Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Carl Nielsen
(Genre »Klassik«, Land »Dänemark«)

 

Carl Nielsen: Sinfonie Nr.2 · Sinfonie Nr.3
(1999, dacapo/Naxos 8.223126)

Nur einer im Booklet versteckten Anmerkung ist zu entnehmen, dass dieser Aufnahme die redigierten Partituren der gerade begonnenen Nielsen-Gesamtausgabe zugrunde liegen. Das berührt sympathisch, denn mit einem zuverlässigen Notentext muss man nicht marktschreierisch hausieren gehen – er sollte vielmehr für jede gediegene Produktion selbstverständlich sein. Werbung in diesem Sinn hat diese Einspielung auch überhaupt nicht nötig. Denn Michael Schønwandt spornt seine Landsleute zu einer musikalischen Leistung an, die jenseits aller Routine liegt, obwohl es sich bei den Sinfonien von Carl Nielsen um gängiges Kopenhagener Repertoire handelt.

Im Gegensatz zu mancher auf Sicherheit und Geschmeidigkeit bedachten Interpretation wirkt Schønwandts Mut zu rhythmischem Biss, emphatischer Geste und dichter lyrischer Zeichnung fast draufgängerisch – und das bekommt den Kompositionen erstaunlich gut. Trotz dieses zupackenden Griffs gerät keine Passage außer Kontrolle, der Satz bleibt jederzeit geradezu analytisch durchhörbar. Allerdings mag man mitunter die Blechbläser als zu präsent empfinden, während die klangliche Balance der übrigen Gruppen sehr natürlich wirkt. Geist, Herz und Sinne werden hier gleichermaßen angesprochen. Eine grandiose Einspielung! (mku)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Sinfonie Nr.2 · Sinfonie Nr.3

 

Carl Nielsen: Aladdin Suite u.a.
(2005, Naxos 8.557164)

Was wäre die dänische Musik ohne Carl Nielsen (1865–1931)? Denn wenn es um eine nationale Identifikationsfigur geht, dann fällt sein Name (so wie in Norwegen der von Grieg und in Finnland der von Sibelius). International schaffte Nielsen den Durchbruch vor allem mit seinen Konzerten und den sechs Sinfonien; davon zeugt auch die große Anzahl der verfügbaren Einspielungen.

Aus dem Blick gerieten leider seine sinfonischen Dichtungen und Schauspielmusiken – Stücke, die einem den Einstieg in Nielsens unsentimental-unterkühlten und doch oftmals romantischen Stil erleichtern. So verzaubert etwa die bisweilen rhythmisch voranstürmenden »Aladdin-Suite« (1919) mit ihren Klangfarben, und bei der bekannten »Helios-Ouvertüre« (1904) hört man die Sonne geradezu aufgehen.

Die Einspielung mit dem Orchester aus Südjütland ist wegen der rundum gelungenen Interpretation zu empfehlen. Gerade einmal sechs Euro muss man für diese musikalische Entdeckungsreise berappen – falsch angelegt sind sie mit Sicherheit nicht. (mku)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Aladdin Suite u.a.

 

Carl Nielsen: Orchestra Music
(2007, dacapo 6.220518)

Carl Nielsen hat sich im Konzertleben vor allem als Sinfoniker einen Platz erobert. Dass aber sein Schaffen weitaus vielfältiger ist, wird nur selten wahrgenommen. So zeugt es schon von einem gewissen Understatement, wenn das rührige dänische Staatslabel dacapo die vorliegende CD einfach »Orchestral Music« nennt. Denn hinter dieser Bezeichnung verbergen sich wahre Kleinode aus einem reichen Fundus von Schauspielmusiken, Konzertouvertüren und vermeintlichen Gelegenheitsarbeiten. Das Spektrum reicht dabei von der fulminanten Helios-Ouvertüre op. 17 (1903), über die exotische Naturszene »Pan und Syrinx« op. 49 (1917/18) bis hin zur kurios-kantigen Ouvertüre »Fantasiereise zu den Färoern« (1927). Und dass sich unter den oftmals abgetanen Schauspielmusiken so manch genialer Wurf finden lässt, ist auch von anderen Komponisten her bekannt.

Nicht zufällig steht am Anfang der CD die Ouvertüre zur Oper »Maskarade« (1904/06) – ein Paradestück brillanter Orchestervirtuosität und eine Partitur, die mit ihrer unerschrockenen Heiterkeit ihresgleichen sucht. Nur in Nielsens eigener, lebendiger Form des modernen Klassizismus scheint eine solche durch und durch positiv gestimmte Musik möglich. Und es ist gerade dieser unbeschwert anmutende, doch markante Präzision fordernde Tonfall, der Thomas Dausgaard, seinem technischen Anspruch und seiner interpretatorischen Ästhetik entgegenkommt. Sein fast manieristische Hang zur perfekten Realisierung, unter der gelegentlich auch schon mal die Gefühlstemperatur leidet, erweist sich bei der aktuellen Produktion als genau der Zugriff, durch den die Kompositionen mit ihrer kühl strahlenden Eleganz im rechten Licht erscheinen. Die Mannen aus Kopenhagen folgen ihrem Chefdirigenten mit Enthusiasmus, die CD besitzt ein natürliches Klangbild. (mku)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Orchestra Music

 

Carl Nielsen: Chamber Works for Wind
(2008, Chandos CHOA 10454 X)

Neben Neuproduktionen erscheinen immer wieder einmal Aufnahmen aus dem prädigitalen Zeitalter als Wiederveröffentlichungen, die sich richtig lohnen. So auch bei Chandos. In diesem Fall handelt es sich um um die aus dem Jahre 1979 stammende Einspielung sämtlicher Kammermusik durch das Athena Ensemble. Nicht unbedingt das bekannte und vielfach aufgenommene Holzbläserquintett op. 43, sondern die kleinformatigen »Zugaben« sind dabei von besonderem Interesse, darunter auch eine absolut hinreißende Serenade für Klarinette, Fagott, Horn, Cello und Kontrabass aus dem Jahre 1914.

Der sehr direkte und kaum auf räumliche Staffelung angelegte Klang (der in dieser Weise auch für die zeitgleich entstandenen Repertoire-Erkundungen des alten Nash-Ensembles so charakteristisch ist), hat durchaus seine kammermusikalischen Vorzüge. Etwas verwundert allerdings die vergleichsweise geringe Spielzeit der CD, in der sich die analogen Vorgaben der LP widerspiegelt – dafür aber ist die Einspielung zum »Midprice« zu haben. (mku)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Chamber Works for Wind

 

Carl Nielsen: Chamber Music Vol.2 · The Violin Sonatas and Works for Violin Solo
(2007, dacapo/Naxos 8.226065)

Schon zu Lebzeiten erlangte er den Rang einer nationalen Ikone. Und so wie auch das finnische und norwegische Musikleben ihre Galionsfiguren haben, so nimmt für Dänemark Carl Nielsen (1865–1931) diesen Platz ein. Im Konzertsaal wie auf CD ist er vor allem durch seine Sinfonien vertreten (hinzu kommt noch die jüngst erst wieder mehrfach inszenierte und auf DVD produzierte Oper »Maskerade«). Dass Nielsen aber nicht nur ein veritabler Sinfoniker war, sondern auch herausragende Chor- und Kammermusik schuf, dürfte noch immer weitgehend unbekannt sein.

Und so werden Nielsens Violinsonaten (samt den Werken für Violine allein) zu einer richtigen Hör-Entdeckung buhlen. Dabei dürfen gerade die zwei Sonaten wie auch die beiden mehr oder weniger als hochrangige Gelegenheitswerke entstandenen Solokompositionen eine doppelte Authentizität für sich beanspruchen. Denn Nielsen war mit der Violine in besonderer Weise vertraut, bevor er sich früh von einer geplanten Laufbahn als Solist verabschiedete. Der von ihm vielfach als Fron empfundene Orchesterdienst in der Königlichen Hofkapelle sicherte ihm allerdings auch den Lebensunterhalt als Komponist; erst später wirkte Nielsen als Kapellmeister.

Natürlich bewegt sich diese Einspielung des dänischen Staatslabels durchwegs auf hohem spieltechnischen wie interpretatorischen Niveau. Wichtiger aber ist, dass der Zugriff auf die Werke aus einer druchaus erfrischen Perspektive erfolgt. So arbeitet Jon Gjesme mit einem eher schlanken und klaren Ton die schon früh in Nielsens musikalischer Sprache vorhandenen neoklassizistischen Tendenzen und so charakteristisch fahlen Harmoniewechsel heraus. Gleichwertig unterstützt von Jens Elvekjær am Klavier gelingt es ihm somit, die erste Sonate von 1895 um fast zwei Jahrzehnte jünger erscheinen zu lassen! Dem stehen die Solo-Werke mit Tue Lautrop in nichts nach. (mku)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Chamber Music Vol.2 · The Violin Sonatas and Works for Violin Solo

 

Carl Nielsen: Symphonies 1-4
(2012, EMI/Virgin 50999 6 78419 29)

Aus der Hand Herbert Blomstedts gibt es Aufnahmen aller sechs Nielsen-Sinfonien, erhältlich beim gleichen Label, erweitert um andere Orchesterwerke; wozu also diese Zwitter-DoppelCD mit drei Mal Blomstedt und den Kopenhagener Rundfunksinfonikern aus den 1970ern und einmal Rattle in Birmingham 1984, neu veröffentlicht 2012? Die Einspielungen sind durchweg gut bis vorbildlich, sogar die Tonqualität erstaunlich rund und geschlossen für die Jahrzehnte alten Aufnahmen, prägnant remastered. Blomstedts Lesart der Sinfonien dürfte im Kanon der Nielsen-Einspielungen ziemlich weit vorne rangieren; mit gutem Grund lohnt also der Einstieg in das essenzielle Orchesterschaffen des der spätromantik und neoklassizistisch verankerten Dänen mittels dieser beiden CDs.

In dem merklich rauheren und dramatischeren Ton der während des Ersten Weltkriegs als »unauslöschliche« Musik geschriebenen Vierten und ihre kämpferische Leidenschaft kann sich ein ebenso feuriger Klangmeister wie Simon Rattle, zum Zeitpunkt der Einspielung noch keine 30 Jahre alt, natürlich bestens wiederfinden. Und damit ergibt die Begegnung zwischen Blomstedts gewandter Dritter, »lebhaft und herzlich« schrieb Nielsen über ihren ersten Satz, und Rattles harscher Vierter natürlich viel Sinn, auch wenn man noch lieber gleich Blomstedt mit der Vierten gegenüber gestellt hören würde. Und nicht zu vergessen: Wie sich der Komponist mit der Fünften weiter radikalisierte, will erst recht gehört werden und fehlt letztlich als Weiterführung des hier begonnenen Exkurses. (lha)

Carl Nielsen: Carl Nielsen: Symphonies 1-4

 

Aladdin's Dream – The Firebirds play Carl Nielsen
(2017, ILK 269 CD)

Zwei Jahre nach ihrem Triodebüt haben sich Anders Banke, Anders Filipsen und Stefan Pasborg entschieden, direkt als Band unter dem Namen The Firebirds zu veröffentlichen, statt wie zuvor als Pasborgs Projekt. Der Schlagzeuger hatte davor bereits mit einem multinationalen Quartett mit zwei Saxofonisten und einem Bassisten Standards aus dem anglophonen »History Book of Rock'n'Roll« aufgenommen, von Led Zeppelin über Black Sabbath bis zu den White Stripes.

Nach dem Strawinsky-Ausflug nehmen sich die drei Dänen diesmal Musik der Musikgeschichte ihres eigenen Landes vor: »ALADDIN'S DREAM« ist eine Jazz-Hommage an Carl Nielsen (1865-1931), heute als wegweisender Komponist in der europäischen Musik gehandelt, zu Lebzeiten jedoch wenig geschätzt. Sieben Stücke, die einst für völlig andere Instrumente geschrieben wurden, adaptieren die Firebirds gleichermaßen mit Respekt wie mit Verve und Humor. In der (hier) fünfteiligen »Aladdin Suite« kommen orientalische und indische Einflüsse sowie flotte Tänze zum Tragen – eine rhythmisch durchaus komplexe Neuschreibung des 1919 entstandenen Werks. Der rhythmische und kompositorische Reichtum waren es wohl auch, die Nielsens beliebte »Helios-Ouvertüre« (1903) für Orchester und sein Opus 1, die »Kleine Streichersuite« aus dem Jahr 1888, als weitere Werke für das charmant-eigenwillige Jazz-Tribut der Firebirds empfahlen. (ijb)



Siehe auch:
The Firebirds
Pasborg/Dahl
Dawda Jobarteh & Stefan Pasborg
Busk

Carl Nielsen: Aladdin



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2019, Design & Programmierung: Polarpixel