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Lange Rezensionen 191 - 200 von 1018 im Genre »Jazz« (insgesamt 1630)

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e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): 301
(2012, ACT /Contraire 9029-2 ) - Schweden

Es ist die zweite Hälfte eines Vermächtnisses. Nach »LEUCOCYTE« ist »301« die zweite Sammlung von Tracks, die das Esbjörn Svensson Trio im gleichnamigen Studio in Sydney einspielte und die nun posthum, nach dem Unfalltod von Svensson, erscheint. Obwohl: »Einspielen« klingt so nach Plan und Zusammenhalt. Dabei war die Studiosession tatsächlich mehr ein Jam, ein ebensolches Probieren und Tasten und Drauflosspielen, wie es die Konzerte dieses vielleicht besten Pianotrios der 2000er-Jahre immer so besonders gemacht hatten. Und so vereint dieses Album tatsächlich zunächst unvereinbar Scheinendes: sanfte Melodien und grobe Elektronik, wildes Rhythmusgestampfe und zügelloses Improvisieren. Wenn man böse wäre, könnte man behaupten, dass hier zusammengezwungen wird, was nie und nimmer zusammenpasst.

Aber das ist eben das Wunder: Es passt doch. Die kleine Melodie, die Svensson ganz nebensächlich und herzzerreißend schlicht dahinklimpert, mit den minutenlangen Trance-Gewittern eines pulsenden Schlagzeug- und Bass-Apparats. Der perlende Klavierklang und seine schnarrende und knirschende elektronische Dekonstruktion, die auch schon »LEUCOCYTE« zu einem so unerhörten Hörerlebnis machten. Doch anders als dieses vorletzte Album schlägt das Trio hier, aller Spielmanie zum Trotz, versöhnlichere Töne an. War »LEUCOCYTE« ein Tondokument, das den Verfall und das Ersterben erforschte, knospen und sprießen hier die Ideen - über die letzte Minute der CD hinaus, im Kopf des Hörers. Gleichzeitig werden damit diese beiden letzten Alben erst zur Einheit, die alles vereint: Das Dunkle und das Helle, das Zerstörerische und das Schöpferische.

Der Rest ist unnötig zu sagen – wie perfekt das Trio zusammenspielt, wie gleichberechtigt Bass, Klavier und Schlagzeug an der Musik weben, wie mühelos die Integration von elektronischen Mitteln gelingt. Das alles ist bekannt, es hat den Mythos e.s.t. begründet. Umso unglaublicher, dass das Trio es bei uns noch nie zu einer CD des Monats gebracht hat. Das holen wir nun nach. Es ist die letzte Chance. (sep)



Mehr CDs von e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)



Siehe auch:
Magnus Öström
Viktoria Tolstoy

Bengt Arne Wallin

Dan Berglund's Tonbruket



Zum Artikel über e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)

 e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): 301

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Jon Eberson & Trio: Born To Be Slow
(2009, Norcd NORCD0983 ) - Norwegen

Der Titel gibt die Richtung vor: Eilig haben es Jon Eberson, eigentlich seit gefühlten Jahrhunderten Norwegens Gitarren-Wizard, und seine Mitstreiter nicht. Das wäre bei der Besetzung mit Gitarre, Kontrabass und Vibraphon auch eher unangebracht. Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Rob Waring schwingt die Klöppel, Carl Morten Iversen steht am Bass, folgerichtig sitzt Jon Eberson beim Gitarrespielen. Schön ist das zumindest teilweise, und gemütlich zur Gänze. Ohne Bläser und Schlagzeug ist die Krawallerzeugungs-Wahrscheinlichkeit ja doch eher gering. Fast alle Stücke stammen vom Gitarristen, sind auch recht gefällig. Problem: Der Spannungsbogen sinkt nach drei, vier Stücken rapide in den Keller, zu sehr nivellieren sich die Stücke in ein ähnliches Tempo, in ähnliche Stimmung. Und der Bass klingt ziemlich dumpf. Bei »Recmi« hört man noch mal auf, der Anfang erinnert an »Honeysuckle Rose«. Danach kann man wieder schlummern. (tjk)



Siehe auch:
Jon Eberson Group
Jon Eberson Jazzpunkensemble


Jon Eberson: Born To Be Slow

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Jon Eberson & Group: Dreams That Went Astray
(2002, Emarcy /Universal 004400134212 ) - Norwegen

Alles kehrt wieder, ob man nun will oder nicht, besonders in Mode und Musik wird nichts noch so grausames ausgelassen. Aber Entwarnung: Jon Eberson, außerhalb Norwegens weitgehend unbekannter Gitarrist, erweckt mehrere vergangene Genre-Spezialitäten zum Leben und sorgt mit ein paar Neuerungen doch für Auffrischung.

Gitarren-Popjazz a la Benson, Fusion wie Scofield etwa zur »STILL WARM«-Zeit, ein bißchen Miles aus mehreren Epochen und flüssige Linien, die an Pat Martino erinnern: Aus diesen Zutaten braut der Gitarren-Wizard Eberson ein hörbares, tanzbares, genießbares, süffiges Ganzes, dessen Makel ein paar Längen und die nicht allzu einfallsreichen Kompositionen sind. Aber es groovt wirklich schön, und auch seine Helfer sind nicht zu verachten: Veteran Pål Thowsen ist endlich mal wieder an den Drums zu hören, Tom Erik Antonsen spielt einen tiefen Groove-Bass, DJ Strangefruit macht ein paar Gimmicks, und für den harmonischen Zusammenhalt sorgt Bugge Wesseltoft, obwohl sich dieser solistisch arg zurückhält. Für die Höhepunkte sorgt allerdings eine Sängerin auf drei Stücken: Beate Slettevold Lech von Beady Belle! (tjk)



Mehr CDs von Jon Eberson & Group



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Beady Belle

Jon Ebersons Jazzpunkensemble

Jon Eberson Trio


Jon Eberson: Dreams That Went Astray

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Jon Ebersons & Jazzpunkensemble: 13 Rounds
(1998, Curling Legs CLPCD38 ) - Norwegen

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,
geneigter Leser, anmutige Leserin,

es gibt CDs, da hilft nichts, nichts und wieder nichts: noch mal anhören, noch mal und noch mal und noch mal anhören, ein Vierteljährchen liegen lassen, mit Freunden hören („Du, ich muss jetzt aber wirklich gehen, schade um den schönen Spargel, aber das Gedudel …“). Man kann sich diese CD nicht mal schön trinken (Tee, Hopfentee o.ä.), und illegale Rauschmittel sind illegal und werden hier nicht konsumiert.

Diese CD gehört zu denen, wo nix hilft. Jon Eberson ist ja nicht ganz unbekannt, und dass er sein Ensemble nach Jazz und Punk benennt, stimmt nur soweit, wie man mit Jazz belangloses Gedudel und mit Punk höchst nerviges Gekrache assoziiert. Zu Beginn krawallt und rumpelt es mal gewaltig, danach kommt immer mehr Jazz zum Vorschein. Vielmehr eine links-rein-rechts-raus-Variante von EasyListening-Fusion-70er mit Rhodes und, oho, Posaune, aber es hilft nichts, es nervt, und wenn es nicht nervt, dann langweilt es. Ach ja, der Eberson spielt ein paar ganz nette Soli. Hilft auch nichts.

Recht viel mehr kann ich zu dieser CD nicht sagen. Und ich höre sie mir nie wieder an! (tjk)



Siehe auch:
Jon Eberson Group
Jon Eberson Trio


Jon Ebersons: 13 Rounds

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Echosystem: Madaga
(2007, Presence Records PRECD 003 ) - Finnland

Mit viel Feuer widerlegt dieses Septett aus Helsinki sicher die letzten Klischees der dauerdepressiven Finnen, die, eingeschneit von Weltschmerz und Selbstmitleid, bevorzugt nach traurigen Tangos in der Sauna Selbstmord begehen. Von wegen: Echosystem erhellen den Winter mit sonnigen brasilianischen Rhythmen und einer scharfen Prise Funk und Jazz; auch ein paar hektische Breakbeats fehlen nicht.

Bemerkenswert zudem, dass Echosystem auf »MADAGA« völlig auf brasilianische Klassiker verzichten: die Keyboarderin Elina Lae und die Sängerin Vilja Larjosto schreiben alle Stücke für Echosystem, Valtteri Nevalainen (fl) und Linda Fredriksson (sax) spielen frische Soli, dazu grooven Jarno Lappalainen (b), Aukka Auvinen (perc) und Drummer Kimmo Salminen um die Wette. Bei Echosystems Esprit, Talent und Energie schmilzt der Schnee, in Rio wie in Helsinki. (tjk)

 Echosystem: Madaga

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Sinne Eeg: Don't Be So Blue
(2011, Red Dot /EMI 6314942 ) - Dänemark

Sinne Eegs »DON'T BE SO BLUE« ist eine zweischneidige Angelegenheit: Die Mittel sind weniger als auf ihrem ersten internationalen Album, das heißt ihre Begleitband ist durchweg auf ein klassisches Piano-Bass-Schlagzeug-Trio reduziert (mit einer Ausnahme, einer Gast-Trompete), und nur Pianist Jacob Christoffersen und Produzent Chris Minh Doky sind von »REMEBERING YOU« geblieben. Die Musik hat eindeutig an Fokus gewonnen, und nach dem ausschließlich aus Fremdkompositionen zusammengestellten Vorgänger hat Sinne Eeg diesmal fast alle Lieder selbst geschrieben. Dazu interpretiert sie zwei Gassenhauer von Rodgers & Hammerstein, »The Sound of Music« und »My Favourite Things«, sowie das nicht weniger bekannte »Goodbye« von Gordon Jenkins, welches allerdings seltsam neben der (Gesangs-)Spur liegt und daher besser nicht mit auf Album gekommen wäre.

Nach dem eher extrovertierten »REMEMBERING YOU« ist »DON'T BE SO BLUE« das introvertierte Gegenstück. Und damit fehlt es leider auch an dessen Abwechslungsreichtum, wenigstens hinsichtlich Atmosphäre oder Tempo, und auch an mitreißender Dynamik. Größtenteils sauber gesungen, geschmackvoll produziert, und alles wird abgehandelt, wie es sich für eine auf Zeitlosigkeit angelegte Songjazz-Platte gehört. Es gibt keine Ausbrüche nach oben oder nach unten. Aufgabe sehr ordentlich erfüllt. Live kommt das alles vermutlich eine Ecke besser. Schönes Cover auch. Sieht gut aus im Regal, wenn Besuch kommt. (ijb)



Mehr CDs von Sinne Eeg



Siehe auch:
Danish Radio Big Band
Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk


Sinne Eeg: Don

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Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk: Eeg Fonnesbæk
(2015, Stunt /New Arts International Stunt 15082 ) - Dänemark

Man höre »Willow Weep For Me« - eine CD mit dieser Ballade zu beginnen, zeugt von Mut. Aber der ist absolut berechtigt, denn Sinne Eeg und Thomas Fonnesbæk beweisen beide große Meisterschaft in dieser Duo-Aufnahme. Sinne Eeg besticht mit Ausdruck, Swing und Charme, sie gehört mittlerweile in die oberste Liga der Sängerinnen in Nordeuropa. Selbiges gilt auch für Thomas Fonnesbæk, der hier sowohl Kontra- wie E-Bass spielt. Mehr Musiker und Instrumente hört man nicht, mehr braucht es aber auch nicht.

»Taking It Slow« ist die einzige eigene Komposition (von Fonnesbæk) – schade, denn sie ist keinesfalls schwächer als die Standards. Deren gibt es reichlich: Herrlich des Bassisten Walking Lines und der Sängerin Scat-Improvisationen in Lionel Hamptons »Evil Man Blues«. Fonnesbæk greift für »You Don’t Know What Love Is« zum E-Bass, auch das macht Sinn. In der Folge übertreiben sie es mit der Wahl überstrapazierter Standards: »Summertime« ist zwar ganz flott, bei »Body And Soul« brilliert Fonnesbæk am E-Bass mit Akkorden. Dennoch müssen beide Songs nun nicht wirklich sein. »Beautiful Love« und »Come Rain Or Shine« wiederum sind wunderbare Kleinode musikalischer Interaktivität. Nicht nur das: In letzterem hat Fonnesbæk ein schlichtweg wunderbares Solo! (tjk)



Siehe auch:
Sinne Eeg
Thomas Fonnesbæk

Aaron Parks, Thomas Fonnesbæk, Karsten Bagge

Ole Kock Hansen & Thomas Fonnesbæk


Sinne Eeg & Thomas Fonnesbæk: Eeg Fonnesbæk

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Mathias Eick: Midwest
(2015, ECM /Universal ECM 2410 ) - Norwegen

Streckenweise klingt Mathias Eicks lang erwartetes drittes ECM-Album wie eine direkte Fortsetzung des einnehmenden Popappeals von »SKALA«, etwa wenn in »Dakota« oder »Fargo« elegante Melodien erklingen, die man sich ebenso gut als gesungene Lieder vorstellen kann, so stark tritt der Trompeter als Bandleader und vor allem Songwriter auf. Dennoch ist »MIDWEST« ein klares Bekenntnis zum Jazz, zumal die Mitglieder des Quintetts, das Eick nun zusammengestellt hat, im Grenzbereich von nordischem Folk und Jazz beheimatet sind.

Obgleich das Ensemble keinen aus der Besetzung hervorhebt, kommt die markanteste stilistische Neuerung durch Gjermund Larsens Violine, die einen ausgeprägten folkloristischen Einschlag mitbringt. Doch überhaupt hat sich hier eine brillante Band aus Meistern ihres Fachs eingefunden, um unter Manfred Eichers Produzentenschaft im Rainbow Studio Oslo die neuen Stücke des 35-jährigen Trompeters zu interpretieren. Eine Freude vor allem, dass Jon Balke (p) wieder dabei ist; man hört ihn viel zu selten als Sideman. Hier setzt er einige zauberhaft bewegende Akzente. Mats Eilertsen (b) und Helge Norbakken (perc), aus zahlreichen Bands als ausgezeichnete Mitglieder bekannt, glänzen auch in diesem Quintett mit Farben- und Variantenreichtum. Die Titel freilich verraten schon, dass Eick diesmal von US-Amerika inspiriert wurde. Fahrten durch die Weiten des Mittleren Westens erinnerten den Norweger überraschend an seine Heimatregion Hedmark: Zahlreiche skandinavische Aussiedler hatten sich einst im Midwest niedergelassen, ihre Nachfahren finden sich dort bis heute. Und so entstand mit diesem Album eine vielschichtige kulturelle Reise, in luftigerem und gegenüber »SKALA« wieder leicht melancholischerem Grundton erzählend.

»MIDWEST« präsentiert nicht nur Eicks bislang eindringlichste und emotionalste Songs, sondern auch seine konsistenteste Band. Tritt die Liedersammlung auch auf den ersten Eindruck noch unaufdringlicher auf als jene auf »THE DOOR« und »SKALA«, es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der in den letzten Jahren auf ausgesprochen vielen »Hochzeiten« aktive Musiker (ein zweites Kind hat er unlängst übrigens auch noch bekommen und zog mit der Familie daher aus der Wohnung nahe dem Rainbow Studio in ein Haus am Stadtrand Oslos) hiermit unter eigenem Namen sein bisheriges Meisterstück eingespielt hat.
Unbedingt zu erwähnen: Die Aufnahmen sind auch klanglich grandios. (ijb)



Mehr CDs von Mathias Eick



Siehe auch:
Gjermund Larsen
Mats Eilertsen

Jon Balke

Hoff Ensemble


Mathias Eick: Midwest

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Mats Eilertsen & Trio: And Then Comes The Night
(2019, ECM /Universal ECM 2619 ) - Norwegen

Steht auch nicht »Trio« auf dem Cover, ist »AND THEN COMES THE NIGHT«, Eilertsens zweites Album unter eigenem Namen bei ECM, doch zweifelsfrei die dritte CD des Mats Eilertsen Trios mit dem Niederländer Harmen Fraanje am Piano und Landsmann Thomas Strønen am Schlagzeug. Und mehr noch als zuvor sind die Drei als Gruppe zur unteilbaren Einheit zusammengewachsen, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass man als unvorbereiteter Hörer eher das übliche Pianotrio-Projekt unter der Leitung eines Melodien schreibenden Pianisten vermuten würde, so wenig drängt sich Eilertsen (wieder einmal) als Leader in den Vordergrund. Songs und souveränes Zusammenspiel sind mehr denn je ein roter Faden dieser Zusammenstellung. Auch hat man den sonst so aktiven Schlagzeuger selten zuvor derart zurückhaltend und traditionsbewusst im Sinne des Kammerjazz gehört. Allenfalls in kurzen, freier improvisierten Stücken, etwa dem Schluss des Titelstücks, kommt der bekannte flackernde Strønen-Schlagzeugstil durch.

Der sich durch fünf Jahrzehnte ECM ziehenden Linie von Bassisten-Alben fügt Mats Eilertsen mit diesem nun nicht mehr im Osloer Rainbow Studio, sondern beim RSI in Lugano aufgenommenen Instant Classic ein aktuelles Kapitel hinzu, dem böse Zungen allenfalls nachsagen könnten, dass es sich nur marginal von den Klassikern vor 20 oder 30 Jahren unterscheidet. Doch bis heute, etwa in den jüngsten CDs von Gary Peacocks Trio, gibt es diese Alben, die unprätentiöse, oft recht kurze Songs wie »22«, »Solace« und »Soften« mit offeneren, frei improvisierten Stücken (»Perpetuum«, »And Then Comes The Night«) klug verbinden. Und dann gibt es ein kleines, bewegendes Meisterstück wie »The Void«, das genau in der Mitte zwischen den beiden Facetten liegt: die erzählende Melodie unerwartete Wendungen nehmend, mal vorsichtig, kurz abwartend, dann einen forschen Schritt setzend, während Eilertsens Bass eine emotional schwebende Grundierung malt, bevor er sein eigenes Kapitel der Geschichte erzählt, und Strønens klug gesetzte Schlagzeugakzente verdichten jeden dieser Schritte.

Angesichts der beiden schönen, aber nicht herausragenden Vorgängeralben hätte man so eine Verdichtung des Triospiels in dieser Besetzung nicht erwartet. Oder vielleicht gerade doch, siehe die Rezension des geschätzten Kollegen zum vorigen Album »SAILS SET«. (ijb)



Mehr CDs von Mats Eilertsen & Trio



Siehe auch:
Mats Eilertsen
Thomas Strønen

Skydive Trio

Alexi Tuomarila


Mats Eilertsen: And Then Comes The Night

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Mats Eilertsen: Rubicon
(2016, ECM /Universal ECM 2469 | 477 4315 ) - Norwegen

Mats Eilertsen, 1975 in Trondheim geboren, ist im Œuvre von ECM seit zwölf Jahren (seit Jacob Youngs »EVENING FALLS«) und nun ebenso vielen CD-Auftritten eine verlässliche Größe; man kennt ihn aus The Source, Parish und den Bands von Tord Gustavsen, Nils Økland, Mathias Eick und Wolfert Brederode. Als Sideman begeisterte der viel beschäftigte Bassist darüber hinaus zuverlässig in den Trios von Vigleik Storaas, Mark Solborg, Håkon Kornstad oder Alexi Tuomarila. Gemeinsam mit dem ebenfalls ausgestiegenen Arve Henriksen zählte er in den sperrigeren Anfangsjahren (1999 bis 2004) zudem zum Quartett Food.

Dass Eilertsen unter eigenem Namen eine Reihe ebenso bemerkenswerter wie unterschiedlicher Jazzplatten veröffentlicht hat, hat sich hingegen nicht ganz so herumgesprochen. Bereits auf den beiden ersten, »TURANGA« (2004) und »FLUX« (2006), im Quartett mit Ernst Reijseger und den Parish-Kollegen Thomas Strønen und Fredrik Ljungkvist, präsentierte sich Eilertsen als souveräner Bandleader und prägnanter Jazzautor mit eigener Stimme. Einige eher ruhige, selbst produzierte Alben später, von denen fünf Andreas Meland via Hubro herausbrachte, tritt der Norweger nun erstmals mit einem eigenen Album unter Manfred Eichers stilsicherer Produktion in Erscheinung. Und wie sein langjähriger musikalischer Partner Thomas Strønen zuletzt mit Time Is A Blind Guide (oder auch ähnliche Projekte von Eyolf Dale, Christian Wallumrød und Iro Haarla) wählte Eilertsen für »RUBICON« die Form eines kammermusikalisch gefärbten Ensembles, in dem er einige Musiker zusammenbringt, mit denen er seit (mehr als) 15 Jahren spielt.

Wie bereits frühere Projekte Eilertsens zeigten, schreibt der Bassist weniger für sich selbst als für unterschiedliche Unterbesetzungen im Septett, das neben den Saxofonisten Trygve Seim und Eirik Hegdal (auch Klarinette) und Wahlnorweger Rob Waring an Vibrafon und Marimba (wie zuletzt bei Eyolf Dale) durch seine SkyDive-Partner Thomas T Dahl (Gitarre) und Olavi Louhivuori (Schlagzeug) sowie aus seinem anderen Trio Pianist Harmen Fraanje vervollständigt wird. Die Stücke entstanden ursprünglich im Auftrag des VossaJazz-Festivals im April 2014, wurden im Rainbow Studio in Oslo, freilich unter der Leitung Eichers in diese verdichtete Albumform gebracht. »RUBICON« ist wieder eine Spur rauer und kantiger als zuletzt die sanften Hubro-Alben, doch die introspektive Qualität der persönlichen Kompositionen täuscht etwas über ihre Komplexität und die reizvollen erzählerischen Bögen hinweg. Das Spiel der Musiker ist sehr luftig, geradezu schwebend, wie ein atmender Organismus. Zwar fasziniert, mit welchem Abwechslungsreichtum und welch ungewöhnlichen Einfällen die farbenreichen Arrangements ausgestaltet wurden, doch bleibt ein durchweg klarer Fokus präsent – der auch das warme Klangbild betrifft. (ijb)



Mehr CDs von Mats Eilertsen



Siehe auch:
Trygve Seim
Eirik Hegdal mit Trondheim Sinfonietta

Nils Økland Band

Rob Waring mit Eyolf Dale


Mats Eilertsen: Rubicon

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