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Lange Rezensionen 1 - 10 von 53 im Genre »Avantgarde« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 60)

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Eivind Aarset; Michele Rabbia, Gianluca Petrella: Lost River
( 2019, ECM /Universal ECM 2609 )

Bei diesem wunderbaren Ambient-Jazz-Projekt wird der eine oder andere erst einmal nicht auf den Gedanken kommen, dass es sich um ein »klassisches ECM-Album« handelt, denn die ersten Stücke dieser von Manfred Eicher im kleinen ArteSuono Studio im nordostitalienischen Städtchen Udine produzierten CD erinnern mehr an so manches Projekt der norwegischen »Punkt«-Szene um Jan Bang und Erik Honoré – wo Eivind Aarsets vielschichtige Gitarren-Soundscapes bekanntlich häufig zu finden sind, nicht zuletzt auch auf dem gemeinsam mit Bang entstandenen ECM-Album »DREAM LOGIC«. Auch erinnert manche(r) sich bestimmt wiederum an das vor zwei Jahren veröffentlichte Quartett-Doppelalbum mit Bang, Aarset, Arve Henriksen und Pianist Tigran Hamasyan, das von ähnlich freier und atmosphärischer Komposition und Interpretation geprägt war.

Hier nun spielte Aarset mit zwei Italienern, dem Turiner Schlagzeuger Michele Rabbia, bekannt unter anderem von meisterhaften Alben mit Pianist Stefano Battaglia aus Milano, und Posaunist Gianluca Petrella vom anderen Ende des Landes, aus Bari; ihn wiederum kennt man von unterschiedlichen Alben mit Enrico Rava oder Giovanni Guidi. Doch was dieses Trio hier vorlegt, hat mit den Projekten jener Landsmänner nur wenig gemein. Ist »LOST RIVER« wegen der starken Ambient-Nähe zwar ein recht untypisches Album für ECM bzw. Eicher, so darf man diese von Eichers souveräner Hand und klarem Blick geführte Produktion andererseits doch auch als »Classic ECM« betrachten, da die stilistische Offenheit und geradezu schwebende Freiheit der Musiker sowie die Melancholie der größtenteils improvisierten Stücke eine emotionale Dichte und eine sehr einnehmende, stets unvorhersehbare Liebe zur Melodie aufweisen. In »What Floats Beneath« hören wir Aarset sogar einmal, seltene Freude, als balladesken Erzähler mit klar identifizierbarer, akustischer Gitarre, wo er doch sonst typischerweise zahlreiche komplexe Effekte und elektronische Elemente einsetzt, um die für sein Œuvre charakteristische ambiente Klangmalerei zu kreieren. Auch Petrella und Rabbia nutzen, für ihr Schaffen wiederum untypisch, über weite Strecken Elektronik und »Sounds«, weshalb Schlagzeug und Posaune ebenfalls vorrangig verfremdet auftauchen und im meditativen Fluss der Klangtexturen mehr frei schwebende Stimmen sind als klar identifizierbare Triopartner.

Womöglich war Eivind Aarset mit keinem seiner bisherigen Alben so nah an der atmosphärischen, im Wechsel kontemplativen und latent nervösen musikalischen Stimmung einiger Meisterwerke von Jon Hassell und/oder Brian Eno und Daniel Lanois wie hier. (ijb)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Hamasyan, Bang, Henriksen & Aarset

Eivind Aarset & The Sonic Codex Orchestra

Sly & Robbie meet Molvær, Aarset & Vladislav Delay


Eivind Aarset: Lost River

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Niklas Adam: Undulate
( 2019, Sofa 572 )

Im September 2000 gestartet, hat sich das Osloer Sofa-Label von seinen Anfängen als Free-Improv-Plattform mit vorrangig Projekten mit und um die (ab 2006) Huntsville-Mitglieder Ivar Grydeland, Tony Kluften und Ingar Zach über die vergangenen 19 Jahre stilistisch immer weiter geöffnet und für zahlreiche hochspannende musikalische Entdeckungen und großartige Veröffentlichungen verschiedenster Projekte und Experimente gesorgt, von denen so manche CD (oder dann auch LP) als Bravourstück in der nordischen Musik(szene) der 2000er und 2010er Jahre verbucht werden kann. Die Klangkunst-Schiene wurde vermutlich von Zach, der in diesem Bereich selbst einige Meisterstücke vorgelegt hat, weiter ausgebaut; zuletzt bekamen wir da interessante (wenn auch nicht immer spannend zu hörende) Alben von Nicht-Skandinaviern wie Aviva Endean, Miguel Angel Tolosa, Philippe Lauzier, Jim Denley, Rutger Zuydervelt oder auch die radikal-minimalistische Musik von Keith Rowe und John Tilbury präsentiert. Man weiß bei Sofa Music oft nicht, womit man als Hörer konfrontiert werden wird, und darin besteht eine nicht gering zu schätzende Qualität der bislang 72 Alben dieses Labels.

Doch nicht jedes Experiment gelingt – und das ist ja auch nicht zu kritisieren. Auch muss man wohl eingestehen, dass einem manchmal auch der Zugang fehlen kann... Schon Fredrik Rastens Gitarren-Choreografie-Experiment »SIX MOVING GUITARS« war eine harte Geduldprobe. Als CD ohne die zugehörige Performance blieb man ratlos und unbeteiligt gegenüber der ereignisarmen Musik. Nicht auf die selbe Weise ereignisarm ist nun das Debüt des dänischen Künstlers Niklas Adam (Jg. 1986), der derzeit in Oslo lebt. Vergleichbar reduziert und die Geduld und Aufmerksamkeit strapazierend ist es hingegen schon. Es gibt viele Beispiele für gelungene Klangkunst, die auch ohne Installations- oder Performance-Kontext als akustische Erfahrung in den eigenen vier Wänden funktioniert; so sei hier verwiesen an auf diesen Seiten besprochene Alben von Jana Winderen, Natasha Barrett, Angélica Castelló, Thomas Köner, BJ Nilsen, Svarte Greiner und natürlich von Mika Vainio (†2017); in der Osloer Kunstszene kann man zurückgehen bis zu Kåre Kolberg.

Auch Niklas Adam, der in Europa und Asien aufgetreten ist, arbeitet mit Performance- und Installationskunst. Er verwendet Elektronik bzw. Computer, um Instrumente und/oder Situationen mit einer Art eingelagertem Empfinden zu erzeugen, und untersucht dann Verhaltensmuster des Hörens und des rationalen Denkens und wie wir die Außenwelt im Verhältnis zu unserer eigenen Position in ihr interpretieren. Womöglich sollte man Student der Klangkunst sein oder sich theoretisch einiges erarbeiten, um diesen beiden, etwa 15 bis 20 Minuten langen Stücken aus Radikalminimalimus, an Alltagsgeräusche erinnernden Klängen, verfremdeten Stimmen, sporadischen perkussiven Erscheinungen und vor allem viel Experiment und Theorie nahezukommen. (ijb)



Siehe auch:
Aviva Endean
Jana Winderen

Kåre Kolberg

Ingar Zach


Niklas Adam: Undulate

Audio-Link

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The Alvaret Ensemble; Kira Kira, Eiríkur Orri Ólafsson, Ingi Garðar Erlendsson & Borgar Magnason: Skeylja
( 2013, Denovali Records /Cargo DEN184 )

Obgleich Pianist Greg Haines, Percussionist Sytze Pruiksma und die Brüder Jan und Romke Kleefstra ihr wandelbares Ensemble für dieses Multimediaprojekt um gleich etliche isländische Musiker erweitert haben, darf man nun nicht gerade ein Big-Band-Spektakel erwarten. Im Gegenteil: Von wenigen kurzen Ausbrüchen abgesehen hat man eine achtköpfige Improv-Band mit Tuba, Trompete, Gitarre, Elektronik, Stimmen, Bass und Percussion kaum einmal so verhalten und dunkel dahingleitend gehört. Kein abwegiger Vergleich wären die hochspannenden Ensembles des norwegischen Sofa-Music-Umfelds, beispielsweise Kim Myhrs Werk fürs Trondheim Jazz Orchester.

Doch »SKEYLJA«, auf einem gemeinsamen Islandtrip entwickelt und dann im Rahmen von neun individuell kuratierten Live-Konzerten beim niederländischen Oerol-Festival auf der Insel Terschelling eingespielt, erinnert vielmehr an Werke aus dem Segment »Dark Ambient« oder »Modern Composition« der Miasmah-Ecke (Kreng, Shivers, Gabriel Saloman). Der Fantasietitel »SKEYLJA« deutet ganz wunderbar in jene Richtung, und die Verwandtschaft zieht sich auch durch die offenen Kompositionsformen. Ingi Garðar Erlendsson spielt Tuba, Posaune und ein gewisses Thranofon (siehe Videolink), Borgar Magnason Kontrabass und Eiríkur Orri Ólafsson Trompete und Elektronik, dazu steuern Kira Kira und Jan Kleefstra latent befremdliche, doch ebenso eigenartig suggestive Stimm- und Textauftritte bei.

Wie häufig bzw. üblich bei Denovali ist der rezensorische Selbstanspruch des Schreiberlings mit Platten wie dieser kaum zu erfüllen. Objektive Maßstäbe werden nahezu ausgehebelt, da die Entstehung der Ensemblemusik zu einem anderen, offenen Gestus führt, auf den man sich als Hörer einlassen mag oder nicht, sich davon wegtragen lassen und schließlich eine gänzlich unerwartete Reise in Ab- und Umwege zeitgenössischer Improvisationskunst machen kann. Davon könnten sich viele eine Scheibe abschneiden. Vor allem Musiker, die sich nicht genug zutrauen und zu vorsichtig sind, künstlerische Wagnisse einzugehen. (ijb)



Siehe auch:
Kira Kira
Trondheim Jazz Orchestra & Kim Myhr

Hydra's Dream

Kippi Kaninus / Ingi Garðar Erlendsson


The Alvaret Ensemble: Skeylja

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Angel: Terra Null.
( 2014, Editions Mego eMEGO163 )

Als Fan des finnischen Elektronikprojekts Pan Sonic, das derzeit »auf Eis« liegt, kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass einem die unabhängigen Werke der beiden Duopartner ebenso zusagen. Während Mika Vainio zuverlässig die Frage, wer größeren Anteil am fast ausnahmslos genialen Output von Pan Sonic hatte, zu seinen Gunsten zu beantworten scheint, in Form unzähliger exzellenter Soloalben und immer neuer, unerwarteter Kollaborationen, blieb das Werk von Ilpo Vãisãnen bislang eher unbemerkt. Dabei ist »TERRA NULL.« immerhin schon die siebte Platte seines Projekts mit Dirk »SchneiderTM« Dresselhaus — fast zeitgleich mit einem »neuen«, einem ukrainischen Livealbum von Pan Sonic erscheinend, dem natürlich mehr Aufmerksamkeit zuteil wird.

Schwer zu sagen, wie entspannt Vãisãnen diesen Umstãnden entgegenblickt. Zumindest jedoch stehen die beiden Mitwirkenden Hildur Guðnadóttir (Cello) und Lucio Capece (Klarinette und Saxofon) gleichberechtigt auf dem Cover, was Angel als Quartettwerk ausweist. Wãhrend »Naked Land« sich 26 Minuten Zeit lässt, um eine ebenso minimalistische wie ungewohnte Country-Drone-Idee mit Cello, Gitarre und Oszillatoren durchzuexerzieren, erreichen die flirrend enervierenden Mittelstücke »Monolake« und »Colonialists«, mit 16 bzw. 10 Minuten kürzer ausfallend, nie dieselbe Kraft. Analoger Synth-Sound, fast schon meditativ. Erst im abschließenden »Quake« entsteht der halluzinogenen (Mit-)Wirkung von Lucio Capeces verzerrter Blasmusik ein überbordender Wall of Sound, der das einzige Album des Vladislav Delay Quartet in freudige Erinnerung ruft. Ja, Angel sind anders, freier wohl. Doch Vãisãnens Angel ist auch der seltene Fall, dass man sagen kann, die Musik ist zwar wãrmer, aber zugleich unnahbarer als sein Werk mit Pan Sonic. Allerdings nicht weniger radikal. (ijb)



Siehe auch:
Pan Sonic
Mika Vainio

Vladislav Delay Quartet

Hildur Guðnadóttir


 Angel: Terra Null.

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B/B/S/: Brick Mask
( 2013, Miasma /Morr Music / Anost MIACD022/MIALP022 )

Aus der Idee, etwas Neues zu probieren, heraus fanden sich drei musikalisch sehr unterschiedliche, künstlerisch indes auf einer Wellenlänge liegende junge Männer 2012 in Berlin zusammen und starteten ein Trio, für das ihnen zuerst ein Name fehlte, bis sie schlicht die drei Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen aneinanderreihten: Der Kanadier Aidan Baker, der Italiener Andrea Belfi und der Norweger Erik K. Skodvin, auch bekannt unter dem Pseudonym Svarte Greiner und als eine Hälfte des Duos Deaf Center. Ganz so jung sind die drei, in den 1970ern geboren, jedoch auch nicht mehr, und jeder für sich hat sich in der internationalen Experimentalmusikszene längst einen Namen gemacht, Belfi mit diversen Schlaginstrumenten und Elektronik, die anderen beiden als Gitarristen und Multiinstrumentalisten mit diversen klangskulpturalen Projekten, Baker u.a. mit seinem Drone-Doom-Duo Nadja. Hier trafen sich also drei echte Künstler.

Ihr Debüt »BRICK MASK«, das via Skodvins Label Miasmah auf LP und CD erhältlich ist, entstand, vermutlich recht spontan, an einem Tag im April 2012 und bildet eine faszinierende Schnittstelle zwischen improvisiertem, rhythmischem »Doom« (wobei man fairerweise sagen muss, dass Freunde apokalyptischen Lärms der Marke Sunn 0))) mit der CD von B/B/S/ wohl eher wenig auf ihre Kosten kommen dürften), »Dark Ambient« und subtil elektronischem Postrock. Vorwiegend klingen die vier Stücke, über die das rund 40 Minuten lange Album erzählt, freilich sehr stimmungsvoll analog; elektronische Elemente wurden nur marginal für Klangvolumen und -reichtum eigefügt. »BRICK MASK« lässt sich als beispielhaftes Album für die so charakteristisch sehr internationale Kreativszene im Berlin der 2010er Jahre einordnen, in Stil, Genre und Heimat der Beteiligten nahezu befreit von allen Beschränkungen. Dieses Berlin-spezifische kommt nebenbei bemerkt auch im Kleingedruckten zum Ausdruck: aufgenommen in Weißensee, gemischt in Neukölln [amüsanterweise als »Neükolln« angegeben], gemastert (von Nils Frahm) in Wedding und designt in Prenzlauer Berg, wo auch der Vertrieb Morr Music seine Büroräume hat. Musik zum LAUT hören! (ijb)



Mehr CDs von B/B/S/



Siehe auch:
Erik K. Skodvin
Svarte Greiner


 B/B/S/: Brick Mask

Audio-Link Offizielle Website

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Jim Black & Alas No Axis: Alas No Axis (2000) / Splay (2002) / Habyor (2004) / Dogs Of Great Indifference (2006) / Houseplant (2009)
( 2009, Winter & Winter W&W 910061/76/73-2 )

Es gibt wenig, was sich musikalisch an dieser Band messen kann. Falsch: es gibt nichts. Nichts. Seit über zehn Jahren hält dieses Quartett in derselben Besetzung eine unerreichte Qualität. Was das mit Nordischer Musik zu tun hat? Zwei der Musiker kommen aus Island, die anderen beiden sind US-Amerikaner. Nun könnte man sagen, die Amis wären die wichtigeren, aber das ist falsch. Denn ohne die beiden Isländer wäre Alas No Axis nicht Alas No Axis.

Aber der Reihe nach. Jim Black: Schreibt alle Stücke, ist die treibende Kraft. Alas No Axis ist seine Band. Spielt Schlagzeug wie kaum ein anderer Drummer rund um den großen Wok Jazz-Szene. Explosiv und kantig trommelt er, ein Polyrhythmiker par excellence! Schräg bis zum Abdriften gestaltet er die Rhythmen und ist doch immer nachvollziehbar, kommt immer wieder auf den Punkt. Extrem heftig hier, extrem sachte dort.

Chris Speed: Hat am Tenorsaxofon eine ähnliche Stellung wie Jim Black. Lässt sein Horn röhren wie ein Hirsch, beherrscht Überblastechniken, lässt die Sau raus und kann doch auch wunderbar sensibel agieren, besonders mit Klarinette.

Hilmar Jensson: Zunächst als Gitarrist unscheinbar hinter den beiden Protagonisten. Weniger an virtuoser Kraftmeierei interessiert denn an mannschaftsdienlichem Understatement. Setzt mit einzelnen Noten Akzente, bricht Akkorde in Stücke, baut andere zusammen, schichtet sie zu Bergen, lässt diese dann explodieren, in sich zusammenfallen. Bis nur noch kleine einzelne Noten übrig bleiben.

Skúli Sverrisson: Spielt im Sitzen. Spielt meist akustische Bass-Gitarre. Wirkt sehr gemütlich. Ist viel mehr als der ruhende Pol. Interpretiert den Bass sehr melodisch. Spielt nicht viele Soli, aber wenn, dann aufgehorcht!

Musikalisch… ist das schwer zu beschreiben. Es ist alles. Jazz, weil viel improvisiert wird. Rock, weil die Rhythmen oft gerade und manchmal ziemlich hart sind. Avantgarde, weil es so ungewohnt und unüblich klingt. Free, weil sich vier Stimmen ab und zu unabhängig voneinander bewegen. Pop, weil es manchmal so unverschämt leicht ist.

Hier und da… mäandern zärtlichste Klarinetten- oder Gitarren-Melodien durch imaginäre Auen, schneiden sich scharfe Saxofonlinien ihren Weg durch steinige Schlagzeug-Massive, bohrt sich der Bass tief durch einen Grand Canon aus Gitarrenwänden, türmen sich alle vier zu einem Klang-Tsunami von bisher unbekanntem Ausmaß.

Jedes Mal, wenn ich eine AlasNoAxis-CD höre, kommen mir an einer Stelle die Tränen und bin hinterher glücklicher als zuvor. (tjk)



Siehe auch:
Referenzen? The Notwist. Motorpsycho. Mingus. Neil Young.
Skúli Sverisson

Exoterm

Hilmar Jensson


Jim Black: Alas No Axis (2000) / Splay (2002) / Habyor (2004) / Dogs Of Great Indifference (2006) / Houseplant (2009)

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Bly de Blyant: ABC
( 2013, Hubro HUBROCD2523 )

Drummer Øyvind Skarbø, Norwegen. Gitarrist Hilmar Jensson, Island. Tastenmann Shahzad Ismaily, Brooklyn. Klingt nach einer spannenden Kombi, theoretisch. Praktisch ist, getragen von diesen Vorschusslorbeeren, das halbe Album rum, und die Verwirrung legt sich nicht, im Gegenteil. Klar, bei komplett improvisierter Musik ist das so eine Sache mit den Strukturen und Entwicklungen in der Musik, manchmal ist das Zusammenbrechen von Songs grad das Spannende. Doch was das Trio, durchaus klangsinnlich aus Drums, Effektgitarre und nostalgischem Synthie-Gerät zusammengestrickt, hier aufreiht, klingt über weite Strecken eher nach dem musikalischen Pendant eines Skizzenbuchs. Kleine Ideen, fixe und lahmere, viele mit Potential, aber eben nur mit Bleistift (daher vielleicht der Bandname??) hingehuscht.

Zum Glück wird die Zeichnung zum Alben-Ende hin dichter und konkreter. Es entwickelt sich was - durchaus spannungsvoll. Um im Bild zu bleiben: An den Skizzen huscht man im Museum ja meist eher vorbei (so viele, ganz nett, aber wo ist die Kunst?). Bei den Zeichnungen bleibt man stehen. Aha, Gesamteindruck - und so und so gemacht. Doch dann ist der Rundgang auch schon zu Ende. Empfehlung an das Trio: Wagt euch doch mal an zwei, drei Ölgemälde. Die kauf ich euch dann ab. (sep)



Mehr CDs von Bly de Blyant



Siehe auch:
Øyvind Skarbø / 1982
Hilmar Jensson / Jóel Pálsson

Skúli Sverrisson

Jim Black's Alas No Axis


 Bly de Blyant: ABC

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Anthony Burr & Skúli Sverrisson with Yungchen Lhamo: They hold it for certain that they are in the Light
( LP, 2014, Mengi 03LP )

Rein faktisch handelt es sich bei »They hold it for certain that they are in the Light« um ein isländisches Release, doch die Gruppe zwischen dem US-amerikanischen Klarinettisten Anthony Burr, dem Isländer Skúli Sverrisson, der hier eine Dobro-Resonatorgitarre spielt und der tibetanischen Sängerin Yungchen Lhamo lässt sich geografisch ebenso wenig wir stilistisch klassifizieren. Vor allem durch Burrs Orgelspiel und den (vermutlich) textfreien Gesang fernöstlicher Note entsteht eine Art organischer, schwebender Ambient-Musik, die sich gut zur Meditation eignet.

Dazu passt, dass das LP-Design, inklusive der Vinylscheibe selbst, ausschließlich in weiß, mit Schrift und Zeichnungen ebenfalls in weißer Farbe gehalten wurde — und die einzelnen, unbetitelten Stücke recht repetitiv sind und wie ineinander fließen und sich auch nicht so wirklich von einander unterscheiden. Weltmusik im atmosphärisch-minimalistischen Stil. (ijb)



Siehe auch:
Skúli Sverrisson & Óskar Guðjónsson
Skúli Sverrisson


Anthony Burr: They hold it for certain that they are in the Light

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Circadia: Advances and Delays
( 2016, Sofa SOFA551 )

Bei Circadia handelt es sich gewissermaßen um eine Kreuzung aus Muringa und The New Songs. Die beiden Gitarristen im Zentrum dieses Quartetts, Kim Myhr aus Norwegen und David Stackenäs aus Schweden, spielten bereits gemeinsam in der Band The New Songs, doch musikalisch ist dieses Projekt weitaus näher an Myhrs sonstigen Projekten bei Sofa Music, etwa Mural und eben Muringa, aber auch seinem zweiten Opus mit dem Trondheim Jazz Orchestra, nämlich epische Improvisationen, die zumeist mehr ins Atmosphärische gleiten als mit dem üblichen Verständnis von freiem Jazz gemein haben. Ergänzt werden die beiden Skandinavier von Bassist Joe Williamson und Schlagzeuger/ Perkussionist Tony Buck (The Necks), die man ebenfalls für eher freigeistig-atmosphärische Klangepen kennt.

Bei »ADVANCES AND DELAYS« handelt es sich um eine Konzertaufnahme aus Stockholm (Juni 2014), und wenn man so will, ist dies das Ensemble-Gegenstück zu bzw. eine Band-Fortführung von Kim Myhrs erstem Soloalbum, auf dem er mit 6-saitiger und 12-saitiger Gitarre große Epen mit kleinen Mitteln ausbreitete. Circadia beschreiben sich selbst als Psych-Improv-Folkband, und tatsächlich evoziert diese Selbstbeschreibung sehr gut, wie sich die beiden ausufernden Tracks erfahren lassen. Hier steckt etwas mehr Zug und Pfiff drin als bei Murals sehr langen Stücken, und auch wenn anzunehmen ist, dass die Klangwelt mit Hilfe elektronischer Effekte ins Fremde verschoben wurde, fasziniert doch, wie schillernd, textural und extravagant eine scheinbar so simple Besetzung aus zwei Gitarren, Bass und Schlaginstrumenten daher kommen kann. Die vier sind fraglos Meister ihrer Klasse (als »Open Class« wird dieses Genre in Norwegen treffend umrissen), und wer The Necks oder Sofa schätzt, dürfte mit Circadia mehr als begeisterte Hörgenüsse erleben. (ijb)



Siehe auch:
Kim Myhr
Muringa

LabField & David Stackenäs

The New Songs


 Circadia: Advances and Delays

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Danielle Dahl: Loosening Orions Belt
( LP, 2018, Abstract Tits AT010 )

Die Norwegerin Danielle Dahl kommt aus der klassischen Musik, studierte Saxofon in Århus, bevor sie sich in Kopenhagen der freien Szene verschrieb, bald parallel auch noch ein experimentelles Kompositionsstudium in Oslo draufsetzte, so dass sie während der letzten Jahre jeweils halb in beiden Städten lebte. Da sie unter anderem bei Sidsel Endresen studierte (wie frei dieses norwegische Musikstudium ist, lässt sich nach deutschen Unimaßstäben kaum ermessen), ist es zwar nicht ganz so überraschend, dass ihr erstes eigenes Album stark von Gesang geprägt ist, zugleich erstaunt es doch ein wenig, wie songorientiert ihr Entwurf von avantgardistischer Popmusik ausfällt.

Gerade aus Norwegen hat man in den letzten Jahren ja nicht weniges an (nahezu ausschließlich weiblichen) Jazz-/Pop-/Avantgarde-Gesangsalben zu hören bekommen, vieles davon von beeindruckender Eigenwilligkeit und Fantasie. Die Mittzwanzigerin Danielle Dahl findet nach radikalen Projekten hier nun zu einer fast durchweg extrem reduzierten Art des Songs, oft im Wesentlichen von ihrer Stimme – und damit den Texten – getragen und mit wenigen Synths, Samples und anderen Sounds kombiniert. Und hier liegt auch eine der Schwächen dieses Debüts: Was Dahl an musikalischem Einfallsreichtum zu bieten hat, erstreckt sich leider nicht auf die Texte und die Gesangskünste. Im Englischen gibt es das Wort »cringeworthy« (in etwa: Verlegenheit hervorrufend): Speziell Danielles selbst verfasste Texte sind streckenweise von einer solchen Schlichtheit, dass ihr Bestreben, durch eine Direkt- und Offenheit, wie man sie in Popmusik üblicherweise nicht findet, Verunsicherung zu provozieren, sich leider nicht so recht durchsetzt. Zum Vergleich höre man etwa die Alben von Jenny Hval, die wenn auch weniger psychologisiert und konfessionell, ganz ähnliche Ansätze verfolgt, doch tiefer rührt.

Dahls Musik wechselt zwischen spartanischen Synth-Tracks und gelegentlichen Beat-Songs, wobei letztere spannender sind; im Song »Daddy Issues« (der Titel deutet zwar ironische Distanz an, der Text lässt diese jedoch vermissen) setzt Dahl einmal einen Chor ein, so dass ein reines Stimm-Stück entsteht, das etwa an zwar an Soloalben von Eldbjørg Raknes erinnert, doch einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt. Obwohl die Texte oft Leidenschaft, (Selbst-)Destruktivität und sexuelle Praktiken – speziell BDSM – aufgreifen, bleibt die vokale Performance durchweg geradezu emotionslos, dünn und scheinbar unberührt von den »heftigen« Erlebnissen, die erzählt werden: eine eigenartige, unnahbare Art der Selbsttherapie, die sicher bei einigen Hörern Widerstände hervorrufen wird. Als Komponistin zeigt sich Danielle Dahl hier freilich von einer mutigen und unangepassten Seite, womit sie durchaus beeindruckt und Erwartungen irritiert. (ijb)



Siehe auch:
Lumpy Space Princess
Sidsel Endresen


Danielle Dahl: Loosening Orions Belt

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Lange Rezensionen 1 - 10 von 53 im Genre »Avantgarde« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 60)

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