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Lange Rezensionen 11 - 20 von 144 im Genre »Jazz« und Land »Finnland« (insgesamt 213)

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Black Motor: Yöstä Aamun Kynnykselle
( 2013, Nordic Notes NN055 )

Trotz fast zehn Alben im Gepäck sind die drei Finnen aus Pori und Tampere hierzulande bislang nur Eingeweihten ein Begriff. Dabei werden sie von Größen der Szene wie Verneri Pohjola, Peter Brötzmann oder Iro Haarla geschätzt und besucht. Äußerlich könnte man das Trio für eine Grunge-Band halten (eine finnische, gleichwohl), doch auf »YÖSTÄ AAMUN KYNNYKSELLE« lassen sich Bassist Ville Rauhala, Tenorsaxofonist Sami Sippola und Simo Laihonen an Schlaginstrumenten und Flöten recht entspannt dahintreiben. Das Album nimmt sich mehr als eine Stunde Zeit; die durchschnittliche Länge der acht Stücke liegt über acht Minuten.

Unruhig darf man bei dieser CD nicht sein, sonst vergeht einem die Laune. Assoziativ, latent psychedelisch, aber vor allem zwanglos mäandernd gleiten die Melodien dahin, als gäbe es kein Morgen. Vor allem das Saxofon erzählt lässige Geschichten, die vom Schlagzeuger so sanft wie (klang-)farbenreich kontrastiert werden. Der Kontrabass geht streckenweise ein wenig unter zwischen den beiden anderen, aber wenn er sich mal bemerkbar macht, dann deutet sich ein starker Charakter an, dem man insgesamt ein wenig mehr Präsenz gewünscht hätte. Ein Album, das einen nicht unmittelbar anspringt; eines, in das man sich einhören muss, aber das gut zum langen finnischen Winter passt. (ijb)



Siehe auch:
Verneri Pohjola
Iro Haarla


 Black Motor: Yöstä Aamun Kynnykselle

Audio-Link Offizielle Website

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Bowman Trio: [ohne Titel]
( LP, 2017, /We Jazz WJLP01 )

Fast unerschöpflich scheint der Nachwuchs an guten Jazzmusikern aus Finnland, das Label We Jazz hat ein großes Netz und fängt einige ein. Das ist gut, denn dadurch kommt die Welt in den Genuss auch dieser Aufnahmen – das Bowman Trio erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber absolut hörenswert.

Sami Nummela ist nicht nur der Drummer, sondern auch der Komponist sämtlicher sieben Stücke des Trios. Diese zeichnen sich durch beseelte Melodien aus, die nach nicht allzu häufigem Hören durchaus nach- oder zumindest mitsingbar sind – das gibt es im Jazz nicht alle Tage. Hier und da ist dieses Trio ohne Harmonieinstrument einer etwas offeneren Spielweise nicht abgeneigt – das findet man bei solchen Besetzungen öfter. Generell ist ihnen aber die Seele der Stücke näher als die improvisatorische Freiheit. Joonas Tuuri am Kontrabass hält alles zusammen, hat aber auch viele Gelegenheiten, sich solisitisch auszuzeichnen oder die Musik zu lenken. An der Trompete glänzt Tomi Nikku nicht durch Hochtonakrobatik oder allzu verspielte Mätzchen, sondern mit klarem Ton und melodischem Einfallsreichtum in seinen Improvisationen. Das zeichnet die Musik des Bowman Trio aus: nachvollziehbare Melodien und dennoch musikalische Tiefe. (tjk)

 Bowman Trio: [ohne Titel]

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Carola & Heikki Sarmanto Trio: Carola & Heikki Sarmanto Trio
( 2004, Jazzpuu /Sähkö Recordings Jazzpuu-8CD )

Carola Standertskjöld (1941-97) war die erste finnische Jazz-Sängerin, die internationale Reputation erlangte, wenn auch in relativ bescheidenem Maße. Was keineswegs an ihrer Stimme oder ihrem Talent lag: Die Plattenfirmen hatten auch damals nur kommerzielle Interessen, daher ist der Jazz-Anteil an Carolas aufgenommenem Lebenswerk nicht sehr groß.

Carola singt noch schnörkelloser als Monica Zetterlund, mit angenehmer, warmer, recht tiefer Stimme. Das Repertoire dieser Aufnahmen von 1966 besteht aus Standards (sehr gut: »So Long, Big Time«, »The Second Time Around«, »Detour Ahead« und Ornette Colemans »Lonely Woman«) und zwei schönen Stücken von Esa Pethman (ts, fl), zu denen Carola selbst die Texte beisteuerte. Texte waren Carola ohnehin sehr wichtig; sie zählt eher zu den »Story Tellers« als zu den exaltierten Vokal-Akrobatinnen. Die Begleiter stammen aus der damaligen Band Pethmans: Heikki Sarmanto (p), Tapani Tamminen (b) und Reino Laine (dr) spielen sensibel und unspektakulär. Bleibt demnach ein schönes Dokument einer Sängerin, die eine größere Karriere verdient gehabt hätte – und die Frage: warum gab es diese nicht? (tjk)



Siehe auch:
Monica Zetterlund

 Carola: Carola & Heikki Sarmanto Trio

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Dalindèo: Kallio
( 2015, BBE /Indigo )

Überschäumend fröhliche Finnen? Gibt es tatsächlich! Dalindèo, das Sextett um den Gitarristen Valtteri Laurell Pöyhönen, trägt auf seinem in der Heimat mehrfach preisgekrönten Album »KALLIO« dick auf. Schwelgt in grellbunter 60ies-Italowestern-Tradition, bis selbst Quentin Tarantino der Schweiß auf die Stirn treten dürfte. Man streift lässig den finnischen Schlager der Fünfziger Jahre, ermuntert mit unbändigen Klezmer-Tönen zum Tanzen und driftet gekonnt in Richtung coolem Reggae. Und das quasi im Minutentakt! Dabei stehen hier nicht exotische Lande im Fokus, sondern das bunte, laute, rauhe Helsinkier Arbeiterviertel Kallio, dem Dalindèo hier ein superlebendiges Denkmal setzen. Und sie meinen definitiv das Kallio, das noch nicht zum Szeneviertel für angehende Hipster mutiert ist!

Hier wird einem schwül um Herz und Hirn. Denn die Sechs machen keine Musik zum Hinsitzen, sondern zum Abtanzen! Swingen mit respektloser Punk-Attitüde souverän durch die Stile und haben dabei definitiv ein diabolisches Glitzern im Auge. Die Plattitüde »die spinnen, die Finnen!« ist bei anarchischen Tracks wie »Kurvi« (Twist) ausnahmsweise einmal angebracht. Denn Irrwitz und hohe Spielkunst tun sich hier ausnahmsweise zusammen und beweisen, dass sie höchst Dancefloor-affin sind. »KALLIO« ist eine musikalische Abenteuerfahrt in bester Pippi-Langstrumpf-Tradition und hat mit arriviertem Konzertsaal-Jazz rein gar nichts zu tun. Hemdsärmelig, schnell und furios und unbedingt unberechenbar: Auf geht es in die wilden Hinterhöfe der Helsinkier Stadtkultur! (emv)



Mehr CDs von Dalindèo

 Dalindèo: Kallio

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Manuel Dunkel & United & Proton String Quartet: Meeting Point
( 2013, Texicalli Records TEXCD 122 )

Mit »MEETING POINT« betritt Manuel Dunkel Neuland – er schrieb für diese CD erstmals sowohl für sein Jazz-Quartett wie für ein Streichquartett – seine Wahl fiel auf das renommierte Proton Quartet. In seinem Jazz-Quartett sitzt Seppo Kantonen am Flügel, die Rhythmusgruppe bilden Ville Herrala am Bass und Mika Kallio am Schlagzeug – bewährte Spitzenkräfte der finnischen Szene.

Schon das erste Stück, »Sustaining«, zeigt, dass der auch klassisch ausgebildete Saxophonist weiß, wie man Streicher arrangiert. Allein aus diesem Blickwinkel kann man diese CD als gelungen bezeichnen – schön, wie Saxophon und Violinen in »Stones« die Melodie doppeln, bevor sich die Wege trennen und die Streicher die Führung übernehmen. Eines der besten Stücke ist »Le Calife«, das mit gezupften Streichern beginnt und sich dann zu einem orientalisch gefärbten Spektakel entwickelt, mit Dunkel am Sopransaxophon. Als Saxophonist in »reinem« Jazz-Umfeld ist Manuel Dunkel allerdings doch noch ein gutes Stück stärker. (tjk)



Siehe auch:
Jukka Perko
Manuel Dunkel & Sid Hille

UMO Jazz Orchestra

Mika Kallio


Manuel Dunkel: Meeting Point

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Dunstan feat. Logan Richardson: Super Slavic Grotto
( EP, 2017, Grotto /We Jazz )

Der Schlagzeuger Teppo Mäkynen und der Bassist Antti Lötjönen bilden seit mindestens einem Jahrzehnt eine der besten Rhythmusgruppen des finnischen Jazz, entsprechend umfangreich ist auch die Liste ihrer Kollaborationen. Mäkynen ist zudem eifrig als Produzent aktiv und schreibt auch mehr Musik als viele seiner Drummer-Kollegen.

Der dritte im Dunstan-Bunde ist der amerikanische Altsaxophonist Logan Richardson. Der lebt in Paris und hat erstmals 2014 mit Mäkynen und Lötjönen gespielt. Die drei leben hier ihr Faible für spirituellen, groovigen Jazz aus, den man beim Blind-Hören eher in die 60er Jahre beamen würde. Dennoch fehlt der zündende Funke, ob das nur an Richardson liegt? Zumindest klingt er streckenweise uninspiriert und eher fad. Aber alle drei brauchen lange, um auf den Punkt zu kommen. Früher, als wir noch fröhlich Tüten geraucht haben, wären wir sicher viel zu relaxed gewesen, eine andere Scheibe aufzulegen - einfach Nadel auf Anfang. Heute ist das anders, rauchen tun nun allenfalls die Joggingschuhe. (tjk)



Siehe auch:
Teppo Mäkynen
Antti Lötjönen

Teppo Mäkynen & Antti Lötjönen

Antti Lötjönen & Teppo Mäkynen


 Dunstan feat. Logan Richardson: Super Slavic Grotto

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Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola: Mi Retorno
( 2007, Texicalli Records TEXCD 076 )

Es geht ja das Gerücht um, das der finnische Tango dem argentinischen Original an rhythmischer Finesse und Virtuosität hoffnungslos unterlegen sei wie die jeweiligen Fußball-Nationalmannschaften. Gut, was den Tanz angeht, sei dem zugestimmt, was den Fußball angeht: Mal sehen. Und was die Musik betrifft: von wegen!

Wobei man, zugegeben, das, was die Pianistin Milla Viljanmaa und die Akkordeonistin Johanna Juhola, hier veranstalten, nicht ganz dem »Finnischen Tango« zurechnen kann. Beide kennt man von diversen anderen Projekten, beide sind auch solo aktiv. Sie bedienen sich bei Unto Mononen (»Tähdet Meren Yllä«) genauso wie bei Astor Piazzolla (»Coral«), schreiben aber die meisten Stücke selbst. Diese klingen mal etwas melancholisch, öfters beherzt nach vorne und irrwitzig virtuos: Die beiden spielen wie der Teufel und schreiben gute Stücke, holen sich Unterstützung von Sara Puljula (b) und Pekka Kuusisto (vi) und machen alles richtig – eine grandiose Tango-Scheibe! (tjk)

 Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola: Mi Retorno

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Echosystem: Madaga
( 2007, Presence Records PRECD 003 )

Mit viel Feuer widerlegt dieses Septett aus Helsinki sicher die letzten Klischees der dauerdepressiven Finnen, die, eingeschneit von Weltschmerz und Selbstmitleid, bevorzugt nach traurigen Tangos in der Sauna Selbstmord begehen. Von wegen: Echosystem erhellen den Winter mit sonnigen brasilianischen Rhythmen und einer scharfen Prise Funk und Jazz; auch ein paar hektische Breakbeats fehlen nicht.

Bemerkenswert zudem, dass Echosystem auf »MADAGA« völlig auf brasilianische Klassiker verzichten: die Keyboarderin Elina Lae und die Sängerin Vilja Larjosto schreiben alle Stücke für Echosystem, Valtteri Nevalainen (fl) und Linda Fredriksson (sax) spielen frische Soli, dazu grooven Jarno Lappalainen (b), Aukka Auvinen (perc) und Drummer Kimmo Salminen um die Wette. Bei Echosystems Esprit, Talent und Energie schmilzt der Schnee, in Rio wie in Helsinki. (tjk)

 Echosystem: Madaga

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Equally Stupid: Escape from the Unhappy Society
( 2017, Eclipse Music /Galileo ECD-201744 )

Ebenso beknackt: ein reichlich abwegiger Name für eine Band. Doch da es sich um ein astreines Grenzgängertrio handelt, passt das: Schlagzeuger David Meier kommt aus der Schweiz (wo er u.a. mit der tollen Truppe Schnellertollermeier spielt), Dreifach-Saxofonist Pauli Lyytinen spielt in Finnland in zahlreichen Bands zwischen Pop, Jazz und Rock (siehe Links) und der isländische Gitarrist Sigurdur Rögnvaldsson hat sich nach Studienjahren in Göteborg und Stockholm in Helsinki niedergelassen. Ob die drei Musiker (gleichermaßen) dumm oder beknackt sind, ist nicht überliefert, doch mit diesen neun progressiven Jazzrockstücken belegen sie, dass sie ihre Instrumente, nebst Effekten und Hapi Drum, topp beherrschen.

Zur »ESCAPE FROM THE UNHAPPY SOCIETY« wollen Equally Stupid mit ihrem zweiten Album einladen. Auch die Titel der Stücke deuten in diese Richtung: »Politician’s Nightmare«, »Legacy to the Children of the 21st Century« oder »Paranoia«. Dabei sind die Nummern gegenüber dem Debüt weniger rau oder punkig ausgefallen, wenn man in der Tat auch kaum von glattgebügeltem, netten Jazz sprechen kann. Dieser Mix aus Baritongitarre (teils spielt Rögnvaldsson auch Lap-Steel) und feurigem Saxofon ist eine nicht gerade häufige Kombination, und daraus schlägt das Trio exzellent Kapital. Vor allem haben die Jungs großen Spaß an der Sache, spielen improvisierte Musik häufig mit kantigem Rockgestus. Mitreißend und klug. (lha)



Siehe auch:
Pauli Lyytinen
Mikko Innanen 10+

Raoul Björkenheim

Elifantree


 Equally Stupid: Escape from the Unhappy Society

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Jukka Eskola Orquestra: Bossa
( 2014, Schema Records SCCD 463 )

Und jetzt also auch noch Bossa: es ist schon frappierend, was Jukka Eskola alles aus alten Hüten der 50er und 60er Jahre hervorholt. Und was er schlussendlich daraus macht, denn er ist nun wirklich kein Epigone der Helden von früher. Das ist schon lange klar, man nehme nur das Five Corners Quartet als Beispiel. Die Begeisterung, die diese Formation hervorruft, dürfte auch »BOSSA« zuteil werden. Mit diesem Projekt ist es nämlich ähnlich: Eskola und Co-Komponist Teppo Mäkynen schreiben Bossa-Stücke mit leichtem Nordeuropa-Feeling. Der Sound ist durchdacht, transparent und unaufdringlich, viel zu gut für Easy Listening und viel zu leicht zum Sitzenbleiben.

Zu einem regulären Bossa-Jazz-Sextett mit den bewährten Allzweckwaffen Ville Herrala (b), Jaska Lukkarinen (dr), Teppo Mäkynen (p und perc) sowie dem Gitarristen Peter Engberg und Petri Puolitaival an Altsax, Altflöte und Bassflöte gesellt Eskola noch ein Streichquartett von ähnlichem Format: das Proton String Quartet wartet nicht nur mit netten Untermalungen auf, sondern trägt maßgeblich zum Sound der CD bei – dank der feinen Arrangements von Eskola, Mäkynen und Jussi Lampela, also auch hier die Creme des Ricky Tick-Umfelds. Zu den Originals kommt ein Cover von Milton Nascimento und eine ganz subtile Interpretation von »Wien«, einem Song von Ville Leinonen. Solistisch ragen Engberg, Puolitaival und natürlich Trompeter Eskola heraus. Jetzt also auch noch Bossa: wurde ja auch Zeit! (tjk)



Siehe auch:
Five Corners Jazz Quintet
Ville Leinonen

Mikko Helevä


Jukka Eskola: Bossa

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Lange Rezensionen 11 - 20 von 144 im Genre »Jazz« und Land »Finnland« (insgesamt 213)

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