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Lange Rezensionen 1 - 5 von 9 im Genre »Folk« und Land »Island« (insgesamt 14)

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Nix Noltes: Orideur Hawai
( 2005, 12 Tonar 12T017 )

Der Puls! Das Herz! Der Blutdruck! Was ist denn das für eine Musik? Isländische Kühle trifft auf bulgarischen Folk. Ein zehnköpfiges Orchester ist am Werk. Fiedel, Akkordeon, Bass, Tuba, Trompete, Klarinette. Kurzes schnelles Schlagwerk. Klezmerbeatfolkbalkanmucke. Flink, hektisch, treibend. Kreiselnd und auf der Stelle tretend, bis sich die Rhythmen in die Höhe schrauben. Also tanzen! Yippieh! Hoppla, ist mir doch der Kaffeebecher umgekippt. Alles in die Tastatur! Macht nix. Weiter tanzen. Lauter. Noch lauter! Und tanzen. Wer klingelt denn da Sturm? Ach, die Nachbarn. Kommen rein, tanzen jetzt auch. Reißen die Fenster auf, drehen die Anlage hoch. Auch im Hinterhof wird jetzt getanzt. Selbst der böse Mann aus dem ersten Stock, der immer die Kinder verjagt, wackelt leicht mit dem Kopf.

Später dann ruhige Stücke. Tragend, langsam. Wimmernd, klagend, Weltschmerz hoch zehn. Also weinen. Mehr weinen, lauter weinen. Und wieder tanzen. Tanzen! Ach, wie schön, dass es noch Leute gibt, die keine Angst haben, mal so richtig aus sich herauszukommen. Gerade wir sauertöpfischen Deutschen können das gut gebrauchen. (frk)

 Nix Noltes: Orideur Hawai

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Árstíðir: Hvel
( 2015, BESTE! UNTERHALTUNG BU059 )

Symphonisch. Sakral. Hymnenhaft. Kammerpoppig. Balladig. Feierlich. Rockig. Bescheiden. Ernsthaft. Árstíðir sind auf ihrem dritten Album »HVEL« all das und noch viel mehr. Die isländischen Musiker, inzwischen zum Quartett geschrumpft, beschränken sich hier nicht allein auf ihre Haupttugend, den himmlischen Harmoniegesang. Starre Genregrenzen sind die Sache des Quartetts aus Reykjavík ohnehin nie gewesen. Auf der Suche nach dem zuckergussfreien Schönklang holt man sich Anregungen aus Klassik und Psychedelic-Rock gleichermaßen und hebt damit ab in lichtblaue Sphären. Der Klang des Drittlings ist noch üppiger und gleichzeitig filigraner geworden als auf den Vorgängeralben. Via Kickstarter-Kampagne haben die Vier binnen kürzester Zeit 70.000 Euro bei ihren Fans eingesammelt und sich erstmals ausgiebig ins Studio verschanzt. Lohnende Investition, das! Denn die Isländer haben dabei eine ganz neue Leichtigkeit entdeckt, wie Sänger Ragnar berichtet.

Verstärkt hat man sich im Studio mit sehr feinen Gastmusikern aus der Streichersektion, mit deren tätiger Unterstützung man sich »Things You Said«, in die Gefilde der wilden Romantik begibt. Bei aller Verneigung vor den hohen vokalen Qualitäten von Árstíðir sticht hier mit dem feinen »Ró« auch ein Instrumentalstück hervor, das fast schon Soundtrack-Qualitäten besitzt und an die stimmungsvollen Soundtracks des Landsmanns Jóhann Jóhannsson erinnert. Dass hier in englisch und isländisch gleichermaßen gesungen wird, fällt bei der großen Gefühlstiefe dieses Albums kaum auf. Mit der Piano-Ballade »You Again« brechen Herzen auf die allerschönste Art - egal in welchem Idiom sie vorgetragen wird. »HVEL« ist als Album eindeutig ein wilder Kontinent: Man muss in oft bereisen, um alle Feinheiten goutieren zu können! (emv)



Mehr CDs von Árstíðir



Siehe auch:
Johann Jóhansson

 Árstíðir: Hvel

Offizielle Website

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Blágresi: Hvað Ef Himininn Brotnar
( 2013, Nordic Notes /Broken Silence )

Von ruhiger, unaufgeregter Schönheit: »Hvað Ef Himininn Brotnar« (was wäre, wenn der Himmel zerbrechen würde?), das Debütalbum von Blágresi, kommt verträumt tänzelnd daher und schwebt wie Pusteblumenschirmchen über die grünen Präriewiesen des amerikanischem Countryfolk. Nur dass hier mitunter kräftige Atlantikwindstöße das Gras zausen! Das Trio um Daniel Audunsson von Árstíðir hat sich nach einer skandinavischen Grünpflanze benannt, deren wörtliche Übersetzung »Bluegrass« lautet. Dass die Slide-Gitarre dezent zum Einsatz kommt, ist nur ein kleiner Gag am Rande. Die Drei, live verstärkt durch Gastmusiker an Schlagzeug, Banjo und Geige, singen konsequent auf isländisch und entziehen sich geschickt vorschnellen Verortungen. Lieben flüchtige, sehnsüchtige und poetische Gefühlszustände. Flirten mittels der hellen, zarten Stimme von Sängerin Tinna Marina Jonsdottir mit elfenpoppigen Klängen. Beherrschen aber auch die sanft melancholische Ballade, bei der einem gehörig eng ums Herz wird. Vor lauter unterdrückter Sehnsucht. Aber gepflegt zu Fiedelklängen über den Tanzboden walzern darf man mit halbironischen Songs wie »Alltaf Sama Sagan« auch.

Im Heile-Welt-Land wollen Blágresi partout nicht leben: So stammt der größte Teil der Texte von Einar Mar Guðmundsson, einem isländischen Dichter, der sich sehr kritisch zu den spätkapitalistischen Verwerfungen geäußert hat, welche die Inselrepublik im Jahr 2008 fast in die Staatspleite getrieben hatten. Gesellschaftskritik wird hier scheinbar samtpfötig formuliert, was eindringlicher wirkt als manches laute Protestgeschrei. Eindringlichkeit entsteht hier vor allem durch die Boy-Girl-Harmonie im Einklang der beiden Stimmen von Jonsdottir und Audunsson, die sich mit der selbstverständlichen Geschmeidigkeit von Schwalben durch blaue Lüfte bewegen. Mitunter klingt das wie eine sehr, sehr entspannte Version der Vokaldynamik der rockigeren Landsleute Of Monsters And Men. Wobei diese Variante durchaus überzeugt! (emv)



Siehe auch:
Árstíðir
Of Monsters And Men


 Blágresi:  Hvað Ef Himininn Brotnar

Offizielle Website

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Hilmar Ö. Hilmarsson & Steindór Andersen: Stafnbúi
( 2012, 12 Tonar 12T051 )

Das Mittelalter ist im Bewusstsein der Isländer lebendiger geblieben als anderswo auf der Welt. So ist die Erzählgattung Rimúr, die in der Zeit der Eddas und Sagas entstand, auf der Atlantikinsel keineswegs ausgestorbenes Kulturgut. Für »STAFNBÚI« hat sich der Filmkomponist Hilmar Örn Hilmarsson mit dem Sänger Steindór Andersen zusammengetan, um diese jahrhundertealten Gesänge auf historischen Instrumenten neu einzuspielen und diese zart in die Neuzeit zu bringen - unter anderem mit Synthesizerunterstützung!

Hilmarsson befindet sich mit diesem liebevoll und kundig eingespielten Album auf einer Mission: Für die Aufnahmen hat er jahrelang in Archiven gestöbert und frühe Einspielungen vom Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals öffentlich zu machen. Aber keine Angst, hier werden keine alten Zöpfe geflochten: So finden sich auf dem Album auch moderne Texte. Und zu den Gastsängerinnen gehört etwa die formidable Sigríður Thorlacius von Hjaltalín.

Sorfgältig gearbeitet haben übrigens nicht nur die Musiker, sondern auch das Plattenlabel 12 Tónar: Das Album enthält ein dreisprachiges, 80-seitiges Booklet (Isländisch, Englisch, Deutsch) mit weiterführenden Informationen zu den Rímur und biographischen Angaben zu Hilmarsson und Andersen. (emv)



Siehe auch:
Hjaltalín

Hilmar Ö. Hilmarsson: Stafnbúi

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Hraun: I Can't Believe It´s Not Happiness
( 2007, Dimma DIM 26 )

Mädels! Aufgepasst! Da jammert ihr doch immer, dass es auf dieser Welt keine romantischen Männer mehr gibt, die Euch unaufgefordert Rosen bringen und euch gefühlvoll anschwärmen! Die euch wie echte Barden unterm Fenster Liebes-Serenaden singen! Es gibt Hoffnung, die Gattung ist noch nicht ausgestorben. In einem Reykjaviker Café hat sich eine Gruppe Freunde spontan zusammengetan, um das traditionelle Americana-Singer-Songwriter-Liedgut hochzuhalten. Aus den besten Zeiten der frühen 70er, als sanfte Rebellen wie James Taylor und Kris Kristoffersen sich als frühe Frauenversteher etablierten. Auf diese Troubadour-Tradition beruft sich Hraun-Sänger Svavar Knútur mit katzenpfötchentastender Zartheit. Das Debüt »I CANT´T BELIEVE IT´S NOT HAPPINESS« wämt wie eine Kanne Kräutertee.

Die Reykjaviker Freundestruppe ist auf altmodische Weise gefühlvoll und lässt die Emotionenen so lange auf sanfter Flamme köcheln, bis auch der letzte Griesgram glaubt, dass es da draußen doch noch die große Liebe gibt. Hraun machen mit verwundeter Seele klar, dass das Glück ein flüchtiges Gut ist. Und dass das nostalgische Nachsehnen vielleicht das intensivste aller Gefühle ist. Mit sparsam instrumentierten Songs. Klampfe und Stimme und wenig mehr. Dass so viele Leute so leise sein können, ist ein erstaunliches Phänomen. Nur ab und zu trauen sich Hraun wie im Song »Impossible«, in poppige Tanzschritte zu verfallen. Viel lieber ziehen sie zur blauen Stunde ihre kleine Kreise. (emv)

 Hraun: I Can

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