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Lange Rezensionen 551 - 560 von 567 im Genre »Folk« (insgesamt 895)

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Wimme: Mun
(2010, Westpark /Indigo 87185 ) - Finnland

Endlich! Nach sechs Jahren wieder ein Lebenszeichen von einerm der progressivsten Joiker. So virtuos, wie der finnische Wimme auf seinen bisherigen CDs Samples und Sequencer mit traditionellen Joiks verschmolz, so verwundert es doch, dass er den ganzen Technik-Kram jetzt links liegen lässt. Doch es passt zu seiner Art, stets das Unerwartete zu tun, immer wieder eingeschlagene Wegen zu überdenken und zu korrigieren.

Mit »Mein« – so der übersetzte Titel dieser CD – konzentriert sich der Sänger auf akustische Instrumente ... und die Erfahrung seiner phantastischen und renommierten Begleiter, wie etwa Sängerin Ulla Pirttijärvi, Bassist Pekka Lehti oder Tapani Rinne und Juuso Hannukainen von der NuJazz-Band RinneRadio. Auf gewissen Weise klingt »MUN« dadurch eingängiger als bisherige Werke, wobei das Album eingefahrene Pop-Hörer noch immer mit seiner Experimentierfreude und stilistischen Offenheit vor den Kopf stoßen wird. (peb)



Mehr CDs von Wimme



Siehe auch:
Tapani Rinne
Ulla Pirttijärvi

Pekka Lehti


 Wimme: Mun

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Wimme & Rinne: Human
(2017, Westpark ZENCD 2164 / WP87338 ) - Finnland

Der Joiker Wimme Saari und der Bassklarinettist und »Techno-Jazzer« Tapani Rinne haben schon oft in ihren langen Karrieren zusammengearbeitet, sich etwa gegenseitig auf ihren Alben unterstützt. »HUMAN« ist ein Gemeinschaftswerk, und es ist bei aller aufs erste Hören samischer Musik aufscheinenden Fremdartigkeit ausgesprochen zugänglich. Wimme und Rinne haben hier sicher ein paar Zugeständnisse an den europäischen Markt gemacht, das Ergebnis ist aber in jedem Fall mehr als hörenswert, »HUMAN« wird bei jedem Hören besser.

Ein Kaleidoskop an Stimmungen findet man auf dieser CD, was nicht nur Englisch zu verstehen ist: »HUMAN« bedeutet auf Samisch »Ich spreche«. Man hört direkt aus den Boxen, wieviel Vergnügen es Rinne und die Produzenten Tuomas Norvio und Mikko Konstinen bereitet hat, alle mit einer Bassklarinette erzeugbaren Klänge zu verwenden, zu sampeln, zu verändern – sei es der tatsächlich gespielte Ton, das tonlose Hineinblasen oder das Geklapper der Tasten und Klappen. Das reicht häufig, um den Sound dieser CD zu definieren: nicht allzu üppig, und eher warm als arktisch kalt. Dazu kommen noch ein paar Gäste wie die norwegische Choreographin Elle Sofe Henriksen, die sich im nach ihr betitelten Opener als hervorragende Joikerin entpuppt, sowie Ilpo Väisänen (Pan Sonic) und DJ Slow. Sogar Iro Haarla hat sich bei »You« an den Flügel im Studio gesetzt.

»Rock« (hier in der Bedeutung Felsen) beginnt mit heftigen Schlägen, ganz anders das Liebeslied »You«, in dem Wimme textlose Gesangslinien fließen läßt und Rinne diese mit seinem Altsaxophon kommentiert. In »Spotted Crake«, einem Lied über das Tüpfelsumpfhuhn, ist auch Elle Sofe wieder dabei, die Stimmen von Wimme und ihr ergänzen sich perfekt. Das Titelstück wiederum spiegelt die fröhliche Stimmung auf einem arktischen Markt, unterlegt von so etwas wie Disco-Klängen – das sollte Giorgio Moroder mal hören! Ganz anders und kontemplativ klingt »Sounds Of Snow«, dem man gerne noch mehr als die knapp fünf Minuten gegönnt hätte. (tjk)



Siehe auch:
Wimme
RinneRadio

Tapani Rinne

Iro Haarla


 Wimme & Rinne: Human

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Woetmann: Nøgne Fødder
(2017, GO´Danish Folk Music GO0816 ) - Dänemark

Mit flinken Gitarrenpickings, ruhigem Selbstbewusstsein und einer stillvergnügten Freude am eigenen musikalischen Tun macht sich Brian Woetman auf, seine eigene kleine Nische zwischen Folk, Jazz und Singer-Songwriter-Sounds zu besetzen. Nøgne Fødder, übersetzt also nackte Füße, so hat er sein Solodebüt in aller Bescheidenheit genannt. Und stapelt damit ziemlich tief, denn diese sechs Instrumentaltracks und sieben Songs mit dänischen und englischen Texten zeigen eine hohe Virtuosität und ein quicklebendiges Spiel mit unterschiedlichen Genres. Woetman spielt Mandoline, Bouzoki, Akustikbass, Digeridoo,Bodhrán und Akkordeon, als sei dies eine Selbstverständlichkeit. Dass er gleichzeitig Mitglied des Ensembles Danish Tradish, das sich vor allem der Tradition irischer Musik widmet.

Erst beim dritten Hören versteht man wirklich, mit welcher Souveränität Woetman hier zwischen Blues-Anspielungen, Walzer, Latin und irischen Traditionals wechselt und zwischendurch mal eben so Ian Anderson covert. Mit anderen Worten: Wer dieses vermeintlich unscheinbare Kästlein öffnet, entdeckt einen wahren musikalischen Schatz voller ruhiger Schönheit!
(emv)

 Woetmann:  Nøgne Fødder

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Yana: Enyojk
(2002, Sami Music Entertainment YANACD2002 ) - Schweden

Mit nur fünf Songs und 20 Minuten hat Yana Mangis Debüt leider nur EP-Länge, doch die in Kiruna lebende Joikerin beweist musikalisches Profil: Das fröhliche »Altajärvi« sang sie an ihrem Hochzeitstag, als sie am 1.1.2000 im Jukkasjärvi Eishotel ihren Drummer Tobbe Broström ehelichte – mitverfolgt von etwa einer Billion Leute, die die Milleniumsfeier am TV-Bildschirm betrachteten. Das folgende »Fryzen« klingt genau wie »gefroren«: bedrohlich, langsam fließend, für die Ewigkeit manifestiert, aber bei den englischen Passagen etwas zu süßlich aufbereitet.

Bei »Enyojk« darf dann Ehemann Tobbe loslegen mit wild anpeitschendnen, fast Industrial-ähnlichen Beat und Tribal Drums, bis mit dem schwebenden »Sárákká« – ein beschwörendes Lied über die samische Göttin der Schöpfung und der Wächterin über die neu geborenen (Menschen- und Rentier-) Babies – die stilistisch bunt gefärbte CD leider viel zu früh endet. (peb)



Siehe auch:
Enyojk

 Yana: Enyojk

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Yggdrasil: Live in Rudolstadt
(2004, Tutl HJF 99 ) - Färöer

Eivør Pálsdóttir wird von vielen als »färöische Björk« bezeichnet. Dies aber nur wegen ihrer Durchsetzungskraft und dem Zauber ihrer mühelos durch sämtliche Lagen und Skalen turnenden Stimme. Dem Experimentiergeist ihrer isländischen Kollegin eifert die zum Zeitpunkt dieses Live-Mitschnittes 20jährige nicht nach – Pálsdóttir hält stattdessen die Volksmusik ihrer Heimat lebendig, transponiert in einen windzerfetzten Jazz-Kontext.

Überhaupt, die Landschaft: Die Stimme geht auf und ab wie die Täler, sie atmet Regen und Schnee. Sie erzählt ähnlich dem Kreischen der Vögel von Freiheit und der rauen Natur, während Anders Hagbergs Saxofon wie der Westwind an den Kleidern rüttelt und der Wellenschlag von Kristian Blaks Piano in mystischem Tonfall raunt. Es gibt keine bessere Musik, wenn man mit der Fähre nach Tórshavn einläuft. Bedrohlich und ekstatisch, tröstend und dann wieder harsch und mit zahlreichen Brüchen durchsetzt verausgabt sich das färöische Sextett Yggdrasil in färöischen Balladen, Inuit-Songs, Shetland-Tunes und ihren eigenen Ethno-Jazz-Ausflügen. Yggdrasil ist die durchweg faszinierende musikalische Blaupause der Inseln. (peb)



Mehr CDs von Yggdrasil



Siehe auch:
Eivør Pálsdóttir
Kristian Blak & Yggdrasil

Anders Hagberg

Kristian Blak


 Yggdrasil: Live in Rudolstadt

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Ylja: Ylja
(2014, BESTE! UNTERHALTUNG /Broken Silence BU056 ) - Island

Weniger ist mehr! Ylja, das musikalische Projekt der beiden Schulfreundinnen Gígja Skjaldardóttir und Bjartey Sveinsdóttir aus Reykjavík, setzt auf seinem selbst betitelten Debütalbum auf bewusste Zurückhaltung und schlichte Schönheit. Das Quintett um die beiden Sängerinnen zelebriert zarte rauchblaue Songs entlang der Grenze von Americana-Folk und verträumtem Balladenpop. Stimme und Akustik-Gitarren: Mehr braucht es hier nicht, um ein feines Lagerfeuerchen anzünden, an dem man sich wohlig wärmen kann. Mitunter klingen Ylya so wie die stilleren kleinen Schwestern der schwedischen Folk-Troubadourinnen First Aid Kit.

Wer nun denkt, dass hier bloß verhuschte Träumerinnen am Werk sind, der hat sich getäuscht: Zum Live-Repertoire von Ylja gehört eine hinreißende Cover-Version von Daft Punks Überhit »Get Lucky«. Den eigenen Stil beschreiben Ylja übrigens sehr treffend als »akustischen Pop«. Inspirieren lässt man sich übrigens von der überwältigenden isländischen Natur - und dem wilden Atlantik! Dasss die junge Band auf dem Erstling ausschließlich auf isländisch singt, tut dem Verständnis übrigens keinen Abbruch: Dass es im beschwingten und zärtlichen »Á Rauðum Sandi« um den allzu kurzen isländischen Sommer geht, erschließt sich auch ohne Kenntnis der Landessprache: Man sieht geradezu die Elfen dazu tanzen! (emv)



Siehe auch:
First Aid Kit

 Ylja: Ylja

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Laila Yrvum: Langs Veien
(2012, Heilo HCD7242 ) - Norwegen

Laila Yrvum ist auf ihrem ersten Soloalbum in eine altbekannte Falle getappt: Sie hat sich viel zu viel vorgenommen! Die Sängerin, in ihrer Heimat die wohl wichtigste musikalische Repräsentantin der Traveller-Kultur der Roma, will auf »LANGS VEIEN« in 14 Songs durch Vielseitigkeit glänzen und geht auf der Strecke auf zahlreichen Nebenpfaden verloren. »Na, was wollen Sie denn nun wirklich, Frau Yrvum«? möchte man ihr fragend zurufen. Los geht es mit »Barndom« , einem A-Capella-Stück mit Kinderchorbegleitung, das gut und gerne auch auf einer Gewerkschafts-Kundgebung intoniert werden könnte. Und damit ist nur der Auftakt gemacht durch eine Reise, die zwischendurch den Schlager streift (»Livets Karrusell«), mit dem Bossanova-Pop flirtet, dem verlangsamten Tango huldigt und leise jazzige Anklänge pflegt. Dass die Sängerin mit Wonne auf bluegrassigen Americana-Folkweiden verweilt und die Slide-Gitarrw schluchzen lässt, ist vielleicht die einzige Konstante, die sich hier finden lässt.

Heimelig und harmonisch geht es hier zu. Aber leider auch harmlos. Trotz all der Genre-Hüpferei scheut sich Yrvum tunlichst davor, irgendwo anzuecken. Die grundsympathische Sängerin schafft, unterstützt von kundigen und einfühlsamen Begleitmusikern wie Tom S. Lund an der Gitarre ein Wohlfühl-Universum, in man auf angenehme Art verweilen mag. Aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt sie nicht. Eigentlich schade! (emv)

Laila Yrvum: Langs Veien

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Zar: Der Brænder En Ild
(2008, Eigenverlag /Gateway ZAR0308 ) - Dänemark

Sie gehören zur Speerspitze junger dänischer Folktalente: Das hochgelobte Quintett Zar demonstriert mit dem Album Nummer 3, dass Folklore modern und mitreißend ausfallen kann, wenn sie sich nicht hermetisch abschottet, sondern den Austausch sucht. So ging die Truppe um Sängerin Sine Lahm Lauritsen diesmal für die Aufnahmen nach Nashville/Tennessee in das Studio von Gary Paczosa, der auch schon mit Country-Ikonen wie Alison Krauss oder Dolly Parton arbeitete.

Obwohl der Klang etwas muffig ausfiel, tritt der weltoffene Ansatz von Zar sehr schön zutage: Feurige Bluegrass-Tanzlieder, fast Pop-verwandte Balladen, jazziger Swing und Singer/Songwriter-Besinnlichkeit reichen sich die Hand zum fröhlichen Reigen. Außerdem hat in den Traditionals trotz des dänischen Ursprungs ganz offensichtlich die gemütliche Lässigkeit der amerikanischen Südstaaten-Folkmusic abgefärbt. (peb)

 Zar: Der Brænder En Ild

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Zenobia: Fra Fynske Kyster
(2013, GO‘ Danish Folk GO 0713 ) - Dänemark

Ganz dem dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865-1931) haben sich die Sängerin Louise Støjberg, die Akkordeonistin Mette Kathrine Jensen und die Pianistin Charlotte Støjberg gewidmet – ganz, weil sie fast in jedem Konzert ein Stück des bekanntesten dänischen Klassikers spielen. Nielsen wiederum ist in der dänischen Musik allgegenwärtig, seine Lieder werden in der Schule, in Kirchen und bei allen möglichen Gelegenheiten gesungen.

»FRA FYNSKE KYSTER« haben Zenobia die CD genannt, von den Küsten Fünens also. Nielsen stammte von Fünen, die dänische Volksmusik war ihm zeitlebens ein großer Einfluss. Das Trio erweitert das Klangspektrum behutsam mit verschiedenen Gästen an Bass, Gitarre, diversen Streich- und Blasinstrumenten. Zenobia bleibt dennoch Zenobia, dafür sorgt nicht zuletzt Louise Støjberg mit ihrer ausdrucksstarken Stimme. Die Lieder von Carl Nielsen werden schön aufgefrischt, Zenobia biedern sich aber keineswegs an Popmusik an und bleiben sich treu, irgendwo zwischen Volksmusik und Kammermusik. Nicht nur für Dänen ein Gewinn! (tjk)



Mehr CDs von Zenobia



Siehe auch:
Carl Nielsen
Danish Roots

Dwight Lamb, Jensen & Bugge

Kvasir


 Zenobia: Fra Fynske Kyster

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Kristofer Åström: From Eagle To Sparrow
(2012, Startracks /Indigo STAR 165133-2 ) - Schweden

Die Stimme und seine Songs sind das eigentliche Kapital des Schweden. Kristofer Åström, der einst als gestandener Rocker bei der Band Fireside auf sich aufmerksam machte, gibt schon lange den vom Leben geschundenen Cowboy, den Loner, der mit akustischer Klampfe, Mundharmonika und gebrochenem Herzen durch die Lande zieht. Der von Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und den Fallstricken der Liebe erzählt und sein ganzes Leben lang rast- und haltlos zu sein scheint. Ob dieser Schein trügt? Keine Ahnung. Jedenfalls überzeugt Kristofer Åström – schwarzweiß fotografiert mit speckiger Jeansjacke und fettigen Haaren so wirkend, als hätte er einige Monate unter der Brücke genächtigt – als Underdog-Poet so sehr wie schon lange nicht mehr. Bob Dylan hätte sicher sein letztes Hemd dafür gegeben, wenn er so eine Stimme gehabt hätte.

Zuletzt war es vielleicht 2004, als der schwedische Singer/Songwriter unsere Herzen mit dem resigniert-reduzierten Solo-Opus »LOUPITA« so bittersüß von innen her erwärmte und gleichzeitig so unerfüllt zurück gelassen hat. Nebenbei bemerkt: Auf genau jene CD, die anscheinend eine zentrale Rolle für den einsamen Wolf spielt, verweisen auch die zwei Instrumental-Tracks »Loupita #5« und »Loupita #6«. Wem der nasskalte Winter schon auf's Gemüt schlägt, dem wird »FROM EAGLE TO SPARROW« den perfekten Soundtrack dafür liefern. (peb)



Mehr CDs von Kristofer Åström


Zum Artikel über Kristofer Åström

Kristofer Åström: From Eagle To Sparrow

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Lange Rezensionen 551 - 560 von 567 im Genre »Folk« (insgesamt 895)

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