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Alle Rezensionen zu The Thing
(Genre »Avantgarde«, Land »Grenzgänger«)

 

Live At Blå
(2005, Smalltown Superjazzz/Rough Trade STSJ099CD)

Freejazz-Aufnahmen sind immer so eine Sache, weil sie eine Musik konservieren, die eigentlich nur für den Augenblick gemacht ist. Es sei denn, es handelt sich um ein wirklich gutes Live-Konzert wie den Auftritt von The Thing im Osloer Club Blå. Der schwedische Saxophonist Mats Gustafsson und die beiden Norweger Ingebrigt Håker Flaten (Bass) und Paal Nilssen-Love (Drums), übrigens auch die Rhythmus-Gruppe des Trios Scorch, hatten dort im Juni 2003 einen mitreißenden Auftritt hingelegt, dessen elektrisierende Stimmung dank der hervorragenden Aufnahme auch auf CD überspringt.

Wie eine leise summende Hummel beginnt das Saxophon, um sich schon bald in schneidende Höhen zu schrauben. Bass und Schlagzeug stricken darunter einen ebenso massiven wie komplexen Teppich, der Mats Gustafsson zu immer neuen Ausbrüchen animiert. Dabei ist dies überhaupt kein anstrengender Hau-Drauf-Freejazz, denn immer wieder schrauben die drei ihre Klanggewitter auf leise Geräuschflächen zurück, bauen hymnische Melodien oder groovige Bluesrock-Zitate ein, die Halt beim Hören geben. Diese Stellen elektrisieren auch das Publikum hörbar, was einem die Aufnahme zusätzlich nahe bringt. Auch auf Elektronik verzichtet das Trio, selbst wenn manche instrumentalen Säge-Sounds doch sehr danach klingen.

Insgesamt sind die beiden halbstündigen Sets überraschend spannend und abwechslungsreich, oft am emotionalen Limit operierend, ebenso rauh und grob wie überlegen lässig, und dabei trotz aller rasenden, kreischenden Ausbrüche von beeindruckendem technischem Niveau und Zusammenspiel. Am Ende darf auch der CD-Hörer die Arme hochreißen und »Bravo« schreien. Denn das hier ist schließlich live, beinahe. (sep)



Siehe auch:
Mats Gustafsson
Paal Nilssen-Love
Scorch Trio
Ingebright Håker Flaten Quintet

The Thing: Live At Blå

   

Garage
(2004, Smalltown Superjazzz/Rough Trade STS078CD)

Es gibt Tage, da ist man ausgeruht und aufnahmebereit. Muss nicht nebenbei abspülen oder gleich zum nächsten Termin hetzen. Man möchte mit wachem Geist Freejazz-Abenteuer erleben und musikalische Überraschungen wie Ohrfeigen ins Gesicht geklatscht bekommen. Für diese Momente empfiehlt sich der neueste Streich des wohl radikalsten skandinavischen Jazz-Trios The Thing.

Die Norweger Ingebrigt Håker Flaten (Kontrabass) und Paal Nilssen-Love (Drums), bereits tätig für die Avantgarde-Jazzer Atomic oder mit Raoul Björkenheim im Scorch Trio, legen eine nervös zappelnde Rhythmik, die an allen Ecken an einem zupft, zerrt und zwickt. Dazu kreischt, bellt und krächzt der schwedische Saxofonist Mats Gustafsson seine heiseren atonalen Schreie, bis zu schieren Erschöpfung und darüber hinaus. Wer ganz genau hinhört, kann erkennen, dass hier Songs von den Yeah Yaeh Yaehs, den White Stripes oder den Sonics gecovert werden. Und da sage noch mal einer, Death Metal sei harte Musik. (peb)



Siehe auch:
Atomic
FIRE! with Jim O’Rourke



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