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Alle Rezensionen zu Bobo Stenson Trio
(Genre »Jazz«, Land »Schweden«)

 

Contra la indecisíon
(2018, ECM/Universal ECM 2582 | 578 6976)

Sechs Jahre sind vergangen seit der letzten Aufnahme dieses Trios, und noch mehr als bei »INDICUM« besticht »CONTRA LA INDECISIÓN« durch das traumhaft sichere Zusammenspiel des Pianisten mit Anders Jormin am Kontrabass und Jon Fält am Schlagzeug. Bobo Stenson hat nach wie vor einen sehr kultivierten Anschlag, als Tastenderwisch muss sich der zum Zeitpunkt der Aufnahme 72-jährige Schwede nun wirklich nicht mehr inszenieren. Anders Jormin ist auch mit dem Bogen ein Meister am Bass, zudem hat er fünf der elf Stücke komponiert. Jon Fält ist der Jüngste im Bunde, er belebt das musikalische Geschehen spürbar.

Auffallend ist die enorme Bandbreite der Stücke. Den sechs Eigenkompositionen, eine lediglich von Stenson, stehen vier Fremdkompositionen gegenüber. Die CD beginnt mit dem Titel gebenden »Canción Contra La Indecisión« des kubanischen Gitarristen Sivio Rodríguez, ein sehnsuchtsvoller Song mit schöner Melodie. Weitere Kompositionen stammen von Béla Bartók, Erik Satie und dem spanischen Komponisten Frederic Mompou – Bobo Stensons Trio macht aus all dem ganz eigene Musik. Dazu kommt mit »Kalimba Impressions« noch eine Trio-Improvisation. Insgesamt bewegt sich das Bobo Stenson Trio auf sehr hohem Niveau, wobei der Fokus auf der Nähe zur klassischen Musik und der Interaktion der drei Musiker liegt. (tjk)



Siehe auch:
Anders Jormin
Bobo Stenson, Anders Jormin, Paul Motian

Bobo Stenson: Contra la indecisíon

Offizielle Website

Offizielle Website      bobostenson.com

   

Indicum
(2012, ECM/Universal ECM2233 / 279 4575)

Wenn Stenson seinen Veröffentlichungsrhythmus beibehält, wird er bei seinem nächsten Album über siebzig Jahre alt sein. Von Alterswerk zu sprechen ist also nicht fehl am Platz. Der schwedische Pianist pflegt, trotz Besetzungswechseln, sein entspanntes Trio wie Coppola seinen Weinberg, und »INDICUM« bildet natürlich keineswegs einen Ausreißer aus dem ruhigen Tonfall dieser Reihe, sondern fügt sich ein wie eine weitere Schattierung. So fällt es manchmal schwer, nicht in die allgemeine Begeisterung einzustimmen.

Ohne Frage spielt hier ein meisterhaft sicheres Trio, doch ganz gleich, ob sie Bill Evans spielen, norwegische Tradition (im Arrangemant von Langeland und Jormin), ob deutsches Liedgut von Wolf Biermann, argentinischen Folk von Ariel Ramírez, dänische Klassik von Carl Nielsen oder junge norwegische Musik von Ola Gjeilo - oder frei Improvisiertes, die vielen Einflüsse verschwinden letztendlich hinter einer doch recht sauberen Politur, die alles einebnet. Und so können 70 Minuten auch ein bisschen lang(weilig) werden, allem Können zum Trotz. (ijb)



Siehe auch:
Ola Gjeilo
Carl Nielsen
Sinikka Langeland

   

Cantando
(2008, ECM/Universal 177.546-2)

Auf den ersten Blick bleibt ein gigantisch gutes Trio beim bewährten Konzept: Stücke von jazzfernen Komponisten wie Alban Berg und Petr Eben, unbekannte von bekannten Jazzern wie Don Cherry und Ornette Coleman, ein Tango von Piazzolla und ein Song von Silvio Rodriguez – lauter Überraschungen bei anderen, nicht aber bei Bobo Stenson.

Der Meister der pianistischen Reduktion und Anders Jormin (Bassist und auch Komponist zweier Stücke) spielen ernst, elegant, eklektisch, Ehrfurcht gebietend geradezu. Und doch ist etwas anders als bisher: Statt Jon Christensen sitzt Jon Fält hinter den Trommeln. Ein Meister auch er, mit manchmal ganz anderem Ansatz. Das aber ist zu wenig an Innovation und Überraschung für das Bobo Stenson Trio, das sich auf höchstem Niveau langsam dem Entschlafen in intellektueller Langeweile nähert. (tjk)

   

Serenity
(2000, ECM/Universal 543.611-2)

Von allen großen Piano-Trios des Jazz ist dieses sicher das am wenigsten swingende, trotzdem eines der besten. Bobo Stenson, Anders Jormin (b) und Jon Christensen (dr) haben ein unverwechselbares Klangbild geschaffen und ein Niveau an Musikalität, Interaktion und Spielkultur erreicht, das kaum ihresgleichen findet. Auf »SERENITY« treiben sie ihre Fähigkeiten bis zum Exzess und darüber hinaus. Stenson beschränkt sich weitgehend auf seine rechte Hand, Christensen trommelt, wie wenn Christensen wie Christensen trommeln will (straight ahead? no thanks!), und so bleibt viel Raum für Jormins Bass. Aber auch der ist sehr verliebt in den Sound, lässt das Holz herrlich knurren und Töne lange stehen.

Das führt zu großartigen Stücken wie Stensons »Golden Rain«, Jormins »Simple & Sweet« und Wayne Shorters »Swee Pea«, aber nicht allzu viel Groove – Jormins »T« ist noch das lebhafteste Stück). Oft allerdings übertreiben es die drei mit dem hochintellektuellen Ziselieren noch kleinster melodischer oder harmonischer Wendungen. Anstatt selbst zu spielen, hört jeder mehr den anderen zu – die machen's aber genauso. Und die Adaptionen von Eissler, Alban Berg und Charles Ives sind hochinteressant und über jeden Zweifel erhaben, aber insgesamt wünscht man sich doch etwas mehr »balls«. (tjk)



Siehe auch:
Parish
Don Cherry

   

Reflections
(1996, ECM/Universal 523.160-2)

Bobo Stenson (p) und Jon Christensen (dr) spielen schon seit Ende der 60er Jahre zusammen (bei Garbarek z.B.) und kennen auch Bassist Anders Jormin schon lange: Kein Wunder also, dass sich zwischen diesen Dreien ein geradezu blindes Verständnis entwickelt hat – und das bei den persönlichen stilistischen Eigenheiten von Stenson und Christensen!

Im Vergleich zur späteren »SERENITY« hat hier jedoch noch die »Spielfreude« die Oberhand über die »Spielkultur«, das heißt: Es passiert mehr, auf trotzdem extrem hohem Niveau. »The Enlightener« hat einen wunderbar frei fließenden Groove, wogegen »My Man's Gone Now« nur hingetupft ist. Stensons zehnminütiges »Mindiatyr« steigert sich langsam von kleinen Figuren über ein Arco-Solo von Jormin bis zur eigentlichen Melodie und beginnt dann quasi von neuem: Das ist des Piano-Trio »state of the art«. (tjk)



Siehe auch:
Verschiedene: Northern Lights – String Of Fire III
Tingvall Trio



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