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22 Pistepirkko: Sleep Good - Rock Well
(2005, Bone Voyage Bone-0015)

Fünfzig Gigs in fünfzig Städten in fünfzig Tagen. Die 2001er-Tour des finnischen Trios war zugleich Mut-, Kraft- und Bestandsprobe. Wie geht ein Team, das nach zwanzig gemeinsamen Jahren eher Familie statt Freundeskreis bildet, mit dieser Anstrengung um?

Das eher unspektakuläre »On The Road«-Wesen der Nordlicher hat nun zum ersten Mal Andreas Haaning Christiansen rund um die Uhr mitgefilmt: Das morgendliche, verkaterte Gezerre in der eigenen Bettwäsche, obskure Autogrammjäger, die mit ihrem Deutsch-Englisch in der Düsseldorfer Kälte stehen gelassen werden und natürlich die allabendlichen Auftritte auf den Brettern, die vorgeben, die Welt zu bedeuten.

Aber die inzwischen nicht mehr ganz jungen Musiker sind Realisten und wissen um ihren Status, den sie auch in Einzel-Interviews betonen: Das hier ist immer noch Untergrund. Und so fallen die Gigs auch eher puristisch und soundmäßig etwas mager aus. Nein, eine exzellente Liveband waren sie noch nie – viel zu mehrschichtig, subtil und ambivalent sind ihre Alben, um sie ohne Abstriche mit drei Musikern live umsetzen zu können. Zudem setzen Pressetermine, interne Differenzen und die Rastlosigkeit des Rock'n'Roll-Lebens den Dreien zu. Am Ende überwiegt die Freude, wieder ins blaugetünchte finnische Heim einzukehren und die Erkenntnis: Ausgeschlafen rockt sich's besser!

Eine Vielzahl an Amateur-Aufnahmen, Slideshows mit Fotos aus Kindheit und Anfangstagen, Live-Tracks und weiteren kommentierten Touraufnahmen ergänzt dieses charmantes Low Budget-Rockumentary über eine sympathische Band. (maw)



Siehe auch:
22 Pistepirkko (CD-Rezension)


Zum Artikel über 22 Pistepirkko

 22 Pistepirkko: Sleep Good - Rock Well

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Arch Enemy: Live Apocalypse
(2006, Century Media Century Media)

Meine Fresse, kann diese Frau grunzen! Frontsau Angela verplempert keine Zeit mit unnötig langen Ansagen, sondern haut einen Song nach dem anderen raus – und die 2.500 Fans im restlos ausverkauften Londoner Forum danken es ihr: Enthusiastisch singen sie mit, surfen über die Menge, recken Teufelshörner in die Höhe. Nach einer guten Stunde brüllt die schwitzende Masse nach mehr. Natürlich erfüllen die Schweden ihren Wunsch: eine weitere Viertelstunde volle Dröhnung, das Publikum geht bis zur letzten Sekunde mit und tobt bis auf den letzten Emporenplatz. Angela schwenkt am Ende die schwedische Flagge, die ihr ein Fan aus der ersten Reihe überreicht. Was für eine geile Liveband!

Doch nach dem Abspann stellt sich die Frage: Moment, das Konzert war am 17.12.2004 – wieso veröffentlicht Arch Enemy die erste (Live)-DVD erst anderthalb Jahre später? Michaels Bruder Christopher Amott, Gitarrist und Gründungsmitglied, stand hier zum letzten Mal mit Arch Enemy auf der Bühne – Grund genug ihm mit DVD 1 der »LIVE APOCALYPSE« Tribut zu zollen. Erwähnt sei nebenbei die astreine Bild- und Tonqualität (wahlweise als Stereo, Dolby 5.1 Surround oder DTS 5.1 Surround) des kompletten Mitschnitts, insgesamt 19 Songs, ohne überflüssige Spielereien der Kameraleute.

DVD 2 fährt jede Menge Bonusmaterial auf: einen zehnminütigen »Tour! Tour! Tour!«-Film, sowie einen Mini-Film über die UK-Tour 2005. Danach plaudern Daniel und Michael im »Gear-Talk« eine Viertelstunde über ihre Ausrüstung und mehr. Interessantes erfährt der Zuschauer in den Interviews: etwa, wie sich Michael fühlte, als sein Bruder die Band verließ, dass Rob Halford für Angela den besten Sänger aller Zeiten darstellt, oder was wäre, »if I wasn't in Arch Enemy ...«.

Es flogt ein Blick hinter die Kulissen des Video-Drehs zu »My Apocalypse«, eine ausführliche Bilder-Slideshow und mehrere Promo-Videos: »Ravenous«, »We Will Rise«, »Nemesis«, »My Apocalypse«. Bei »Nemesis« kann man außerdem zwischen der normalen Version und dem Director's Cut wählen – oder kann die Unterscheide in der dritten Variante (Split-Screen) direkt vergleichen. Zu guter Letzt gibt es drei Livesongs in Multi-Angle Version: Bei »Dead Eyes See No Future«, »Bury Me An Angel« plus »Heart Of Darkness« kann man sich statt der normalen Version nach Wunsch auf einen der Musiker konzentrieren: Angela, Daniel oder das Trio Mike/Chris/Sharlee stehen zur Auswahl.

Empfehlung: Macht mit beim speziellen Triathlon zu dieser DVD: Kaufen, anschauen, freuen. (nat)



Siehe auch:
Arch Enemy (CD-Rezension)

 Arch Enemy: Live Apocalypse

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Arch Enemy: Tyrants Of The Rising Sun – Live In Japan
(2008, Century Media 9978367)

Zwei Jahre nach »LIVE APOCALYPSE«, dem Mitschnitt vom Auftritt Ende 2004 im Londoner Forum, schmeißen Arch Enemy die näxte DVD auf den Markt. »TYRANTS OF THE RISING SUN – LIVE IN JAPAN« zeigt den Gig der Schweden im Tokioer Shinkiba Studio Coast, Teil der Asien-Tour Anfang 2008.
Eine Minute klatschen die Fans, recken Teufelshörner, bis sich ein schwarzgekleideter Daniel Erlandsson hinters Drumkit klemmt. Fast eine weitere vergeht bis er endlich erlösend auf die Becken klopft, das ebenfalls schwarzgekleidete Saitentrio spielend auf die Bühne tritt. Und endlich, endlich betritt Angela die Bühne, stößt den ersten tierischen Röchler ins Mikro. Die Fronterin im weißen »Pure Fucking Metal«-Outfit hat die Meute für die kompletten 95 Minuten im Griff – die jeweiligen Soloauftritte der Musiker beiseite gelassen.

Ja, mit dem zu »RISE OF THE TYRANT«-Album zurückgekehrten Christopher Amott ist das Quintett wieder eine Live-Supermacht. Schlag auf Schlag, ohne Verschnaufpause: Intro, »Blood On Your Hands«, »Ravenous«, »Taking Back My Soul«. Respekt. Kurze Ansage, weiter geht's, »Dead Eyes See No Future« kracht aus den Verstärkern, es folgt »Dark Insanity«. Erst vor »The Day You Died« wendet sich Angela an die Fans, widmet das, durch einen japanischen Film inspirierte Stück, dem japanischen Publikum. Der DVD-Betrachter fühlt sich dank der erneut ausgezeichneten Bild- und Tonqualität (wahlweise Stereo, Dolby 5.1/ DTS 5.1 Surround) fast, als sei er mittendrin, wenn die Japaner alles andere zurückhaltend den Schweden huldigen und kräftig mitgrölen. Nach einer halben Stunde hämmert Daniel mittlerweile klatschnass, aber ungebremst aufs Schlagzeug, liefert zehn Minuten später mühelos ein knapp vierminütiges Solo ab, weiter geht's: Es ist erst Halbzeit. Noch eine Dreiviertelstunde Spielspaß, bis sich Arch Enemy mit »Fields Of Desolation« und Outro endgültig verabschieden.

Das Konzert ist nun vorbei, doch nicht die DVD: Die Rubrik »Special Features« beinhaltet »The Road To Japan«, ein 45minütiges Road-Movie, mit ausführlichen Interviews der Band, angefangen mit »Bandyoungster« Angela. Versuche den Arch Enemy-Kulte im fernen Osten zu erklären, unternehmen auch Tetsu Miyamoto (Toys Factory Records) und Taka Okunu vom Burrn!-Magazin – das die Schweden via Leserwahl gleich in fünf Kategorien mit Auszeichnungen überhäufte: Beste Gruppe, bester Gitarrist, bester Schlagzeuger, bestes Album und bester Songwriter. Wo sie auch gehen schreiben die Schweden Autogramme für die Fans oder lassen sich mit ihnen fotografieren. Fazit des Road-Movies: Japan ist bunt, laut – und verrückt nach Arch Enemy.

Zu guter Letzt gibt's noch drei Promoclips: »Will Live Again« und »Revolution Begins« sowohl als Original wie auch »Band Performance«-Version. Summa summarum starke, gutgemachte 150 Minuten einer starken Band. (nat)

 Arch Enemy: Tyrants Of The Rising Sun – Live In Japan

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Björk: Biophilia Live
(2014, One Little Indian/Cinema Purgatorio)

»Biophilia« erschien im Oktober 2011 mit großem Brimborium, in diversen preislich intensiven Luxuseditionen und als »bahnbrechend« vermarktet, wurde von der Kritik zumeist als (über-)ambitioniertes, aber auch überkandideltes Comeback besprochen, von vielen Fans und Allgemeinheit allerdings zumeist lauwarm aufgenommen. Keine der Melodien konnte sich in Erinnerung halten, und auch nach vielfachem Hören konnten allenfalls Hardcore-Fans die Songs benennen oder auseinander halten. Zwei Jahre später, die kostspielige Tour zum Album wurde teils verhalten, teils ratlos aufgenommen, ließ Björk den Tourneeabschluss im Londoner Alexandra Palace filmen und im Frühjahr 2014 als Konzertfilm in die Kinos bringen.

Schließlich erschien unter dem Albumtitel »BIOPHILIA LIVE«, wahlweise als 3xLP+1DVD, 2xCD+1DVD oder 2xCD+Blu-ray, Björks bereits 12. Video-Album. Es ist zugleich ihr 6. offizielles Live-Album zum (nach offizieller Zählung) 7. Studio-Album (nur zu »Medúlla« gab es kein Livealbum). Leider liegt uns zur Besprechung nur ein komprimierter Vimeo-Link in mittelmäßiger Bild- und Tonqualität des 96-minütigen Konzertfilms vor, weshalb die Besprechung der restlichen Elemente des Albums und eine angemessene Würdigung des Gesamtpakets außen vor bleiben muss.

Wikipedia verrät, dass der Film unter der Regie von Nick Fenton (der auch die Montage verantwortete) Peter Strickland entstand. Letzterer trat bereits mit drei, von einigen verehrten, von anderen mit Indifferenz gestraften Filmen in Erscheinung: »Katalin Varga« (2009), »Berberian Sound Studio« (2012) und zuletzt »The Duke of Burgundy« (2014). Die Bilder fing der versierte Kameramann Brett Turnbull ein. All dies verspricht einen beeindruckend originellen und ambitionierten Konzertfilm, doch das Ergebnis ist verwunderlicher und enttäuschender Weise in erster Linie eine weitere konventionelle Konzertaufzeichung mit ein paar hübschen Naturbildern und einer von David Attenborough gesprochenen Begrüßung. Das wird vor allem die Fans erfreuen, vermag darüber hinaus jedoch nicht allzu viel Faszination auszulösen.

Der größte Anreiz des Films liegt sicher darin, dass sich all jene, die sich die hochpreisigen Tickets der Tournee nicht leisten konnten, eine gute Ahnung der Show nach Hause (oder in den Kinosaal in Reichweite) holen können. Damit erfüllt »BIOPHILIA LIVE« mit Sicherheit seinen Zweck, mit abgefahrenen Projektionen reizvoll anzusehender Visuals aus Mikrofauna, Milchstraßen, Vulkan- und Ozeanwelt, mit makellos dargebotenen Performances der Mitwirkenden, inklusive dem eindrucksvollen Chor, und studiomäßig cleanem Sound. Als Dokument fein, als Konzertfilm leider ein nicht eingelöstes Versprechen, besonders in Anbetracht der Möglichkeiten und Björks Ambitionen. (ijb)

 Björk: Biophilia Live

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Björk: Medúlla Special – Double DVD Edition
(2005, One Little Indian/Universal 9868397)

Wenig Künstler verfolgen ihren Weg so kompromisslos wie Björk ... und haben auch noch Erfolg damit. Ihr Album »MEDÚLLA« realisierte die Isländerin nur mit Stimmen, und manch einer mag sich gefragt haben, wie das alles gemacht wurde. Antwort liefert diese Doppel-DVD, deren Betrachtung von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend wie ein Krimi ist.

Gebrauchsanweisung: Zunächst höre man am besten noch einmal konzentriert das Album an. Wer das nicht ohnehin im Schrank stehen hat, kann dies hier noch mal in hochwertigem Dolby-Surround tun. Dann lässt man sich von der 45minütigen Doku »The Inner Or Deep Part Of An Animal Or Plant Structure« über die Entstehungsgeschichte des Albums informieren, worin nicht nur Björk selbst bereitwillig Auskunft gibt, sondern auch die Vokal-Zauberer Rahzel, Dokaka oder Mike Patton in Aktion zu bewundern sind, in verteilten Studio-Schauplätzen wie New York, London, Reykjavik, den Kanarischen Inseln und Salvador.

Dann wechsle man zur zweiten DVD mit den drei Musikvideos zu »Oceania«, »Who Is It« und »Triumph Of A Heart«, die als wahre visuelle Meisterwerke immer wieder neue Details offenbaren. Daran anschließend empfiehlt sich – neben zwei weiteren Bonus-Videos zu den Nummern »Desired Constellation« und »Where Is The Line« – der halbstündige »Behind The Scenes«-Film zum Dreh von »Triumph Of My Heart«.

Jenes von Spike Jonze gedrehte Video fußt auf dem isländischen Mythos von der Katze, die sich um den vernachlässigten Hof kümmern muss, während der Ehepartner durch die Bars zieht. Die Statisten in der Kneipe – überwiegend Künstler und Björks Freunde – geben dem Song durch sehenswerte Gesangseinlagen ein völlig neues Gesicht. Eine Maßstäbe setzende Musik-DVD. (peb)



Siehe auch:
Björk (CD-Rezension)

 Björk: Medúlla Special – Double DVD Edition

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The Cardigans: Live In London
(2005, Universal 982.325-6)

1996: Die Band steht kurz vor ihrem Durchbruch, ausgelöst vor allem durch den Hit »Lovefool« und das Album »FIRST BAND ON THE MOON«. Doch noch kennt man sie nur in Insiderkreisen, und wohl deswegen fand das Konzert am 20./21. November 1996 im Londoner Shepherds Bush Empire im eher familiären Rahmen statt, mit schlichtem Dekor und ohne großen Show-Pomp.

Der war natürlich nie Sache der fünf Schweden aus Jönköping, doch damals gingen sie schon noch besonders schüchtern-scheu, wohl auch nervös ans Werk. »Spröde« ist das rechte Wort, das das Auftreten und den damaligen Sound der Band um Männerschwarm Nina Persson am treffendsten beschreibt. Spröde und voll kantigem Wave-Charme, was ihrem bisweilen angejazzten Lounge-Pop eine kontrastreiche Anmutung gibt.

Witzig wirken in diesem Zusammenhang das erste und letzte Lied des Repertoires, die einzigen Songs aus fremder Feder: Dass die Cardigans mit »Iron Man« und »Sabbath Bloody Sabbath« auch mal Black Sabbath coverten, weiß heute kaum noch einer. Das Konzert als Ganzes kann dennoch nur bedingt überzeugen: Zu gleichförmig haspelt das Quintett die Songs herunter; zu unbeteiligt wirken alle Beteiligten.

Fans der Cardigans-Frühzeit freut dieser bereits 1997 im VHS-Format veröffentlichte, für die DVD-Fassung um eine 13minütige Dokumentation, ein Promo-Video und eine Fotogalerie erweiterte Mitschnitt natürlich trotzdem. (peb)



Siehe auch:
The Cardigans (CD-Rezension)

The Cardigans: Live In London

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Children Of Bodom: Chaos Ridden Years – Stockholm Knockout Live
(2007, Spinefarm/Universal)

Mit ihrem letzten Album »ARE YOU DEAD?« übertrafen sie ihr bisheriges Discografie-Highlight »HATEBREEDER« und damit sich selbst. Damit sind nicht nur die spieltechnischen Fertigkeiten gemeint, obwohl auch die im Metal-Genre so ziemlich auf der Spitze thronen: Allein wie Sänger/Gitarrist Alexi »Wildchild« Laiho und der noch begabtere Zweitgitarrist Roope Latvala sich ständig feurige Saiten-Duelle liefern, verlangt Bewunderung.

Zusammen mit Bassist Henkka T. Blacksmith toben sie als mähnenschwingendes Headbanger-Triumvirat über die Stockholmer Bühnenbretter, während Keyboarder Janne Warman in die Soli synchron mit einsteigt und bei Drummer Jaska W. Raatkainen in virtuoser Präzision die Bassdrum-Pedale glühen.

Nach 80 Minuten souverän gespieltem Live-Material von druckvoller und relativ guter Klangqualität ist aber noch nicht Schluss, wenngleich sich das Bonusmaterial eher in Grenzen hält: Die 45minütige Doku »Chaos Ridden Years« erzählt die Bandgeschichte, und die Viertelstunde »Deleted Scenes« – genau genommen also doch nicht »deleted« – haben immerhin einen gewissen Unterhaltungswert.

Des Weiteren gibt's sieben Promo-Videos und ein »Behind The Scenes« zum Stockholm-Konzert, das allerdings recht langweilig und mit seinen dreieinhalb Minuten auch sehr kurz ausgefallen ist. Trotzdem: »Det var mycket bra« – so röhrt Alexi ins Mikro, bevor Janne über einem der Bühnen-Flammenwerfer Würstchen grillt. (peb)



Siehe auch:
Children Of Bodom (CD-Rezension)


Zum Artikel über Children Of Bodom


Zur Konzertkritik über Children Of Bodom

 Children Of Bodom: Chaos Ridden Years – Stockholm Knockout Live

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Tim Christensen: Live At Abbey Road Studios
(2004, EMI Denmark 724354441400)

»Ladies and Gentlemen, Abbey Road Studios proudly present: Mr. Tim Christensen«, ertönt die Stimme aus dem Off, und schon legen Christensen und Konsorten mit dem rockigen »Jump The Gun« los. Danach wird's beschaulicher, und trotzdem grooven die nächsten ruhigen Songs – bis es bei »Get The Fuck Out Of My Mindestens« und »Screaming At The Top Of My Lungs« noch mal härter zur Sache geht.

Die beiden vorletzten Stücke spielt Christensen alleine nur mit Akustik-Klampfe, bevor Gitarrist Lars Sjærbæk, Bassist Nicolai Munch-Hansen und Schlagzeuger Olaf Olson zurückkehren. Vereint stimmen sie das finale »Time Is The Space Between Us« an. 70 Minuten dauert das komplette Konzert, das die Gruppe so ungezwungen wie eine fröhliche Session im Proberaum rüberbringt – allerdings weisen die 14 Stücke eine ausgezeichnete Bild/Tonqualität auf.

Als Hintergrund zum Gig liefert die DVD eine Art Tourbericht »From Roskilde To Abbey Road«: Dieser startet beim Roskilde-Festival, zeigt die Anreise zu den Studios, den Gang der Dänen über DEN Zebrastreifen (Beatles), sowie kurze Interviewhappen – in leider etwas schlechterer Bildqualität.

Darüber hinaus bietet der äußerst gelungene Silberling einige Extras: ein 20minütiges Interview auf Dänisch mit dem Mastermind Christensen, Aufbau, Sound-/Lichtcheck, Kamera-Installation und Make-Up(!) für die Band im kurzweiligen »Behind The Scenes« plus eine gute Viertelstunde akustische Session extra. Und wer immer noch nicht genug hat, möge zu den zwei beigelegten CDs greifen: zum ersten das Konzert mit Band, zum zweiten die Akustik-Session mit fünf Songs.

Die komplette DVD ist auf Dänisch, Untertitel gibt's nur auf Englisch. Achtung: Diese verstecken sich unter dem Menüpunkt »Setup«! In Deutschland ist sie leider nicht erhältlich; beziehen kann man sie aber über den Shop CD-Skiven, der von der Künstler-Website verlinkt ist. (nat)



Siehe auch:
Tim Christensen (CD-Rezension)
Dizzy Mizz Lizzy (CD-Rezension)


Tim Christensen: Live At Abbey Road Studios

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Dark Funeral: Attera Orbis Terrarum Part 1
(2007, Regain Records RR090)

Drei komplette Auftritte plus Bonusmaterial packen Dark Funeral auf die Doppel-DVD »ATTERA ORBIS TERRARUM«. Das erste Set filmen sie am 12. März 2005 auf der Metalmania im polnischen Katowice. Nach einem kurzen Intro feiert das Quintett »The Arrival Of Satans Empire«. Wen jemand diesen Mitschnitt als Augenschmaus bezeichnet, dann nur dank Kameraführung und Lichtshow: Bierwampen dominieren das äußere Erscheinungsbild – Sänger E.M. Caligula macht Turbonegro-Fronter Hank van Helvete ernsthaft Konkurrenz. An der Setlist gibt es nichts zu mäkeln – »The Secrets of Black Arts« oder »Ravenna Strogoi Mortii« fehlen nicht. Doch gibt der Mischer stellenweise zuviel Hall auf den Gesang, das Publikum ist (zu) leise und zurückhaltend.

Der zweite Gig am 5. März 2006 im niederländischen Tilburg ist ganz anders aufgemacht als die »Ostblock-Variante«. Ein theatralisch inszeniertes Intro, ganz in schwarz-weiß gehalten, stimmt auf die folgende gute Stunde ein. Wechsel zum Farbbild, ab geht die Post. Im 013 passt der Sound, nicht nur von Caligulas Gekeife. Ihre Bierfriedhöfe hüllen die Schweden in Lederrüstungen, verziert mit Pentagrammen in blutrot. Die Zuhörer machen sich hier etwas lauter bemerkbar. Manko hier: Die hektischen Wechsel und Schnitte der Kameras.

Die abschließende Show am 17. März 2006 im Pariser Club »La Locomotive« startet am euphorischsten und gefällt am besten, trotz gleicher Setlist wie in Tilburg – und den genau gleichen Sprüchen. Hier passt einfach alles, vom Intro bis hin zum artgerechten Rausschmeißer »An Apprentice Of Satan«: Das authentische Publikum, die moshende Band, Lichtshow, Bild- und Tonqualität.

Nun zum Bonusmaterial: Das »Amateur Footage« aus den Jahren 1994 bis 1997 besticht nicht gerade durch Bild- und Tonqualität. Doch bietet es Fans Gelegenheit die Anfangstage ihrer Idole zehn Songs lang mitzuverfolgen, sei als motivierte Jünglinge in einer Osloer Kneipe 1994 oder Bathorys »Equimanthorn« in einer kleinen Halle covernd.

Und wen mir nun noch jemand erklären könnte, was das »Atrum Regina«-Video in der Bonusabteilung soll, zusammengebastelt aus Material der enthaltenen Konzerte, dann wären keine Fragen mehr offen. (nat)

 Dark Funeral: Attera Orbis Terrarum Part 1

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Thomas Dybdahl: ... That Great October DVD
(2004, CCAP 025)

Wie schön, dass es auch eine DVD dieses wuscheligen Newcomers gibt, denn Thomas Dybdahl kann gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen! Die DVD enthält einen Konzertmitschnitt vom 16.3.2003, 13 Songs lang und fast vollständig deckungsgleich mit der gleichnamigen CD.

Live klingen die Songs jedoch rauer, karger und – was eigentlich kaum möglich ist – noch emotionaler. Dybdahl und seine Band – nachlässig gekleidete Burschen mit komischen Hütchen sowie einer aus der Form geratenen, nicht mehr oder noch nicht modischen Koteletten-Bart-Kombination – zelebrieren mit Pedal-Steel-Gitarre, soulig schnurrender Orgel und Falsettgesang fast verloren geglaubte Tugenden wie sehnsüchtig im Herzen rumorende Lieder mit zum Heulen schönen Melodien.

Daneben findet man auf der Scheibe noch einen fast halbstündigen norwegischen Dokumentarfilm (ohne Untertitel), eine Bildergallerie und fünf Musikvidoes: Selbst die heben sich ab vom MTV-Einerlei, wenn etwa ein Junge seiner Flamme schlicht und einfach das Liebeslied »From Grace« ins Angesicht schmachtet. Zu bestellen direkt in Norwegen auf Dybdahls Homepage. (peb)



Siehe auch:
Thomas Dybdahl (CD-Rezension)

Thomas Dybdahl: ... That Great October DVD

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e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): Live in Stockholm
(2003, ACT/Contraire ACTDVD 9900-9)

Als Pianist Esbjörn Svensson, Bassmann Dan Berglund und Trommler Magnus Öström am 10. Dezember 2000 im ausverkauften Nalen-Club ihrer Heimatstadt auftraten, stand einmal mehr die Verschmelzung traditioneller Jazzelemente mit topmodernen Pop-Einflüssen auf dem Programm.

In bekannt-bewährten Titeln wie »Dodge The Dodo«, »From Gagarin's Point Of View« und dem unveröffentlichten »Bowling« schlugen die gewitzten Schweden ohrenfällig eine Brücke von der Klaviertrio-Schule eines Keith Jarrett zur Klangelektronik unserer Tage, wie man sie etwa von Portishead oder Radiohead kennt. Solange es solche Neuerer gibt, muss einem um den Fortbestand des in die Jahre gekommenen Jazzgenres nicht bang sein.

Erfreulicherweise hat man diese Sternstunde des Live-Jazz auf Zelluloid festgehalten. Mit acht Kameras wurden das Bühnengeschehen und die dazugehörige Lightshow eingefangen. Die 96-minütige DVD-Fassung gibt all das in stimmungsvollen Bildern wieder, die eher an die Videoclip-Ästhetik auf MTV als an herkömmliche Konzertaufzeichnungen erinnern, was aber nicht anbiedernd, sondern einfach nur sehr erfrischend wirkt.

In der Zugabenabteilung der Digital Versatile Disc findet der Fan Interviews, eine Fotogalerie, zwei Promofilme und eine Diskografie. Bravissimo! (hake)



Siehe auch:
e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio) (CD-Rezension)


Zum Artikel über e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)

 e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio): Live in Stockholm

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Eläkeläiset: Sekoilun Ytimessä 1993-2003
(2004, Humppa/Indigo Humppa025)

Der Wahnsinn hat einen Namen: Eläkeläiset, zu deutsch »Rentner«. Selten nüchtern, und erst recht nicht auf der Bühne. Gewandet entweder in Anzug und Schlips oder nackt, ebenfalls auf der Bühne. Musikalisch brettert das Quartett durch so rasanten Polka im 2/4-Takt, dass sich die Burschen als mittlerweile bekannteste Humppa-Combo qualifizieren konnten.

Diesen Wahnsinn kann man nun auf DVD nachverfolgen, satte 250 Minuten lang. Der Kern der Aufnahmen widmet sich Eläkeläisets wirklich »sehr spezieller« Livepräsenz mit Ausschnitten aus den Konzerten in Potsdam und Helsinki, dem Wacken-Festival und Tampere. In sich hat's jedoch besonders das Bonusmaterial: Hier findet man amüsante Skurrilitäten wie eine Karaoke-Show, Wodka-Staffeln, Spuckwettbewerbe oder eine finnische Erklärung zum Thema »Breitbild«. Absolut empfehlenswert für Freunde des kruden Humors.

Überhaupt darf man sich die DVD nicht als logische Abfolge gesammelter Rentner-Filme vorstellen, sondern eher als Kuddelmuddel von durchgeknalltem Backstage-Material, völlig bescheuerten Filmschnipseln und Liveaufzeichnungen, die aussehen, als hätte es die Kamera selbst bereut, das beobachtet zu haben. Zur Nachahmung nur bedingt zu empfehlen, zum gemeinsamen Anschauen bei fortgeschrittener Demenz und/oder nach heftigem Alkoholkonsum jedoch sehr. (peb)



Siehe auch:
Eläkeläiset (CD-Rezension)


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Zur Konzertkritik über Eläkeläiset

 Eläkeläiset: Sekoilun Ytimessä 1993-2003

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Europe: Live From The Dark
(2005, Sanctuary/Soulfood MYNDVD047)

Klar – diese Doppel-DVD dürfte mehr ein Weihnachtsgeschenk für den Papi sein als für die minderjährige Tochter. Obwohl Sänger JoeyTempest, Gitarrist John Norum und der Rest des Schweden-Fünfers optisch noch immer fast Starschnitt-tauglich sind. Aber eben nur fast.

In punkto Routine und Professionalität macht ihnen aber kaum einer was vor: Als Europe 2004 – zwölf Jahre nach dem Ende der Band – ihre Reunion einläuteten, stellten sie schnell klar, dass sie noch immer eine sehenswerte Show auf die Bühnenbretter legen können und Tempest auch am Ende des 100minütigen Konzerts im Londoner Hammersmith – also beim letzten Song »The Final Countdown« – gut bei Stimme ist.

Apropos sehenswert: Es wäre schön, wenn man denn etwas sehen könnte: Die schauderhafte Bildqualität, schlechte Auflösung und schlechte Beleuchtung steht in krassem Missverhältnis zum differenzierten und druckvollen Sound. Die zweite DVD fährt jede Menge Bonusmaterial auf: Ein 24minütiger Clip dokumentiert einen Tourtag, vom Ende eines Konzerts bis zum Betreten der Bühne in London.

Die »Taxi Diaries« entpuppen sich als Taxi-Interviews mit allen Europe-Mitgliedern; interessanter für Musiker dürften die ausführlichen Erläuterungen der »Hair Rocker« zu ihrem Equipment sein – alles jedoch englisch ohne deutsche Untertitel. Zwei Bonustracks vom Soundcheck und ein paar Promovideos füllen die restliche Lücken.
Prädikat: Darf man haben, ohne rot zu werden; muss man aber nicht. (peb)



Siehe auch:
Europe (CD-Rezension)

 Europe: Live From The Dark

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Evergrey: A Night To Remember – Live 2004
(2005, InsideOut/SPV 556-40848)

Es war ein optisch wie dramaturgisch perfekt, fast schon zu perfekt inszeniertes Konzert mit Heimvorteil: Das 2004er-Konzert in Göteburg fand im 160 Jahre alten Storan Theater statt und wurde – lichttechnisch monumental in Szene gesetzt – von sieben entfesselten Kameras festgehalten.

Die schwedische Band um Tom S. Englund war denn auch bestmöglich vorbereitet: Selbst vertrackte Passagen meisterte sie scheinbar mühelos, angetrieben von knüppelnden Double-Bassdrums im Geschwindigkeitsrausch, während keine selbstbewusst-breitbeinige Macho-Pose ausgelassen wurde und die Mähnen heftig headbangend durch die Luft wirbelten. Für Abwechslung in den 20 Songs sorgen ein Streichquartett und ein Duett mit Carina Kjellberg, Englunds Frau.

Die zweite DVD, »The Shocking Truth« betitelt, enthält 6,5 (!) Stunden Hintergrund-Material und damit weit mehr, als man über die Band wissen muss: Musik-Videos, gesammelte Backstage-Mitschnitte, Doku-Szenen von Studio-Aufnahmen und wirklich ausführliche Interviews mit jedem Musiker samt detaillierter Erklärungen des Equipments. Sechseinhalb Stunden! Wer das am Stück schafft, braucht danach Urlaub.
Jedoch: virtuose Band, kraftvoller Progmetal und atemberaubende Arrangements. (peb)



Siehe auch:
Evergrey (CD-Rezension)

 Evergrey: A Night To Remember – Live 2004

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HC Gilje: Cityscapes
(2006, Lowave/Jakob 012 DVD)

Bringen wir rasch das Technische hinter uns: 60 Minuten Länge, vier Kurzvideos ohne Dialoge, als Bonus-Feature ein deutsch untertiteltes Interview mit dem norwegischen Filmkünstler HC Gilje.

Das Thema der Filme ist die Stadt, die Metropole als Archetyp mit ihren unpersönlichen Begegnungen, dem alles bestimmenden Verkehr, der Architektur und ihren abstrakten Formen. Die Filme erzählen vom modernen urbanen Herzschlag und stehen damit in einer Tradition von städtischen Sinfonien wie Dziga Vertovs »Der Mann mit der Kamera« (1929) oder Walter Ruttmans »Berlin – Sinfonie einer Großstadt« (1927).

Während jedoch aus jenen frühen Avantgarde-Betrachtungen menschlicher Siedlungen noch Faszination und Technikbegeisterung sprach, richtet der Trondheimer Experimentalkünstler einen neutralen, wenn nicht gar desillusionierten Blick auf sein Sujet. »Die Stadt formt unsere Psyche«, meint Gilje, und er sieht die Stadt als natürlichen menschlichen Lebensraum – so, wie es die Natur früher einmal war.

Könnte es für die Vertonung dessen bessere Audio-Künstler geben als Jazzkammer, die norwegischen Klang-Freigeister, die zwei der vier Filme mit surrealen Soundtracks unterlegen, die ebenso wie die Bilder ihr Recht auf Aufmerksamkeit fordern? (peb)



Siehe auch:
Jazzkammer (CD-Rezension)

HC Gilje: Cityscapes

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Gluecifer: Farewell To The Kings Of Rock
(2009, Mate In Germany/Soulfood MIG 011)

Schluss. Aus. Vorbei. Die norwegischen Kings Of Rock sind Geschichte. Am 14. Oktober 2005 gaben Gluecifer ihr Abschiedskonzert im Osloer Sentrum Scene. Diese DVD enthält eben dieses Konzert in voller Länge: »FAREWELL TO THE KINGS OF ROCK« zeigt binnen 100 Minuten warum »God's Chosen Dealer«s, wie die mittlerweile ebenfalls aufgelösten Hellacopters, zur Speerspitz des skandinavischen Rocks gehör(t)en.

Die Menge im ausverkauften Club bejubelt bereits die Schatten hinterm den weißen Laken, die Silhouetten des Sängers Biff Malibu, der Gitarristen Captain Poon / Raldo Useless, von Bassist Stu Manx und Schlagzeuger Danny Young. Die ersten Takte von »Automatic Thrill« erklingen, der »Vorhang« fällt. Die Klangqualität ist von Anfang an extrem gut – zumindest was die Band betrifft: Obwohl das Publikum die Jungs frenetisch feiert, hört man davon keinen Ton. Das ändert sich glücklicherweise im Laufe des Sets, lässt wirkliche Live-Atmosphäre entstehen.

Trotz der Hitze auf der Bühne hält es sich Biff vier Songs lang in seinem Jackett aus, zwei Songs später folgt auch Raldo seinem Beispiel. Die – englisch untertitelten – Ansagen hält Biff meist kurz, die Jungs rocken ohne Gepose durch 22 Lieder aus all ihren Schaffensperioden: Vom Debütalbum »RIDIN' THE TIGER« über »SOARING WITH EAGLES…«, »TENDER IS THE SAVAGE« und »BASEMENT APES« bis zur letzten Studioscheibe »AUTOMATIC THRILL«.

Captain Poon nutzt Raldos Solo in »Black Book Lodge« um sich seiner Lederweste zu entledigen, liefert sich oben ohne dann ein mehrminütiges Saitenduell mit ihm. Bleibt die Frage, warum im folgenden Schlagzeugsolo ein goldenes Banner mit »Durex«-Logo hinterm Drumkit herabgelassen wird? Ist es Teil einer norwegischen Aufklärungskampagne – du denkst Chlamydien sind Zimmerpflanzen?

Gluecifer verschwinden nach »Black Book Lodge« und 75 Minuten Spielzeit zunächst einmal von der Bühne. Als Biff danach wieder zurückkehrt, das Mikro ergreift und den Fans für ihre Treue dankt, fallen ihm die ersten roten Rosen auf den Brustkasten. Mit den Blumen in der Hand, intoniert er die erste Zugabe »Desolate City«, für Zugabe Nummer zwei reichen die ersten Schlagzeugtakte von Danny aus: Schon ertönt aus hunderten Kehlen »I Got A War«, die letzten Takte spielt Stu Manx mit einer Rose zwischen den Zähnen – die ihm Raldo via Mundraub abnimmt.

Nach 90 Minuten lassen sich die Kings Of Rock für die wirklich letzten Zugaben auf die Bretter bitten: »Bossheaded« und »Easy Living«, das das Quintett dank diverser (Mitsing)Einlagen auf satte sieben Minuten streckt. Nach zweiminütigem Applaus ist es wirklich vorbei: Gluecifer sind Geschichte.

Als Bonus gibt es (leider nur) sämtliche Videos der Band: Den Anfang der zehn Clips macht »Desolate City«, »Easy Living« ist ebenso dabei wie »I Got War«, den Schlusspunkt setzt »Little Man«. (nat)



Siehe auch:
Gluecifer (CD-Rezension)
The Hellacopters (CD-Rezension)


 Gluecifer: Farewell To The Kings Of Rock

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Gluecifer: Royally Stuffed
(2004, SPV 99177)

»Nicht kleckern, sondern klotzen« lautet das Motto dieser Scheibe: Eine Dual-Layer-DVD hat Gluecifer gefüllt mit drei Stunden Spielzeit, davon 75 Minuten Livekonzert in Bergen, 30 Minuten Interview, allen acht Videos samt Bonus-Video, der kompletten Discografie mit Hörbeispielen sowie einer Reihe amüsanter Zusatz-Features.

Als da wären: bandeigene Videomitschnitte vom Blödeln, Trinken und Partyfeiern – ja sogar eine Session mit den Ärzten, wie sie alle zusammen Judas Priest covern. Auch wie zahlreiche Fans und Musiker – darunter die Kollegen von Krokus oder In Extremo – mehr oder weniger druckvoll den Satz »Rock is cool« artikulieren, sorgt für heitere Laune.

Die Hauptsache jedoch: Diese DVD belegt, dass Gluecifer zusammen mit Turbonegro und den Hellacopters zu den wichtigsten (Punk-)Rockbands Skandinaviens zählen. Biff Malibu, Cpt. Poon, Raldo Useless, Stu Manx und Danny Young bringen einfach jede Halle zum Kochen. In jüngster Zeit zunehmend durch riffgewaltigen Hardrock à la AC/DC – einer Gangart, die den Norwegern ausnehmend gut bekommt. Soli allerdings brauchen sie nicht, denn schnörkellos, laut und ungebärdig kommt Rock eben immer noch am besten. (peb)



Siehe auch:
Gluecifer (CD-Rezension)
Turbonegro (CD-Rezension)

The Hellacopters (CD-Rezension)


 Gluecifer: Royally Stuffed

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The Hellacopters: Good Night Cleveland
(2003, Island/Alive 8717056036090)

»The Hellacopters have earned two Gold Albums and a Grammy Award in Sweden. It's a different story in the USA ...«, so beginnt die Dokumentation der letzten zehn Tage der US-Tour. Wer jemals Vorurteile gegenüber Amis hatte, findet sie hier bestätigt, wie der Dialog zwischen Nicke und einem loyalen Fan zeigt: Auf sein »I love Sweden, man!« fragt ihn der Fronter, ob er denn schon mal da war. Er verneint, darauf will Nicke wissen, wieso er's dann lieben kann. Antwort: »Weil IHR von da kommt!« Sein Kumpel springt in die Bresche: »Ich war da! Als ich klein war … in den Alpen!« Yo man!

Wenn die Schweden nicht gerade mit Fans quatschen, spielen sie ihre eigenen Roadies, gehen einkaufen, schmieren Brote, waschen Wäsche, treten im Radio auf, würgen ekligen Fraß runter oder lassen sich für Musikzeitschriften auf einem Basketballfeld fotografieren. Die Kamera schwenkt manchmal im Blair Witch-Stil durch die Gegend, ab und zu hängt auch mal das Mikro ins Bild – egal: ROCK'N'ROLL! Von den eigentlichen Gigs kriegt der Zuschauer relativ wenig mit; kaum einen Song nehmen sie komplett auf. Dafür erfährt er beispielsweise, dass die Hellacopters-Originalbesetzung (mit Dregen) aus Ex-Entombed Drummer Nicke (»I miss the drums«) und drei Entombed-Drum-Roadies bestand.

Einen kleiner Gag am Rande bietet das Audio Menü in vier Varianten: Neben Stereo oder Mono gibt's eine mit Band-Kommentaren versehene sowie die "Spaghetti Western" Version ... nehmen die Jungs Drogen? Gesprochen wird auf Englisch/Schwedisch mit Untertiteln auf Englisch, Französisch und Deutsch. Ja, diese sind definitiv eine Erwähnung wert: Da gibt's »Hünchen« wie auf dem Schild einer Dönerbude, die norwegischen Kollegen heißen »Glucifer«, und der absolute Gewinner ist die Untertitelung des Lachens einer Tussi im Backstage: »Hihihahaha ...«.

Die Extras fallen etwas dürftig aus; neben »Outtakes« der jeweiligen USA-Shows findet sich als Rarität ein Mitschnitt vom Hultsfred 1996. Backstage rocken sie in der Originalbesetzung mit Dregen, der »Didn't Stop Us« singt, leider in miserabler Ton/Bildqualität. Wer also auf einen kompletten Konzertmitschnitt gehofft hat, ist hier falsch; wer aber einen Blick hinter die Kulissen werfen will, sollte sich das 114-minütige Spektakel auf jeden Fall gönnen. (nat)



Siehe auch:
The Hellacopters (CD-Rezension)

The Hellacopters: Good Night Cleveland

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HIM: Love Metal Archives Vol. 1
(2005, GUN/Sony BMG 82876690829)

HIM, eine der derzeit – vor allem in der weiblichen Teeniewelt – erfolgreichsten finnischen Rockexporte öffnet die Archiv-Pforten. Wenn das eher wahl- und lieblos als mit einem durchdachten Konzept gemacht wird, entsteht leicht der Einruck, hier wird ausgemistet und verramscht. Frelich klingen fünf Stunden Material erst einmal beeindruckend, aber wenn man sich durch alle 15 offiziellen Videos und 24 Live-Clips von sieben verschiedenen Bühnen gekämpft hat, fragt man sich: »Wozu«?

Der in den Studiofassungen mit Kompressoren und Limitern wie ein Heißluftballon aufgeblasene Sound zeigt zwar HIMs Talent für eingängige Melodiechen, kann aber nicht die billige Strickart der meisten Songs verhehlen. Die Entwicklung durch die Jahre 1998 bis 2004 enthüllt vor allem dreierlei: Erstens hat die Band an Bühnenpräsenz deutlich gewonnen. Zweitens hat Frontmann Ville Hermanni Valo mittlerweile endlich die alberne schwarze Strickmütze ausgemottet, nicht aber die Marotte abgelegt, Zigarette und Mikrofon mit einer Hand gleichzeitig möglichst cool halten zu wollen. Drittens nervt die Masche von Herzschmerz und morbider Todessehnsucht auf Dauer ganz gehörig.

Freilich haben Valo und seine Kumpanen im Laufe ihrer Karriere auch einige feine Songs zustande gebracht, aber die sind kaum berücksicht. Und so hinterlässt die DVD – trotz Bonusmaterial wie Alternativ-Videos, ursprünglich für Journalisten produzierte Electronic Press Kits und Live-Raritäten wie etwa dem Billy Idol-Cover »Rebel Yell« vom Provinssirock Festival – einen schlechteren Eindruck, als ihn die Band verdient hat.

Nett übrigens die Möglichkeit, sich die Clips entweder alphabetisch, nach Live- und Video-Fassungen oder chronologisch nach Alben sortiert anzusehen. Doch auch hier wieder ein Wermutstropfen: Die optisch ansprechende Benutzerführung ist teilweise entsetzlich umständlich. (peb)



Siehe auch:
HIM (CD-Rezension)


Zur Konzertkritik über HIM

 HIM: Love Metal Archives Vol. 1

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HIM: Poison Arrow
(2006, Chrome Dreams/In-Akustik CVIS392)

Diese DVD braucht nicht mal ein HIM-Fan – oder doch? Denn sie startet mit den Worten: »This film contains no music or performances by HIM«. Was enthält sie dann?

Nach einer ziemlich peinlichen Einleitung zu Finnland im Allgemeinen und Helsinki im Speziellen richtet die englische Sprecherin ihren Fokus auf HIM. Eine Stunde lang dürfen Menschen aus dem HIM-Dunstkreis, Fans inklusive, ihren Senf zu der finnischen Truppe abliefern – Neues erfährt ein Fan sicherlich nicht. Die Band flackert nur ab und zu als Hintergrundbild über den Bildschirm.

Das Ganze nennt sich dann »An unauthorised documentary film packed with exclusive interviews«, übrigens alles in mehr oder minder gutem Englisch ohne Untertitel. »POISON ARROW« krönt zu guter Letzt das Bonusmaterial: Ein »Kinder, habt Ihr auch gut aufgepasst«-Quiz mit 15 brillanten Fragen, sowie eine vollständige Discografie bis zum »DARK LIGHTS«-Album.

Und jetzt vergessen wir das Ganze ganz schnell wieder. (nat)



Siehe auch:
HIM (CD-Rezension)


Zur Konzertkritik über HIM

 HIM: Poison Arrow

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The Hives: Tussles In Brussels
(2005, No Fun/Universal 987 4683)

Man muss die Hives nicht mögen, aber eines muss man ihnen lassen: Sie haben Stil. Wie sie da konsequent in weiß-schwarzen Anzügen gewandet über die Bühne toben, flankiert von weißen Amps und weißem Drumkit – das hat schon was. Selbst die Drumsticks sind weiß.

Howlin Pelle Almqvist, Chris Dangerous, Dr. Matt Destruction, Vigilante Carlstroem und Nicholaus Arson sind echte Bühnensäue und beschleunigen sofort von Null auf Hundert. 20 Songs prügelten sie in Brüssel aus ihren Instrumenten: laute, rohe, ungebärdige Rock'n'Roll-Bastarde, wie sie die ganz frühen Beatles oder The Who spielten.

Dann folgt eine halbstündige Dokumentation, bewusst wirr und schnell geschnitten: Sie handelt vom fiktiven Reporter D.W. Johnson, der die Band-Saga bis zum ersten Gig in Fagersta zurückverfolgt. Als Erzähler fungiert hier übrigens Little Steven, allen Springsteen-Fans bestens bekannt.

Auch wenn man nach dieser fordernden Bilder-Kanonade erstmal Entspannung benötigt – am besten gleich weiterklicken zu den sechs Fernsehauftritten und acht Videos, wobei sich mit »A Little More For A Little You« und »Abra Cadaver« zwei bislang unveröffentlichte Kadidaten die Ehre geben.

Rundum stimmig geriet das Gesamt-Paket, vom konsequenten Outfit der Band und der gewaltigen Bühnenpräsenz des stets hippeligen Pelle Almqvist bis hin zum filmischen DVD-Menü, wo man die Hives in einem abgedunkelten Raum quasi aus Sicht des Fernsehers betrachtet. Übrigens: Beruhigend zu wissen, dass sich die Hives in Brüssel doch nach und nach alle ihrer weißen Jacketts entledigten. (peb)



Siehe auch:
The Hives (CD-Rezension)

The Hives: Tussles In Brussels

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In The Country: Sights (DVD+CD)
(2011, Rune Grammofon 2113)

Das vierte Album der sich derzeit als Quartett präsentierenden Jazzband In The Country ist, zumindest theoretisch, ein Livealbum, und im Zuge der in jüngerer Zeit häufigen Praxis direkt ein Doppelpack aus CD und DVD (fast) derselben Aufnahmen. Soweit die Fakten; letztlich merkt man beiden Scheiben nicht an, dass die Aufnahmen aus drei Konzerten (im Oktober 2010 in Kongsberg und Oslo) stammen, da Liveatmosphäre und Publikum komplett aus Bild und Ton herausgelassen wurden. Zudem ist »SIGHTS« weniger Konzertaufzeichnung als ein 70-minütiges Poesiealbum. Angeblich hatten die Musiker auf den Film keinen unmittelbaren gestalterischen Einfluss und haben das Ergebnis weder gesehen noch korrigiert, bevor die DVD in die Fertigstellung ging.

Durchschnittliche Konzertaufzeichnungen gibt es ohnehin zuhauf, doch was der Film von Claus Arthur Breda-Gulbrandsen bietet, ist eher eine weitläufige Kreuzung aus verspieltem Musikvideo und Live-Film, in sehr offenem Collage-stil, frei assozierend. Super8 und flache, pixelige Schwarzweiß-Videoästhetik stehen gleichberechtigt neben malerischen Farb- und Formexplosionen aus dem 3D-Grafikstudio, Wälder, surreale Experimental-Filmsequenzen, poetische Naturdetails wie Fliegenpilze und Blumen, Schneelandschaften, Inszeniertes und Dokumentarisches, langsame Kamerafahrten und rasante Schnittwechsel springen flatterhaft durcheinander. Und immer wieder kehrt die Aufmerksamkeit zu den vier Musikern beim Spielen zurück, auch hier wohlgemerkt ohne jegliche Publikumsaufnahmen, streckenweise handelt es sich wohl sogar um Studioaufnahmen.

Leider eignet sich »Sights« dann doch eher als Videoinstallation für nebenbei denn als Film zum aufmerksamen Zuschauen über die volle Länge, da man weder genügend Raum hat, den Musikern auf die Finger zu schauen, noch die Bilder bzw. Experimentalfilmereien befriedigenden Reiz ausstrahlen. Schöner Ansatz, leider nicht hinreichend überzeugend; wahrscheinlich steckte ohnehin kein umfangreicher Plan dahinter. Nett und humorvoll erfreut jedenfalls das unabhängig vom Film entstandene »Three Canopy Walkway«-Musikvideo, als Epilog nach dem Abspann, in gutgelaunter Sommerabendstimmung mit Tänzern, Akrobaten und Tieren.
zur CD-Rezension von »Sounds and Sights« (ijb)



Siehe auch:
In The Country (CD-Rezension)
Solveig Slettahjell (CD-Rezension)


 In The Country: Sights (DVD+CD)

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Kaizers Orchestra: Viva La Vega
(2006, Kaizerecords/Universal 0602498772492)

Wer sie kennt, schätzt sie, normalerweise. Die norwegisch s(w)ingende Combo agiert eben einfach zu schräg, um nicht ihrem Charme zu verfallen: An 150 Abenden im Jahr rumpeln sie durch raubeinigen Polkarock, gewandet in Anzüge und schwarze Krawatten. Der Pump-Orgler trägt gern Gasmaske, und das Schicksal der Ölfässer auf der Bühne sieht auch nicht rosig aus.

Kaizers Orchestra sind vor allem eine Live-Band, und ein wenig dieses Charmes wird auch auf der DVD »VIVA LA VEGA« spürbar: Im September 2005 arbeiteten sich die Norweger im Kopenhagener Club Vega durch die besten Songs ihrer drei Alben, insgesamt 24 an der Zahl.

Obwohl Sound und Kamera makellos sind und die Bühnenpräsenz so gut wie möglich eingefangen wurde, findet man die Highlights woanders: so etwa in der Dokumentation ihres legendären Auftritts auf dem Prekestolen, wo das Kaizers Orchestra im Winter auf diesem 600 Meter hohen Felsplateau über dem Lysefjord spielte. Richtig vermutet: Das Publikum musste zwei Stunden wandern, um zum Auftrittsort zu ge-langen; das Equipment wurde mit einem Helikopter transportiert.

Der Rest des viereinhalbstündigen Materials setzt sich zusammen aus Dokus zu den Aufnahmen des letzten Albums »MAESTRO« und zur Europa-Tour zusammen, aus Videos und Bios und so weiter. Und verbunden wird das Ganze durch ein mehr als stimmungsvolles DVD-Menü, in dem – wen wundert's – u.a. eine Pumporgel und eine Gasmaske eine zentrale Rolle spielen. (peb)



Siehe auch:
Kaizers Orchestra (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kaizers Orchestra


Zur Konzertkritik über Kaizers Orchestra

 Kaizers Orchestra: Viva La Vega

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Kashmir: The Aftermath
(2005, Columbia/Sony BMG 2028827000)

Kashmir machen keine unnötigen Worte. Sie umarmen sich noch einmal herzlichst, bevor sie in den Jubel eintauchen und die Bühne betreten. Eine Kamera hält ihren Weg durch die Katakomben des Kopenhagener Vega-Theaters auf schwarz-weißem 16mm-Film fest. Ein Heimspiel für die erfolgreichsten Melancholiker des Landes. Die vielen Treppen führen nach oben.

Langsam sammelt sich das Quartett hinter einem weißen, tuchartigen Vorhang. Spots zeichnen unscharfe Konturen, die jubelnde Menge harrt in reger Erwartung. Mit »Melpomene« fällt der Sichtschutz und ebnet den Blick auf die Band. Die Setlist ist ganz auf das zu diesem Zeitpunkt aktuelle Album »ZITILITES« zugeschnitten, ergänzt durch Höhepunkte der vorangegangenen Alben. Die Band ergibt sich in ihren Sound, schichtet vorsichtig Gitarrenparts und wird dabei niemals zu laut. Im Gegenteil. Wenn Kasper Eistrup solo anstimmt, dann sind Standing Ovations der Nackenhaare nicht mehr weit. Ergreifend in der Schlichtheit – wie so vieles in den zwölf Songs, unter denen »THE AFTERMATH« verdient auch die Überschrift ziert.

Die Kameraführung unter der Regie des Filmemachers Kasper Trosting, der auch für die Band-Dokumentation »ROCKET BROTHER« verantwortlich zeichnet, fällt hingegen recht standardisiert aus. Täuscht der Anfang in ungewohntem Schwarz-Weiß noch Kunstcharakter vor, verblassen die Farbbilder in der Halle. Mit den Aufnahmen vornehmlich in der Halbnahen wahrt der Regisseur eine unnötige Distanz. Die ruhige Schnittführung hingegen passt sich der erhabenen Stimmung an – die nur durch permanente Mitklatscher gestört wird.

Das Fehlen jeglicher Bonusfeatures (nur eine fast deckungsgleiche Live-Audio CD liegt bei) wird hingegen nicht ausreichend durch das fantastische Artwork und Booklet kompensiert. (maw)



Siehe auch:
Kashmir (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kashmir

 Kashmir: The Aftermath

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The Knife: Silent Shout
(2007, Rabid Records VVR1043972)

Rar gesät sind ihre Konzerte. Mysteriös hinter Masken versteckt und immer im Halbdunkel agierend sind die Geschwister Dreijer so livescheu wie kaum ein anderes Projekt. Wenn sie aber dann mal auftreten, geben sie sich keine Blöße. Lichtshows und Visuals unterstützen ihre metallisch-sphärische Elektronik, die live bis auf wenig digitales Schlagwerk und Gesang fast eine 1:1 Umsetzung der Alben erfährt. »SILENT SHOUT«, das 2006er Meisterwerk, steht bei diesem Mitschnitt vom 12. April 2006 aus Göteborg im Vordergrund.

Die Grenzen zwischen den Protagonisten und der Videoprojektionen auf Riesenleinwänden verschwimmen. Kaum sind die Akteure für Bruchteile einer Sekunde im Blickfeld der Kameras, werden sie von teilweise abstrakten, teilweise konkreten Sequenzen überlagert, die kongenial mit den Songs synchronisiert sind und in ihrer Vielfältigkeit beeindrucken. Schade nur, dass die Kameraführung oftmals nur aus der Halbtotalen die Dreijers einfängt, Publikum- und On Stage-Aufnahmen komplett fehlen und so die Show selbst wie ein langes Musikvideo wirkt. Der Schnitt wirkt im Gegensatz zu den scharfen, hektischen Beats eher gemächlich und wirkt nur richtig stimmig bei den flächigeren Parts. Mit zwei Kameras mehr und einem noch mutigeren Schnitt hätte man dieses visuell dennoch höchst prägende Werk leicht zum Referenzprodukt erheben können. Musikalisch reiht sich Hit an Hit – besonders »Marble House« und »Silent Shout« werden in kraftvolle Bilder getüncht.

Elf Musikvideos zu den diversen Singles ergänzen das Livematerial. Zwischen eher trashigeren, einfacheren Videos zum 2003er Album »DEEP CUTS« und den brillant animierten Videos des Nachfolgers entdeckt man eine überbordende Kreativität, die bei The Knife sich im Gesamtkunstwerk entfaltet. Als Bonus gibt es den Konzertmitschnitt als Audio-CD oben drauf – aber wer braucht die schon, wenn die DVD perfekten 5.1 Sound bietet? (maw)



Siehe auch:
The Knife (CD-Rezension)

The Knife: Silent Shout

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Kotiteollisuus: Itärintama 2003-2010
(2010, Johanna Kustannus Oy/Megamania MGMDVD7009)

Nach fünf Jahren veröffentlichen die finnischen Hart-Rocker Kotiteollisuus endlich den Nachfolger ihrer ersten, selbstbetitelten DVD: »ITÄRINTAMA 2003-2010« (»OSTFRONT 2003-2010«) heißt die Doppel-DVD mit insgesamt 260 Minuten Spielzeit und einem hübschen Begleitheftchen namens »No Sori!«.

Warnung: Der Trailer zur DVD bekam auf YouTube sofort den »freigegeben ab 18«-Stempel; wer sich vor nackter (Männer-)Haut – und »schlechtem Humor« fürchtet – lässt besser die Finger weg.
Tatsächlich fängt die erste DVD »KARJALASTA KAJAHTAA« trügerisch harmlos an, mit dem Mitschnitt von fünf Liedern beim Provinssirock Open Air 2007. Aus dem gleichen Jahr stammen die nächsten vier Livestücke (Voice Festival).

Doch danach wird’s langsam, sagen wir: kurios. Unter dem Titel »No Sori!-TV Esittää: No Sturi! - Live 2009« (= No Sori-TV präsentiert: Nosturi Live 2009) folgen wechselweise Aufzeichnungen aus dem Helsinkier Club Nosturi und durchgeknallte Kurzfilme Marke Kotiteollisuus. Um den »schlechten Humor« (Zitat aus dem Trailer) vollständig zu erfassen, empfiehlt es sich Finnisch zu verstehen. Kann der Nicht-Finnisch-Sprechende dem »70 Kilo Kebab« oder der vorm Konzert rasierten Clownsfriseur noch ohne Worte folgen, so wird es spätestens im »Makkaramaa« kritisch.

Die Passage »Ruisrock 2010« bestreitet das finnische Trio plus Gastgitarrist und Gastmumie nackt – und ist vermutlich der Grund für die Zensur im Internet. Wobei die Finnen immer darauf achten das »No Sori!«-Logo in angemessener Länge über ihr bestes Stück zu platzieren. Vielleicht führte auch die beste Kamera-Einstellung des Konzerts zur Zensur: Als Rahmen dienen ein paar nackte, haarige Männerschenkel, als Blickfang das nackte Euter, welches eine auf Schultern sitzende Besucherin unter Zuhilfenahme ihrer Hände dekorativ in die Kamera schüttelt.

Die zweite DVD »MOLOTOVIN COCKTAIL« beinhaltet schließlich acht Musikvideos sowie eine Dokumentation in bewährt durchgeknallter »No Sori!«-Manier, auch hier gilt: Muttersprachler sind im Vorteil. Alles in allem sollten sich Freunde finnischer Musik und finnischen Humors dieses Werk keinesfalls entgehen lassen – für Fans ein absolutes Muss! (nat)



Siehe auch:
Kotiteollisuus (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kotiteollisuus

 Kotiteollisuus: Itärintama 2003-2010

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Kotiteollisuus: Kotiteollisuus DVD
(2005, Johanna Kustannus Oy/Megamania MGMDVD7003)

Selten macht eine Band-DVD soviel Spaß, selten ist sie so liebevoll zusammengestellt, und noch seltener ist die Band selbst mit so großer Freude bei der Sache. Knappe vier Stunden erfährt der geneigte Fan qualitativ hochwertig in Bild und Ton, was er schon immer über die Band wissen – oder auch nicht wissen wollte: Nach Genuss der DVD und des beigelegten »No Sori«-Heftchens kennt der Betrachter sämtliche Körperteile des Trios.

Unterteilt in die Rubriken Videos, Konzerte, Dokumentation plus Bonus reist der Zuschauer mit Kotiteollisuus durch die Zeit: Im ersten Video 1998 »Routa Ei Lopu« ist Sänger/Gitarrist Jouni Hynynen noch völlig kahl, hat Glatze und keinen Bart; 2002 trägt er halblange Haare und Schnauzer (oweia), bis schließlich 2005 der Rauschebart zur Brust reicht und die Haare über den Rücken hängen.

Spaßig und kreativ sind die Videos der Finnen, wie das 2000er »Jos Sanon« von »TOMUSTA JA TUHJASTA« in dem die drei Heimarbeiter zum Vorschlaghammer greifen – und wer die Skulptur der drei Schmiede in Helsinki kennt, weiß, wie diese dargestellt sind: Nackt. Oder »Rakastaa/ Ei Rakasta« anno 2002 von »KUOLLEEN KUKAN NIMI« skizziert einen ganz normalen finnischen (Samstag)Abend, an dem Kotiteollisuus, getarnt als drei normale eingeborene Halbstarke, ihr eigenes Konzert besuchen – Alkoholgenuss, anschließender oraler Nahrungsauswurf sowie Kontakte zum anderen Geschlecht inklusive.

Beim Kulthit »Minä Olen« von 2003 deponieren Passanten Müll um das Trio, welches im Verlauf des »HELVETISTÄ ITÄÄN«-Songs blutige Kratzer, blaue Augen oder Platzwunden aufweist; unerschütterlich steht Jouni trotzdem da wie James Hetfield in seiner Blüte. »Vieraan Sanoma« vom 2005er »7«-Werk performt die Truppe in einer Raststätte, während die grauhaarige Pächterin mit Gießkanne durchs Bild läuft und Blumen gießt.

In der Konzertabteilung lernen wir Jouni-Janne-Jaris Umarmungs-Ritual vor jedem Gig kennen, begleiten sie zu Ilosaarirock, zum Imatra Big Band Festival oder auf die MTV3-Bühne.
Die Dokumentation, natürlich auf Finnisch, beleuchtet die Hintergründe zum »7«-Album, schildert den Werdegang der Band oder zeigt sie beim MTV3-Chat.

Besondere Leckerbissen lauern im Bonusbereich: »KT-V« zeigt die lappeenrantaschen Musiker bei Interviews, auf Tour, im Proberaum, Backstage im Tavastia/bei Ilosaarirock oder einen kuriosen »Werberap« für die Notrufnummer 112 auf Schwedisch. Außerdem gibt es drei Tracks als Singalong-Version: »Minä Olen«, »Tämän Taivaan Alla« plus »Vieraan Sanoma«. Denn die Finnen sind mindestens so verrückt nach Karaoke wie die Japaner, allerdings bevorzugen sie die härtere Ausgabe »Hevikaraoke«. Genug der Worte – viel Spaß mit den Herren Hynynen, »Homo« Hongisto und Sinkkonen. (nat)



Siehe auch:
Kotiteollisuus (CD-Rezension)


Zum Artikel über Kotiteollisuus

 Kotiteollisuus: Kotiteollisuus DVD

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Leningrad Cowboys: Total Balalaika Show
(2002, Sputnik Oy ?)

Nach fast zehn Jahren schafft es das legendäre Konzert der Leningrad Cowboys, erstmalig vereint mit dem Alexandrov Chor- und Tanzensemble der Roten Armee, auf DVD: Der knapp einstündige Mitschnitt der »TOTAL BALALAIKA SHOW« entstand schon am 12. Juni 1993 in Helsinki unter der Regie von Aki Kaurismäki. Vorab gibt es einen kleinen Vorspann, der zeigt wie am 28. Mai desselben Jahres das Abkommen über dieses Spektakel in Moskau unterschrieben wird. Das geht so unglaublich leise vonstatten, man glaubt beinahe, dies sei eine Stummfilm-Episode.

Dann kann die historische Show beginnen, das außergewöhnliche Zusammentreffen von West und Ost, von dem 70.000 Menschen Zeuge werden. Allerdings fährt die Kamera erst in der 26. Filmminute vollständig über die Zuschauermasse, die sich auf dem Helsinkier Senatsplatz versammelt hat – und diesen vollständig verdeckt. Unglaublich. Fast genauso unglaublich, wie die Bühnendekoration: Was sollen die Palmen? Schon vertrauter: Die Traktoren, teils als Gitarren getarnt.

Nach einem Intro, gesungen vom Rote Armee-Chor, stiefeln die Leningrad Cowboys auf die Bühne und stimmen »Let's Work Together« an. Danach folgt wiederum ein reines Chorstück: »Volga Boatman« bis schließlich bei »Happy Together« die finnischen Individualisten von Anfang an mit dem russischen Kollektiv aus mehr als 100 Sängern und 40 Musikern kombiniert werden.

Das erstaunliche: Es funktioniert. Für den Unterhaltungswert sorgen zugegebenermaßen die Einhörner, während das russische Ensemble mit unglaublichen Stimmen und ausgesuchten Instrumentalisten die musikalische Qualität garantiert. Und von den 20 Tänzern und Tänzerinnen abgesehen, das Wort »steif« in Perfektion verkörpern. Die Tänzer(innen) treten übrigens erstmals beim vierten Stück »Delilah« in Erscheinung. Es folgen gemeinsame vorgetragene Lieder, meist Rockklassiker, immer wieder unterbrochen durch traditionelle Stücke, die nur vom Alexandrov-Ensemble vorgetragen werden. Wie »Oh Field«, bei dem sich die Leningrad Cowboys äußerst dekorativ an den Bühnenrand auf den Rücken legen, nur Schuhe und Frisuren ragen senkrecht in die Luft – Respekt, Le Friseur.

Beim monumentalen »Kalinka« tanzen und hüpfen die Einhörner wild über die Bühne, eines bietet gar Einlagen à la Rhythmische Sportgymnastik. Großer Spaß. Und spätestens beim nachfolgenden »Gimme All Your Lovin'« scheint auch die östliche Hälfte des Spektakels aufzutauen – schaut euch den »Pfeifer« in der 32. Minute an! Die Tänzer toben über die Bühne, alle haben sichtlich Spaß. Ihr ganzes Können zeigen die Tänzer schließlich in »Jewellry Box«.

Mit dem passenden »Those Were The Days«, womit auch sonst, endet die Dokumentation. Die Dokumentation eines historischen Ereignisses, eines Treffens zweier Kulturen, vereint in der Musik.

Als Bonus gibt es diverse Musik-Kurzfilme Kaurismäkis aus den Jahren 1986 bis 1992, so »Rocky VI« (Bonuspunkt für Igors Augenbrauen), »Thru The Wire«, das Doors-Cover »L. A. Woman«, »Those Were The Days« (Bonuspunkt für das »Esel-Verboten«-Schild) und »These Boots«. Besonders der letzte ist zum schießen komisch: Extra-Bonuspunkt für das Leningrad Cowboys-Baby – das es irgendwie vorgeblichen Geschichte Finnlands von 1952 - 1969 von der Geburt bis zur Ehe schafft. Abspann: »These Boots« …der Leningrad Cowboys.

Fazit: Bei der Doku könnten Bild und Ton besser sein, zudem wünscht man sich mehr Bonusmaterial. Dennoch: Sollte man gesehen haben. (nat)



Siehe auch:
Leningrad Cowboys (CD-Rezension)

 Leningrad Cowboys: Total Balalaika Show

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Lordi: Market Square Massacre
(2006, Drakkar/Sony BMG 88697 022696)

Seitdem die Schock-Rocker beim letzten Eurovision Song Contest abgeräumt haben, kennt sie jedes Kind. Wie wir alle wissen, lag der Grund für den Sieg weniger in Lordis musikalischer Potenz begründet – wobei die immerhin noch weit erhaben war über der der restlichen Teilnehmer –, sondern eher in ihrer amüsanten Monster-Maskerade, mit der engstirnige Gemüter ihre Probleme hatten – was der Rest der Welt wiederum unglaublich cool findet.

Die Moral-Hüter liefern den Finnen aber auch immer jede Menge Steilvorlagen: Erst jüngst hat der Musiksender VIVA das neue Lordi-Video als jugendgefährdend eingestuft. Nachdenken darf man über den in der Nachfolge von Alice Cooper und KISS simpelst geschmiedeten Hauruck-Rock'n'Roll nicht, denn dann würde er schnell seinen Lack verlieren. Deswegen gilt hier das Motto einer Geisterbahn: Einsteigen, Gehirn abschalten und Spaß haben.

Zunächst gibt's das von 80.000 Finnen bejubelte Live-Konzert auf dem Helsinkier Fischmarkt vom 26. Mai 2006 (leider nur sechs Songs, aber dafür aufgewertet mit imposanter Pyro-Show und schönen Luft-Aufnahmen aus dem Helikopter) – Weltrekord im Massen-Karaoke-Singen! Den eigentlichen Kern bildet jedoch das Eurovisions-Spektakel mit den TV-Auftritten von Vorentscheidung und Sieg sowie einem umfangreichen Athen-Video-Tagebuch. Als weitere Bonus-Dreingabe lock außerdem der halbstündige, gut gemachte Lordi-Horrorstreifen »The Kin« inklusive Making-Of. Und: Das animierte DVD-Menü ist spitzenklasse! (peb)

 Lordi: Market Square Massacre

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Midnight Choir: In The Shadow Of The Circus
(2008, Glitterhouse/Indigo GRDVD 653)

Der Mitternachts-Chor ist – oder besser »war«, denn die Band hat sich verdammt noch mal viel zu früh aufgelöst – der unumstrittene norwegischen Meister der schwermütigen Balladen. Die Burschen haben eine Handvoll einzigartiger CDs hingelegt, und plötzlich waren sie von der Bildfläche verschwunden. Zu groß waren die Differenzen zwischen Songwriter/Multi-Instrumentalist Al DeLoner und Paal Flaata, dem Sänger mit der kraftvoll klagenden Samtstimme. Bassist Ron Olsen war ja sowieso immer nur – wie sich das für Bassisten gehört – der ruhende Pol ...

Eine Live-DVD war seit Jahren angekündigt und wurde dementsprechend ersehnt – jetzt ist sie endlich da. Der Live-Mitschnitt vom 23. März 2003 im Osloer Rockefeller zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und belegt außerdem, dass sie genug Ohrwürmer geschrieben hat, um ganz locker einen Abend zu bestreiten: »Will You Carry Me Across The Water«, »Muddy River Of Loneliness«, »Amsterdam Stranded« und natürlich »Painting By Matisse« sind – man möge mir meine Schwärmerei verzeigen – nichts weniger als Songs für die Ewigkeit.

Und auch die Besetzung an diesem Abend war eine Sternstunde in der Bandgeschichte, denn mit Ex-Talk Talk-Drummer Le Harris und Gitarrist/Keyboarder Chris Eckman von den Walkabouts waren Geistesverwandte am Werk, die diesen Abend zum Erlebnis machten. Schwelgen, Träumen, Abheben. Der übliche und quantitativ eher dürftige Bonus-Kram wie etwa die »Making Of« der CD »OLSEN'S LOT« sind da als Kaufargument nicht mehr nötig. (peb)



Siehe auch:
Midnight Choir (CD-Rezension)

 Midnight Choir: In The Shadow Of The Circus

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Silje Nergaard: Live In Köln
(2005, Emarcy/Universal 06024 9874767)

Die Norwegerin ist mit verantwortlich dafür, dass derzeit manche behaupten, die besten weiblichen Jazzstimmen kämen aus Skandinavien. Pat Metheny sagte ihr einst eine große Karriere voraus, und in der Tat kletterte Silje Negaards Bekanntheitsgrad im Laufe der letzten Alben »PORT OF CALL«, »AT FIRST LIGHT« und »NIGHTWATCH« stetig nach oben.

Davor sang sie noch auf Norwegisch, was ihrer Musik eine Aura an Unverwechselbarkeit verlieh, aber sei's drum: Nicht nur die Deutschen lieben halt ihre englischen Lieder, wovon man sich bei diesem Mitschnitt vom 24. Mai 2005 im Kölner Gloria-Theater überzeugen kann.

Völlig unaffektiert und in sich ruhend sang die Nergaard dort verjazzte Songs wie Stings »If You Love Somebody« oder David Bowies »This Is Not America«, sonst aber eigene, mit Songwriting-Partner Mike McGurk entstandene Kompositionen. Als eigentlicher Star des Abends glänzte neben Pedal Steel-Gitarrist Björn Charles Dreyer jedoch der Pianist Tord Gustavsen, der – anders als in seinem Trio – mit viel Pfeffer die Tasten aufmischte und die manchmal etwa kleinmädchenhafte Stimme seiner Chefin in den Hintergrund stellte.

Denn was auf den Studio-CD oft wie funkelndes Gold wirkt, zeigt auf der Live-DVD gewisse Ermüdungserscheinungen – besonders, wenn die stets sonnige Silje Nergaard bei »Tell Me Where You're Going« oder »Japanese Blue« zu dicht in Joni Mitchells Fahrwasser gerät. (peb)



Siehe auch:
Silje Nergaard (CD-Rezension)
Tord Gustavsen (CD-Rezension)



Zum Artikel über Silje Nergaard

Silje Nergaard: Live In Köln

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Nightwish: End Of An Era
(2006, Nuclear Blast NB 1678-0)

Die Ära Nightwish – so, wie wir sie bislang kannten – ist definitiv zu Ende. Bekanntlich wurde bei der Trennung von Sängerin Tarja Turunen viel schmutzige Wäsche öffentlich gewaschen, und es scheint wenig wahrscheinlich, dass die Band in dieser Besetzung noch einmal zusammen finden wird. Schade, denn Nightwish anno 2006 war in Hochform, wie dieser letzte Auftritt beweist.

Dass Tarja kurz nach der Show von der Band rausgeschmissen wurde, mag sich verkaufsfördernd für die DVD auswirken, spielt für deren Bewertung aber keine Rolle. Nightwish zogen auf der Bühne in Helsinki eine perfekt inszenierte Show ab, optisch mit großen Leinwänden aufgewertet, gekonnt choreografiert, und dank der ständigen Kostümwechsel der klassisch ausgebildeten Sängerin auch visuell stimmig.

Zudem kann sich der für ein Live-Konzert exzellente Sound hören lassen und – ergänzend zur DVD – auf zwei ebenfalls enthaltenen CDs nachgehört werden. Keine Wünsche offen lässt auch die Setlist, überwiegend bestehend aus Songs von »Nemo«, »Century Child« und »Wishmaster«. Freilich mag ein Nightwish-Spektakel manchen Hörern zu pathetisch, zu überzuckert, zu sehr mit Klischees beladen daherkommen, aber hey: That’s Entertainment! Und mit Sicherheit das Beste, was sinfonischer Metal zu bieten hat.

Schade nur, dass der Bildregie die Pferde durchgingen: Die zügellosen Zooms, Schwenks und Schnitte lenken eher von der Musik ab als ihre starke Dynamik zu unterstützten. Als Bonus-Trostpflaster dient dafür eine leidlich informative Documentary. (peb)



Siehe auch:
Nightwish (CD-Rezension)


Zum Artikel über Nightwish


Zu den aktuellen Tourterminen von Nightwish

 Nightwish: End Of An Era

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Pain Of Salvation: Be Live DVD
(2005, InsideOut/SPV 563-40907)

Die Geister schieden sich an der ein Jahr zuvor veröffentlichten CD »BE«, wo die schwedische Formation um Sänger Daniel Gildenlöw DAS philosophische Thema schlechthin behandelte: »die Entstehungsgeschichte des Lebens, die Menschheit, Gott und unser Verhältnis zu Glauben und Wissenschaft«.

Ihr theatralisches Konzeptalbum machte es dem Hörer nicht eben leicht: Zwischen Metal, Progrock, Folk und Klassik angesiedelt und durch fragmentarische Überleitungen und Gebete vom Anrufbeantworter zusammengehalten war »BE« vor allem eins nicht: eingängig.

Wo diese CD selbst hartgesottene Kritiker oft ratlos zurückließ, könnte die DVD weiterhelfen: Auf einer geräumigen Bühne optisch ansprechend aufgeführt wirkt dieses »Opus Magna« im Dreieck zwischen Dream Theater, Jethro Tull und Pink Floyd längst nicht mehr so zerfahren und zieht den Hörer deutlich besser in seinen düsteren Bann.

Dieses mächtige, genremäßig höchst heterogene Progrock-Manifest ist trotzdem noch ein harter Brocken, aber wer sich darauf einlässt, entdeckt Tonnen an Bonusmaterial und schier endlose Räume hinter den zahlreichen Brüchen – was wohl auch genau die Absicht der Band war. Und die spieltechnischen Leistungen kann man sowieso nur bewundern. (peb)



Siehe auch:
Pain Of Salvation (CD-Rezension)

 Pain Of Salvation: Be Live DVD

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Promised Land Of Heavy Metal: Promised Land Of Heavy Metal
(2009, Double Vision DV 6006)

Metal-Messen in Kirchen, freier Eintritt für die Generation 65+ beim Tuska-Festival, Metal via Radio in öffentlichen Bussen: In Finnland, dem »PROMISED LAND OF HEAVY METAL« ist Metal Mainstream. Warum?
Die Filmemacher Kimmo Kuusniemi und Tanja Katinka Karttunen machen sich auf die Suche nach Antworten. Die Dokumentation der beiden in Großbritannien lebenden Finnen zeigt die Geschichte und Philosophie des Heavy Metal, von den Anfängen im heimischen Untergrund bis zu den heutigen »Exportschlagern« wie Nightwish.

Dabei kommen nicht nur bekannte finnische Musiker wie Marco Hietala (Nightwish, Tarot), Ville Valo (HIM) oder Mr. Lordi (Lordi) zu Wort, sondern auch ein Psychiater, ein Theologe – und Tarja Halonen. Ja, richtig gelesen: Die finnische Präsidentin Tarja Halonen. Diese schüttelte nach Lordis legendären Grand-Prix /ESC-Sieg 2006 Mr. Lordi feierlich die Krallenhand – ich versuche mir gerade Angela Merkel an ihrer Statt vorzustellen. Keine Chance.
Lordi, ein Meilenstein in der Geschichte finnischen Metals, inspirierten auch die Metal-Messen. Wie sagt der Pfarrer in der Helsinkier Temppeliaukkiokirkko (Felsenkirche) so schön, auf die Wand deutend: »This is: Hard! Rock! Hallelujah!«

Doch bis dahin war es ein langer Weg: Erzähler und Interviewer Kimmo Kuusniemi gehörte als Gitarrist der Band Sarcofagus – in der die Regisseurin Tanja Katinka Karttunen sang – selbst zu Suomis Metallern der ersten Stunde. Inzwischen leben beide seit vielen Jahren in Großbritannien, haben also trotz finnischer Nationalität den Blick eines Außenstehenden und führen alle Gespräche auf Englisch. Sie nähern sich dem Thema aus den verschiedensten Blickwinkeln, sprechen mit einem Psychologen, besuchen eine Metal-Messe in Hel(l)sinki ebenso wie die Finnish Metal Expo oder das Tuska Festival.

Das Bonusmaterial (sämtliche Interviews in ausführlicher Länge) ist üppig, dauert länger als die eigentliche, bereits mehrfach im staatlichen finnischen Fernsehen gezeigte Dokumentation.

Anschauen, es lohnt sich. Promised Land Of Heavy Metal – Perkele! (nat)



Siehe auch:
Nightwish (CD-Rezension)
HIM (CD-Rezension)

Metallimessu (CD-Rezension)

Lordi (CD-Rezension)


 Promised Land Of Heavy Metal: Promised Land Of Heavy Metal

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Promised Land Of Heavy Metal: Promised Land Of Heavy Metal
(2011, Cyclone Empire CYC 053-7)

Zwei Jahre hat es gedauert: Jetzt ist »PROMISED LAND OF HEAVY METAL« in fast ganz Europa plus Neuseeland/Australien via Cyclone Empire erhältlich. Die überarbeitete Version bietet jetzt auch Untertitel auf Deutsch, Englisch, Finnisch, Spanisch, sowie eine finnische-Metal-bands-Landkarte im Booklet. Als Extra packen die Macher außerdem eine 80-minütige CD dazu, von Sarcofagus bis Amorphis.

Metal-Messen in Kirchen, freier Eintritt für die Generation 65+ beim Tuska-Festival, Metal via Radio in öffentlichen Bussen: In Finnland, dem »PROMISED LAND OF HEAVY METAL« ist Metal Mainstream. Warum?

Die Filmemacher Kimmo Kuusniemi und Tanja Katinka Karttunen machen sich auf die Suche nach Antworten. Die Dokumentation der beiden in Großbritannien lebenden Finnen zeigt die Geschichte und Philosophie des Heavy Metal, von den Anfängen im heimischen Untergrund bis zu den heutigen »Exportschlagern« wie Nightwish.

Dabei kommen nicht nur bekannte finnische Musiker wie Marco Hietala (Nightwish, Tarot), Ville Valo (HIM) oder Mr. Lordi (Lordi) zu Wort, sondern auch ein Psychiater, ein Theologe – und Tarja Halonen. Ja, richtig gelesen: Die finnische Präsidentin Tarja Halonen. Diese schüttelte nach Lordis legendären Grand-Prix /ESC-Sieg 2006 Mr. Lordi feierlich die Krallenhand – ich versuche mir gerade Angela Merkel an ihrer Statt vorzustellen. Keine Chance.

Lordi, ein Meilenstein in der Geschichte finnischen Metals, inspirierten auch die Metal-Messen. Wie sagt der Pfarrer in der Helsinkier Tempeliaukkiokirkko (Felsenkirche) so schön, auf die Wand deutend: »This is: Hard! Rock! Hallelujah!«
Doch bis dahin war es ein langer Weg: Erzähler und Interviewer Kimmo Kuusniemi gehörte als Gitarrist der Band Sarcofagus – in der sie Regisseurin Tanja Katinka Karttunen sang – selbst zu Suomis Metallern der ersten Stunde.

Inzwischen leben die Beiden seit vielen Jahren in Großbritannien, haben also trotz finnischer Nationalität den Blick eines Außenstehenden und führen alle Gespräche auf Englisch. Sie nähern sich dem Thema aus den verschiedensten Blickwinkeln, sprechen mit einem Psychologen, besuchen eine Metal-Messe in Hel(l)sinki ebenso wie die der Finnish Metal Expo (2008) oder das Tuska Festival (2007).

Das Bonusmaterial (sämtliche Interviews in ausführlicher Länge) ist üppig, dauert länger als die eigentliche, bereits mehrfach im staatlichen finnischen Fernsehen gezeigte Dokumentation. Anschauen – es lohnt sich. Promised Land Of Heavy Metal – Perkele!

Die beigelegte CD bietet 80 Minuten finnischen Hardrocks und (Heavy) Metals. Den Anfang machen wenig überraschend zwei Sarcofagus-Stücke, gefolgt von der Kimmo Kuusniemi-Band. Genug der Eigenwerbung. Nach einem weiteren Ausflug in die finnische Metal-Frühgeschichte mit Tarots »Wings Of Darkness« (1986) und »Helsinki« von O.S.S.Y (1986) treten die brachialen Black Metallern Horna den Hörer gnadenlos ins neue Millennium. So böse klingen sonst nur Enochian Crescent auf dieser Scheibe; ebenfalls Vertreter der härteren Spielart sind Mokoma plus Stam1na, wogegen Nightwish die sanfteren Gemüter bedienen. Als Abgeordnete der Spaßabteilung mit dabei: Korpiklaani.

Die Auswahl der Bands erschließt sich mir nicht wirklich – und die Reihenfolge der 20 Songs erst recht nicht: Willenlos willkürlich reihen die Produzenten Stile und Jahreszahlen aneinander. Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus, Wintersun, Before The Dawn, Ghost Brigade, Black Sun Aeon, Amorphis, …

Wieso keine Stück der Exportbands wie Apocalyptica, Children Of Bodom, HIM oder von Ensiferum, Finntroll, Insomnium, Kalmah, Kotiteollisuus, Moonsorrow, Norther, Poisonblack, Sentenced, Sonata Arctica, Turisas, Turmion Kätilöt, Waltari? (nat)



Siehe auch:
Horna (CD-Rezension)
Amorphis (CD-Rezension)

Mokoma (CD-Rezension)

Timo Rautiainen (CD-Rezension)


 Promised Land Of Heavy Metal: Promised Land Of Heavy Metal

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Arvo Pärt:
Robert Wilson: Adam's Passion
(2015, Accentus Music ACC 20333)

(ijb)

Arvo Pärt: Robert Wilson: Adam

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Arvo Pärt: The Lost Paradise – Arvo Pärt / Robert Wilson
(2015, Accentus Music ACC 20321)

Bereits der Anfang dieses Dokumentarfilms – die im deutschen Fernsehen übliche Bezeichnung »Dokumentation« wäre zu geringschätzig für Günter Attelns starke Arbeit – lädt auf angemessene Weise in Arvo Pärts Welt ein: unprätentiöse Naturbilder, der Komponist geht unruhig durch ein Waldstück, die Kamera nah dran, als wolle sie den Künstler einfangen, doch er entzieht sich, da ihm die eigene Suche wichtiger ist. Auf der Tonebene sagt er nur einen Satz über das Adams-Gleichnis, der Pärts künstlerischen Weg charakterisiert und auf die in diesem Film dokumentierte Arbeit neugierig macht. Wie es sich für einen wirklich gelungenen Film gehört, kreist das Porträt schlüssig klug um das im Titel vorgegebene Thema, »Das verlorene Paradies«, das Günter Atteln als Grundthema des Komponisten ausmacht.

Vom ersten Bild, der ersten Szene an ist offenkundig, dass es sich hierbei nicht um eine typische WDR/arte-Produktion handelt, in der (zu) viele Studiointerviews mit üblichen Verdächtigen die Stationen und Infos zu Leben und Werk des Porträtierten abhaken. Mit 55 Minuten ist diese Veröffentlichung zwar recht kurz für eine reguläre, normalpreisige DVD-Veröffentlichung ohne Extras, zumal der Film vorher bereits für alle frei verfügbar im Fernsehen lief. Doch die exzellent aufgemachte Verpackung mit 20-seitigem Beiheft mit vielen Farbfotos rahmt die ungewöhnlich ruhige und offene Produktion, die durch eine qualitative Klarheit besticht, die sich ganz auf Augenhöhe Pärt und seinen interessierten Zuhörern begibt. »Das verlorene Paradies« ist weit mehr als nur ein »Making of«-Begleitfilm zur parallel als DVD veröffentlichten Produktion »Adam's Passion«, in der der Bühnenregiestar Robert Wilson erstmals eine eigens für die Bühne konzipierte Arbeit mit dem großen estnischen Komponisten entwickelt.

Wenige und kurze, aber essenzielle und prägnante Interviewkommentare von Sofia Gubaidulina, Paul Hillier und Gidon Kremer bieten mehr Anregung als jeder konventionelle Fernsehsprecher mit viel Informationsgehalt liefern könnte. Dass ausgerechnet Pärts größter Unterstützer und langjähriges musikalischer Partner, der Produzent Manfred Eicher, nicht mitwirkte, ist am Ende vielleicht sogar ein Gewinn, da sich Pärts Status so auch ECM-unabhängig überaus prägnant vermittelt. Und letztlich ist der Dokumentarfilm auch ohne übliches Blabla trotzdem eine Biografie, die dem Pärt-Gelegenheitshörer einiges mitzuteilen vermag. Mit Sofia Gubaidulinas Worten: »Er hat eine Kunst geschaffen, die uns alle anspricht und die wir alle benötigen.« (ijb)

Arvo Pärt: The Lost Paradise – Arvo Pärt / Robert Wilson

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The Rasmus: Live Letters
(2004, Universal 868978)

Es gab einmal vier 16jährige, deren erste Single »Funky Jam« schon beim Radio einschlug wie eine Bombe. Kurz darauf kam das Album-Debüt »PEEP«, dann im Jahresrhythmus die kraftvollen, Bläser-begleiteten Rock-Scheiben »PLAYBOYS« und »HELLOFATESTER«.

Doch dann entdeckten die vier Youngster, dass man mit schmachtenden Herzschmerz-Balladen à la HIM und simplem Pop-Mainstream weit mehr Geld verdienen kann. Erfolgs-Alben wie »INTO« und vor allem »DEAD LETTERS« markieren diesen Wandel von der einstigen Rock-Hoffnung zum Abziehbild auf den Bravo-Titelseiten.

Die zum Nikolaustermin 2004 veröffentlichte DVD »LIVE LETTERS«, ein Live-Mitschnitt vom Open Air-Festival 2004 in Gampel/Schweiz, dokumentiert dieses Abdriften in die Belanglosigkeit und die nur mäßige Bühnenpräsenz der Finnen: Die meisten Songs stammen leider vom Chartbreaker »DEAD LETTERS« – simpelst gestrickte Machwerke wie »Still Standing«, »In My Life« oder das in Geigen ertrinkende Säusel-Epos» Funeral Song« könnten auch von – Verzeihung – Bryan Adams stammen.

Lieder der frühen Alben bleiben außen vor, und selbst die Faszination des Bonus-Materials – Fotos, einige Musikvideos und ein Interview – hält sich in Grenzen. Dazu kommen trotz der spürbaren Routine häufige Verspieler und Intonationsprobleme, also schlicht und einfach mangelhaftes Handwerk. So langsam muss man sich schämen, Rasmus einst gemocht zu haben. (peb)



Siehe auch:
The Rasmus (CD-Rezension)
HIM (CD-Rezension)



Zu den aktuellen Tourterminen von The Rasmus

The Rasmus: Live Letters

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Savage Circus: Live In Atlanta
(2007, Dockyard1 DY100477)

Jens Carlsson, vielen bekannt als Frontmann von Persuader, steht hier mit seiner Zweit-Truppe Savage Circus 2006 in Atlanta auf der Bühne. Theatralisch eröffnet er die Show mit »Tomorrowland«, Sänger und einige Fans recken die Fäuste empor. Dem Publikum bleibt kaum Zeit für Applaus, schon starten die Schweden mit »Evil Eyes« durch, Carlsson schüttelt sein Engelshaar in Form, der glatzköpfige Gitarrist feiert seine Soli ab.

Der geneigte Fan kann per Menü entscheiden, ob er das komplette Konzert fast-live miterleben, oder die zehn Songs einzeln anwählen will, das Ganze nach Wunsch in Dolby Digital 2.0 oder 5.1. Zum dritten Song nimmt sich Carlsson immerhin die Zeit für eine Ansage; auf die Powerballade folgt die obligatorische Frage der Band: »You feel good?« Ein Stück reiht sich ans andere, »Ghost Story« röchelt der Sänger streckenweise außergewöhnlich tief ins Mikro und mosht kurz zwischendurch. Eine Zugabe spielen Savage Circus immerhin: eine spaßige Coverversion von »Ça Plane Pour Moi«, bis das Powermetal-Spektakel nach einer Stunde endet.

Widmen wir uns den Extras. Die Bonusabteilung wirkt wie Kate Moss neben einer Rubensfrau: sehr sehr mager. Es gibt bloß den Videoclip zu »Evil Eyes«, eine dreieinhalbminütige Bilderschau und kurze Einblicke in das Tourleben abseits der Bühne alias »Savage Circus At Stone Mountain«. In diesen Momenten fernab der Öffentlichkeit zieht sich der Fronter Jens Carlsson Eis(!) in die Nase, es flimmern Nahaufnahmen haariger Männerbeine über den Schirm, und der Zuschauer darf sich mit der Band in eine Seilbahn quetschen – und den Aufdruck »Homefucking Is Killing Prostitution« auf Carlssons T-Shirt aus nächster Nähe bewundern. (nat)



Siehe auch:
Persuader (CD-Rezension)
Savage Circus (CD-Rezension)


 Savage Circus: Live In Atlanta

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Karl Seglem: Spelferd – A Playful Journey
(2008, NORCD NORDVD 0888)

Der nach Jan Garbarek vielleicht wichtigste Saxofonist Norwegens, der seiner Musik durch das Blasen auf Ziegenhörnern weitere interessante Klangfarben verleiht, wollte immer unabhängig bleiben. Er betreibt sein eigenes Label NORCD (weil keine andere Firma seine Musik veröffentlichen wollte), er arbeitet als Produzent, Komponist und Autor, und er lässt sich stilistisch kaum festlegen.

Neben zum Teil experimentellen Freejazz-Arbeiten pflegt er üblicherweise eine stark der Folktradition verbundene Jazz-Spielart. Bei ihm fließen klassische und folkloristische Motive ein, die der hervorragende Hardanger-Fiddler Håkon Høgemo stimmig mit Karl Seglems Saxofon-Melodien verschmilzt. Auch seine sonstigen Mitstreiter – die bereits bei Mari Boine oder Kari Bremnes bewährten Helge Norrbakken (Drums) und Gjermund Silset (Bass) – begleiten mit der ihnen eigenen, bescheidenen Virtuosität Seglems eigenwillige Synthese aus Jazz-Klangforschung und Volksmusik-Spurensuche.

Bilder der norwegischen Natur – ganz klar prägend für den Saxofonisten – spielen eine große Rolle auf dieser einstündigen DVD. Seglem erläutert das und noch viel mehr (auf englisch); er zeigt auch seine »composers houses« in Årdalstangen und Måren, die bisweilen verschiedensten Künstlern als Kreativ-Treffpunkt dienen. Live-Mitschnitte seiner Deutschland-Tournee lockern die Führung durch Karl Seglems musikalisch bunte Welt auf. Kritik? Die Stunde Laufzeit ist viel zu schnell vorbei, trotz der vier Live-Bonustracks. (peb)


Zum Artikel über Karl Seglem

Karl Seglem: Spelferd – A Playful Journey

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Sekten: Klubbhus
(2012, ILK Music/Challenge Rec. Int'l ILK001DVD)

Avantgardefilm klingt für die meisten nach abstrakten Formspielereien, bar jeder Handlung, die man sich nicht freiwillig anschauen würde, wenn man nicht gerade eine Kunstausstellung besucht. Musikfilme wiederum fügen sich in den meisten Fällen entweder ins Genre Konzertfilm oder Doku über die CD-Produktion, die sich sowieso nie am Stück anschaut, wer nicht bereits großer Fan einer Band ist; oder sie sind eben Bio-Pics, die das Leben eines Musikers zu einer Folge aus Anekoten, biografischen Stationen oder in Form einer stringenten, aber auch mythenbildenden Erzählweise modellieren. Ausnahmen gibt es extrem wenige; »KLUBBHUS« von dem Jazzquintett Sekten und der jungen Dokumentarfilmerin Sofie Tønsberg ist eine davon.

»KLUBBHUS» ist keine reine Reihe von Musikvideos, sondern eine latent surreale Nicht-Erzählung zwischen albernen Handlungsfragmenten und Performances in einem Landhaus. Für eine »Gesamtkunswerk«-Band wie Sekten bietet ein Film natürlich eine willkommene Ausdrucksform - und Spielwiese. Heiter und verspielt musizieren die fünf mit ihren drei Is, die bekanntlich A und O des Jazz sind: Improvisation, Intuition und Interaktion. Und es ist kurzweilig und macht Spaß, ihnen dabei zuzuschauen. Gerade wer nicht die Chance hat, die Band live zu erleben, bekommt mit dieser DVD eine weitaus bessere Gelegenheit audiovisuellen Musikgenusses als mit einer der gewöhnlichen Performance-DVDs zahlloser Bands. Visuell exzentrisch und musikalisch einfallsreich. (ijb)



Siehe auch:
Simon Toldam Trio (CD-Rezension)

 Sekten: Klubbhus

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Sentenced: Buried Alive
(2007, Century Media/SPV 77646-7)

Man wusste es bereits Mitte 2005: Sentenced hatten einige Monate zuvor ihre Auflösung verkündet und den allerletzten (ob's dabei bleibt?) Auftritt für den 1. Oktober im Club Teatria in Oulo festgelegt: »Das war's«, so Sänger Ville Laihiala. »Es wird keine Wiedervereinigung, Comeback oder irgendwelchen anderen pathetischen Zirkus geben, der derzeit so modern zu sein scheint.« Man wusste außerdem, dass dieser Auftritt aufgezeichnet werden sollte, doch es dauerte noch fast eineinhalb Jahre, bis schließlich die DVD erschien.

Bei ihrem über zweistündigen Auftritt ließen es die Finnen jedenfalls 27 Songs lang noch mal so richtig krachen: Ohne große Showeffekte gab's Metal und Rock pur, wobei der langmähnige Laihiala bei den alten Songs sogar das Mikro an den früheren Sänger Taneli Jarva übergab. Wenn schließlich Laihiala das allerletzte Lied »End Of The Road« mit bewegter Stimme ankündigt (wie alle Ansagen übrigens in Finnisch), weiß man: Diese Band hat den Ratschlag befolgt, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist.

Noch nicht genug nach diesem ausgedehnten Rock-Vollbad? Auf zur zweiten DVD: Sie enthält drei Stunden Bonusmaterial, so u.a. 45 Minuten Interviews, acht Musikvideos, eine Fotogalerie mit 300 Aufnahmen und eine Dokumentation namens »Home Soil Funeral Processeion«, wo sich die Band mit ihrem allseits präsenten Sarg quasi selbst zu Grabe trägt. Mit »BURIED ALIVE« haben uns Sentenced ein würdiges Abschiedsgeschenk vor die Füße geworfen; mögen sie in Frieden ruhen. (peb)



Siehe auch:
Sentenced (CD-Rezension)

 Sentenced: Buried Alive

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Sigur Rós: Heima
(2007, EMI 5099951041892)

Diese DVD erfüllt sämtliche Klischees. Über Menschen, die besser leben. Über Menschen, die ein bisschen kauzig dreinschauen und erst in der gewohnten Gesellschaft aufblühen. Über Menschen, die Kultur hochgradig wertschätzen und selbst ihre Kinder mit auf Popkonzerte nehmen. Ach Island, hast du es gut!

Sígur Rós wissen um die Vorzüge ihres Landes und schenken nach ihrer Welttournee 2006 den Bewohnern fünfzehn Gratiskonzerte. In alten Fischfabriken, auf abgelegenen Höfen, beim Nachmittagstee, in der Kirche – am Ende wird fast jeder die Band gesehen haben. Allein das audiovisuell spektakuläre Abschlusskonzert in der Hauptstadt setzt Rekordmaßstäbe.

Aufgeladen werden die Mitschnitte mit der Imposanz unendlicher Landschaften, die das Kamerateam nebenbei eingefangen hat. Zerklüftete Gletscher, hauchzart bewachsene Wiesen lassen sich so wirkungsvoll mit den elegischen Songs der Band in Szene setzen. Die Lieder aus jeweils unterschiedlichen Locations werden mit kurzen Interviewparts verbunden, so dass das Reisemotiv immerwährend über allem prangt. Und alles ist eingefangen in höchst ästhetischen Bildern und teilweise ungewöhnlichen Einstellungen. Wenn die örtliche Bläserkapelle ihren Marsch durch die Straßen zelebriert und per schnellem Schnitt abends mit den Musikern von Sígur Rós auf der Bühne steht oder wenn große Kinderaugen dem fahlen Schein der Bühnenbeleuchtung folgen, eröffnet diese DVD Momente des Glücks.

Die Langsamkeit der Arrangements überträgt sich allerdings zuweilen auf die Bilder. Ein etwas schnellerer Schnitt hätte mehr Dynamik gebracht. Trotzdem umweht diese DVD die Magie Islands, setzt Maßstäbe in Konzeption und Optik. Auf der zweiten DVD gibt es lediglich die Songs in voller Länge, zwei Bonustracks und weitere Video-Einspieler; mit Aufpreis ein 116-seitiges Fotobuch dazu. Dennoch wird man schwärmend von dieser gefühlvollen Musik und diesen erlesenen Bildern berichten – oder gleich ein Ticket nach Reykjavik buchen wollen. »HEIMA« bedeutet »Zuhause«. (maw)



Siehe auch:
Sigur Rós (CD-Rezension)


Zum Artikel über Sigur Rós

 Sigur Rós: Heima

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Supersilent: 7
(2005, Rune Grammofon/Cargo RVD 2047)

War ja zu erwarten: kein Vorspann, kein Abspann, keine Titel. Supersilent machen eben keine großen Worte, grüßen niemanden und bleiben auch im Gestus äußerst spärlich. Denn zählt nicht allein die Musik? Und wollen wir davon ablenken? Ihre siebte Produktion »SUPERSILENT 7« kommt als wortlose DVD daher, aufgenommen während eines Konzerts im Parkteatret am 16. 8. 2004 in Oslo. Ohne Nachdreh, ohne digital eingespeistes Geflirrel oder Geflacker. Ohne Bonus-Zusätze auch: nur das reine und pure Konzert ohne Tricks und Kniffe. Sechs Titel, knapp zwei Stunden. So wie es war, so ist es jetzt zu sehen. Wer einen CD-Player mit DTS-Funktion hat, kann die DVD übrigens auch einfach so hören. Und verpasst eine Menge.

Denn es ist einfach genial, auf welch schlichte Art das Multimedia-Talent Kim Hiortrøy den geheimnisvollen Elektrofreejazz in Bilder verwandelt. Nur schwarz-weiß lässt er gelten und vertraut ganz allein auf das karge Bühnenlicht, damit wir den Musikern bei der Arbeit zuschauen können. Licht und Schatten sorgen dabei für eindrucksvolle Schemen, für Nebelgestalten, die mit ernst ihrem Tagwerk des Musikmachens nachgehen, zu dem der aufdringliche Gestus des Publikum-Anfeuerns und des angeberischen Haareschüttelns weiß Gott nicht passt. Ekstase ist, wenn man in sich ruhend alles spürt. Nur einmal und ganz kurz gibt der Kameramann der Versuchung nach und wackelt mit der Kamera wild mit, als es auch auf der Bühne wild wird. Einmal. Und nur ganz kurz.

Auch musikalisch wird man reich bedient: Elegisch beginnt es. Fast orchestrale Sequenzen bauen sich auf und geraten zunehmend aus den Fugen, bis dann das so typische Supersilent-Elektrogewitter einbricht, bei dem meist der Nachbar klingelt. Und doch ist es ihre bisher eingängigste, ihre zugänglichste, ihre freundlichste CD geworden, die vielen, die vom Leben mehr als nur Popmusik erwarten, einen Einstieg in atonale Welten erlauben könnte. Kurzum: eine wunderbare Produktion nicht nur für den Supersilent-Fan (und den, der es werden wird), sondern auch für den Liebhaber von Schwarz-Weiß-Fotos – auf Fotokarton gezogen, damit man etwas in der Hand spürt. (frk)



Siehe auch:
Supersilent (CD-Rezension)


Zum Artikel über Supersilent

 Supersilent: 7

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Swan Lee: Stjernekigger
(2005, Rosendahl Film/Playground STJDVD 1)

Normalerweise wird so was ja nicht gemacht: Eine Kamera begleitet den steinigen Weg einer jungen Band von der Gründung über die Musikersuche und die ersten Auftritte bis zum großen Erfolg des Debüts. Dass das im Falle der dänischen Band Swan Lee mit «STJERNEKIGGER« passierte, lag wohl schlicht und einfach daran, dass die Filmemacherin Christine Rosendahl die Schwester von Sängerin Pernille ist.

Die Rockumentary stellt die unermüdlichen Anstrengungen und stetigen Rückschläge von Pernille Rosendahl bei ihrer Suche nach einer Plattenfirma in den Mittelpunkt: Entweder will die Firma nur die Sängerin unter Vertrag nehmen oder die Band dazu bringen, ihren Stil zu ändern. Swan Lee bleiben jedoch hart und verfolgen konsequent ihren Weg als unbequeme Variante der Cardigans.

Der dänische, jedoch englisch untertitelte Film gewährt nicht nur Fans einen Einblick hinter die Kulissen der Band, sondern liefert auch eine kritische Bestandsaufnahme der dänischen, scheinbar recht unflexiblen Musikszene. Und er enthält Musik, viel und gute Musik.

Übrigens: Swan Lee veröffentlichte ihr Debüt »ENTER« schließlich auf dem eigenen Label Gogo Records, und es verkaufte sich erstaunlich gut. Der Nachfolger erreichte sogar innerhalb weniger Tage Goldstatus. Ein weiteres Indiz für die Unfähigkeit der Musikindustrie? (peb)



Siehe auch:
Swan Lee (CD-Rezension)

 Swan Lee: Stjernekigger

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Tehosekoitin: Vauhdissa Livenä!
(2003, Levy Yhtiö LY00104D)

Eine ganz schlichte DVD ohne große Extras – und trotzdem zeigt sie genau das, was Tehosekoitin ausmacht: Das Quartett ist eine absolute Liveband. Geschlagene drei Minuten lässt es die Fans »Tehosekoitin!« skandieren, dann betreten Gitarrist Hanski, Drummer Tero, sowie Basser Hanski die Bühne und heizen der Menge musikalisch ein – mit einem Flammenwerfer. Fronter Otto hüpft hüftschwingend heran und stimmt »Kaikki Nuoret Tyypit« an. Die Menge johlt nicht nur diesen Refrain mit.

Keine Spur von »Fiksu Ja Kypsä« (fix und fertig); zwei Stunden rocken die Finnen die Bühne des Helsinkier Nosturi, quer durch sämtliche Alben. Hanski und Matti duellieren sich auf dem Rücken liegend bei »Syntynyt Köyhänä«, während Sahnehintern Otto – Besitzer einer der geilsten Ärsche der Rockszene – das Tambourin schüttelt. Den weiblichen Anwesenden wird's heiß; die Erste sitzt bereits nur noch im BH auf den Schultern ihres Begleiters.

Verschnaufpausen gönnen die Helsinkier dem Publikum nur wenige, wie etwa zur Ballade »Maailma On Sun«, sonst ist Bewegung in der Halle, »Crowdsurfing« inbegriffen. Nach 18 Songs und Funkenregen verlassen sie die Bretter. Wenige Minuten »We want more«-Gebrüll später kommen sie mit »Mä Haluun Rauhottua« zurück. Ein weiblicher Fan präsentiert zwei nackte Tatsachen, bevor bei »Luulet Sä Mä Välitän« vom Debüt der Punk abgeht. Zu »Viuhahdus« heißt's ein letztes Mal Mitsingen, Klatschen, Hüpfen, Toben, dann ist wirklich Schluss.

Der einzige Bonus: verschiedene Interviews mit den Bandmitgliedern auf Finnisch, leider ohne Untertitel. Je etwa eine Viertelstunde äußern sich Hanski oder Matti am Rande eines Festivals, Tero am See und Otto auf einem Friedhof. (nat)



Siehe auch:
Tehosekoitin (CD-Rezension)


Zum Artikel über Tehosekoitin


Zur Konzertkritik über Tehosekoitin

 Tehosekoitin: Vauhdissa Livenä!

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Tiamat: The Church Of Tiamat
(2006, Century Media/SPV CM 77581-7)

Die schwedischen Dark-Rocker haben einen weiten Weg zurückgelegt: Spätestens mit ihrem vierten Album »Wildhoney« entwickelte sich Tiamat weg vom Black Metal und sukzessive hin zum Gothic. Dabei bewies die Band um Sänger Johan Edlund stets Abwechslungsreichtum und enorme Dynamik, die zwischen den Polen grüblerisch-stiller Melancholie und mächtiger Metal-Wut pendelte.

Dass sie auch in Polen eine treue Fanschar hat, zeigt dieser Konzertmitschnitt von 2005 in Krakau (5.1 Surround Sound). Mit auf der Bühne: der Dark Tranquillity-Keyboarder Martin Brandström und Arch Enemys Gitarrist Fredrik Akesson. Das Song-Repertoire deckt ein Jahrzehnt ab; es erstreckt sich vom schwer stampfenden »The Sleeping Beauty« vom 92er Album »CLOUDS« bis zu den melodischeren Beiträgen des drei Jahre zurück liegenden »PREY«.

Die Bonus-Abteilung enthält – neben einem 30minütigen Interview ohne Untertitel mit Johan Edlund und Bassist Anders Iwers – unter anderem 13 Live-Tracks und Promo-Videos aus den letzten 15 Jahren, darunter etwa die allererste Tiamat-Show im April 1990: Im Publikum des Runan Club waren Musiker von Dismember, Uleashed oder Entombed und damit die ziemlich komplette Death Metal-Szene Stockholms versammelt. Obwohl diese 55minütige »History Of Tiamat« bild- und tontechnisch zeitweilig Bootleg-Charakter hat, empfiehlt sich die DVD als atmosphärisch abwechslungsreicher Gothic-Metal-Leckerbissen. (peb)



Siehe auch:
Tiamat (CD-Rezension)
Dark Tranquillity (CD-Rezension)

Arch Enemy (CD-Rezension)


 Tiamat: The Church Of Tiamat

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Turbonegro: ResErection
(2005, Bitzcore/Indigo bc 1754)

»It's good to be back, hello« skandieren die Norweger, und die Turbojugendlichen stimmen ein. Bis Turbonegro allerdings das Quartfestival 2002 zur Feier ihrer »ResErection« rocken, passieren erstaunliche Dinge: Die Turboneger springen mit schwarz angemalten Gesichter und Afroperücken über die Bühne, bevor sie beschließen den Hardrockern das Fürchten zu lehren: »Wovor haben diese am meisten Angst?« Natürlich vor Schwulen. Flugs streifen sie Seemannsmütze und Denim über, tragen kräftig glitzerndes Make-Up auf, und der Mythos ist geboren.

Leider arbeitet Hanks Junkiekarriere dem Erfolg entgegen: Am Tag vor ihrem Auftritt in Texas weilt er in einer Klinik – zum Glück ist Drummer Kåre von Euroboys Ex-Combo größenwahnsinnig und präsent. Doch dann folgt die ungeschminkte Wahrheit, Hanks Halluzinationen on stage, der endgültige Zusammenbruch, das Aus. So schildert es Happy Tom, gar nicht glücklich: »Ich war noch nie in Italien. Und alles, was ich sehe von Mailand, sehe ich durch das Fenster der Ambulanz«.

Gestützt von seinen »Großeltern und dem Glauben an Gott« verbringt Hank seinen Entzug auf den Lofoten; die Zeit schlägt er als Radiomoderator tot – und als Fremdenführer im lokalen Fischereimuseum. Zeit für einen Besuch Happy-Toms, der die schrittweise Rückverwandlung zu den Denim-Dämonen einläutet. Endlich wieder »Ready for some darkness« fiebern Hank und seine Mannen dem ersten Auftritt entgegen, treten hinaus ins Rampenlicht: »It's good to be back, hello«, Ende Teil I – produziert hat die Rockumentary übrigens das norwegische Fernsehen(!).

Dann folgt der Mitschnitt des Quartfestivals, Kulthits wie »I Got Erection« inklusive, weitere Songs vom Bizarre und aus Hultsfred aus dem Jahre 2002, sowie Pål Pot Pamparius beim Pizzabacken plus eine Fotogalerie, die Mambo Kurt mit »Prince Of The Rodeo« begleitet. Summa summarum knappe zwei Stunden schonungslose Offenheit auf norwegisch (mit englischen Untertiteln), gelungene Liveshows, Extras, Fotos, und das alles mit ansprechend gestaltetem Menü-Design. (nat)



Siehe auch:
Turbonegro (CD-Rezension)
Euroboys (CD-Rezension)


 Turbonegro: ResErection

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Turisas: A Finnish Summer With Turisas
(2008, Century Media 9978227)

Turisas spielen im Sommer 2008 mehr Konzerte in ihrer Heimat, als in den Jahren seit ihrer Gründung im Jahre 1997 - zusammengenommen. Das nimmt die nach dem finnischen Kriegsgott benannte Truppe zum Anlass um ihre erste DVD aufzunehmen.

»A FINNISH SUMMER WITH TURISAS« startet mit der gleichnamigen Dokumentation. In einem Ruderboot auf einem finnischen See. Sehr idyllisch. Weiter geht es nach Hämeenlinna, wo die Band herkommt. Fronter Mathias Nygård erzählt wie geschwisterliche Verstrickungen zur Bandgründung führten, wie ihr Demo bei den Plattenfirmen landete und wie die Band von acht auf sechs Mann schrumpfte. Während die Band durch Finnland tourt, wechseln sich kurze Konzerteinspielungen und Erzähltes ab. Die meisten Bandmitglieder sprechen Englisch, andere wie Tude Finnisch, kein Problem: Dafür gibt’s englische Untertitel.

Die Kamera hält den Bungee-Sprung von Akkordeonistin Netta – vor dem Nummirock-Gig – fest. Sie beobachtet die Battle Metaller beim anziehen, schminken – und Sänger Mathias beim ko**en. Sie folgt ihnen in die Sauna (zensiert), in den See (zensiert) und aufs Plumpsklo. Der Zuschauer sieht mit an, wie in der Sauna möglicherweise ein zukünftiges Intro entsteht – zugehöriger Song wird vermutlich »Vihta« heißen – und feiert mit dem Finnensechser Mittsommer. Allerdings wirkt der feierlich gedeckte Tisch (mit Blumen!) etwas gestellt. Mathias Nygård spielt Touriführer
in und um Helsinki oder im Studio in Wanaja, wo »THE VARANGIAN WAY« entstand, bis der Film nach 70 Minuten endet wo er angefangen hat: Im (finnischen) Wasser.

Der zweite Teil zeigt ein 80minütiges Turisas-Set, das querbeet bei Festivals vom 21. Juni bis 19. Juli 2008 aufgenommen wurde, genauer gesagt auf Nummirock (Nummijärvi), Ruisrock (Turku), Ilosaarirock (Joensuu), Voimasointu (Mäntyharju), Wanaja Festival (Hämeenlinna). Von »As Torches Rise« über »The Messenger« und den Klassiker »Rasputin« bis zum finalen Titeltrack des Debüts »BATTLE METAL« spielt das Sextett alles was das Fanherz begehrt. Sogar die elfminütige »Miklagard Overture« hat es auf die Nummirock-Bühne geschafft. Die finnischen Ansagen sind übrigens ebenfalls mit englischen Untertiteln versehen.

Leider etwas dürftig sind die Extras ausgefallen: Außer dem Promovideo zu »Rasputin« gibt es nur noch aneinander gestückelte fünf Minuten Schabernack aus dem Umfeld der Dokumentation. Was soll's, dann eben noch mal die Doku angeschaut – oder doch die Live-Songs? (nat)



Siehe auch:
Turisas (CD-Rezension)

 Turisas: A Finnish Summer With Turisas

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Verschiedene: Roots Rock Rebel
(2006, Wild Kingdom/Rough Trade KING001DVD)

»Joe Strummer war der Frontmann der weltgrößten Band, der einzigen Band, die überhaupt zählt.« Das sagt Balsam Hellström, Filmemacher und Clash-Fan, der nur zwei Monate nach Joe Strummers Tod im Stockholmer Club »Beatbox« ein denkwürdiges Tribute-Konzert veranstaltete: Am 20. Februar 2003 spielte dort so ziemlich jeder, der in der schwedischen Rockszene Rang und Namen hat.

Den Anfang macht Magnus Carlson von den Weeping Willows mit mit »Burning Light«. Maria Bergman und Maria Andersson (Sahara Hotnights) lassen »Spanish Bombs« fallen, und Nicke Borg grölt im Chor mit Dregen (beide Backyard Babies) »I Fought The Law«. Weitere Highlights im Schnelldurchlauf: Howlin Pelle (The Hives) nimmt sich zusammen mit Randy »Rock The Casbah« vor. Moneybrother wählt »Tommy Gun«; Macke von den Republikans intoniert im Team mit Nicke Andersson (Hellcopters) »Rudie Can't Fail«. Und Dennis Lyxzèn (The International Noise Conspiracy) wird zusammen mit Martin Sköld (Kent) zum »Bankrobber«.

Ach ja, die Begleitband: Die setzt sich überwiegend zusamen aus Musikern von Bob Hund/Bergman Rock, Sator, Weeping Willows und Kent. Und zum Schluss – hey! – steigt doch glatt der leibhaftige Mick Jones, Strummers Clash-Kollege, zu den Alt-Punkrockern Ebba Grön mit auf die Bühne und rockt durch »What's My Name«, »Career Opportunities« und »White Riot«. Sehr amüsant, das Ganze, aber natürlich von höchst unterschiedlichem Niveau und nicht an die Originale heranreichend.

Fast hätte ich's vergessen: Als Bonus-Material gibt's einige »Behind The Stage«-Szenen. Doch auf die kommt's hier nicht an, denn: Das nahezu komplette schwedische Rock-Netzwerk hat einem Bruder im Geiste seine Referenz erwiesen und sich auf die Fahne geschrieben: Joe Strummer Forever! Macht Laune ... (peb)



Siehe auch:
Weeping Willows (CD-Rezension)
Sahara Hotnights (CD-Rezension)

Backyard Babies (CD-Rezension)

The Hives (CD-Rezension)


 Verschiedene: Roots Rock Rebel

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Verschiedene: Screaming Masterpiece – 1000 Years Of Icelandic Popular Music
(2005, Palomar/Ergis/Icelandic Film Centr 690784 007620)

Wer sich mit der isländischen Rock- und Popszene beschäftigt (und für den ist diese DVD Pflicht), wird schnell deren Einzigartigkeit erkennen. Als skurril und verschroben empfinden sie manche, als unangepasst und mit kaum einem anderen Land vergleichbar.

»Das liegt daran«, so Bang Gang-Sänger Barði Jóhannsson, »dass besonders die noch nicht so guten Künstler wissen, dass sie in einem Land wie Island nicht mehr als 200 Alben verkaufen werden. Also machen sie eh ihr eigenes Ding.« Klingt logisch, ist aber nur einer der vielen Erklärungsversuche, mit denen der 87minütige Film dem Phänomen auf den Grund zu gehen versucht.

Eigentlich alle wesentlichen isländischen Musiker kommen zu Wort: Bang Gang, Amina, Björk, Mugison, Múm, Mínus, Jóhann Jóhannsson, Sigur Rós, die Sugarcubes, Slowblow, Apparat (später Apparat Organ Quartet) oder der Filmkomponist Hilmar Örn Hilmarsson – sie alle philosophieren als Teil der schillernden Reykjaviker Szene, warum diese ihre eigene Sprache gefunden hat. Ein wesentlicher Einfluss: die Natur; man kann ihr nicht entfliehen auf Island.

Großartige, in spektakulären Kamerafahrten eingefangene Landschaftsaufnahmen unterstreichen das und verstärken sich im Zusammenspiel mit der zahlreichen Live-Musik gegenseitig. Und als Bonusmaterial gibt’s die Musiker-Interviews in voller 160minütiger Länge. Ein schreiendes Meisterwerk eben, und – wenn auch manche Sequenzen fast wie ein Promofilm wirken (sollen) – wahrlich ein Kompendium der letztlich doch recht übersichtlichen isländischen Rock/Pop-Szene. (peb)



Siehe auch:
Mugison (CD-Rezension)
Múm (CD-Rezension)

Slowblow (CD-Rezension)

Hilmar Örn Hilmarsson (CD-Rezension)


 Verschiedene: Screaming Masterpiece – 1000 Years Of Icelandic Popular Music

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Värttinä: Archive Live
(2006, Hoedown/Sony BMG 82876855979)

Es ist schlicht unglaublich, dass eine so unbeschreiblich vitale und energiegeladene Band wie Värttinä schon über 25 Jahre aktiv ist! Der 25. Geburtstag war jedenfalls ein Grund zu feiern, das Konzert in 49-minütigem Mitschnitt ist der erste Teil dieser DVD.

Värttinä zeigen sich hier in grandioser Verfassung, haben sie doch immerhin eine der besten Besetzungen ihrer Geschichte am Start, mit Mari Kaasinen, Susan Aho und Johanna Virtanen als Gesangstrio, dahinter Markku Lepistö (acc), Antto Varilo (g), Janne Lappalainen (sax, bouzouki), Lassi Logren (vi), Hannu Rantanen (b) und Jaska Lukkarinen (dr). Die Mädels agieren präzise und mit toller Bühnenpräsenz, die Band groovt und hat reihenweise Highlights: »Kylä Vuotti Uutta Kuuta«, »Selennikoi«, »Äijö« fehlen ebenso wenig wie »Vot I Kaalina«. Die Kameraführung und die Schnitte sind ein wenig altmodisch und viel braver als die Musik, aber damit kann man leben.

25 Jahre gehen auch an Värttinä nicht spurlos vorbei, es gab Unmengen Besetzungswechsel. 15 weitere Videos dokumentieren die Entwicklung der Band, von ganz braven Anfangszeiten als vielköpfigem Chor über langsame Dynamisierung, der Öffnung zu Percussion und damit Power, bis hin zu der heutigen Supergroup in Sachen nordeuropäischer Folklore. Die Aufnahmen sind, so gut Värttinä in den jeweiligen Zeiten waren, teilweise richtig witzig, wenn sie stocksteif in Trachtenröcken im Fernsehstudio stehen und singen. Auch hier präsentieren Värttinä viele Songs, mit denen sie bekannt wurden: »Tupa Täynnä Tuppasuita«, »Matalii Ja Mustii«, »Pihi Neito« und natürlich »Oi Dai« von der gleichnamigen CD, mit der der Stern von Värttinä aufging.

Mari Kaasinen und Janne Lappalainen, die beiden letzten verbliebenen der ersten (ernst zu nehmenden) Formation, erklären im Interview die Geschichte, die Arbeitsweise und das Besondere der Band, zudem gibt es eine ausführliche Biographie und eine lobenswerte Erklärung der karelischen Runengesänge, die für Värttinä und ihren Gesangs- und Kompositionsstil von Anfang an enorm wichtig waren.

Fazit: unverzichtbar und süchtig machend. (tjk)



Siehe auch:
Värttinä (CD-Rezension)


Zum Artikel über Värttinä

 Värttinä: Archive Live

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