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Lange Rezensionen 1 - 5 von 23 im Genre »Beats« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 25)

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99 Blows: Live Free or Die
( EP, 2015, clang /clang.cl clang030, Download )

Beim vielseitigen dänischen Indie-Label clang erscheint hiermit die mittlerweile 30. Veröffentlichung, allerdings sind die meisten »nur« als Downloads erhältlich. Was andererseits ja ganz zeitgemäß ist; wer kauft heute denn noch CDs? [Ich zum Beispiel.] Hinter dem Alias 99 Blows verbirgt sich Rasmus Vestervig aus dem Norden Skandinaviens, und mit dem reichlich käsigen Titel »LIVE FREE OR DIE« (inspiriert ausgerechnet von einem Autonummernschild in Hew Hampshire) gibt es nun seine zweite »Scheibe« des laufenden Jahres. Wie bei »I/O« im Februar handelt es sich auch hierbei um eine knapp halbstündige EP, die sich über vier recht unterschiedliche Tracks an diversen Stilen versucht.

Irgendwie scheint Vestervig alles irgendwie zu interessieren (daher wohl der Projekttitel »99 Schläge« – frei nach Truffaut?), gerade so, als ob er sein eigenes Ding noch nicht gefunden hat. Am ehesten erkennt man seine Vorliebe für polyrhythmische Dance-Nummern, die er mit seinem Hintergrund als Gitarrist verknüpft. Mal vermeint man den Einfluss von Berliner Hipster-Elektro zu hören, mal erinnert man sich an Recondite, einmal taucht ein Gastsänger auf – ist das noch Tech-House oder schon Indie-Pop? Vielleicht wird Vestervig irgendwann noch ein Hitmaker im Genre »Kalkbrenner«, doch fürs erste bleibt's noch beim Testlauf. Und auch wenn einen keiner dieser vier Tracks vom Hocker reißt, möglicherweise ist 99 Blows nicht weit vom kreativen Durchbruch entfernt... (ijb)

 99 Blows: Live Free or Die

Offizielle Website

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A-Symmetry: I Am Life
( 2014, AGF Producktion 019 )

Hinter A-Symmetry verbergen sich Antye Greie-Ripatti (AGF) und Natalie Beridze (TBA), und der etwas sperrige Projektname könnte für dieses gänzlich un-hippe Projekt kaum besser gewählt sein. Die beiden Musikerinnen und Sound Artists lebten Mitte der 2000er für einige Jahre in Berlin, doch entstand »I AM LIFE« zwischen den derzeitigen Wohnorten der beiden, der Abgeschiedenheit der mittelfinnischen Insel Hailuoto und und der georgischen Hauptstadt Tblisi.

Zwar beeindrucken die Fantasie und der Mut zur stilistischen Schrankenlosigkeit der beiden Musikerinnen, doch eben dies erfordert einige Annäherung an die Komplexität ihres Duo-Debüts. Egal, aus welcher Hörerfahrung man kommt, »I AM LIFE« braucht eine Zeit des Warmwerdens, weil die dreizehn Tracks so gar nicht auf ein homogenes Album angelegt sind und genremäßig komplett schwer zu erfassen sind. Jeder der Tracks trägt das Wort »Life« im Titel und jeder zweite eine komplett neue Genreschublade zu erfinden.

Im greifbarsten Fall fühlt man sich an die stolpernden IDM-Rhythmen (»Seven Lives«) und das feine Geplucker (»Life Lie 8«) aus der Warp-Records-Ecke erinnert, doch wenn Pitchfork eine Kreuzung aus Oval, My Bloody Valentine und FKA Twigs erkennen möchte, kann man dem ebenso wenig widersprechen. Zudem sind fast alle Stücke von mal mehr, mal weniger erkennbaren Stimmsamples durchzogen, was dem fragilen Neo-Ambient-Techno eine gleichermaßen bizarr menschliche wie entrückt geisterhafte Prägung verleiht. Eine faszinierende fremde Welt, wie das Covermotiv verspricht. (ijb)



Siehe auch:
AGF & Various
Sidsel Endresen & Stian Westerhus

Ripatti


 A-Symmetry: I Am Life

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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DVS1: fabric 96
( 2017, fabric fabric191 )

Nach fast 200 fabric-Mixalben ist es einigermaßen erstaunlich, dass noch kein DJ aus den nordischen Ländern Teil der Reihe wurde. Da besteht durchaus ernster Aufholbedarf. Man könnte Wetten abschließen, wer als erster an die Reihe kommt. Lindstrøm? Prins Tomas? Bjarki – oder jemand anderes aus dem Hause трип? Vielleicht sogar etwas mutiger: SHXCXCHCXSH? Oder gar die Middle-of-the-Road-Wahl Todd Terje? Dabei gäbe es viele DJs, die hervorragend passen würden – oder schon gepasst hätten: Patrik Skoog alias Agaric, Alex Boman, Tomas Svensson, Henrik Jonsson, Joel Alter, Cari Lekebusch, Andreas Tilliander, sogar Olof Dreijer oder mit einer Portion Mut Peder Mannerfelt oder T C F – oder warum nicht gleich die jüngst häufiger mal mit spektakulären Sets an den Desks in Erscheinung tretende Björk zum anstehenden Jubiläum von fabric100 bzw. fabricLive100?

Mit DVS1 (sprich: Devious One) kommt bei fabric das Nordische immerhin schon mal zum Zuge; und Zak Khutoresky, bringt, wenn »FABRIC 96« auch mit keinen skandinavischen Künstlern aufwartet, einen eigenen Stil mit, der teils wunderbar an die einstigen wegweisenden Mixe des ebenfalls in nordischen Regionen aufgewachsenen Richie Hawtin (»DE9 | CLOSER TO THE EDIT«) erinnert. DVS1, geboren in St. Petersburg und mittlerweile in Minneapolis beheimatet, hat eine Reihe toller Singles herausgebracht und nutzt nun die CD-Länge mit einem 78 Minuten langen, recht geradlinigen Techno-Mix voll aus, mischt 29 Tracks quer und dicht, rasant und voll auf die Tanzfläche ausgerichtet.

Es gibt einen ordentlichen Packen richtig guter Hush-Tracks von u.a. Adriana Lopez, Dustin Zahn, Strain und Oscar Mulero, aber auch Unveröffentlichtes von Truncate und Psyk, sowie zwischendurch die üblichen Verdächtigen Planetary Assault Systems, Steffi sowie gleich zweifach Jeff Mills. DVS1 bietet zum Jahresabschluss einen der stärksten Techno-Mixe, mit dem er alles souverän ineinander gleiten lässt und Vergangenheit und Gegenwart auf den Punkt bringt. Zu »FABRIC 96« wird man auch in zehn Jahren noch greifen. (ijb)



Siehe auch:
SHXCXCHCXSH
трип

Peder Mannerfelt

T C F


 DVS1: fabric 96

Offizielle Website

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The Empire Line: Syndicat de la Couture
( EP, 2017, Avian AVN028 12” / DL )

Beim Berliner Label des Engländers Guy Brewer, der auch fürs Coverdesign verantwortlich zeichnet, weiß man, was man bekommt: Industrial-Techno an der Grenze zum Noise, häufig mit kompromissloser Energie. Brewers Alben und EPs unter dem Alias Shifted stellen dies eindrücklich unter Beweis. So legt die EP von The Empire Line, aufgenommen bereits 2015 bei Mayhem (!), einem Ort für Performance und Proben in Kopenhagen, mit »Fragrance Arpège« gleich einen herben Track voller flirrend-enervierender Klänge und versteckten Vocals vor, die manch zarteres Gemüt direkt die Flucht antreten lassen dürften.

Hinter dem Projektnamen verbergen sich der Schwede Jonas Rönnberg (aka Varg) und Christian Stadsgaard aus Dänemark, beide in ihrer jeweiligen Heimat erfahrene Labelmacher im elektronischen Segment. Ihre 26-minütige Platte »SYNDICAT DE LA COUTURE« weist das Duo als vielseitige experimentelle Grenzgänger aus, die sicher den Club bedienen könnten, wie das recht geradlinige Titelstück beweist, mehr Interesse haben sie jedoch offenkundig daran, in die Untiefen von dunklen Atmosphären und ungemütlichem Noise mit bedrückenden Drones vorzudringen. Die vier Tracks faszinieren mit einer schattenhaften Techno-Energie, die alles andere als zimperlich auftritt - worin letztlich auch eine entscheidende Stärke dieser Scheibe liegt. Schade nur, dass die beiden Musiker manchmal nicht so recht wissen, wie sie ihre Soundideen in einer prägnanten, überzeugenden Song- bzw. Trackstruktur verdichten. »Cafe Anglais« würde man über seine acht Minuten gerne mal irgendwo ankommen sehen; »Syndicat de la Couture«, das an sich starke Abschlusstück, wird etwas unmotiviert nach sechs Minuten einfach ausgeblendet. Wir sind gespannt auf ein Album. (ijb)



Mehr CDs von The Empire Line



Siehe auch:
Varg
Peder Mannerfelt

Christian Stadsgaard / Damien Dubrovnik

SHXCXCHCXSH


The Empire Line: Syndicat de la Couture

Video-Link

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Evil Madness: Super Great Love
( 2011, Editions Mego DeMEGO 018 )

Juhu! Alte und billige Kirmes-Sounds, yeah! Simple Rhythmen und Melodien und gleichförmiges Herum-Jammen mit Keyboards im Quintett, geil! ...Oder doch nicht? Geschmackssache nennt man das wohl. Da hatte ein Rudel Musiker offenbar viel Spaß miteinander beim Austauschen von alten, vergrabenen Disko-Vorlieben, bis zurück in die Achtziger geht’s hier. »Experimentelle Disko-Mucke« also? Wer das Spiel mit Trash-Elementen mag, mit viel Humor und Mut zum Banalen, kommt hier vielleicht auf seine Kosten. Allerdings muss man darauf gefasst sein, dass nicht jeder diese Art von Humor teilt. Garantiert wird die Freundin oder der Kollege fragen, was man das für alten billigen Kram laufen hat, wo man das ausgegraben hat. Aber wenn da zufällig die gleichen Laune-Vorlieben herrschen, kann man eine launig-frische Dreiviertelstunde miteinander verbringen und wird die Platte gleich noch mal von vorne laufen lassen. Vielleicht sogar die ideale Partymusik für Leute, die schon einen Ruf als immer zu ernste Liebhaber von Laptop-Kopfnicker-Clicks weg haben.

Gewissermaßen trifft das ja auch auf die Bandmitglieder zu: Jóhann Jóhannsson gilt nun nicht gerade als großer Spaßvogel und spontaner Tanzbär. Die sehr gescheiten Experimentalfritzen Stilluppsteypa und BJ Nilsen haben ebenso wenig ein Image als Party-DJs. Aber wenn man die Songtitel ihres vierten gemeinsamen Albums seit der Gründung im Jahre 2006 liest, bekommt man schon einen guten Eindruck von der Ausrichtung ihres Programms: »Sexy Feeling All Year Long«, »Divine Sensual Love Fantasy« oder »Isabelle Adjani». Das Spielerische bringt wohl den entscheidenden Faktor. Schließlich muss auch ein ernster Sound Artist seine dunklen Seiten haben und mal die Sau rauslassen. Zwar erreicht »SUPER GREAT LOVE« nicht das Niveau anderer Veröffentlichungen aus dem Hause »Editions Mego«, aber die Typen können mit ihren Instrumenten umgehen. Viel Spaß. (ijb)



Mehr CDs von Evil Madness



Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson
BJ Nilsen

BJ Nilsen & Chris Watson

BJ Nilsen & Stillupsteypa


 Evil Madness: Super Great Love

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