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Alle Rezensionen zu Lemur + Reinhold Friedl
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Alloy
(2020, Sofa 581)

Reinhold Friedl ist selbst uns Freunden Nordischer Musik wiederholt begegnet, zuletzt mit der souveränen Jazzhommage »THE SHAPE OF JAZZ TO COME« mit Special Guest Mariam Wallentin als temporäre Frontfrau seines langjährigen Ensembles Zeitkratzer. Allerdings reicht Friedls Jazzhistorie bereits länger zurück, schließlich studierte er einst bei Alexander von Schlippenbach. Schon vor dem genannten Projekt begann der Pianist und Komponist eine Zusammenarbeit mit dem norwegischen Free-Improv-Quartett Lemur. Mit der vermutlich einzigartigen Instrumentierung Horn, Cello, Flöte und Kontrabass – 50% der Band SPUNK (Hild Sofie Tafjord und Lene Grenager, die dann auch bei Zeitkratzer mitspielten), Bjørnar Habbestad und Michael Francis Duch – besteht das Quartett Lemur seit 2006, veröffentlichte 2008 sein Debüt »IIIII II«, das zugleich Debüt-Release von Habbestads Label +3db Records war, 2010 folgte »AIGÉAN«. Die Band war in den seither vergangenen zehn Jahren indes nicht untätig, sondern recht aktiv mit Konzertreihen und Ensemble-Residenzen etwa in Norwegens Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, spielte zudem mit etlichen nationalen und internationalen Kollaborationen.

Dass ihr drittes Album »ALLOY«, was soviel bedeutet die »Legierung«, im Herbst 2020 nun nicht mehr über +3dB, sondern über Sofa veröffentlicht wird (während +3dB unlängst andere faszinierende Projekte, etwa von Anja Lauvdal und Heida K. Johannesdottir, aber auch ein Soloalbum von Lene Grenager herausbrachte), überrascht ebenso wie die Tatsache, dass die Aufnahme bereits fünf Jahre alt ist, von Habbestad 2015 in Oslo mitgeschnitten wurde. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, möglicherweise war man von der Zusammenarbeit nicht so ganz überzeugt, sah in Folge der seither veröffentlichten zahlreichen, vielseits geschätzten Friedl- und Zeitkratzer-Alben aber dann doch einen guten Zeitpunkt, um die eingelagerte Aufnahme aus dem Archiv zu holen. So steht »ALLOY« mit seinen zu sieben »Components« editierten Tracks ein wenig verloren in der gegenwärtigen Musiklandschaft herum und passt in keine Schublade von Trends oder Stilen.

Im direkten Vergleich zur eingangs erwähnten Zeitkratzer-Produktion ist dies für eine jazzaffine Hörerschaft weitaus weniger eingängig, auch Friedl-Fans, die Projekte wie seine Neuinterpretationen von Avant-Rock-Klassikern schätzen, kommen mit »ALLOY« nur bedingt auf ihre Kosten. Auch wenn die vorrangig improvisiert wirkenden Stücke immer wieder in Passagen wie zeitgenössische Kammermusik-Kompositionen zwischen Duo- und Quintettgrößen anmuten, so bleibt diese Aufnahme doch am engsten mit dem bekannten Werk der vier NorwegerInnen verbunden, avancierte freie Improvisation, die mit Klangbildern, Geräuschen, vielen Ecken und Kanten und musikalischen Grenzbereichen arbeitet, bekannt etwa von SPUNK, Michael Francis Duchs diversen, auch hier regelmäßig besprochenen Projekten und verschiedensten Kollaborationen der einzelnen Musikerinnen. Reinhold Friedl, der laut Credits Klavier spielt, ist kaum mehr als ein Gast, dessen Auftritte letztlich über weite Strecken kaum auffallen. (ijb)



Siehe auch:
Zeitkratzer
Lene Grenager
Michael Francis Duch
Hild Sofie Tafjord

 Lemur + Reinhold Friedl: Alloy

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      http://www.lemur.fm



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