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Lange Rezensionen 1 - 10 von 38 im Genre »Avantgarde« und Land »Dänemark« (insgesamt 42)

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Katrine Amsler: Laslafaria
( 2020, Boogie Post Recordings BP028 )

Manche Alben haben so kuriose und interessante Entstehungsgeschichten, dass man schon deswegen vorab eine riesige Lust auf Hineinhören bekommt. In diesem Fall geht es um die familiären (und musikalischen) Wurzeln Katrine Amslers. Dorthin begibt sich nämlich die in Dänemark lebende Keyboarderin, die wir bereits von ihrer Band Televison Pickup kennen mit ihrem aktuellen Album: Ihre Eltern sind Schweizer aus dem Kanton Zug, beide waren in den späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts Mitglieder der etwa 50-köpfigen Guggenmusik »Laslafaria«. Wer mit dem Begriff Guggenmusik nichts anzufangen weiß, hat in seinem Leben musikalisch was verpasst. Nur soviel sei gesagt: Es geht um die schwäbisch-alemannische Fasnet, es geht um krachende Blasmusik, in der von Schlager über Pop bis Volkslied alles verwurstet wird, was partytauglich ist, und es geht um jede Menge Spaß – nicht nur beim Musizieren, wie das verlinkte Video zeigt. Zwei alte LPs der Kapelle seien im heimischen Plattenregal seit ihrer Kindheit zu finden gewesen und an jene hätte sich Katrine Amsler erinnert, als es an die Arbeit für das Album ging, dessen Titel sie der elterlichen Combo widmete.

Um so mehr überrascht es, dass sie überhaupt nicht krachmusikalisch beginnt, sondern uns eher mit der Musik gewordenen Entdeckung der Langsamkeit empfängt. Über einen düsteren, flächigen, rhythmuslosen Klangteppich lässt sie ein verlorenes Saxofon und betörende Chorsounds erklingen. Ganz weit weg vom Guggenmusik-Klischee also. Zwar schlägt bereits hier ein subtiler Humor durch, da Amsler das Stück »Average Speed« nennt und das vielleicht als kleinen Seitenhieb auf die Mentalität der Eidgenossen verstanden wissen will, aber ihren Humor muss man sich zunächst hart erarbeiten. Da macht es einem die Sounddesignerin und Komponistin für Computerspiele-Musik nicht leicht. Auch später nicht, wenn die Sache dann mehr Fahrt aufnimmt und es in »Obwalden« über ein gepflegtes »Detuning« (genretypisch für Guggenmusik, auch wenn es dort niemand so nennen würde) in die totale Dekonstruktion der Klänge (=Krach; ebenfalls genretypisch, s.o.) geht. Ob die Obwaldner Halbkantonisten (zum ganzen Kanton reicht es bei den Zentralschweizern nicht…) damit glücklich sind? Wer weiß.

Aber dann geht es aufwärts – mit der »Rigibahn« nämlich – und wir hören zum ersten Mal einen Hauch alpenländischer Blechblas-Töne. Und ganz am Ende noch einen kurzen zünftigen Gruß: »Salü!« Ähnliches Glück widerfährt uns bei »The Niesenbahn Defeat«, in dem uns plötzlich hart sequenzierte Billig-Synthiesounds und längst vergessen geglaubte Elektro-Drums herrlich um die Ohren fliegen. Genau passend zum alljährlich dort stattfindenden Wettlauf die längste Treppe der Welt(!) hinauf. Und ganz am Ende, nachdem wir die Hoffnung darauf fast verloren hatten, in den letzten Zügen des finalen Tracks, der auch nicht immer ganz einfach zu bewältigen ist, da... ja, da hören wir es: ganz zaghaft, dänn aber immer ä chli dütlicher: ä ächti schwyzer Guggemusig! Natürlich detuned! Wunderbar. (stv)



Siehe auch:
Television Pickup
Samuel Hällkvist

Nils Berg Cinemascope

Shitney


Katrine Amsler: Laslafaria

Video-Link Offizielle Website

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Autofant: Family
( 2005, DZO /ILK dzo2 )

Tja. Hmh. Und nun? Was soll man mit einer Scheibe machen, die derart wechselhaft daher kommt, wie das Debütalbum von Autofant? Sich das Beste heraussuchen oder ungnädig auf den Fehlern herumreiten? Fangen wir mit erst mal mit den Eckdaten an und lassen die CD erneut nebenher durchlaufen: Denn hinter dem recht abstrakten Bandnamen verbirgt sich personell ein klassisches Trio: Henrik Sundh am Laptop und am Synthie, der sowohl mit Pierre Dørge wie mit Josefine Cronholm zusammengearbeitet hat; dazu Johan Segerberg, Bass und Effekte, Klangkünstler und Radiotüftler; plus Kresten Osgood, beheimatet im Jazz wie im Hip Hop.

Zusammen ergibt das einen Strauß aus eben recht unterschiedlichen Stücken: Mal wirft man sich dem etwas raueren Elektropop an den Hals, dann wieder taucht man tief ein in atonale Strukturen und lässt es wispern, knispern und rumpeln. Überhaupt ist das Projekt immer dann am besten, wenn sich verspielt Jazzig-Abstraktes gegen jede vorschnelle Harmonie stellt und so im dritten Schritt eine ganz eigene Schönheit entsteht. Super tönt »Egg«, ein verquerer Elektroreggae – angestrengt originell dagegen »29 Toomuchli«. Unentschieden, so kann man's auch sagen. (frk)



Siehe auch:
Pierre Dørge
Josefine Cronholm

Osgood/Jørgensen

Kresten Osgood


 Autofant: Family

Offizielle Website

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Jakob Bro & Thomas Knak: Bro/Knak
( 2 CDs, 2012, Loveland Records /Pladekisten.dk LLR015 )

Im Booklet des Doppelalbums sind keine Informationen darüber zu finden, wer die Stücke komponiert hat. Da jedoch Jakob Bro die Platte auf seinem Label und unter eigenem Namen veröffentlicht, muss man davon ausgehen, dass er die neun Stücke entweder selbst geschrieben oder sie wenigstens als »principal artist« gesammelt und kuratiert hat. Aufgenommen wurden die Mitwirkenden nämlich über mehrere längere Zeiträume in New York und Kopenhagen, und als Musiker nimmt der Gitarrist auf den Aufnahmen eine eher untergeordnete Rolle ein, bei der Hälfte der Stücke spielt er nicht einmal mit.

Auf der ersten CD, »BRO« betitelt, treten 14 unterschiedlichste Musiker internationaler Herkunft auf, teils als Solisten (David Virelles und Paul Bley spielen insgesamt drei Solo-Klavierstücke, sicherlich improvisiert, von denen das längste knapp 17 Minuten dauert), teils in Bands - darunter Jazzstars wie Kenny Wheeler und Bill Frisell, aber auch der Königlich Dänische Kapellchor und Theremin-Spielerin Pamelia Kurstin. Man kann schwerlich behaupten, dass dieser Aufnahmeprozess oder das Ergebnis jazztypisch wären, wie man es von Bros zahlreichen bisherigen Alben eher lyrischer Natur und den vielen Bands mit seiner Mitwirkung kennt.

Jakob Bro konstruierte aus den gesammelten Aufnahmen in längerer Collagearbeit eine CD, während Thomas Knak parallel aus dem selben Material eine zweite, vollkommen andere Version collagierte und zum Teil um elektronische Elemente wie Drum&Bass-verwandte Rhythmen ergänzte. Die beiden sandten sich über Monate hinweg stets zu, was sie erarbeitet hatten und inspirierten sich so gegenseitig. So darf man die zweite CD, »KNAK«, keineswegs als Remix der ersten betrachten; sie ist weitaus mehr: eine zweite, äquivalente Sicht auf die gleiche Welt.

Zwar tendieren einzelne Stücken hin und wieder zum Ausfransen, und die stilistische Schrankenlosigkeit findet über die komplette Länge der beiden CDs nicht die Verdichtung, die man ersehnt oder erhofft. Doch als innovatives Experiment und auch als Grundlage für weitere ähnliche Projekte ist »BRO/KNAK« unbedingt die Entdeckung und Vertiefung wert. (ijb)



Siehe auch:
Jakob Bro
Jakob Buchanan Kvartet

Thomas Knak alias Opiate

Jonas Westergaard


Jakob Bro: Bro/Knak

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Damien Dubrovnik: Great Many Arrows
( LP, 2017, Posh Isolation 200 )

Um gleich Missverständnisse auszuräumen: Bei Damien Dubrovnik handelt es sich nicht um einen Komponisten aus Kroatien, sondern um ein dänisches Noise-Duo, bestehend aus Christian Stadsgaard (The Empire Line) und Loke Rahbek, Musiker mit rund zwei Dutzend Band-Projekten (z.B. Vår und Lust For Youth) und Pseudonymen (Croatian Amor). Gemeinsam gründeten sie 2009 das sich zunehmend zum Kultlabel entwickelnde Noise-Imprint Posh Isolation, dessen Katalognummer 200 zum achtjährigen Jubiläum diese Scheibe darstellt. »GREAT MANY ARROWS« ist das sechste Album dieses Kopenhagener Duos, und es existiert, wie bei Posh Isolation üblich, nur als Vinylrelease. Der Titel ist wörtlich zu verstehen, denn alle Tracks tragen die Bezeichnung »Arrow«.

Und Damien Dubrovnik sind ein klassisches Noise-Projekt, wie man sich das vorstellt: Drastischer Lärm, fernab jedweder Melodien prägt die ersten beiden Stücke, dissonant, schauderhaft wie die Industrial-Krachepen von Prurient, die man aushalten »muss« (bzw. will) - oder nach wenigen, nun ja, Takten die Skip-Taste drückt. Während Stadsgaard die harsche elektronische Kulisse darbietet, schreit Rakbek düstere, klanglich verzerrte Texte in diesen Lärm. So kommen die beiden rüber wie eine Hardcore-Version von Suicide. Nach den ersten beiden, jeweils acht Minuten langen Stücken ändert sich die Stimmung mit »Arrow 3« komplett: Es folgen zwei ambient-nahe Instrumental-Tracks, schwebend und flüchtig, sehr gelungene elektronische Nebelbilder, aus denen Melodien herausschimmern, auch selbstredend die Atmosphäre eine unwirtliche bleibt.

Im letzten Drittel dann bilden Damien Dubrovnik eine Art Synthese aus dem eher ruhig-düsteren zweiten Teil und dem ersten mit aggressivem »Gesang«; im Abschluss-Track wird's sogar lieblich und traumhaft melodisch, ein verhalltes Akkordeon, das auch von einer Björk-CD herübergeweht worden sein könnte, dominiert die letzten sechs Minuten dieser beeindruckenden, von großem Drama gezeichneten Noise-LP, der es allein an einer schlüssigen Erzählstruktur mangelt.

Starke Empfehlung für Fans von Prurient, Pharmakon, Bjarni Gunnarsson, Deathprod und Puce Mary. [Klangnote unter Vorbehalt, da auf Online-Basis in komprimierter Digital-Version rezensiert.] (ijb)



Siehe auch:
The Empire Line
Bjarni Gunnarsson (Noise aus Island)

Juv (Noise-Duo aus Norwegen)

Pan Sonic (Noise-Duo aus Finnland)


 Damien Dubrovnik: Great Many Arrows

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Jakob Davidsens Kammerat Orkester: og andre dyr*
( 2015, ILK /White Label Series ILK240LP )

Der dänische Pianist Jakob Davidsen ist ein Neuzugang in der Kopenhagener Labelfamilie ILK Music. Erstaunlich, dass sein Debütalbum innerhalb dieses Rahmens dann nur auf der Sammler-Reihe »White Label Series«, d.h. in Form von 100 nummerierten und handbeschrifteten LPs erscheint. Dies erklärt sich wohl auch dadurch, dass Davidsens Kammerat Orkester häufig in Kunst- und Museumskontexten gespielt haben, mit ihrem vorigen, dem zweiten Album der Band »Se kunsten med nye ører« (»Sieh Kunst mit neuen Ohren«) gingen sie gar so weit, Kunstwerke aus der Dänischen Nationalgalerie zu interpretieren. Es handelt sich hier wahrlich um musikalische Kunst für ein erlesenes Publikum.

Von Orchester kann indes keine Rede sein, weniger noch als beim ähnlich angelegten Simon Toldam Orkester (STORK). Den beiden Ensembles ist gemein, dass sie sich dem progressiven Musizieren zwischen Jazz und »Neuer Musik« verschrieben haben, und so dürfte jedem Freund der Kopenhagener Szene klar sein, dass die Musik dieses Quintetts in keiner der beiden Schubladen gemütlich Platz findet. Der Hörer muss schon ein gehörig Maß Offenheit und Lust am Entdecken mitbringen. Denn Davidsen, der bislang rund 15 Alben veröffentlicht und mindestens ebenso viele renommierte Musikpreise gewonnen hat, stellte mit drei Bläsern — seinen Landsmännern Peter Fuglsang, Klarinette, und Jakob Munck, Posaune, sowie Tubist Lars Andreas Haug aus Norwegen — und dem schwedisch-dänischen Cellisten John Ehde eine sehr wagemutige Gruppe zusammen. Ein Spagat aus mal fragiler, mal spröder improvisierter Kammer(aden)musik, von stets eigenwilliger Poesie fernab oft gewählter Wege (*und anderer Tiere). (ijb)



Siehe auch:
Lars Andreas Haug Band
Peter Fuglsang & Trondheim Jazz Orchestra

Jakob Munck

Danish Radio Big Band


Jakob Davidsens Kammerat Orkester: og andre dyr*

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Efterklang with Karsten Fundal: The Colour Of Falling
( 2016, Tambourhinoceros)

Was haben Mozart und Efterklang gemeinsam? Ganz einfach: Sie haben Auftragsopern komponiert! Hier enden die Ähnlichkeiten bereits, denn »LEAVES- THE COLOUR OF FALLING« ist weder heiter noch verspielt, sondern anspruchsvolle, sperrige, minimalistische Kost in der Tradition von Philip Glass und Steve Reich. Enstanden ist diese ungewöhnliche Kombination zwischen E- und U-Musik auf Anregung des Kopenhagener Opernfestivals. Die drei experimentierfreudigen Grenzgänger von Efterklang haben sich mit dem Komponisten Karsten Fundal zusammengetan. Die Texte stammen von der Lyrikerin Ursula Andkjær Olsen. Entstanden ist keine ausufernde Wagner-Oper, sondern ein loser Zyklus von zehn eigenwilligen Kompositionen zwischen experimentellem Postrock und Neuer Musik. Inhaltlich geht es um einen eigenwilligen Kult, der unter der Erde lebt, während über ihnen die Welt untergeht. Es geht um den Verlust von Identität, Liebe und Leben. Mozart würde sich die Perücke raufen!

Unterstützt wurden Efterklang bei den Aufnahmen vom zwölfköpfigen Happy Hopeless Orchestra. Zuden dänischen Opernstars, die hier als Sänger agieren, gehören die Sopranistin Lisbet Balslev, der Countertenor Marten Grove Frandsen und und der Bass Nicolai Elsberg. Efterklang changieren hier zwischen den Unheimlichen mit beunruhigenden Tracks voller geheimnisvoller Störgeräusche wie »Stillborn« und dem Träumerischen mit ausufernden postrockigen Spielereien wie »Cities Of Glass«. Casper Clausens Falsett-Vocals und die Stimmen der Opernsänger bilden einen interessanten Kontrast. Percussionlastige, fast schon poppige Passagen treffen auf Klassik-Innerlichkeit. Das ist ungewohnte, aber durchaus anregende musikalische Kost! (emv)



Siehe auch:
Efterklang

 Efterklang with Karsten Fundal: The Colour Of Falling

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Sofus Forsberg: Udefra
( 2005, Jenka Music /VME jenkaCD05 )

Fangen wir doch mit dem Besten an. Nur was ist das? Der wunderbare Opener »DamDam«, der selbst Elektro-Abstinenzler überzeugen könnte? Das elegische Stück »No Beat«, bei dem man ins uferlose Schwärmen geraten dürfte – auch wegen des Beats? Oder der Rausschmeißer »Hwrok«, bei dem respektlos ein Under Byen-Titel zersägt und wieder zusammengesetzt wird? Irre auch das Cover, dass unseren Soundtüftler in einer heiter-chaotischen Bilderbuchwelt zeigt, überall Spielzeug und Kabel und Instrumente verstreut?

Eigentlich ist die Rezeptur seiner Eminenz Sofus Forsberg gar nicht so scher zu entziffern: Er nimmt einen mal hippeligen, mal sich verhüpfenden Beat-Teppich und legt darüber mehrere, teilweise gegeneinander arbeitende Klangspuren, die auf und nieder perlen. Dazu mischt sich mal eine quietschende Harmonika ein, mal ein Basslauf, der für erhellende Düsternis sorgt. Das ist irgendwie Kindermusik, gewiss. Nur eben eine, die Lust auf das Erwachsenwerden macht, das – glaubt man Forsberg und warum sollte man das nicht? – ganz nett und ganz verspielt werden kann. (frk)



Siehe auch:
Under Byen

Sofus Forsberg: Udefra

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Anders Holst & Yann Coppier: Onomatopeia
( 2017, clang /clang.cl 056 )

Anders Holst ist ein Kopenhagener Gitarrist, Komponist und Klangkünstler, der mit verschiedenen Pseudonymen (Shadow Ray) und Projekten veröffentlicht hat. Sound Artist Yann Coppier (Audionauts, Pareidolia) hat es als gebürtigen Franzosen als Dozent in die dänische Hauptstadt verschlagen, wo er derzeit an der Schauspielschule doziert. Gemeinsam begeben sie sich mit ihrem Duo in eine dunkle Ambientwelt, mit gelegentlichem Hang zum experimentellen Downbeat, dem allerdings die Beats fehlen.

Ihr Ziel scheint zu sein, »seltsame Geschichten mit live synthetic performances« zu erzählen, doch die liegen keinesfalls im Offenkundigen, sieht man von den sich vordrängenden Songtiteln ab, bei denen man nicht so recht weiß, ob sie nun ernst gemeint sind oder eher als Witz. So recht überzeugend vermittelt sich das Konzept des Album jedenfalls nicht, wenn man den Kontext nicht kennt, den man sich als Performance bzw. Schauspiel vorstellen könnte. Die Projektinformationen schweigen sich darüber jedoch aus. Es ist die Rede von Musik, die aus dem Anspruch, aufeinander zu hören entsteht – eine peinlich banale Aussage. Es dominiert jedenfalls ein tiefer, atmosphärischer Klangkosmos mit metallischen Sounds, die munter wabern und organisch Form und Gefühl verändern. Im letzten Drittel ertönt hin und wieder auch mal ein wenig Noise, doch meist bleiben Tempo und Stimmung sehr homogen. Fans von Carpenter-Soundtracks dürften hier und da Anknüpfungspunkte finden.

Wie die meisten Alben bei clang erscheint auch dieses nur als Download. Etwas schade, denn diese Klangwelt kommt sicher hervorragend auf Vinyl. (ijb)



Siehe auch:
Jo Berger Myhre & Ólafur Björn Ólafsson

Anders Holst: Onomatopeia

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Anders Holst / Mads Emil Nielsen: Anders Holst / Mads Emil Nielsen
( 2014, clang 016 )

Auch wenn die beiden effektverliebten Musiker Anders Holst und Mads Emil Nielsen diese LP im Februar 2013 in Kopenhagen einspielten, sie klingt, als hätte sie ebenso gut 45 Jahre früher entstanden sein können, in Kraftwerks Frühphase beispielsweise, noch bevor diese mit »Autobahn« und dergleichen zu Weltruhm aufstiegen. Holst und Nielsen werkeln mit Gitarren und Verstärkern, Synthesizermodulen, Effektboxen und -prozessoren, komplett altmodisch und analog also, nicht unspannend. Schade nur, dass ihnen keine richtigen Songs eingefallen sind und sie sich auf reine Stimmungsmalerei zurückgezogen haben.

Eigentlich machen Holst/Nielsen die richtige Musik fürs norwegische Hubro-Label (vgl. etwa Huntsvilles letzte Alben), doch nur hin und wieder blitzt ein größerer Zusammenhang auf, und ihr Album, zu dem ihnen nicht einmal Titel und Cover eingefallen sind, genügt sich doch ein wenig zu entspannt zwischen Nicht-ganz-Ambient und Auch-nicht-so-recht-Klangkunst. Diese Musik ist frei beweglich, sympathisch, aber eben kaum zwingend. Die aus der Zeit gefallenen, atmosphärischen Stücke klingen auf nostalgischem Vinyl, gerne auch mit etwas Knistern, wahrscheinlich ein Stück interessanter. Auf CD allerdings kommt der distanzierte, räumliche Sound eher recht altbacken und unschlüssig daher. (ijb)



Siehe auch:
Deaf Center
Huntsville


Anders Holst / Mads Emil Nielsen: Anders Holst / Mads Emil Nielsen

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Jonas Kasper Jensen: Layers of Bridges
( 2017, clang /clang.cl clang048 )

Hier fehlt mal wieder die Kategorie »Drone/Noise«, denn auch wenn Jonas Kasper Jensens Schaffen als Absolvent der Frankfurter Städelschule eher im Kunstkontext und in der Arbeit mit verschiedenen Medien zu verorten ist, so ist dies immerhin bereits sein drittes Album, und man kann ihn gut als versierten Elektronikmusiker oder -komponisten einordnen. »LAYERS OF BRIDGES« setzt sich zusammen aus sieben, jeweils haargenau fünfeinhalb Minuten langen Stücken, die sehr kraftvoll unterschiedliche Kapitel einer Noise-Saga bilden.

Wunderbar geeignet zum lauten Hörgenuss sind diese »multidimensionalen, skulpturalen Landschaften«, wie der Künstler sie beschreibt. Ein Stück klingt mit seinen metallischen Industriegeräuschen wie aus der Klangkulisse einer Fabrik zusammengebaut, wobei mancher womöglich wehmütig an das Werk des kürzlich viel zu früh verstorbenen Meisters und Pioniers des Genres, Mika Vainio denken mag; ein anderes erinnert vage an die Space-Trips eines Ligeti... Doch Jensen ist kein lahmer Nachmacher, er ist auf der Suche nach einer eigenen Klangwelt, und häufiger als nicht gelingt ihm das auch. Ob die sekundengenaue Beschränkung im Albumkontext wirklich notwendig war, bleibt indes ein wenig fraglich: Manches mal endet ein Stück zu abrupt, Kompositionen werden einfach ausgeblendet statt zu einem schlüssigen Ende geführt. Das ist schade, aber tut dem Album nur geringen Abbruch. (ijb)



Mehr CDs von Jonas Kasper Jensen



Siehe auch:
Lars Graugaard
Mika Vainio

Rasmus Fisker


Jonas Kasper Jensen: Layers of Bridges

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Lange Rezensionen 1 - 10 von 38 im Genre »Avantgarde« und Land »Dänemark« (insgesamt 42)

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