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Lange Rezensionen 1011 - 1018 von 1018 im Genre »Jazz« (insgesamt 1630)

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Ola Åkerman: All Together Now
(2007, Calibrated /Leicom CAL 022 ) - Schweden

»Jedes der zehn Lieder auf dem Album wurde von Akerman komponiert und zeichnet sich durch Einfachheit, Evokation und Eingängigkeit aus.« Vielen Dank, liebes Presseinfo, ohne Dich wären wir in etwa so hilflos wie die Kripo ohne XY. Und noch mal: »Das Material der Stücke reicht vom stürmisch Wilden bis zum Ruhigen, Erhabenen und Milden.« Ach so, ja danke auch.

Der schwedische Posaunist Ola Åkerman lebt in Malmö, verbringt aber viel Zeit in Dänemark, daher auch seine Wahl der Mitmusiker: Daniel Franck (b) und Anders Mogensen (dr) grooven und swingen solide und angenehm, Pianist Kasper Villaume wäre ohnehin der Star dieser CD, hielte er sich nicht so arg zurück. Åkerman selbst ist sicherlich kein schlechter, weder als Komponist (s.o.) noch als Posaunist, wobei er stilistisch ohne Powerplay à la Ray Anderson, Witz à la Steve Turre und unverkennbare persönliche Note à la Marty Cook auskommt; er steht eher in der Tradition von Curtis Fuller – also blitzsauberes, treffsicheres Bebop-Posaunenspiel. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Moment, das Presseinfo weiß noch was: »Außerdem haben alle Stücke dieses Albums dieses starke Jazzgefühl und den fantastischen Flow gemein, was in jeder Note zu spüren ist.« (tjk)



Siehe auch:
Kasper Villaume
Daniel Franck


Ola Åkerman: All Together Now

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Andreas Öberg: Solo
(2006, Hot Club Records /Leicom HCR 182 ) - Schweden

Wenn Andreas Öberg tatsächlich ein »Monstergitarrist« ist, wie uns das Presseinfo sagen will, warum ist dieses dann gerade mal sechs (6) Zeilen lang? Zumindest hierzulande kann sich Öberg nämlich noch nicht über zuviel Bekanntheit beklagen. Beim Betrachten des Covers brachen zwei weibliche Bekannte spontan in Lachen aus ob des »unmöglichen« Outfits; innen sieht man ihn dann im ärmellosen Feinripp, mit beachtlichem Bizeps. Egal, jetzt aber schnell die CD eingelegt, wir sind doch hier nicht bei »Playgirl«! Aber warum schaut der gute Mann auf dem Cover nach unten? Schämt er sich etwa?

Muss er nicht. Und dem Hörer vergehen nach ein paar Takten sämtliche blöde Sprüche. Der Öberg hat's nämlich absolut drauf! Wieselflink gleiten die Finger über die Saiten und Bünde, spielen Basslinien, Akkorde und Melodie, dann ein Single Note-Solo, den Rest kann man automatisch mithören (auch wenn gar nicht gespielt). Da kommen Vergleiche auf mit Joe Pass, Barney Kessel und Tuck Andress, sowohl bei Technik und Virtuosität als auch beim Repertoire, das aus nicht allzu modernen Standards besteht – von »Manha De Carnaval« (ausnahmsweise mit akustischer Gitarre) bis »Gingerbread Boy« und »Doxy«: Teufel, ist das gut! Und »But Not For Me« gleich noch mal anhören: Was macht der da??? Dazu noch zwei Eigenkompositionen, und fertig ist eine musikalisch sehr ansprechende CD eines wahren Ausnahmegitarristen. (tjk)



Siehe auch:
Marian Petrescu

Andreas Öberg: Solo

Offizielle Website

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Magnus Öström: Thread Of Life
(2011, ACT /Contraire 9025-2 ) - Schweden

Die Auseinandersetzung mit Tod und Verlust hat in der Kunst nicht selten intensivste Werke hervorgebracht. Seien es Mozart, Neil Young, Patti Smith oder Musiker, deren Alben aus der Begegnung mit dem Tod gerade das Leben bejahen und umso optimistischer daherkommen, etwa Robert Forsters bewegender Abschied von seinem langjährigen Partner (»The Evangelist«) oder das vom Trio Jarrett, Peacock und DeJohnette unmittelbar nach dem Tod Miles Davis’ eingespielte »Bye Bye Blackbird«.
Magnus Öströms erstes Lebenszeichen fast drei Jahre nach dem tragischen Unfalltod seines Jugendfreundes und Triopartners Esbjörn Svensson ist irgendwo in der Mitte gelandet: Die Hälfte des ambivalent »Thread Of Life« benannten Albums bringt mit bereits laut sprechenden Titeln wie »Longing«, »Weight Of Death«, »Hymn (To The Past)« oder gar »The Haunted Thoughts And The Endless Fall« Öströms Verlusterfahrung in einer zu emotionalisierenden Sentimentalität zum Ausdruck, so dass beim Hörer nicht selten das Bedürfnis nach einem »Weniger wäre Mehr« aufkommt. Einzig »Ballad For E«, mit Dan Berglund und Pat Metheny, bringt den Mut zur Einfachheit auf.

Auf der anderen Seite gibt es locker rhythmischen Jazz wie »Piano Break Song«, wenn Öström Komplexität mit vollgestopften, ja aufgeblasenen Arrangements verwechselt. So ist das Album mit 77 Minuten deutlich zu ausufernd und lang geraten. All das ist sehr bedauerlich, denn Magnus Öström, der neben Schlagzeug und Percussion auch Elektronik, Tasteninstrumente und Gesang beisteuert, ist ein hervorragender Musiker – und findet hoffentlich mit seiner nächsten Platte (wieder) mehr zu sich. Mit »Thread Of Life« ist es ihm jedenfalls (noch) nicht gelungen, den Schock des Verlusts stimmig und künstlerisch konstruktiv zu verarbeiten.

Die traurige Ironie an diesem Tod-und-Leben-Album – wie auch an Dan Berglunds »Tonbruket« – ist freilich, dass der Verlust durch Svenssons viel zu frühen Tod dadurch umso offensichtlicher wird: Ihre letzte gemeinsame CD »Leucocyte« sagte schon schon mehr über den Tod als diese beiden Nachfolgewerke; es war zudem ein mutiger, radikaler Schritt in eine neue Richtung, die man allzu gerne weiter miterlebt hätte. Doch wie immens dieses Trio in den fünfzehn Jahren seines Bestehens fast immer die rechte Balance aus der Summe seiner drei Partner gefunden hat, offenbart sich, wenn die verbleibenden »Einzelteile« nun individuell um Perspektiven ringen. (ijb)



Siehe auch:
e.s.t.
Dan Berglund's Tonbruket

Lars Danielsson

E.S.T. Symphony


Magnus Öström: Thread Of Life

Offizielle Website

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Elin Ødegaard & Rune Klakegg: I Will Wait For You
(2000, VIA Music VCD 380 ) - Norwegen

»I WILL WAIT FOR YOU«, eine Duo-Aufnahme der Sängerin Elin Ødegaard und des Pianisten Rune Klakegg, als »Jazz« zu bezeichnen, ist gewiss nicht ganz falsch. Aber ebenso wenig trifft das wirklich ins Schwarze. Die beiden Norweger interpretieren zehn wohlbekannte Jazz-Standards in gänzlich unerwarteter Weise. Ødegaard und Klakegg ziehen die Songs gleichsam aus, entfernen den Swing, reißen Harmonien ein und bauen sie anders wieder auf – sodass oft nur die Melodie des ursprünglichen Songs bleibt. So entstehen quasi neue Lieder, die dem Kunstlied näher stehen als dem Jazz.

Diese reduzierten, ernsten Interpretationen sind sehr gewöhnungsbedürftig, »When I Fall In Love« oder »You Must Believe In Spring« hat man so bisher kaum gehört. Rune Klakegg spielt keine Note mehr als nötig, Elin Ødegaards Stimme wirkt beim ersten Hören distanziert und kühl; dieser Eindruck relativiert sich aber zunehmend. Wenn man sich darauf einlässt und nicht ständig auf Bass, Schlagzeug und »mitschnippbare« Rhythmen wartet, wird man mit sehr interessanten Versionen von »Long Ago And Far Away« oder »Once Upon A Summertime« belohnt. (tjk)



Siehe auch:
Rune Klakegg & Scheen Jazzorkester

Elin Ødegaard: I Will Wait For You

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Jørn Øien Trio: Diging In The Dark
(2010, Bolage BLGCD011 ) - Norwegen

Wenn man nicht weiß, wer Jørn Øien ist, könnte man meinen, er sei der namensgebende Schlagzeuger des Trios. Der allerdings heißt Torstein Lofthus, viel beschäftigter Drummer bei Dutzenden Bands wie Shining, Elephant9, Maria Solheim oder Torun Eriksen. Und sein scheinbar chaotisches, ungeheuer kompliziertes und doch extrem grooviges Schlagzeugspiel ist beim ersten Hören der CD einfach übermächtig.

Dann aber, wenn man die Schlagzeug-Faszination überwunden hat, tritt Jørn Øiens Klavierspiel in den Vordergrund. Er gilt als einer der besten Jazzpianisten des Landes, und das ist er wohl auch - selbst wenn er sich hier zurücknimmt und in sein Trio zurücktritt, dem noch Bassist Per Zanussi angehört. Und so ist die Musik der drei tatsächlich ein Gemeinschaftswerk rund um den wirbelnden Perkussionisten Lofthus. Aus seinem klingenden Urnebel schälen sich die Songs heraus, die zwar eindeutig "Modern" sind, aber dennoch - und das liegt an dem unverschämten Drive des Trios - spannend anzuhören wie ein Krimi. Eine Jazz-CD mit Anspruch, hohem Niveau - und ohne Star-Allüren des eigentlichen Namensgebers. (sep)



Siehe auch:
Beady Belle
Jens Fossum

Elephant9

Geir Lysne Listening Ensemble


Jørn Øien Trio: Diging In The Dark

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Hildegunn Øiseth: Valencia
(2013, Losen Records /New Arts International LOS121-2 ) - Norwegen

Auf dem Cover steht der Name der Chefin groß über den drei Sidemen, doch das dritte eigene Album der aus dem ostnorwegischen Hedmark stammenden Trompeterin Hildegunn Øiseth ist ein glanzvolles Quartettwerk. Daher sollen ihre drei schwedischen Mitmusiker, Pianist Tommy Kotter, Bassist Peter Janson und Schlagzeuger Anders Kjellberg, die während der 1990er Jahre mit ihr Bohuslän Big Band spielten, ausdrücklich erwähnt sein, zumal die neun Stücke der CD zu nahezu gleichen Teilen von allen vier Musikern beigesteuert wurden. Und auch Studio- und Labelchef Odd Gjelsnes darf nicht unterschlagen werden, spielte er doch eine entscheidende Rolle, da sein Studio Barxeta in Reichweite des spanischen Valencia titel- und stimmungsgebend waren.

Klar, welcher Musikfan denkt da nun nicht an Miles Davis' »Sketches of Spain«..? Doch lassen wir diese alte Scheibe im Regal stehen und lauschen dem ganz gegenwärtigen Traditionsjazz von Hildegunn Øiseth, die mühelos einen klanglichen Brückenschlag zwischen ihrer nordischen Herkunft und dem südländischen Aufnahmeort schafft. Fast dialogisch wechseln nachdenklich melodische Stücke und schwungvollere Passagen, mit nicht direkt hektischer, vielmehr kantenreicher und rhythmusverliebter Farbe. Selbst das Piano pflegt vorwiegend diesen frischen Modus. Mit »VALENCIA« empfiehlt sich die weitgereiste, zurückhaltende Musikerin als markante Trompetenstimme der skandinavischen Jazzwelt. (ijb)



Siehe auch:
Bohuslän Big Band
Trondheim Jazz Orchestra


Hildegunn Øiseth: Valencia

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Østergaard Art Quartet: Stories from the Village
(2011, Boogie Post Recordings /Plugged Music BPCD011 ) - Grenzgänger

Geschichten zwischen europäischen Autobahnen und der norwegischen Tundra wollen sie erzählen. Geschichten aus dem Dorf, nachts, bei Kerzenlicht, beim Kartenspiel. Die Voraussetzungen, die das multinationale Improv-Quartett mitbringt, sind gut: Zwei Dänen, ein Norweger und ein Franzose, darunter gleich zwei Trompeter, nämlich Kaspar Tranberg von Delirium und Per Jørgensen (Jøkleba etc.), Marc Ducret an elektrischen und akustischen Gitarren, sowie die Leiterin Michala Østergaard-Nielsen, bereits bekannt mit ihrem Trio Nuaia.

Die markanteste Färbung bringt Jørgensen durch seinen zwischen verschiedenen - nordischen und arabischen - Traditionen schwer zu lokalisierenden Gesang und den Klang der Darbuka, einer arabischen Blechtrommel hinzu. Østergaard-Nielsen stellt dem eine unspektakuläre, aber sehr dichte Percussion gegenüber. Alles andere als leicht zu konsumieren ist dieser etwas unnnahbare Stilmix. Schon die Titel weisen auf die Vielzahl gegensätzlicher Inspirationen hin: »1815«, »Ach du lieber«, »Little Tiger« oder »The Shantymen« laden ein zu einer sprunghaften Kultur-Reise, die sich vom mitteleuropäischen Free Jazz in alle Himmelrichtungen erstreckt. (ijb)



Mehr CDs von Østergaard Art Quartet



Siehe auch:
Delirium
Anderskov Accident

Magnetic North Orchestra

Nuaia


 Østergaard Art Quartet: Stories from the Village

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Lyder Øvreas Røed: The Moon Doesn´t Drink
(2019, Jazzland /Edel ) - Norwegen

Was für ein sympathischer Nerd! Und dieser erdbeerblonde Milchbubi spielt also klassischen Modern Jazz: Ist ja ein Ding! Der junge norwegische Trompeter Lyder Øvreas Røed stammt aus Bergen, studiert derzeit an der norwegischen Musikhochschule in Oslo und hat sich für das Debütalbum seines nach ihm benannten Quintetts »THE MOON DOESN´T DRINK« hochkarätige Mitstreiter wie die Saxofonistin Hanna Paulsberg und den Pianisten Eyolf Dale mit an Bord geholt. Ganz schön umtriebig für einen Nachwuchsmusiker! Und damit nicht genug: Der junge Mann mischt auch in der Band der norwegischen Newcomerin Fieh mit, die sich souverän zwischen Pop, Hip Hop und Jazz bewegt. Dazu ist er bei der angesagten Afrobeat-Funkband Mosambique aktiv. Ach ja, und seit vier Jahren spielt er beim Klassik-Grenzgänger-Ensemble Slow Ist The New Fast, das maßgeblich von polnischen Komponisten Henryk Gorecki beeinflusst ist. Der Zeitplan dieses Studenten muss ziemlich eng getaktet sein!

Der Mond trinkt also nicht! Das Debüt punktet mit schlanken, klaren, souveränen Sounds, die auf allen überflüssigen Ballast verzichten. Zeugt von hoher Intelligenz, ohne zu dick aufzutragen. Songs wie das elegante »I Don´t Usually Drink« passen in jede mitternächtliche Großstadt-Bar, wo man sich auf den letzten Drink des Tages trifft. Øvreas Røed flirtet mitunter mit dem Swing, klingt aber keinswegs nostalgisch oder gar retro-süchtig. Seinen Mitmusikern lässt er reichlich kreativen Raum. Im Mittelpunkt aber steht der selbstbewusste, feinnervige Trompete des Youngsters. Das ist der Sound für alle blauen Stunden dieses Lebens! Und was lernen wir hier noch: Smart is the new sexy! (emv)



Siehe auch:
Hanna Paulsberg Concept
Eyolf Dale

Slow Is The New Fast


Lyder Øvreas Røed: The Moon Doesn´t Drink

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