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Lange Rezensionen 6 - 10 von 567 im Genre »Folk« (insgesamt 895)

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Acoustic Sense & Glas: Reaching Out
(2014, Gateway Music AJSCD-03 ) - Grenzgänger

Eigentlich verwehren wir uns ja ein wenig gegen eine saubere Unterteilung in Genres und Crossover bzw. Fusion. Soll man denn auch ins Crossover-Fach alles reinwerfen, was sonst nirgends richtig reinpasst? Ist Fusion nicht ohnehin ein Begriff, der aus den Siebzigern so stark geprägt ist, dass man dagegen als Schreiberling nicht ankommt? Hier allerdings passt beim besten Willen keine unserer Schubladen, »Crossover« wäre die beste Wahl, auch wenn es um die Wahl des Herkunftslandes geht.

Bandleader und Komponist John Sund stammt jedenfalls aus Dänemark, und die Platte wurde im Kopenhagener Studio »The Village« aufgenommen. Damit wären die Eindeutigkeiten aber bereits erschöpft. Die Band Acoustic Sense, die der Gitarrist Sund mit Morten Lundsby (kb), John Ehde (vc) und dem Ghanaer Ayi Solomon (perc) führt, besteht seit 2002. Rhythmus spielt bei ihnen eine ziemlich wesentliche Rolle, speziell was Einflüsse afrikanischer Musik betrifft. Doch hier kommen erstens Gäste an Klarinette und Vibrafon sowie ein Schlagzeuger aus Kuba zum Ensemble; und zweitens – und entscheidender – ein weibliches Gesangsseptett, das Sund 2011 per Empfehlung »entdeckte« und das eine ganz ungewöhnliche Farbe mitbringt. Normalerweise singen die Damen (drei Sopranistinnen und je zwei Stimmen im Mezzosopran und Kontra-Alt) a cappella, doch im Zusammenspiel mit dem Instrumentalseptett ergibt sich ein Ensemble, wie man es wohl nie zuvor zu Gehör bekommen hat.

Ursprünglich wollte Sund, dass die Sängerinnen komplett textlos singen, doch schließlich ergab sich, dass einige Texte ideal zum Thema des Albums, des »wundersamen Zaubers« unseres Planeten, der uns prägenden Natur und des größeren Geistes passten. Was der Komponist hier ausgefuchst hat, klingt frisch und zeitlos zugleich, eine Art mit afrikanischer Rhythmik durchsetzter Jazz, traditionelle Elemente aus Süd und Nord(europa) und sich assoziativ abzeichnende Anmutungen Alter Musik. An einem Punkt dürfen die Damen auch mal schrill und geräuschhaft werden. Komplex, ambitioniert, faszinierend und reich. (ijb)



Siehe auch:
Acoustic Sense
Sund · Shashank · Phalgun

John Ehde

Morten Lundsby


 Acoustic Sense & Glas: Reaching Out

Offizielle Website

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Adjágas: Adjágas
(2005, Trust No One TMR027 ) - Norwegen

Mari Boine gehört zu den Fans des Duos, und das setzt die Messlatte hoch. Lawra Somby und seine Kollegin Sara Marielle Gaup gehören jedenfalls zu einer jungen Joik-Generation, die direkt von ihren Eltern gelernt haben, und das lässt hoffen, dass die Traditionen nicht aussterben, sondern eine zeitgemäße Weiterentwicklung erfahren. Ihre Herangehensweise zeugt von Unvoreingnommenheit und Frische: Mal vermittelt ein vorwitziges Banjo samt schleppenden Stomp-Drums etwas Blues-Flair, dann wieder lassen Tremolo-Gitarren sechsminütige Balladen à la »Rievdadeapmi« (Veränderung) wie im Flug vergehen.

Die Texte? Das Übliche: emotionaler Überschwang, Natur-Meditationen und Freiheitsdrang oder einfach die Gedanken eines geistig verwirrten Sami, der sein Lávvu im Wald statt wie sonst üblich auf einer Anhöhe mit guter Aussicht aufgestellt hat: »How in the world did I get here, how mysterious that I got here?«, so die englische Übersetzung. Auch wenn die Stimmen von Lawra und Sara noch nicht ihre volle Souveränität erlangt haben: Die guten Songs und die durchweg hervorragende Instrumentierung zeigen, wie Joiks modern klingen könnten unter Bewahrung ihrer Glaubwürdigkeit. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

 Adjágas: Adjágas

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Afenginn: Opus
(2016, Westpark /Indigo 87315 ) - Dänemark

Warum es diesmal eine Doppel-CD wurde, erklärt Afenginns Mastermind Kim Rafael Nyberg im Cover: Er war aufgrund eines Plantarismuskelrisses in Tasmanien ebendort gefesselt und hatte 40 Tage und Nächte Zeit. Diese nutzte er, um einen Großteil des Materials für »OPUS« zu schreiben.

Die Doppel-CD ist in vier Teile untergliedert, Nyberg vergleicht das mit einem symphonischen Aufbau. Jeder Teil ist anders thematisiert und klanglich fokussiert. Insgesamt zaubern Afenginn erneut ein buntes Kaleidoskop aus nordischem Folk, jazzigen Harmonien, weitläufigen Einflüssen aus der ganzen Welt und klassisch anmutenden Strukturen, die die durchkomponierten Teile der Stücke bestimmen. Neben Nyberg an Mandoline und Piano gehören Rasmus Krøyer (cl, bcl), Niels Skovmand (vi), Erik Olevik (cello, b), Kaare Munkholm (vib, marimba, p) und die beiden Percussionisten Knut Finsrud und Ulrik Brohuus) zur Band. Dazu kommen noch Gäste an Posaune und Trompete und der Cittern-Meister Ale Carr.

In den ersten beiden (bzw. auf der ersten CD) klingen Afenginn fast wie sonst, sehr kontrolliert und strukturiert wirkt die Musik und erinnert hier und da an das Penguin Café Orchestra. Der dritte Teil ist der beste, hier beschäftigen sich Afenginn ganz deutlich mit orientalischen Klängen, sind teilweise als nordeuropäisch nicht mehr zu erkennen. Der letzte Teil hingegen ist ausgesprochen vokal ausgerichtet, die vielen Sänger erinnern an mittelalterliche Choräle. Ein sehr ambitioniertes Werk, das seinem Namen durchaus gerecht wird. (tjk)



Mehr CDs von Afenginn



Siehe auch:
Basco
Dreamer's Circus


 Afenginn: Opus

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Ahlberg, Ek & Roswall: Näktergalen
(2014, Dimma /Westpark WP 87256 ) - Schweden

Was dem einen ‘ne Eule, ist dem anderen 'ne Nachtigall? Nun aber mal langsam, denn »NÄKTERGALEN« heißt zwar Nachtigall, aber was Emma Ahlberg, Daniel Ek und Niklas Roswall auf ihrem Zweitling bieten, braucht sich keineswegs in der Dunkelheit verstecken. Die drei Schweden begeben sich hier recht geradlinig auf den Tanzboden – was angesichts ihrer instrumentalen Meisterschaft nur von Erfolg gekrönt sein kann.

Mit Violine und Viola, verschiedenen Nyckelharpas samt Vorläufern und einer 16-saitigen »Harfengitarre« haben sich Ahlberg, Ek und Roswall eine gewisse Alleinstellung erspielt, was moderne Interpretation überlieferter Stücke angeht. Sie konzentrieren sich auf die Gegend von Medelpad, dort gab es mehrere bedeutende Volksliedschreiber. Ahlberg, Ek und Roswall finden eine gesunde Mischung aus Tradition und Innovation, wobei sich letztere natürlich nicht im Instrumentarium zeigt, etwas mehr schon in den Arrangements und vor allem in der Philosophie, die hinter ihrem Spiel steht – die musikalische Meta-Ebene sozusagen. (tjk)



Mehr CDs von Ahlberg, Ek & Roswall

 Ahlberg, Ek & Roswall: Näktergalen

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Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio
(2002, Saamen Siida Ky NJA-001 ) - Finnland

Lasst Euch vom Cover nicht abschrecken, einer billig gemachten Verfremdung mit Hilfe eines Relief-Filters. Der finnische Joik-Sänger hat nämlich zumindest musikalisch keine billigen elektronischen Tricks nötig und setzt sie nur mit Bedacht ein. Begleiten lässt sich Niiles-Jouni Aikio oft nur mit dezenten Keyboards, einer Trommel oder maximal beiden zusammen. Ab und an lässt eine Geige von sich hören; meist assistieren aber nur geschrammelte Gitarre und eine abgrundtief wummernde Trommel die manchmal etwas wacklige Stimme des Joikers.

Und damit wären wir beim Problem: Die theatralische Darbietung und die bisweilen in übertriebenen Hall-Wellen versinkende Schamanenmusik wirken bisweilen noch etwas unausgegoren. Manchmal kann man diese holprigen Unsicherheiten als naiven Charme werten, manchmal aber auch schlicht nur als mehr oder weniger liebenswerten Dilettantismus. Sorry, Niiles-Jouni, aber so erzeugen Deine Gesänge keinen hypnotischen Sog. (lha)

Niiles-Jouni Aikio: Niiles-Jouni Aikio

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