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Alle Rezensionen zu Anne Sofie von Otter
(Genre »Klassik«, Land »Schweden«)

 

Watercolours – Werke von Larsson, Alfvén, Nystroem, Rangström, Nordquist, De Frumerie, Linde, Aulin
(2004, Deutsche Grammophon/Universal 474.700-2)

Mit »WATERCOLOURS« legen Mezzo-Sopranstar Anne Sophie von Otter und ihr Klavierbegleiter Bengt Forsberg nach dem Album »Wings In The Night« (1996) eine weitere, 33 schwedische Folksongs umfassende CD vor.

Furios gleich zu Beginn der »Kyssande vind« (Kuss des Windes) von Lars-Erik Larsson. Wie sehr hätte man sich gewünscht, es ginge so weiter. Doch leider verblassen einige der ausgewählten und zwischen 1910 und 1950 entstandenen Lieder. Zu deutlich spürbar sind Qualitätsunterschiede, trüben quasi fragmentarische Schlüsse und innere Zerrissenheit mancher Songs das Hörvergnügen. Anne Sophie von Otter und Bengt Forsberg agieren immer dann am stärksten, wenn Dynamik oder Ironie ins Spiel kommen und sich Stücke entwickeln, so z. B. bei »Till Havs« (Auf See) oder »Äppelträd och päronträd« (Apfelbäume und Birnbäume).
Trotz mutiger und routinierter Interpretationen dürfte die CD daher wohl eher eingefleischte schwedische Liedgutfreunde begeistern denn ein breiteres Publikum. (ano)

Anne Sofie von Otter: Watercolours – Werke von Larsson, Alfvén, Nystroem, Rangström, Nordquist, De Frumerie, Linde, Aulin

 

Music for a While – Baroque Melodies
(2005, Deutsche Grammophon/Universal 00289 477 5114)

Mit »MUSIC FOR A WHILE« legt Anne Sofie von Otter wieder einmal ein Barock-Recital vor, das neben hervorragender Interpretationen durch die sorgfältige Programmauswahl besticht. Zusammen mit Jory Vinikour, Jakob Lindberg und Anders Ericson widmet sie sich vorwiegend englischen und italienischen Barockstücken des frühen 17. Jahrhunderts.

Die CD gliedert sich in drei größere Teile. Im ersten Teil erklingen italienische Lieder sowie Arien aus Barockopern von Ferrari, Frescobaldi, Caccini, Monteverdi, Strozzi. Frappierend, wie durch Verzicht auf die übliche Continuo-Begleitung mit einem tiefen Streichinstrument gänzlich neue, »unverbrauchte« Höreindrücke entstehen. Der Mezzo-Sopranistin Anne Sophie von Otter, die andernorts auch mal einen Pop-Ausflug wagt, kommt dies sichtlich entgegen – verleiht es ihrer Stimme doch auch deutlich mehr Authentizität. Zudem entpuppen sich Instrumentalstücke wie z. B. Kapsbergers »La Capona« und später »Arpeggiata« als wahre Kleinode und angenehme Hör-Intermezzi.

Der zweite Teil ist ganz dem Liedschaffen des großen englischen Barockkomponisten Henry Purcell gewidmet. Hier findet sich auch das Titelstück »Music for a while«, das der Oper »Ödipus« entnommen ist. Im dritten Teil erklingen vier Lieder von John Dowland und die Robert Johnsons »Fantasia«. Fazit: Eine abwechslungsreiche Barock-CD, die für Anhänger der Mezzo-Sopranistin wie für Kenner der Barockliteratur gleichermaßen interessant sein dürfte! (ano)

Anne Sofie von Otter: Music for a While – Baroque Melodies

 

I Let The Music Speak
(2006, Deutsche Grammophon 00289 477 5901)

Es wäre auch zu schön gewesen: dass eine klassisch geschulte Stimme glaubwürdig Pop singen kann. Wir wissen, wie oft dieser Zusammenprall der Welten fatal ausging, populärstes Beispiel: Peter Hoffmann. Die allseits gerühmte schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter weiß immerhin, dass man im Pop-Genre – anders als in ihrer klassischen Heimat – nicht übertreiben darf: Kleine, wohl dosierte Gesten bewirken hier mehr als ausladende Gesten, die sogar alles zerstören können.

Das alles weiß die Otter wie gesagt und interpretiert daher auf »I LET THE MUSIC SPEAK« Songs von ABBA und Andersson/Ulvaes in einer für sie unerwarteten Bescheidenheit. Ihr Bemühen, alles »richtig« zu machen, geht jedoch so weit, dass ihre makellose Stimme schon wieder gefühllos und künstlich klingt. Pop – selbst ABBAs glitzernder »Plastik-Pop« – braucht eben hin und wieder Ecken und Kanten, um Pop zu sein. Noch am gelungensten geriet »When All Is Said And Done«, aber selbst hier wirkt Anne Sofie von Otters Vibrato zu mächtig im Vergleich zur luftigen Westcoast-Begleitung. (peb)

Anne Sofie von Otter: I Let The Music Speak

 

mit Brad Mehldau: Love Songs
(2 CDs, 2010, Naïve V5421)

Anne Sofie von Otter hörte Brad Mehldaus Duoalbum mit Renée Fleming und bekam sofort Lust, ihn um eine ähnliche Zusammenarbeit zu bitten. Gedacht, getan, schnell kam man zusammen; Mehldau, zwar klassisch ausgebildeter Pianist, aber höchst renommiert als brillanter, stilistisch unlimitierter Jazzstar, ist stets dankbar für Chancen, auch in der »E-Musik« - Achtung, Wortspiel! - ernstgenommen zu werden, schrieb ihr sieben Liebeslieder zu Gedichten von E. E. Cummings, Sara Teasdale und Philip Larkin. Das ergibt ein kurzes und solides Album, wobei Mehldaus Stärken eindeutig nicht in der Kompostion klassischer Kammermusik liegen. Die Lieder bemühen sich um Leichtigkeit, bleiben aber, bei aller optimistischen Grundstimmung, ziemlich angestrengt und unsinnlich.

Ganz anders das zweite Album, das die Kollektion von Liebesliedern erst richtig interessant macht, das dreizehn französische Chansons sowie englische und schwedische Lieder verschiedenster Herkunft völlig neu präsentiert, als ebenbürtige Begegnung von Jazzpiano - unaufdringlich, leise improvisierend, wofür Mehldaus Fans (zu denen sich auch der Rezensent seit 15 Jahren rechnet) ihn schätzen - und klassisch geschultem, latent opernhaftem Gesang. Das Ergebnis ist keine Popmusik, trotz Léo Ferré, Joni Mitchell, Michel Legrand, Brel, Demy, McCartney und gleich zwei mal Barbara, sondern eine melancholisch-eindringliche und trotzdem leichtfüßige Auswahl jenseits von Stil- und Genregrenzen. (ijb)

Anne Sofie von Otter: mit Brad Mehldau: Love Songs

 

10 Classic Albums
(2015, Deutsche Grammophon 289 479 4369, 11 CDs)

Dass Anne Sofie von Otter unlängst bereits ihren 60. Geburtstag feierte, überraschte uns dann doch. Klar, in ihrer Karriere hat die Starmezzosopranistin viel erreicht, größere Vielseitigkeit bewiesen als die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen, und seit 30 Jahren ist sie nicht mehr wegzudenken aus Europas Musikszene. Doch so jugendlich wie die Stockholmerin – trotz weißem Haar – nach wie vor auf Fotos wirkt, staunt man doch, dass sie mittlerweile ihr siebtes Lebensjahrzehnt genießt. Ihr Hauslabel Deutsche Grammophon gratulierte mit einer Zusammenstellung, die erwähnte Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Box heißt zwar »10 CLASSIC ALBUMS«, geboten werden aber sogar 11 CDs – und beileibe nicht nur »Klassik«.

Wo soll man anfangen bei der Würdigung dieses Lebenswerks, worauf den Fokus legen, was empfehlen? Keine leichte Aufgabe. Die Kompliation erfolgreicher Alben umfasst Aufnahmen von 1989 bis 2002, und man hätte ebenso gut zehn andere CDs aus den letzten 30 Jahren auswählen können. Die älteste Aufnahme der Box präsentiert 24 Lieder von Johannes Brahms, begleitet von Pianist Bengt Forsberg, mit dem Frau von Otter seit 1980 zusammenarbeitet. Ein erstklassiger Startpunkt für jeden Neuling ihrer Diskografie. Weitere CDs bieten Lieder von Richard Strauß, Alban Berg, Korngold, Offenbach oder Jüngeres schwedischer Komponisten (Alfvén, Rangström, Linde etc.).

Als aus der populären Musik herbeikommender Hörer empfiehlt sich z.B. die ganz und gar berückende CD »For The Stars«, das mal kammermusikalische, mal chansoneske, mal zart folkloristische Popsongs von den Beach Boys, ABBA, Tom Waits, McCartney und anderen bietet. Neben Costello und Forsberg wirken u.a. Svante Henryson, Johan Lindström und das Fleshquartet mit. Weiterhören kann man dann mit den Liedern von Kurt Weill, 1993 mit dem NDR-Sinfonieorchester, John Eliot Gardiner und Gastsängern in Hamburg aufgenommen. Es werden »Die sieben Todsünden« und 13 weitere, nicht nur gassenhauermäßig bekannte Lieder geboten, etwa aus »Happy End« und »Lady in the Dark«. Auch mit den 31 »Mots d'Amour« der französischen Komponistin und Pianistin Cécile Chaminade (1857-1944), beweisen von Otter und Forsberg zeitlose Popsensibilität.

Wer es barock oder operesk mag, greife hingegen zu einer der beiden mit Reinhard Goebel und Musica Antiqua Köln eingespielten CDs mit u.a. Purcell, Monteverdi, Vivaldi, Ferrandini und vor allem Händel. Letzterer ist auch Fokus der Bonus-CD mit Szenen und Arien aus der Oper »Ariodante« (1997 auf 3 CDs erschienen). Wer hier nichts Anregendes oder Mitreißendes findet, dem ist nicht mehr zu helfen. (ijb)



Siehe auch:
Svante Henryson
Johan Lindström
Fleshquartet

Anne Sofie von Otter: 10 Classic Albums



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