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Lange Rezensionen 1 - 10 von 151 im Genre »Jazz« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 185)

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Steinar Aadnekvam: Freedoms Tree II
( 2018, Losen Records /In-Akustik LOS 195-2 )

Der gebürtige Norweger Steinar Aadnekvam ist ein weitgereister Gitarrist, der zuletzt zwischen dem brasilianischen Recife und Stockholm pendelte. Aus diesen verschiedenen Einflüssen destilliert das im Vergleich zum Vorgänger unveränderte multinationale Trio eine Musik, die man am ehesten als »Afro-Jazz-Rock« bezeichnen könnte und gewohnt virtuos dargeboten wird. Genretypisch schlagen die Drums stets forsche Tempi an und zu einem agilen, teils funkigen Bass liefert Aadnekvam auf seiner akustischen Gitarre sehr solide Griffbrett-Arbeit ab. Darüber setzen alle Beteiligte meist wortlose Vokal-Linien.

So hört man sich durch neun an sich nicht schlecht gemachte, energiegeladene Songs, die mal mehr (»Freedom«), mal weniger (»For All«) Zug zum Tor haben. Aber so recht mag davon nach wie vor nichts hängen bleiben. Denn leider hilft all die Virtuosität nicht weiter, wenn es an der eigenen Handschrift mangelt. Zu uniform klingt das Ganze. So würde man etwa nicht vermuten, dass jeder der Musiker eigene Kompositionen zu diesem Album beigesteuert hat. Im Gegenteil: Keiner der Tracks schlägt ein wirklich neues Kapitel auf oder beschreitet gar stilistisch bisher unerhörte Wege. Vielmehr fühlt man sich stets an die großen Vorbilder erinnert, von denen einem etwa Al di Meola oder vielleicht auch Lionel Loueke einfallen. Und die Band liefert eigentlich kein stichhaltiges Argument, nicht bei den Originalen zu bleiben. Leider. (stv)



Mehr CDs von Steinar Aadnekvam

Steinar Aadnekvam: Freedoms Tree II

Offizielle Website

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Aloft Quartet: First Year
( 2018, AMP Music & Records AT020 )

Die vier jungen Musiker im Aloft Quartet sind zwar – individuell wie als Gruppe – bislang keine household names, das Label AMP Music & Records entschied sich dennoch, ihre Namen über den der Band auf Cover des Debütalbums zu drucken. Als da wären: Der dänische Saxofonist Simon Balvig, der die Hälfte der Stücke geschrieben hat, sein Landsmann Rasmus Sørensen am Piano, der wie sein hier in einem schönen Trompeten-Gastauftritt zu hörender Bruder Jakob bereits »Jazz Artist of the Year« in Nordjütland ausgezeichnet wurde, Kontrabassist Jon Henriksson aus Schweden und Schlagzeuger Amund Kleppan aus Norwegen.

Die Vier trafen sich 2016 an der Skurups Folkhögskola, der »Volksschule« im Städtchen Skurup ganz im Süden Schwedens, und haben seither Konzerte auf Tourneen durch Norwegen, Schweden, Dänemark und zuletzt in auch Berlin absolviert, bevor das gemeinschaftlich erarbeitete und passend »FIRST YEAR« betitelte Album im Juni 2017 in Århus eingespielt wurde. Der Osloer Labelmacher (und gebürtige Schwede) Anders Thoren war von dem Quartett so begeistert, dass er es, beginnend mit diesem erstaunlich souveränen Debüt unter Vertrag nahm. Die Musik des Aloft Quartet ist zu gleichen Teilen inspiriert von der nordischen wie von der amerikanischen Jazzszene; und auch wenn hier letztlich nichts total Neues oder Unerwartetes geboten wird, was man nicht bereits von ähnlichen Gruppen gehört hätte, ist dem panskandinavischen Quartett eine erfolgreiche Zukunft zu wünschen, denn ihre charmante Melodie-Liebe und ihre unprätentiöse, ganz im Dienst des guten Songs stehende Improvisationskunst lässt eine große Zukunft erwarten. Und nicht zuletzt hat »FIRST YEAR« eines der schönsten Covers des Jahres, ein Gemälde der Londoner Künstlerin Chelsea Davine. (ijb)



Siehe auch:
Jakob Sørensen | Bagland

 Aloft Quartet: First Year

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AMC Trio & Ulf Wakenius: Soul Of The Mountain
( 2008, Hevhetia HV 0030-2-331 )

Sonderlich einfallsreich ist es ja nicht, die Band nach den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Mitglieder zu benennen, in diesem Fall besteht zudem Verwechslungsgefahr. Einfallsreicher dagegen ist die Musik des slowakischen Trio, und: sie perlt.

Peter Adamkovič (Piano), Martin Marinčák (Bass) und Stanislav Cvanciger (Schlagzeug) bilden allein schon eine hervorragend harmonierende Einheit, man hört, dass sie schon seit einigen Jahren zusammenspielen. Die Kompositionen sind sehr griffig, haben eingängige Melodien und scheuen auch nicht vor Rock- oder osteuropäischen Einflüssen. Sie entstehen in Zusammenarbeit, das ist bei AMC so üblich. Als Stargast haben sie den schwedischen Supergitarristen Ulf Wakenius eingeladen, dadurch erfährt diese CD eine Aufmerksamkeit, die sie sonst außerhalb des Heimatlandes kaum erhalten hätte. Wakenius ist auch der große Star auf dieser Aufnahme: er spielt wunderbare Soli, mit einer schier grenzenlosen Melodik, mit immer dem richtigen Ton in der richtigen Intensität an der richtigen Stelle – eine Referenzplatte für Jazzgitarristen ist das fast. Er klingt manchmal verdächtig nach Pat Metheny: wie bei diesem perlen die Gitarrenlinien, aber auch Adamkovič kann sein Piano perlen lassen. Eine kleine Jazz-Perle also, diese CD! (tjk)



Siehe auch:
Ulf Wakenius

 AMC Trio: Soul Of The Mountain

Offizielle Website

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Thommy Andersson; Peter Nilsson, Jacob Anderskov: Triofolded
( 2010, Kopasetic Productions KOPACD033 )

Schon das Cover macht unmissverständlich klar: Hier agieren drei Musiker als komplett gleichberechtigte, gleichrangige Partner. Selten genug ist es ja, dass ein Jazztrio ohne Leader und entsprechend ohne denjenigen als Namensgeber der Band auskommt. Zumeist ist »TRIOFOLDED« eine recht unaufgeregte Angelegenheit, jedoch keineswegs leise oder gemütlich. Der Einstieg ist noch sehr melodisch, fast eingängig, doch über die elf Stücke hin wird das Set immer rhythmusbetonter.

Ein absolutes Highlight ist gleich an zweiter Stelle das mit achteinhalb Minuten längste Stück, »Välesehe«, zersprengt raffinierte Improvisation, die sich in alle Richtungen öffnet und doch ausgesprochen klar und einem roten Faden folgend bleibt. Keine leichte Unterhaltung, aber für jazz-liebende Ohren ein absoluter Genuss. Das Trio liegt genau auf der Grenze zwischen Dänemark und Schweden: Schlagzeuger Peter Nilsson stammt aus Schweden, ebenso Bassist Thommy Andersson, der allerdings in Dänemark lebt und arbeitet, dem Heimatland des hyperaktiven, mit etlichen Alben begeisternden Pianisten Jacob Anderskov. »TRIOFOLDED« wurde zu hundert Prozent improvisiert, an einem Nachmittag im Juni 2009 in Kopenhagen. Jeder der drei bekommt zudem ein Solo. Toll, wie Anderskov hier in die Stille tupft, impressionistisch wie Debussy, während Andersson eine minimalistische Studie liefert, die besonders in tiefen Tönen forscht. (ijb)



Siehe auch:
Koppel/Gunnarsson/Andersson/Riel
Koppel/Andersson/Riel

Jacob Anderskov & Agnostic Revelations

Thommy Andersson mit Josefine Cronholm


Thommy Andersson: Triofolded

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Andrés Thor & Nordic Quartet: Nordic Quartet
( 2014, Dimma /Nordic Notes NN059 )

Beim Bestreben, den internationalen Jazzmarkt zu erobern, hat der isländische Gitarrist seinen Nachnamen vor fünf Jahren mit dem Album »Blik« abgelegt und tritt seitdem unter seinen beiden Vornamen Andrés Thor (auf Isländisch Þór, aber auch dies für internationale Griffigkeit vereinfacht) in Erscheinung. Seiner bislang besten Platte »Mónókróm« folgend wechselte er jüngst die komplette Band aus, weshalb der Albumtitel »Nordic Quartet« (im deutschsprachigen Raum passend bei »Nordic Notes« VÖ-Programm) zugleich auch das Ensemble bezeichnet. Obgleich der im Dezember 40 Jahre werdende als alleiniger Komponist vermerkt ist und die neun Stücke mit seinen verschiedenen Gitarren maßgeblich prägt, lebt »NORDIC QUARTET« von einem klar panskandinavischen Geist: Saxofonist Anders Lønne Grønseth (Sphinx) kommt aus Norwegen und Kontrabassist Andreas Dreier aus Dänemark. Gemeinsam spielten die drei bereits Dreiers Debüt »Stew« (2009) ein. Mit dem Schweden Erik Nylander (Kobert, Monoswezi, Magic Pocket, Peloton u.v.a.) am Schlagzeug ist das Nordic Quartet vorllständig. Alle sind quer durch Skandinavien aktiv, vor allem in Norwegen, wo auch diese CD im Sommer 2013 eingespielt wurde.

Doch zur Musik: Anders als beim Gros norwegischer Jazzplatten und auch ein wenig überraschend nach dem raffiniert schillernden »Mónókróm« bleiben die »NORDIC QUARTET«-Stücke insgesamt reichlich konventionell, und, ja, über die Gesamtlänge recht gleichförmig. Auch wenn »Fjarðarmáni« durch Pedalsteel-Gitarre oder »Stuttlega« durch einen fesch-flotten Rhythmus punktet, die gesamte Platte zeigt keinerlei Interesse, einen unerwarteten Schritt zu tun. Der Teufel (= die Variation) steckt im Detail, will also festgehalten werden. Und da sind alle vier ohne Frage topp. Sie beherrschen ihr Fach. Aber ach, vielleicht verstehen sie sich auch ein wenig zu gut... (ijb)



Siehe auch:
Andrés Thor (Gunnlaugsson)
Andreas Dreier Trio

Erik Nylander

Magic Pocket


 Andrés Thor & Nordic Quartet: Nordic Quartet

Offizielle Website

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Angles 3: Parede
( 2018, Clean Feed Records / Trem Azul CF 483CD )

Als »Ohne 7, Spiel 3« würde der Skatspieler diese Konstellation augenzwinkernd bezeichnen: Nachdem der schwedische Saxofonist Martin Küchen seine Angles-Formationen über Angles 6, 8 und 9 mit Angles 10 bis zum Tentet »ausgereizt« hatte, ist er nun mit Ingebrigt Håker Flaten am Bass und Kjell Nordenson an den Drums zur ursprünglichen Trio-Besetzung dieses Projekts zurück gekehrt, mit der im Jahr 2004 alles begann. Zu diesen Aufnahmen traf man sich für drei Tage im angesagten Club namens SMUP des portugiesischen Städtchens Parede, nahe Lissabon.
 
Was dort vor Publikum aufgeführt wurde ist eine Musik, die nahe an dem ist, was als Markenkern des Jazz bezeichnet werden könnte: oft rau und hochenergetisch, eruptiv gar, mit ungestümen, ausufernden und sehr freien Improvisationen des Solisten. Sein tiefes, fast existentielles Ringen um und mit jedem Ton ist in allen Momenten spürbar. Zusammengehalten wird dieser wilde Parforceritt von seinen beiden Mitstreitern, welche die ins Epische ragenden Stücke (unter zehn Minuten Dauer ist da fast nichts zu machen, gerne auch das Doppelte) mit einem grob gewebten aber stets groovenden Rhythmusteppich bravourös zusammenhalten, sich aber auch immer wieder einige Freiheitsgrade gönnen. Als Hardcore-Punk-Bop könnte man das bezeichnen, wenn man denn eine Kategorisierung dringend bräuchte.

Das klingt zunächst schwer zugänglich und anstrengend und man muss sich tatsächlich fragen, ob eine solche Musik nicht im schwitzig-schwülen Jazz-Club viel besser aufgehoben ist als auf einer Tonkonserve im heimischen Wohnzimmer. Aber dann entwickelt sie einen solchen Sog, dass man sich nur noch wünscht, dass die restlichen Familienmitglieder alsbald mal das Haus verlassen, damit man sich diesem Ereignis in konzertähnlicher Atmosphäre, also in voller Lautstärke bei einem kühlen Bier und gedimmtem Licht gänzlich widmen kann. Der überraschend trockene und präzise Livesound tut sein übriges dazu, ein bisschen von Parede nach Hause zu holen. (stv)



Siehe auch:
Martin Küchen
Ingebrigt Håker Flaten

Scorch Trio

Fire!


 Angles 3: Parede

Audio-Link

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Lotte Anker: What River Is This
( 2014, ILK /VME ILK226CD )

Nach relativer Abwesenheit während der letzten Jahre tritt die Grande Dame des dänischen, ach was europäischen Saxofons mit drei zeitgleich erscheinenden Alben wieder auf den Plan und gibt den Ton an. Einfach macht sie es ihrem Publikum nach wie vor nicht. Neben den reduzierten, schwebenden Duoalben mit Elektroniker Jakob Riis (»Squid Police«) und Gitarren-Soundartist Fred Frith (»Edge Of The Light«) tritt Anker mit dem beim Huddersfield Contemporary Music Festival 2010 uraufgeführten Auftragswerk »WHAT RIVER IS THIS« in die ILK-Labelfamilie ein, also in jene Generation und Sektion der dänischen Jazzszene, die im besten Sinne die von ihr mitgeprägten Stilistik fortschreibt.

Vom ersten, gut zehn Minuten langen Meisterstück »Indifferent Moon« an ist offensichtlich, wie tief die Inspiration und der gegenseitige Respekt rühren. Ankers mit »Stars« der freien Musikszene und angrenzender Genres gespicktes What River Ensemble interpretiert den stilübergreifenden Klangkosmos von Ankers zehnteiliger Suite brillant: Neben Fred Frith, Phil Minton (voc), Ikue Mori (electr) und Chris Cutler (dr, perc) vervollständigen der lose zur ECM-Familie gehörige Bratscher Garth Knox und die ebenfalls in der »Neuen Musik« aktiven Anna Klett (cl) und Jesper Egelund (b) das Oktett. Zwar dienen als Thema und Inspiration die Texte »The sleeping and the awake« der Poetin Ursula Andkjær Olsen, sowie Fragmente von Jorge Luis Borges, doch musikalisch ist das letztlich nicht entscheidend. In stetig unvorhersehbarer, ja, oft auch rätselhafter Kreuzung aus »greifbaren«, poetischen komponierten und wahrlich frei improvisierten, oft atonalen Teilen jenseits von Zuschreibungen, immer wieder aufgegriffen von Mintons zwischen Vortrag und lautmalerischer Dekonstruktion changierender Stimmfantasie, will man, einmal entflammt, die Frage »WHAT RIVER IS THIS« immer wieder von neuem zu lösen versuchen. Eine superbe Begegnung großer, ebenbürtiger Künstler der Freien Musik. Streckenweise ziemlich schräg und keinesfalls für Jazzneulinge zu empfehlen, aber hochgradig faszinierend. (ijb)



Siehe auch:
Lotte Anker & Jakob Riis
Copenhagen Art Ensemble

Garth Knox mit Frode Haltli

Santos Silva, Anker, Sandell, Zetterberg & Fält


Lotte Anker: What River Is This

Audio-Link Offizielle Website

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Arashi: Jikan
( 2019, PNL Records PNL045 7041880997519 )

Der Name Arashi stammt von einem legendären Album, 1977 in Zusammenarbeit zwischen dem Trio des Pianisten Yōsuke Yamashita (山下 洋輔) und 大駱駝艦 alias Dairakudakan, einer der renommiertesten Butoh-Tanzgruppen, entstanden. Akira Sakata (坂田 明), 1945 in Kure, Hiroshima, geboren, zählt in Japan zu den einflussreichsten Free-Jazz-Musikern (Bassklarinette, Altsaxofon, Piano) und war von 1972 bis 1979 Teil des Yōsuke Yamashita Trios und damit bereits 1977 an »ARASHI« beteiligt. Nun, 40 Jahre später, ist er Teil eines Trios, das Arashi als Bandnamen wählte, 2013 mit Schlagzeuger Paal Nilssen-Love und Bassist Johan Berthling (FIRE!) im Rahmen des Molde Jazz Festival ins Leben gerufen. Nach zwei Alben beim Wiener Label Trost Records ist »JIKAN« nun ihr erstes bei PNL, aufgenommen wurde es am 11. September 2017 im Pit Inn Club in Tokio.

Bei einer Band mit Nilssen-Love als Mitglied ist natürlich klar, dass das »Free« größer geschrieben wird als der »Jazz«, und so beginnt die kraftvolle Live-Platte mit einem Stück, das ebenso gut aus der Free-Improv-Szene Japans der 1970er stammen könnte, Sakatas raunender japanischer Gesang prägt sowohl die ersten 12 Minuten der CD als auch spätere Passagen, wobei sich die Musik gerne in vergleichbar atonale, geräuschhafte Exkursionen versteigt, sehr frei, wie gesagt. Dazwischen gibt es etwas kürzere Stücke, die einerseits an die unbändige Noise-Rock-Jazz-Energie anknüpfen, für die man Nilssen-Love vorrangig kennt, andererseits aber auch mit ungewohnt sanften, melodischen Momenten überraschen. »JIKAN« ist, wie es sich für eine echte Free-Jazz-Truppe dieses Kalibers gehört, von mitreißender Spielfreude und rastloser Experimentierlust geprägt. (ijb)



Siehe auch:
Large Unit
Extra Large Unit

FIRE!

Andreas Söderström & Johan Berthling


 Arashi: Jikan

Audio-Link Video-Link

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Atomic: Pet Variations
( 2018, Odin Records CD 9568 )

Mit für Jazzbands seltener Kontinuität existiert diese Band nun schon seit 2000, nach wie vor bewahrt sich das aus Norwegern und Schweden zusammengesetzte Quintett eine große Eigenständigkeit und klingt so fast gar nicht nach Nordeuropa. Ihre Haupteinflüsse sind eher Ornette Coleman und Charles Mingus, George Russell und Albert Ayler – entsprechend sind Atomic zwischen Modern Jazz und Free Jazz oder Avantgarde zu verorten, wenn’s denn sein muss.

Auf »PET VARIATIONS« haben sie sich ausschließlich mit Fremdkompositionen beschäftigt, abgesehen vom Titelstück, dass vom Pianisten Håvard Wiik stammt, allerdings in Brian Wilsons »Pet Sounds« übergeht: Ein Beach Boys-Stück hätte man bei Atomic nicht unbedingt erwartet. Das trifft auch auf Kompositionen von Edgar Varese und Olivier Messiaen zu, darüber hinaus haben sie bei Steve Lacy, Jimmy Giuffre und Garbarek zugegriffen – mit beeindruckendem Ergebnis. Fredrik Ljungkvist (Tenor- und Baritonsaxophone und Klarinette), Trompeter Magnus Broo, Ingebrigt Håker Flaten am Kontrabass, Drummer Hans Hulbækmo und der erwähnte Wiik bearbeiten das Material unterschiedlich stark, aber immer so, dass etwas völlig Neues dabei herauskommt. Alle fünf Musiker sind Großmeister, auf »PET VARIATIONS« ist diese Band in jedem Fall mehr als die Summe seiner Teile. (tjk)



Mehr CDs von Atomic



Siehe auch:
Fredrik Ljungkvist
Magnus Broo

Ingebrigt Håker Flaten


 Atomic: Pet Variations

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Augur Ensemble: The Daily Unknown
( 2013, Bottom Records /Eclipse Music bott03 )

Aus dem FM Trio, in dem Kontrabassist Kaspar von Grüningen und Pianist Fabian M. Mueller seit sieben Jahren spielen, formierten die beiden Schweizer dieses Sextett, das ein paar Norweger und Schweden vervollständigen. So frei wie die Musiker zwischen den Ländern wandeln, so wunderbar leichtfüßig bewegt sich auch ihr Debütalbum zwischen (klassischer) Kammermusik, Avantgarde-Ensemblestücken und (Free) Jazz. Das ist nicht sofort eingängig, aber in den besten Momenten (und derer gibt es viele) und vor allem aufgrund der Melodien von Piano und Trompete (Erik Dørsdal) sehr greifbar, wobei Cello (Anni Elif Egecioglu) und Violine (Simon Heggendorn) oft für emotionale Dichte sorgen.

Das geht mal soweit, dass man zwischendurch meint, ein Stück von Esbjörn Svensson in einer neuen Interpretation zu hören. Fließend zwischen dunkel melodischen und frischen rhythmischen Passagen, zwischen denen man oft das Gefühl verliert, zu welchem Grad man Improvisationen folgt oder komponierte Kammermusik hört, erinnert das multinationale Ensemble markant an die Veröffentlichungen des dänischen Labels ILK Music oder etwa an Christian Wallrumrøds Ensemble - und beweist enormen Abwechslungsreichtum, was Tempi, Arrangements und Stilmittel betrifft. (ijb)



Siehe auch:
Christian Wallumrød Trio
Lars Andreas Haug Band

ILK Music: The Living Room

Esbjörn Svensson


 Augur Ensemble: The Daily Unknown

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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