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Lange Rezensionen 1 - 20 von 557 im Genre »Folk« (insgesamt 881)

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A K T: Alma
(2019, Svart Records SVART 208 CD ) - Finnland

Hinter A K T verbirgt sich ein Trio aus dem argentinischen Tangosänger Martin Alvarado, dem Saxophonisten Eero Koivistoinen und dem Pianisten Alexi Tuomarila – beide gehören zu den wichtigsten und bekanntesten Jazzmusikern Nordeuropas. Ähnliche Reputation genießt auch Alvarado, er bekam schon das Schild »The voice of Tango in the 21st century« um den Hals gehängt. Nach einem Konzert in Barcelona 2002 wurde er nach Finnland eingeladen, wo er seither mit verschiedenen Besetzungen häufig auftritt. A K T unternehmen auf »ALMA« eine stilübergreifende musikalische Entdeckungsreise.

Die meisten Stücke stammen vom Trio selbst, wobei Alvarado die Texte schrieb und Koivistoinen oder Tuomarila die Kompositionen beisteuerten. Sie bewegen sich dabei rund um den Tango – wobei sie das nicht allzu genau nehmen, hier klingt es fast kammermusikalisch streng, dort erklingt jazziger Überschwang. Nur mit Saxophon (meist Tenor, nur selten greift der Großmeister zum Sopran) und Flügel schaffen die beiden Finnen eine gleichermaßen geschmeidige wie rhythmisch akzentuierte Umgebung, in die Alvarado mit seiner beeindruckend ausdrucksvollen Stimme eintaucht – er kann die gesamte Bandbreite an Gefühlen in Töne umsetzen. Als besondere Leckerbissen präsentiert dieses phantastische Trio sogar einen finnischen Tango-Klassiker: »Estrellas Sobre El Mar« ist natürlich »Tähdet Meren Yllä« von Unto Mononen, als letzten Höhepunkt zelebrieren sie »Volver« von Carlos Gardel. Bei aller musikalischer Meisterschaft: »ALMA« bedeutet auf Spanisch Seele – und der Titel passt! (tjk)



Siehe auch:
Eero Koivistoinen
Alexi Tuomarila

Eero Koivistoinen & UMO Jazz Orchestra

Drifter


 A K T: Alma

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Aallotar: Ameriikan Laulu
(2018, /Broken Silence NN111 ) - Finnland

Der finnisch-amerikanische Kulturaustausch klappt bestens! Zwar trennt ein Ozean die Fiedlerin Sara Pajunen und die Akkordeonistin Teija Niku. Und ein Jahrhundert! Die Vorfahren der beiden Musikerinnen lebten in Westfinnland. Sprachen dieselbe Sprache und spielten dieselbe Musik. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wanderten die Verwandschaft von Sara Pajunen allerdings in die USA aus. Auch die Familie von Teija Niku emigrierte zwischenzeitlich in die Neue Welt, kehrte aber noch vor dem ersten Weltkrieg wieder nach Finnland zurück. Heute machen sich die beiden Künstlerinnen, die in Helsinki und Minneapolis leben, zusammen auf Spurensuche. Entdecken das gemeinsame Erbe der finnischen Folkmusik auf beiden Seiten des großen Teichs. Und erschaffen anmutige, beschwingte Klänge, welche die beiden unterschiedlichen Kulturen widerspiegeln.

Mit »AMERIIKAN LAULU« (das Lied von Amerika) legen Aallotar ihr zweites Album vor und punkten mit zartem Kammerfolk und wunderbaren Harmoniegesängen. Die Musikerinnen singen auf Finnisch und Englisch. Das Thema Auswanderung nimmt auf großen Raum ein: Der Titeltrack bezieht sich auf ein Lied, das Teijas Urgroßmutter Amanda Jemina Helenius gewidmet ist, die sich als 16jährige ganz allein in die USA einschiffte! In Zeiten, in denen überall neue Zäune zwischen Ländern hochgezogen werden, ist das Album eine kleine Hoffnung darauf, dass uns viel mehr Dinge einen statt trennen! (emv)

 Aallotar: Ameriikan Laulu

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Abild: Methea
(2010, Gofolk GO0910 ) - Dänemark

Alles kommt ja wieder, irgendwann. Manchmal kommt auch etwas wieder, was man gar nicht vermisst hatte, alldieweil man von dessen Existenz nichts wußte. Abild aus Dänemark schaffen hier Abhilfe, mit Hilfe einer Legende, mag sie stimmen oder nicht: im Jahre 1767 gab es eine jüngste Tochter namens Mette Marie (nein, nicht diese Prinzessin, die ist doch Norwegerin). »METHEA«, so der Titel dieser CD, war ihr Spitzname. Jacobsen der Nachname. Eines Tages ward sie 16, stellen wir sie uns blond und hübsch vor. Ihr reicher Vater beauftragte einen Musiker aus Odense, ein Liederbuch für die Maid zu schreiben. Und wie es halt so ist: von der Maid ward nie wieder gehört, aber das Liederbuch wurde 230 Jahre später entdeckt.

Anna Aagaard Hansen (sieben A im Namen, aber nur eine Geige), Theis Juul Langlands (p), Jonas Kongsted Fredriksen (vi, va, mand) und Frey Thyrré Klarskov (g, acc) bemühen sich, die Lieder ins Heute zu retten: redlich, aber doch vergeblich. Es klingt nach Kinderreim, es klingt nach Seilspringen, nach Pippi Langstrumpf (aber vielleicht ist es ja auch umgekehrt, »Dans På Dækket«). Die Melodien nerven, die Band tut zu wenig, um auch nur einen kleinen Spannungsbogen aufzuspannen. Stellt sich also die Frage, ob man jedes Liederbuch, das man irgendwo auf einem verstaubten Speicher findet, unbedingt vertonen muss. (tjk)

 Abild: Methea

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Accordion Tribe: Accordeon Tribe
(1998, Intuition /SMD INT 3220-2 ) - Grenzgänger

Man mag es kaum glauben, doch eine Band bestehend aus fünf Akkordeonisten ist richtig spannend! Zumindest wenn sie Accordion Tribe heißt und aus keinen geringeren als Maria Kalaniemi (Finnland), Bratko Bibic (Slowenien), Lars Hollmer (Schweden), Otto Lechner (Österreich) und Guy Klucevsek (USA) besteht; letzterer spielt auch mit Bill Frisell und wählte als Initiator dieser wahrlich ungewöhnlichen Kollaboration die Übrigen aus, weil diese auch speziell für das Akkordeon komponieren.

Diese CD ist eine Kompilation, die Lars Hollmer anlässlich der 1996er Tour des Quetschkommoden-Fünfers zusammenstellte. Neben Solo-, Duo- und Trio-Aufnahmen der verschiedenen Mitglieder (wobei Maria Kalaniemi auch sehr gut singt!) sind die Höhepunkte hier sicher die Live-Mitschnitte eines Konzertes in Stockholm zu werten, wo die Einzigartigkeit dieser Gruppe deutlich wird – klanglich wie musikalisch. Freilich muss man sich als Hörer darauf einlassen – aber auch die Musiker hatten anfangs ihre Probleme mit Konzept und Ideen der jeweils anderen, wie Maria Kalaniemi in verschiedenen Interviews bestätigte. (tjk)



Mehr CDs von Accordion Tribe



Siehe auch:
Maria Kalaniemi
Lars Hollmer


 Accordion Tribe: Accordeon Tribe

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Acoustic Sense: Absorption
(2010, Gateway Music AJSCD-01 ) - Grenzgänger

»This album is dedicated to the spirit of creation« steht im Innencover dieses Erstlings von Acoustic Sense – das lässt Schlimmes befürchten! Wer hier spiritualitätsgeschwängerte New Age-Klänge (vulgo: esoterischen Quatsch) vermutet, liegt zwar nicht völlig falsch, aber zum Glück auch nicht ganz richtig. Aber gemach: Erst hören! Die Band von und um John Sund ist bereits mit der von »REACHING OUT« ident, Gäste kommen allerdings nicht vorbei. Wie schade.

Die Stücke heißen »Agama Suite Part 1« (Teil 2 gibt’s natürlich auch), »Like A Breeze« oder »An Evening Song«, sind allesamt ziemlich lang und komponiert von »John Sound« - sehr witzig, hahaha. Das Titelstück baut sich behutsam auf, erst ein ganz interessantes Kontrabass-Solo, gefolgt von einem Cello-Solo, in das sich langsam die ganze Band einschleicht. Zusammen pluckert man dann mal sanft, mal mittelflott durch Zeit, Raum und wenige Akkorde. Sund zeigt seine beachtliche Virtuosität auf der akustischen Gitarre – spielen können sie alle, aber das Solieren wird maßlos übertrieben. Stringenz ist dieser Band völlig fremd, scheinbar ziellos fließt alles dahin. Jazz für Meditation? Nein. Musik für Massagen (statt dem dort üblichen Gesäusel und Gezirpe). (tjk)



Siehe auch:
Acoustic Sense & Glas
John Sund

Sund · Shashank · Phalgun


 Acoustic Sense: Absorption

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Acoustic Sense & Glas: Reaching Out
(2014, Gateway Music AJSCD-03 ) - Grenzgänger

Eigentlich verwehren wir uns ja ein wenig gegen eine saubere Unterteilung in Genres und Crossover bzw. Fusion. Soll man denn auch ins Crossover-Fach alles reinwerfen, was sonst nirgends richtig reinpasst? Ist Fusion nicht ohnehin ein Begriff, der aus den Siebzigern so stark geprägt ist, dass man dagegen als Schreiberling nicht ankommt? Hier allerdings passt beim besten Willen keine unserer Schubladen, »Crossover« wäre die beste Wahl, auch wenn es um die Wahl des Herkunftslandes geht.

Bandleader und Komponist John Sund stammt jedenfalls aus Dänemark, und die Platte wurde im Kopenhagener Studio »The Village« aufgenommen. Damit wären die Eindeutigkeiten aber bereits erschöpft. Die Band Acoustic Sense, die der Gitarrist Sund mit Morten Lundsby (kb), John Ehde (vc) und dem Ghanaer Ayi Solomon (perc) führt, besteht seit 2002. Rhythmus spielt bei ihnen eine ziemlich wesentliche Rolle, speziell was Einflüsse afrikanischer Musik betrifft. Doch hier kommen erstens Gäste an Klarinette und Vibrafon sowie ein Schlagzeuger aus Kuba zum Ensemble; und zweitens – und entscheidender – ein weibliches Gesangsseptett, das Sund 2011 per Empfehlung »entdeckte« und das eine ganz ungewöhnliche Farbe mitbringt. Normalerweise singen die Damen (drei Sopranistinnen und je zwei Stimmen im Mezzosopran und Kontra-Alt) a cappella, doch im Zusammenspiel mit dem Instrumentalseptett ergibt sich ein Ensemble, wie man es wohl nie zuvor zu Gehör bekommen hat.

Ursprünglich wollte Sund, dass die Sängerinnen komplett textlos singen, doch schließlich ergab sich, dass einige Texte ideal zum Thema des Albums, des »wundersamen Zaubers« unseres Planeten, der uns prägenden Natur und des größeren Geistes passten. Was der Komponist hier ausgefuchst hat, klingt frisch und zeitlos zugleich, eine Art mit afrikanischer Rhythmik durchsetzter Jazz, traditionelle Elemente aus Süd und Nord(europa) und sich assoziativ abzeichnende Anmutungen Alter Musik. An einem Punkt dürfen die Damen auch mal schrill und geräuschhaft werden. Komplex, ambitioniert, faszinierend und reich. (ijb)



Siehe auch:
Acoustic Sense
Sund · Shashank · Phalgun

John Ehde

Morten Lundsby


 Acoustic Sense & Glas: Reaching Out

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Adjágas: Adjágas
(2005, Trust No One TMR027 ) - Norwegen

Mari Boine gehört zu den Fans des Duos, und das setzt die Messlatte hoch. Lawra Somby und seine Kollegin Sara Marielle Gaup gehören jedenfalls zu einer jungen Joik-Generation, die direkt von ihren Eltern gelernt haben, und das lässt hoffen, dass die Traditionen nicht aussterben, sondern eine zeitgemäße Weiterentwicklung erfahren. Ihre Herangehensweise zeugt von Unvoreingnommenheit und Frische: Mal vermittelt ein vorwitziges Banjo samt schleppenden Stomp-Drums etwas Blues-Flair, dann wieder lassen Tremolo-Gitarren sechsminütige Balladen à la »Rievdadeapmi« (Veränderung) wie im Flug vergehen.

Die Texte? Das Übliche: emotionaler Überschwang, Natur-Meditationen und Freiheitsdrang oder einfach die Gedanken eines geistig verwirrten Sami, der sein Lávvu im Wald statt wie sonst üblich auf einer Anhöhe mit guter Aussicht aufgestellt hat: »How in the world did I get here, how mysterious that I got here?«, so die englische Übersetzung. Auch wenn die Stimmen von Lawra und Sara noch nicht ihre volle Souveränität erlangt haben: Die guten Songs und die durchweg hervorragende Instrumentierung zeigen, wie Joiks modern klingen könnten unter Bewahrung ihrer Glaubwürdigkeit. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

 Adjágas: Adjágas

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Afenginn: Opus
(2016, Westpark /Indigo 87315 ) - Dänemark

Warum es diesmal eine Doppel-CD wurde, erklärt Afenginns Mastermind Kim Rafael Nyberg im Cover: Er war aufgrund eines Plantarismuskelrisses in Tasmanien ebendort gefesselt und hatte 40 Tage und Nächte Zeit. Diese nutzte er, um einen Großteil des Materials für »OPUS« zu schreiben.

Die Doppel-CD ist in vier Teile untergliedert, Nyberg vergleicht das mit einem symphonischen Aufbau. Jeder Teil ist anders thematisiert und klanglich fokussiert. Insgesamt zaubern Afenginn erneut ein buntes Kaleidoskop aus nordischem Folk, jazzigen Harmonien, weitläufigen Einflüssen aus der ganzen Welt und klassisch anmutenden Strukturen, die die durchkomponierten Teile der Stücke bestimmen. Neben Nyberg an Mandoline und Piano gehören Rasmus Krøyer (cl, bcl), Niels Skovmand (vi), Erik Olevik (cello, b), Kaare Munkholm (vib, marimba, p) und die beiden Percussionisten Knut Finsrud und Ulrik Brohuus) zur Band. Dazu kommen noch Gäste an Posaune und Trompete und der Cittern-Meister Ale Carr.

In den ersten beiden (bzw. auf der ersten CD) klingen Afenginn fast wie sonst, sehr kontrolliert und strukturiert wirkt die Musik und erinnert hier und da an das Penguin Café Orchestra. Der dritte Teil ist der beste, hier beschäftigen sich Afenginn ganz deutlich mit orientalischen Klängen, sind teilweise als nordeuropäisch nicht mehr zu erkennen. Der letzte Teil hingegen ist ausgesprochen vokal ausgerichtet, die vielen Sänger erinnern an mittelalterliche Choräle. Ein sehr ambitioniertes Werk, das seinem Namen durchaus gerecht wird. (tjk)



Mehr CDs von Afenginn



Siehe auch:
Basco
Dreamer's Circus


 Afenginn: Opus

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Ahlberg, Ek & Roswall: Vintern
(2012, Dimma /Westpark WP 87237 ) - Schweden

Violine, Gitarre und Nyckelharpa sind zusammen eine recht ungewöhnliche Besetzung, sie verbinden Alt mit Neu. Das trifft ziemlich genau, was Emma Ahlberg, Daniel Ek und Niklas Roswall mit den obigen Instrumenten – auch in der jeweils korrekten Reihenfolge – fabrizieren.

Sie trafen sich einen Winter (»Vintern«) hindurch in ihren Häusern und brachten immer Lieder mit, die ihnen jeweils von älteren Musikern und Lehrern gezeigt worden waren. Die meisten Stücke stammen also aus den Regionen Medelpad und Skåne. Die drei Schweden haben die Polskas, Walzer und Schottische für ihre Instrumente arrangiert – mit der Gitarre klingen die oft über hundert Jahre alten Lieder frisch und frech. Dazu kommen noch einige eigene Kompositionen – und schon hat man ein sehr gutes Album moderner alter Volksmusik aus Schweden in Händen. (tjk)

 Ahlberg, Ek & Roswall: Vintern

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Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio
(2002, Saamen Siida Ky NJA-001 ) - Finnland

Lasst Euch vom Cover nicht abschrecken, einer billig gemachten Verfremdung mit Hilfe eines Relief-Filters. Der finnische Joik-Sänger hat nämlich zumindest musikalisch keine billigen elektronischen Tricks nötig und setzt sie nur mit Bedacht ein. Begleiten lässt sich Niiles-Jouni Aikio oft nur mit dezenten Keyboards, einer Trommel oder maximal beiden zusammen. Ab und an lässt eine Geige von sich hören; meist assistieren aber nur geschrammelte Gitarre und eine abgrundtief wummernde Trommel die manchmal etwas wacklige Stimme des Joikers.

Und damit wären wir beim Problem: Die theatralische Darbietung und die bisweilen in übertriebenen Hall-Wellen versinkende Schamanenmusik wirken bisweilen noch etwas unausgegoren. Manchmal kann man diese holprigen Unsicherheiten als naiven Charme werten, manchmal aber auch schlicht nur als mehr oder weniger liebenswerten Dilettantismus. Sorry, Niiles-Jouni, aber so erzeugen Deine Gesänge keinen hypnotischen Sog. (lha)

Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio

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Aino Ojakoski & Kimmo Mattila: Satumaa
(2010, Eigenverlag FI-MIT-10-00001-0001 ) - Finnland

Bratsche und Akkordeon ist eine eher ungewöhnliche Kombination, aber der im Vergleich zur kleineren Geige vollere und dunklere Klang der Viola passt sehr gut zum Akkordeon. Zumal wenn zwei wahre Meister am Werk sind: Die Bratschistin Aino Ojakoski hat ebenso an der Sibelius-Akademie studiert wie Kimmo Mattila, beide trafen sich dort und treten seit 2007 zusammen auf, unter anderem im Herbst 2010 auf einer von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft organisierten Deutschland-Tournee.

Ojakoski und Mattila wählten den Titel »SATUMAA« natürlich nicht zufällig aus – das Stück von Unto Mononen ist der berühmteste Tango Finnlands und auf gefühlten tausend CDs enthalten. Hier ist es das letzte Stück, auf das zu warten lohnt. Doch auch die übrigen Stücke gefallen: »Hurmio« beginnt, wie der Titel verspricht, mit Leidenschaft, »Kehtolaulu« von Armas Järnefelt und »Vuorenpeikkojen Iltasoitto« von Heino Kaski zählen eher zur finnischen klassischen Musik. Eine besonderes Talent haben sie für Potpourris: drei finnische Volkslieder werden ebenso verknüpft wie Filmmelodien und Schlager – jeweils sehr gelungen. Auch der argentinische Tango ist mit drei bekannten Stücken vom Gottvater des neuen Tango Astor Piazzolla vertreten: »Oblivion« gehen sie mit viel Respekt an, in »Libertango« zeigen sie Virtuosität und Energie. Und dann kommt ja noch »Satumaa«, aber da ist der Hörer schon längst im Märchenland des Tango. (tjk)

 Aino Ojakoski & Kimmo Mattila: Satumaa

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Sara Ajnnak: Rahtjat
(2016, S.A. Records /Broken Silence ) - Schweden

Von ruhiger Schönheit. Meditativ und selbstbewusst. »RAHTJAT«, das zweite Album der aufstrebenden jungen Sami-Künstlerin Sara Ajnnak, überzeugt vor allem durch seine Gelassenheit. Der Blick der Musikerin richtet sich auf die grundlegenden Dinge: Die Zukunft der traditionellen Rentierzucht der Samen. Und die drohende Umweltzerstörung im äußersten Norden Schwedens. Im fast schon poppig daherkommenden »Reäjnnou Neäjdda« etwa geht es um ernste Themen: Um den Kampf ums Bewahren der Lebensgrundlage ihres Volkes. Und damit ihrer eigenen Identität. Denn Sara Ajnnak ist unter Rentierzüchtern aufgewachsen.

Sara Ajnnak ist eine Vertreterin der jungen Sami-Generation, die zwar großen Respekt vor dem überlieferten Liedgut ihrer Vorfahren hat, aber dieses Material behutsam in die Moderne bringt. Da eifert sie großen Vorbildern wie Mari Boine nach, die den Joik respektvoll für andere Musikstile geöffnet hat. Durch »RAHTJAT« ziehen sich Anklänge an den Singer-Songwriter-Pop ebenso wie an den Blues. Und vertragen sich bestens mit der Tradition! Denn das Album, übrigens zu großen Teilen in der vom Aussterben bedrohten Un-Samisprache gesungen, lädt zur Besinnung ein. Zum Ruhigwerden. Und ist auf diese Weise ein gänzlich kitschfreier Gottesdienst in der Natur. (emv)



Siehe auch:
Mari Boine

Sara Ajnnak: Rahtjat

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Akkajee: [o.T.]
(2013, Eigenverlag AKKA 001 ) - Finnland

Klären wir doch erstmal den Namen: Akka ist ein leicht abwertender Begriff für eine durchsetzungsstarke und scharfzüngige Frau mit bestimmendem Wesen. Das –jee führt dann zu so etwas wie Frauenpower oder Girl Power. Treffend gewählt, denn das 2010 gegründete Duo Akkajee besteht aus Meriheini Luoto, die singt und Nyckelharpa spielt, und Iida Savolainen, die singt und Viola spielt. Mehr braucht es nicht, um eine ziemlich verschärfte weibliche Variante von Volksmusik zu spielen.

Sämtliche Stücke auf diesem Debut haben sie selbst geschrieben, sowohl die Musik wie die sehr originellen Texte für die beiden Lieder: In »Nikunakuneitoset« wissen zwei Mädchen nicht, was anzuziehen, machen sich dann nackig und lösen damit eine weltweite Nudistenwelle aus. »Velisurmaaja« ist ernster: ein Dialog eines Jungen, der gerade seinen Bruder erschlagen hat, mit seiner Mutter. Musikalisch halten Akkajee ihre Füße in den finnischen Traditionen, modernisieren diese aber von innen heraus, improvisieren auch streckenweise. Akkajee spielen erdig und minimalistisch, haben aber einen starken unterschwelligen Groove. Viola und Nyckelharpa klingen zusammen manchmal sehr harmonisch, können sich aber auch kräftig reiben. Dieser Gegensatz findet sich auch optisch im Cover und Booklet: So archaisch das Cover wirkt, so modern-futuristisch-technisch-bizarr sind die Fotos der beiden im Booklet oder auf der Homepage – Frauenpower macht’s möglich! (tjk)



Siehe auch:
Enkel
Utmarken


 Akkajee: [o.T.]

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Timo Alakotila: Ikiliikkuja Live At G Livelab
(2017, Åkerö CD 020 ) - Finnland

Mit seinem Projekt Ikiliikkuja ist Timo Alakotila in deutlich jazzigeren Gefilden unterwegs als sonst – aber ein Großmeister wie er scheut keine Genregrenzen. In dieser Band spielen Panu Savolainen Vibraphon, Hannu Kella Akkordeon und Elias Frigård Sopransaxophon. Mit letzterem verbindet den Pianisten eine langjährige Partnerschaft.

Ein Blick auf das Instrumentarium zeigt zum einen den Verzicht auf eine herkömmliche Rhythmusgruppe, zum anderen die Besonderheit, dass von den vier Instrumenten drei Harmonieinstrumente sind, die Akkorde spielen können. Das birgt gemeinhin die Gefahr, dass die Musiker »zuviel« machen, sich sozusagen den Raum wegnehmen und gegenseitig übertönen. Bei Alakotila ist diese Sorge freilich unbegründet: Er ist ein absoluter Meister im Arrangieren, zudem sind seine Mitmusiker ebensolche – alle können sich zurücknehmen und sind sehr darauf bedacht, die Band gut klingen zu lassen. Wobei natürlich jeder auch solistische Freiräume bekommt und nutzt. Jeder der drei steuert zudem eine Eigenkomposition bei, der Rest stammt aus Alakotilas Feder. Stilistisch sind diese Stücke kein »klassischer« Jazz, sondern haben viele Berührungspunkte mit Folk, Tango oder Kammermusik. Generell spielen die vier Finnen sehr feinfühlig, können aber auch richtig zupacken.

Gewidmet ist diese CD übrigens dem 2017 verstorbenen Ilkka »Emu« Lehtinen, dem langjährigen Betreiber des weltbekannten Plattenladens Digelius in Helsinki. (tjk)



Siehe auch:
Hannu Kella & Timo Alakotila

Timo Alakotila: Ikiliikkuja Live At G Livelab

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Alamaailman Vasarat: Käärmelautakunta
(2003, Silence Records /Bonnier SLC 014 ) - Finnland

»Wir sind eine finnische Band«, schreiben mir Alamaailman Vasarat, »die punkige Brazz-Musik für Geheimagenten spielen. Oder koscheren Kebab-Jazz. Oder von Metal beeinflusste Filmmusiken.« Ach, ich solle doch einfach zu hören, dann würde ich schon sehen. Und dann lassen sie mich damit allein.

Gesagt, getan, und schon verstehe ich die Jungs um den Saxophonisten Jarno Sarkula. Jede Eingrenzung ihres Treibens in eine Schublade wäre in der Tat eine unzulässige Verkürzung. Wenn man auch nicht aufhören kann, irgendwie Bezugspunkte zu dem zu suchen, was man eben kennt und damit im Griff zu haben glaubt. Es ist schlicht die ungeheuere Kraft, die aus den neun Stücken strömt, die einen sprachlos macht (passenderweise wird auch nicht gesungen).
Eben noch agieren die zwei Celli wie schwerste E-Gitarren, dann wieder eröffnen die Blasinstrumente eine tieftraurige Weise, wie man sie von Roma- und Sinti-Beerdigungen erwartet. Im nächsten Moment schleppt sich eine Elegie verstört dahin, worauf eine angejazzte Großstadtmelodie folgt – eindringlichste Momente halt aus dem Leben einer finnischen Band. (frk)



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