auch Chalkis genannt, ist die Heimatstadt des griechischen Großvaters der beiden Schwedinnen. Sie erläutern, die Komposition erzähle von der Spaltung, der Trauer und dem Exil im Europa im 20. Jahrhundert. Ob man als unvorbereiteter Hörer auf diese Gedanken kommt, sei dahingestellt; dass die Kunst der beiden Violinistinnen (Eva Lindal spielt in einzelnen Stücken auch die Bratsche) eine überaus bild- und kontrastreiche, zudem eine schillernd fragile und für aufmerksame Hörer auch aufreibende Neue Musik hervorgebracht hat, belegt auf bestechende Weise diese CD.

Im Juni 2019 begaben sich Eva und Anna mit vorbereitetem Material ins Studio (konkret ins »Hugo Theater« der der Opern-Universität in Stockholm), um ein Duoabum aufzunehmen, die »auf unserer lebenslangen Affinität als Geschwister aufbaut«. Entsprechend orientieren sich einige der Stücke an Fragen und Gedanken zum Thema Kommunikation: »ein Wunsch nach neuen gemeinsamen Sprachen«. »BÄVER« ist in diesem Sinne zwar eine radikale Musik für Spezialist_Innen, zumal sie erklärtermaßen in westlicher Kunstmusik gründet – beide haben langjährige Orchestererfahrung, Eva im Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks und Anna fast zwanzig Jahre lang als Konzertmeisterin des Kungliga Filharmoniska Orkestern, der Königlichen Philharmoniker in Stockholm; auch beschäftigen sie sich mit künstlerischer Forschung zu Interpretation/Improvisation und Tradition gegenüber zeitgenössischen Ausdrucksformen, nicht zuletzt auch in Mats Gustafssons Fire! Orchestra.

Entsprechend spielt sich dieses Programm weitestgehend in geräuschhaftesten Regionen ab, die für die meisten Zuhörer eher an knarzende alte Schränke erinnert als an die Schönheit von Musiktraditionen. Zwischendurch aber kommt immer wieder auch die konventionelle Qualität der Violine durch – etwa im Titelstück, das als völlig freie und verspielte Auslegung von Heinz Ignaz Franz Bibers berühmter »Passacaglia« aus dem 17. Jahrhundert, aus seinen Mysteriensonaten und ursprünglich für Solovioline komponiert, angelegt ist. Doch muss man festhalten, dass die wahre Schönheit der Klangwelt von dieses Albums im freien Ausdruck, im atonalen und nicht zuletzt im humorvollen Experiment liegt. (ijb)



Siehe auch:
Fire! Orchestra
Vilde&Inga

Eva Lindal: Bäver



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2020, Design & Programmierung: Polarpixel