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Lange Rezensionen 1 - 5 von 136 im Genre »Folk« und Land »Norwegen« (insgesamt 227)

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Sturla | Andreas: Glimmer
( 2003, 2L /Musikkoperatørene 2L17 )

Im Januar 2003 zog sich der in der Kunst des Hardanger-Stils bewanderte Violinist Sturla Eide Sundli mit Gitarrist und Bouzouki-Spieler Andreas Aase in die Osloer Sofienberg Kirche zurück, um dort elf zum Zerschmelzen schöne Folk-Tunes aufzunehmen. Man höre nur den glückstrunkenen Hochzeitsmarsch »Gilde« oder das euphorische, von Sundli im alten Stil komponierte »Polska 56401«!

Hier sind zwei Traditionsbewahrer am Werk, die mit viel Liebe und Leidenschaft bei der Sache sind. Sturla | Andreas scheinen gar regelrecht in ihre Instrumente hineinzukriechen, um aus ihnen auch noch das letzte Quentchen Emotion herauszuquetschen und die Volkslieder noch prächtiger vor unseren Ohren auszubreiten. Wer Hardanger-Fiddletunes zu schätzen weiß, wird nicht mehr von dieser CD lassen können. Oder übergehen zu Flukt, einem weiteren Projekt von Sturla. (peb)



Siehe auch:
Flukt

 Sturla | Andreas: Glimmer

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Adjágas: Adjágas
( 2005, Trust No One TMR027 )

Mari Boine gehört zu den Fans des Duos, und das setzt die Messlatte hoch. Lawra Somby und seine Kollegin Sara Marielle Gaup gehören jedenfalls zu einer jungen Joik-Generation, die direkt von ihren Eltern gelernt haben, und das lässt hoffen, dass die Traditionen nicht aussterben, sondern eine zeitgemäße Weiterentwicklung erfahren. Ihre Herangehensweise zeugt von Unvoreingnommenheit und Frische: Mal vermittelt ein vorwitziges Banjo samt schleppenden Stomp-Drums etwas Blues-Flair, dann wieder lassen Tremolo-Gitarren sechsminütige Balladen à la »Rievdadeapmi« (Veränderung) wie im Flug vergehen.

Die Texte? Das Übliche: emotionaler Überschwang, Natur-Meditationen und Freiheitsdrang oder einfach die Gedanken eines geistig verwirrten Sami, der sein Lávvu im Wald statt wie sonst üblich auf einer Anhöhe mit guter Aussicht aufgestellt hat: »How in the world did I get here, how mysterious that I got here?«, so die englische Übersetzung. Auch wenn die Stimmen von Lawra und Sara noch nicht ihre volle Souveränität erlangt haben: Die guten Songs und die durchweg hervorragende Instrumentierung zeigen, wie Joiks modern klingen könnten unter Bewahrung ihrer Glaubwürdigkeit. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

 Adjágas: Adjágas

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Erlend Apneseth: Blikkspor
( 2013, Heilo /Grappa / Galileo HCD7283 )

Mit beiden Beinen steht Erlend Apneseth in der norwegischen traditionellen Folklore – aber er blickt weit über den Tellerrand hinaus. Das ist sicher auch ein Verdienst seiner Lehrer Håkon Høgemo und Nils Økland. Natürlich liebt Apneseth, mit seiner Hardanger Fiedel alte Lieder zu spielen, aber ebenso gerne improvisiert er über diese. Oder er fängt einfach frei an, aus Tönen werden Melodien, aus Melodien werden Geschichten, bis diese irgendwann ein Ende finden.

Gelegentlich hat er Unterstützung von Produzent Arve Henriksen an der Trompete, bei zwei Stücken auch von Gitarrist Stephan Meidell und Drummer Øyvind Hegg-Lunde. Über weite Strecken hört man jedoch nur Erlend Apneseth und seine Hardanger Fiedel - aber man vermisst nichts, absolut gar nichts. »Gjennom« ist so ein faszinierendes Kleinod aus wenigen Tönen, die wiederholt werden und sich verändern: man bekommt gar nicht genug von diesem Stück. (tjk)



Siehe auch:
Nils Økland
Stephan Meidell

Erlend Apneseth Trio

Arve Henriksen


Erlend Apneseth: Blikkspor

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Erlend Apneseth Trio: Det Andre Rommet
( 2016, Hubro /Grappa HUBROCD2570 / LP3570 )

Erlend Apneseths Debütalbum »BLIKKSPOR«, eine starke Solo-CD, auf der gelegentlich Produzent Arve Henriksens Trompete als Duostimme in Erscheinung trat, vermochte bereits durch einen eigenen Blickwinkel auf die Traditionen der Hardanger-Volksmusik zu faszinieren. Doch der Zweitling des jungen Künstlers, der bereits als einer der herausragenden Fiedler des Landes bezeichnet wird, kann nun noch einmal mehr beeindrucken. »DET ANDRE ROMMET« (»Das andere Zimmer«) erscheint, erst einmal überraschend für einen Folkmusiker, bei Hubro, der norwegischen Ein-Mann-Firma, die uns seit der Katalognummer 1 (Splashgirl) zuverlässig mit innovativen und fast durchweg hinreißenden Platten versorgt wie im laufenden Jahrzehnt vielleicht kein anderes Label.

Immer wieder für Überraschungen gut, produzierte Labelgründer Andreas Meland »DET ANDRE ROMMET« gleich selbst. Die Aufnahmen fanden über vier Tage, vor genau einem Jahr (März 2015) im kleinen, rustikalen Hallibakken-Studio in Nesbyen (Hallingdal) statt, das schon vielen lokalen Folkaufnahmen wertvolle Inspiration schenkte, wie mir unlängst unter anderem der derzeitige Leiter der Ole-Bull-Akademie, der renommierten Volksmusik-Uni in Voss, Jo Asgeir Lie, am Vorabend einer eigenen Duoaufnahme erläuterte und mich nachdrücklich zu ebendieser einlud, um die Vorzüge des Raums zu vermitteln.

Für Apneseth erweist sich all dies als exzellente Basis, um seinen progressiven Ideen Nachdruck zu verleihen und das traditionsverhaftete Genre einer eindrucksvollen Frischzellenkur zu unterziehen. Wesentlich tragen dazu seine Triopartner Øyvind Hegg-Lunde (dr, perc) und Stephan Meidell (el g, electr.) bei, die auf »Blikkspor« zwei Kurzauftritte hatten und mit jeweils eigenen (und radikal unterschiedlichen) progressiven Bands bereits auf Hubro vertreten sind. Weit mehr als Erlends Debüt setzt diese Trioscheibe auf gemeinsame Improvisation, zugleich auf eine Skelettierung der Hardangermusik. Mal sehr karg und spröde (»Nattkatt«), mal schillernd, postrockig und treibend (»Magma«), dann auf einfachste Weise emotional (ein komplett gezupfter »Dialog«), anderswo mit gesampelten Aufnahmen in eine ferne Vergangenheit reisend (»St Thomas-klokkene«), doch in jedem Stück die Möglichkeiten des Instruments auslotend und Klangwelten herauskitzelnd, die man in dieser Form mit Sicherheit noch nicht gehört hat. »DET ANDRE ROMMET« ist für Hubro und für die norwegische Folkszene ein kaum hoch genug zu schätzender Gewinn, der viele offene Ohren verdient hat. (ijb)



Mehr CDs von Erlend Apneseth & Trio



Siehe auch:
Erlend Apneseth
Øyvind Hegg-Lunde / Building Instrument

Stephan Meidell

Jo Asgeir Lie


Erlend Apneseth: Det Andre Rommet

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Arvvas: Remembrance
( 2016, Nordic Notes /Broken Silence NN075 )

Von wegen, das geht nicht! Joik, Bluegrass und Michael Jackson ergänzen sich bestens! Das norwegische Duo Arvvas feiert auf seinem Debütalbum »REMEMBRANCE« musikalische Grenzüberschreitungen de luxe! Sara Marielle Gaup hat sich als Mitglied des Frauen-Folk-Ensembles Adjágas bereits einen Namen gemacht und gehört zur jungen Joik-Generation, die sehr offen für neue Einflüsse ist. Bassist und Sänger Steinar Raknes hat in Norwegen als Nachwuchs-Jazzmusiker auf sich aufmerksam gemacht. Gemeinsam bürsten Arvvas alle Klischees von »die Schöne und das Biest« energisch gegen den Strich. Live haben die eigenwilligen Zwei ein Cover des Michael-Jackson-Superhits »Billy Jean« im Repertoire haben!

Arvvas bieten auf ihrem Erstling ein aufregendes Crossover-Projekt zwischen rauchigem Blues, fetten Bass-Sounds, raubeinigen Americana-Tönen und dem traditionellen Joik-Gesang der Samen. Und wer hätte gedacht, dass in Songs wie der reduzierten Bar-Ballade »Drench My Soul« die existenzielle Einsamkeit der Prärie so gut zur archaischen Joik-Tradition passt! Meister Tom Waits würde wohl zustimmend dazu nicken"
(emv)



Siehe auch:
Adjágas

 Arvvas: Remembrance

Video-Link Offizielle Website

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