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Lange Rezensionen 131 - 136 von 136 im Genre »Folk« und Land »Norwegen« (insgesamt 227)

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Nils Økland: Bris
( 2004, Rune Grammofon /Universal RCD2042 )

Die Assoziationen von »Geige solo« sind nicht immer die besten. In meinem Fall sind es die Erinnerungen, als Kind den familiären Geigen-Vorführungen meines Cousins zuhören zu müssen, die etwa klangen wie ... nun ja, lassen wir das. Natürlich hat auch die Beschäftigung mit der Geigen-Tradition der Hardangermusik – aus der auch Nils Økland stammt – ihre Spuren in meiner Sozialisation hinterlassen. Doch während das Werk der Tradionalisten oft etwas plump und enervierend ausfällt, hebt der Erneuerer Økland die Hardanger-Fiedel gleichsam auf eine höhere Bewusstseinsstufe.

Still, scheu tastend und ganz unvorbelastet schreitet er voran mit einer luftigen Musik, die so gar nichts zu tun hat mit der bäuerlichen Sturheit Südnorwegens, sondern eher mit dem Grundprinzip des Zen-Buddhismus: Die Ich-Wahrnehmung verschwindet zugunsten einer Zeitlosigkeit. Überwiegend allein, aber bisweilen auch begleitet von u.a. Per Oddvar Johansens Perkussion und dem Kontrabass von Mats Eilertsen (Food) gelingt dem ehemaligen musikalischen Direktor der Ole Bull Akademie in Voss eine Art Ur-Musik: So oder ähnlich muss es geklungen haben, wenn Gott nach der Erschaffung der Welt hätte Musik hören wollen. (lha)



Mehr CDs von Nils Økland



Siehe auch:
Nils Økland Band
Nils Økland & Sigbjørn Apeland

Lumen Drones

Food


Nils Økland: Bris

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Nils Økland Band: Kjølvatn
( 2015, ECM /Universal ECM 2383 | 3770508 )

An sich hätte schon Nils Øklands Album »BRIS« als »Band«-Album erscheinen können, denn »KJØLVATN« (»Kielwasser«) lässt sich unschwer als Fortsetzung der 2004 bei Rune Grammofon veröffentlichten CD erkennen. Nach dem ECM-Solodebüt »MONOGRAPH« (2009) kehrt Økland hier wieder zum Spiel im Quintett zurück, wieder mit Sigbjørn Apeland, mit dem bei ECM auch das überragende Duoalbum »LYSØEN« (2011) erschien, mit Mats Eilertsen am Bass und Håkon Stene an unaufdringlichen Schlaginstrumenten. Allein Saxofon-Wizard Rolf-Erik Nystrøm (aus dem Trio Poing) kam zwischenzeitlich hinzu, wo einst Per Oddvar Johansen als zweiter Perkussionist mitwirkte. Wie schon auf »BRIS« wurden Øklands Kompositionen, die ihre Einflüsse aus Alter Musik, Barock und (west-)norwegischer Volksmusiktradition unüberhörbar vorzeigen, im Ensemble arrangiert. Was in der Praxis bedeutet: Es wurde klug improvisiert.

Wie auf »BRIS« entstand eine zart schwebende, sehr homogene und vor allem gleichförmig getragene Suite, aus der kaum eines der einzelnen Stücke heraussticht, sondern sie vielmehr ein 50-minütiges Gesamtwerk bilden, das punktuell anhebt und dann wieder abebbt. Bass und Vibrafon geben einen ruhig dahinfließenden Rhythmus vor, der ganz entfernt an die rituell angehauchte Grundierung von Jan Garbareks »RITES« erinnert, Apelands Harmonium hält das Quintett mit einem eher fühl- als merklich hörbaren Atem zusammen, gerade auch dann, wenn der Streicher und der Bläser für einen Moment schweigen.

Nach dem achtminütigen, zentralen Ruhepol »Puls« setzen das expressive »Fivreld«, mit immer wieder auf- und abschwellenden Streicherkaskaden, und »Start«, mit erfrischend kantigen Dissonanzen, die stärksten dramatischen Akzente, was dem Album überaus gut bekommt, um etwas aus der Gleichförmigkeit auszubrechen. Zugleich besticht »KJØLVATN« durch die dichte Qualität des über Jahre gewachsenen Zusammenspiels und durch die Intensität der stillen Feierlichkeit, die Øklands Werk in die sakrale Nähe manch Alter Musik rückt. Nicht umsonst fanden die Aufnahmen, unter Aufsicht des (Ton-)Meisters stiller norwegischer Klänge Audun Strype in der für vorzügliche Klangqualität bekannten Østre-Toten-Steinkirche im Südosten Norwegens statt. Bewegend. (ijb)



Mehr CDs von Nils Økland & Band



Siehe auch:
Nils Økland & Sigbjørn Apeland
Poing

Håkon Stene

Mats Eilertsen


Nils Økland: Kjølvatn

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Nils Økland & Sigbjørn Apeland: Lysøen – Hommage à Ole Bull
( 2011, ECM /Universal 2179 )

Mit Clara Schumann hat er gespielt, Liszt nannte ihn begeistert Genie, zu Lebzeiten wurde er als legitimer Nachfolger Paganinis gehandelt. Auch für Grieg war Ole Bull (1810-1880) ein wesentlicher Einfluss, er habe ihm die Schönheit und Einzigartigkeit der norwegischen Volksmusik verdeutlicht. Zu ihr pflegte Bull lebenslang eine enge Beziehung, sowohl als Komponist wie auch als Geigenvirtuose; sie war ihm auch Grundlage seiner Improvisationskunst, denn Bull wurde als wahrer Meister der »Kunst des Moments« angesehen.

Nils Økland (Geige und Hardanger-Fiedel) und Sigbjørn Apeland (Piano und Harmonium) wollen Ole wieder ins Gedächtnis der Musikwelt zurückholen. Ihre »Hommage à Ole Bull« ist eine der besten und reichhaltigsten ECM-Platten der letzten Zeit, die 16 Stücke eine Mischung aus lyrisch-melodischen Bull-Stücken, Improvisationen über traditionellen und teils religiösen Liedern, dazu »Solveigs Lied« aus Edvard Griegs »Peer Gynt« (Ibsen hatte Ole Bull als Vorbild für diese Figur genommen) sowie einige Eigenkompositionen, die eine andere Färbung hineinbringen und mithin überraschen, so etwa das großartig eigenwillige »Belg og slag«.

Økland und Apeland nahmen als ersten in Ole Bulls märchenhafter, nach seinen Vorstellungen auf der Insel Lysøen an der norwegischen Westküste gebauten Villa auf, zudem auf einst von Bull selbst gespielt Instrumenten. Das kann auch mal ein volkstümlicher Walzer sein, doch der Schwerpunkt lag auf der kontemplativen Seite Bulls. Die Schönheit und Ruhe der Umgebung inspirierten die Wahl der Stücke – was sich ohne Umwege auf den Zuschauer überträgt. Man wähnt sich an einem fernen Ort oder in einsamer, stiller Natur, wenn nicht gar im vorletzten Jahrhundert. Dieser melancholische Liedzyklus ruft ungemein intensive Bilder von seltenem Abwechslungsreichtum hervor. Vielleicht nicht gerade das, was man sich im anbrechenden Frühling wünscht, aber ECM-Platten sind ja in den meisten (und besten) Fällen ohnehin zeitlos. Produktion und Klang (Manfred Eicher und Audun Strype) sind exzellent – glasklar, subtil facettenreich und extrem präsent, als wären die beiden Musiker direkt im Raum.

Dass dies alles so ganz leicht und schwebend und fast unscheinbar wirkt, ist in Wirklichkeit Zeugnis des meisterlichen Niveaus, auf dem Økland und Apeland nach etlichen, höchst vielseitigen Projekten angekommen sind. Eine Platte, zu der man über die Jahre immer wieder zurückkommen, sie stets neu hören und sich bestimmt neu bewegen lassen wird. (ijb)



Siehe auch:
Nils Økland
Sigbjørn Apeland

Lumen Drones

1982 (Nils Økland, Sigbjørn Apeland, Øyvind Skarbø)


Nils Økland: Lysøen – Hommage à Ole Bull

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Østfolk: Østfolk
( 2013, Heilo /Galileo HCD 7282 )

Ursprünglich startete Vegar Vårdal ein Schulprojekt: er durchforstete Archive und Sammlungen nach traditionellen Liedern und Texten aus der südöstlichen Region Østfold, die bislang nicht als Mekka norwegischer Folklore galt. Vårdal fand religiöse Musik sowie traditionelle Lieder und Balladen.

Und er fand zwei ähnlich interessierte Musiker: Linn Andrea Fuglseth ist sonst viel mit dem Trio Mediæval unterwegs, hier singt sie und spielt Orgel und Harmonium. Åsmund Reistad ist an Mandola, Kontrabass und Resonatorgitarre zu hören, letzteres gibt dem Klang eine moderne Farbe. Vårdal selbst spielt Violine und singt gelegentlich. Sehr stimmig sind die 14 Lieder, sie changieren von lyrisch und melancholisch bis fröhlich und eingängig (»Tordivelen«). Alle sind eher schlicht und behutsam arrangiert, aber mit viel Seele gesungen. Bedauerlich nur, dass alle Texte ausschließlich in Norwegisch im Booklet abgedruckt sind. (tjk)



Siehe auch:
Trio Mediæval
Rusk

Unni Løvlid / Vegar Vårdal

Camille Norment


 Østfolk: Østfolk

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Marit Hætta Øverli: Ohcame
( 1995, IDUT ICD942 )

Marit Hætta Øverli stammt aus der Finnmark, der Heimat des Joiks. Wie ihre ungleich berühmtere Kollegin Mari Boine pflegt sie die traditionelle Gesangstradition der Sami, modern und eingängig unterfüttert mit Pop, Rock und Jazz. Wo Boine jedoch Experimente mit eine exquisiten und stilsicher zwischen Folk und Jazz agierenden Band im Rücken wagt, rutscht Øverli manchmal in süßliche Pop-Plattitüden ab.

Wegen watteweicher Keyboardteppiche, esoterisch pustender Flöten und unaufdringlich dahintrabender Drumbeats fühlt man sich gar an keltische Kitschbolzen à la Runrig und Co. erinnert. Überhaupt blitzt traditionell nordisches Liedgut nur bei »Golle Máze« durch; die restlichen Songs könnten auch aus einer amerikanischen Hitfabrik stammen. Schade, denn man würde der Joikerin mit der schmeichelnden Stimme gern zuhören, wenn sie nur kompositorisch die Mainstream-Gewässer mehr meiden würde. (peb)



Siehe auch:
Jienat
Mari Boine


Marit Hætta Øverli: Ohcame

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Jørn Simen Øverli & Sølvguttene: Gull I Munn
( 2014, Kirkelig Kulturverksted FXCD399 )

Ein dankbarer Blick zurück: In den 50er Jahren kannte in Norwegen jedes Kind die Stimme von Alf Prøysen: Jeden Morgen um 8:40 Uhr ging die Kinderstunde des staatlichen Rundfunks mit Prøysens Beiträgen auf Sendung. Prøysen war ein Multitalent: Dichter, Dramatiker, Songschreiber und Musiker, der mit seinen Liedern ganz behutsam seine Ideen von Freiheit, Selbstrespekt und die Liebe zum ländlichen Norwegen in die Kinderstunde einfließen ließ. Zur gleichen Zeit nahm er gemeinsam mit dem Knabenchor Sølvguttene verschiedene Alben auf, die so manches Kind von damals heute noch mitsingen kann. Zum hundertsten Jubiläum des Chores haben die jungen Sänger gemeinsam mit dem Sänger Jørn Simen Øverli das Album »GULL I MUNN« mit den beliebtesten Liedern Prøysens aufgenommen. Übersetzt heißt das so viel wie »Morgenstund hat Gold im Mund« und spielt liebevoll auf die Radiosendung an.

Auch ohne jegliche Kenntnis der Landessprache erschließt sich beim Hören dieser quicklebendigen und liebevollen Aufnahme, warum Prøysens Lieder über das Leben von Kindern und Jugendlichen auch heute noch aktuell sind. Es geht, ganz unsentimental, um den Alltag und natürlich auch die einschneidenden Erlebnisse im Leben des Nachwuchses. Und für ein bisschen Glamour in der norwegischen Nachkriegsgesellschaft hat Prøysen seine sympathische Version von »Over The Rainbow« untergejubelt. Stillvergnügt, fröhlich und neugierig: Mit diesen Liedern kehrt nicht nur für viele Norweger die Kindheit zurück. (emv)



Siehe auch:
Jørn Simen Øverli
Prøysen – Musikken Til Dokumentaren

Katia Cardenal

Slagr & Camilla Granlien


Jørn Simen Øverli & Sølvguttene: Gull I Munn

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