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Alle Rezensionen zu Kim Hiorthøy
(Genre »Beats«, Land »Norwegen«)

 

Live Shet
(2004, Smalltown Supersound/Rough Trade STS081CD)

In der Wohnung des Norwegers müssen Kabel herumliegen, Stapel von Singles, CDs mit Sample-Loops und Kopfhörer. Vielleicht herrscht aber auch sterile Sauberkeit in einem nüchtern eingerichteten Chrom/Glas-Ambiente, denn Hiorthøy ist eigentlich Designer und gestaltet minimalistische Cover u.a. für Motorpsycho und das Label Rune Grammofon. Allerdings remixt Hiorthøy auch – u.a. die japanischen Merzbow – und klick-schiebt minimalistische Tracks zwischen Eno und Aphex Twin zusammen.

Seine Musik ist der neugierige Blick eines Techno-Kids auf die Welt, und live gibt er im Gegensatz zu den meisten anderen Knöpfchendrehern ein beachtliches Bild ab. Hier nahm Hiorthøy Live-Mitschnitte u.a. aus Barcelona, Bergen, Berlin, Brüssel, Chicago, Kopenhagen, London, New York, Rom und San Francisco und montierte sie zu einem prächtig zappelnden, sich minimalistisch verschiebenden Puzzle aus Tönen, Geräuschen, Breakbeats und einer tief schnurrenden Orgel. (peb)



Siehe auch:
Verschiedene: Arctic Circle 3
Motorpsycho
Runeology 2

Kim Hiorthøy: Live Shet

   

My Last Day
(2007, Smalltown Supersound STS087)

Die Beats sind dilettantisch aneinandergeklebt. So mag es Kim Hiorthøy am liebsten. Schließlich ist seine Arbeit als Grafkdesigner auch geprägt von einer Vorliebe für kindliche Formen und collageartige Techniken. Krude Sounds findet man hier zuhauf. Das gloriose »Beats Mistake« pfeift den zerfledderten Beats hinterher, und obendrauf klimpert ein Klavier seine einsame Melodie. Überhaupt kommen Keyboards in seinen Songs eine zentrale Position bei.

Meist bleiben die Tracks unaufdringlich, schleichen förmlich in Hörer und Kopf. Nur zwischenzeitlich wird es hektisch, bevor aber schnell wieder das Bremspedal durchgedrückt wird. In Lo-Fi-Manier wird vorangestolpert – nicht immer treffsicher wie beim himmlisch melancholischen »Goodbye To Song«, aber doch charmant und überaus zugänglich. Die Qualitätskurve weist nach oben, »MY LAST DAY« ist sein bis dato stimmigstes Werk. (maw)

   

Hopeness
(EP, 2004, Smalltown Supersound/Rough Trade STS070CD)

Das halbstündige Mini-Album ist stilistisch verwandt mit Hiorthøys »MELKE«. Die Kritik stellte Vergleiche zu Aphex Twin her, aber was Richard D. James' Musik so gut macht – das die großen ruhigen Linien tragende Chaos, die Mischung aus Kindlichkeit und brutalem Klang-Schredder –, fehlt bei Hiorthøy. Seine fünf Tracks sind lässig, schön und seltsam unerheblich – nicht kindlich, sondern kindisch. Manchmal klingt es nach Aphex Twins präpariertem Klavier auf »DRUKQS«, aber minimalistischer. Dem scheint Hiorthøy jedoch nicht zu trauen und baut daher kleine digitale Gadgets ein: ein glattgefeiltes Knarzen dort, ein sanftes Wischen hier. Die hypnotische Wirkung konsequent minimaler Musik kommt so nicht auf; Veränderungen passieren dauernd, aber ohne Brüche.

Dabei gelingt ja manches: Der Dreiminüter »Alt Måste Bli Anorlunda« ist ein Musterbeispiel an Ausgewogenheit von Frickelfaktor und Weichklang. Auch das Ende von »Soliga Dagens Släppiga Trosor«, wo es plötzlich bluesrockig losgroovt, gehört dazu: Hier wird die ansonsten lediglich schön ausstaffierte Musik kurz lebendig. Insgesamt aber lautet das treffendste Fazit für diese so ganz unironische Musik leider nur: »größtenteils harmlos«. (sep)

   

For The Ladies
(2004, Smalltown Supersound/Rough Trade STS060CD)

Gibt es einen Grund, diese CD zu kaufen? Die 10 Tracks und 30 Minuten kann man bequem selbst machen, indem man ab und zu ein Mikro einschaltet und das Ergebnis auf CD brennt. Wenn es regnet zum Beispiel (Track 1). Oder beim Akkordeon-Üben (Track 5). Wenn's windig ist (Track 7). Dann verpackt man es schön und lässt ein paar Mal das Wort »experimentell« fallen.

Bei diesen Field Recordings des multimedial tätigen Künstlers Hiorthøy entsteht kein Mehr-, manchmal nicht mal ein Nährwert. Dann hört man nur das fast unhörbare Hintergrundrauschen des Mikros und sonst gar nichts. Ab und zu mal Stereotypen wie Wind, eine Tür, Hundebellen. So macht es keinen Unterschied, ob die CD nun läuft oder nicht. Regen, Wind und ferne Stimmen hat jeder selbst daheim. Wie man es faszinierender hätte machen können, zeigen die beiden »Restgeraeusch«-CDs von Mille Plateaux. Dort entsteht aus Nichts Musik. Hiorthøy verwandelt Nichts in nichts. Das ist ein bisschen wenig. (sep)



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