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Lange Rezensionen 21 - 30 von 347 im Genre »Jazz« und Land »Norwegen« (insgesamt 621)

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Dag Arnesen; Terje Gewelt & Pål Thowsen: Time Enough
( 2005, Taurus Records / Gemini TRCD 845 )

Dag Arnesen (Klavier) und sein Trio mit Terje Gewelt (Bass) und Pål Thowsen (Schlagzeug) müssen hier nicht näher vorgestellt werden. Schier endlos gerät die Liste norwegischer und internationaler Musiker-Größen, mit denen die Drei im Laufe ihrer Karrieren zusammengearbeitet haben, ohne es jedoch selbst in die vorderste Reihe geschafft zu haben.

Glücklicherweise ist bei ihrer ersten Zusammenarbeit aber keinerlei abgebrühte Studioroutine zu hören. Vielmehr ist ihnen ein sehr frisches, meistenteils zupackendes Album gelungen. So können wir etwa im ersten Titel hören, wie ein zunächst nordisch anmutendes Thema in einen wunderbaren Flow gerät, um schließlich latin-inspiriert zu enden. Was folgt, ist ein ziemlich gut aufgenommener zeitgenössischer Trio-Jazz, der sich freilich den stilistischen Grenzen nicht nähert oder sie gar dehnt. Dennoch gelingt ihnen dieser Auftritt deutlich energischer als die später folgenden »Norwegian Song«- Episoden, wohl auch, weil diesmal keine Volkslieder die Song-Grundlage bilden, sondern ausschließlich von Arnesen stammende Kompositionen.

Eine Solo-Piano-Nummer, die Andersen schrieb, nachdem er eine seiner Katzen einschläfern lassen musste, beschließt das Album. Dass dem Hörer während dieser CD das gleiche Schicksal widerfährt, darf indes ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Das Album hat vitalisierende Wirkung. (stv)



Mehr CDs von Dag Arnesen & Terje Gewelt & Pål Thowsen



Siehe auch:
Dag Arnesen Trio
Terje Gewelt

Radka Toneff

Needlepoint


Dag Arnesen: Time Enough

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Hilde Louise Asbjørnsen: Sweet Morning Music
( 2014, Grappa /Musikkoperatørene GRCD 4468 )

In Europa ist Hilde Louise noch sträflich unbekannt, in ihrer norwegischen Heimat sieht es anders aus. Zumindest ist »SWEET MORNING MUSIC« schon ihre neunte CD. Inzwischen hat sie sich auch eine eigene Nische gebuddelt: sie verquickt Pop mit Swing bzw. Jazz der 20er bis 40er Jahre, dazu eine kräftige Prise Cabaret.

Das macht sie richtig gut: »When You Are Gone« kommt gleich recht schräg mit Klarinette (Atle Nymo) und Orgel (Anders Aarum) nebst Text, »Gjer Det Igen« mit norwegischem Gesang ist sehr lässig mit Fingerschnipsen und schwebender Gitarre. An »Tea For Two« erinnnert der Beginn von »The Room«, aber Hilde Louise bricht die Idylle schnell, der Song wird düsterer. Hier gibt es auch eines der wenigen wirklichen Instrumentalsoli: Bassist Jens Fossum zeigt sein Können. »It Ain’t Friday« erinnert fast an die glorreichen B-52’s. Kitsch kann sie auch: »Wartime« wirkt aber nur aufs erste Hören so. Ganz fein auch die Ballade »It’s Gonna Rain Again«, da zeigt sie ihre jazzigere Seite, ebenso im swingenden »Tell Me Tomorrow«. Eine sehr bunte CD, im Gegensatz zum schwarz-weißen Cover. Die Dame kann’s! (tjk)



Mehr CDs von Hilde Louise Asbjørnsen



Siehe auch:
Jens Fossum

Hilde Louise Asbjørnsen: Sweet Morning Music

Offizielle Website

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Asmundsen & Co.: Pastor‘n
( 2017, Losen Records LOS 167-2 )

Einer der bekanntesten Jazzmusiker Norwegens war und ist Einar Iversen, der 1930 in Mandal geboren wurde und seit Mitte der 50er Jahre die norwegische Jazz-Szene mitprägte – diverse Preise und ein Ritterschlag waren sein Lohn. In den 60er Jahren begleitete er Stars wie Coleman Hawkins, Dexter Gordon, Lucky Thompson oder Johnny Griffin auf deren Tourneen durch Nordeuropa. Selbstverständlich hat er auch LPs und CDs unter eigenem Namen veröffentlicht und eine Reihe Stücke geschrieben. Der Albumtitel »PASTOR’N« ist Iversens Spitzname.

Den Stücken Iversens angenommen hat sich nun Tine Asmundsen: Die Kontrabassistin hat selbst ein paar Jahre mit dem Pianisten gespielt und zwei seiner CDs produziert und wollte nun etwas von dem, was sie von ihm gelernt hatte, zurückgeben. Dafür hat sie ein Quintett zusammengestellt aus Musikern, die schon in den 70ern aktiv waren, wie Rune Klakegg (Piano) und Vidar Johansen (Tenorsaxophon), und zwei Youngstern des norwegischen Jazz: Terje Engen (Drums) und Magnus Aanestad Oseth (Trompete und Flügelhorn) gehören zu den derzeit gefragtesten Musikern in Oslo.

Natürlich ist Iversen kein Neuerer, seine Kompositionen sind klassischer moderner Jazz mit nur leicht nordeuropäischem Einschlag. Tine Asmundsen widmet sich den Stücken mit Respekt und Sympathie, das Quintett spielt mit Herzblut und Können. Die Arrangements erinnern an die Aufnahmen der guten alten dänischen Jazzer der 70er und 80er auf Steeplechase. Die Hommage an »PASTOR’N« ist absolut gelungen, da gibt’s nichts zu meckern! (tjk)



Siehe auch:
Rune Klakegg
Krupka Trio


 Asmundsen & Co.: Pastor‘n

Offizielle Website

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Knut Bjørnar Asphol: Wilderness Exit
( 2013, India Records 471138-2 )

»WILDERNESS EXIT« führt im ersten Teil erst einmal den eingängigen, Ambient-Jazz mit elektronischem Anstrich von »Mnemonic« fort, auch indem jedes Stück mit einem anderen Stargast aufwartet (Helge Lien, Nils Petter Molvær, Stian Carstensen). Der Eindruck von »Kennwadochschon« kommt auf, und etwas Enttäuschung stellt sich ein. Doch dass Asphol einen stärkeren Band-Ansatz verfolgt als noch beim stärker DIY-angelegten »Mnemonic«, tut gut: Bassist Westergaard und Drummer Lofthus verleihen einigen Songs knackige Rhythmuspassagen.

Und dann erweitert Asphol seinen Kosmos gegenüber dem Vorgänger mit beeindruckenden Farben und Stilen. Richtig spannend wird's im zweiten Teil, wenn der Gitarrist mit indischen Musikern in über zehn Minuten langen Stücken die große Verbindung verschiedener Welten anstrebt. Da schwingt sich »WILDERNESS EXIT« zu so vielschichtigen wie unverhofften Höhen auf und erfüllt, was »Mnemonic« vage zu versprechen meinte.

Mantraartige Streicher oder facettenreiche Kompositionen, die nicht sofort zu durchschauen sind, aber sofort faszinieren: Die beiden längsten Stücke (4+5) sind die besten. Dass Asphol leider manchmal noch immer zu sehr in die Klischeekiste von Mainstream-E-Gitarren-Schmalz und mittelasiatischen Melodien greift (auch Titel wie »Superorganic« sind da streitbar), wirft die Frage auf, ob es die richtige Entscheidung ist, alles selbst zu produzieren, aufzunehmen und zu mixen. Der Blick einer fordernden und filternden Regie könnte Asphols nächstes Album zu einem Sprung ganz nach oben werden lassen. (ijb)



Mehr CDs von Knut Bjørnar Asphol



Siehe auch:
Ragatronic (Harpreet Bansal & Knut Bjørnar Asphol)
Nils Petter Molvær

Helge Lien

Stian Carstensen


Knut Bjørnar Asphol: Wilderness Exit

Audio-Link Video-Link

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Astro Sonic: Come Closer And I'll Tell You
( 2013, Hubro /Musikkoperatørene HUBROCD/LP2530 )

Die Jungs des bereits seit 2008 bestehenden Trios Astro Sonic kennt man sonst eher mit verschwurbeltem Elektro-Avantgarde-Jazz auf dem Label Gigafon oder seit Jahren mit lärmigem Post-Retro-Jazzrock in den Rune-Grammofon-Bands Bushman’s Revenge bzw. Grand General. Ihre gemeinsame Debütplatte fällt somit fast zwangsläufig stilistisch adäquat in die Mitte zwischen jenen Stilanwandlungen. Während Erlend Slettevoll mit Rhodes, Moog und Prophet V schöne analoge Orgelkaskaden dahinimprovisiert, toben sich die multiaktiven Bastler Gard Nilssen und Rune Nergaard (sonst aktiv in Lord Kelvin, Puma, Scent Of Soil, Team Hegdal usw. usf.) an diversen Rhythmusgerätschaften, Elektronik, Vibrafon und Tablamachine aus.

Es geht also munter und abwechslungsreich zu — dabei jedoch auffallend selten laut und kraftvoll. Der Freude am Machen steht ein phasenweise seltsam unnahbar fragmentiertes Album gegenüber. In den 35 Minuten darf man gerne in sanft mäandernde bis experimentell ambiente Klangbilder eintauchen, aber zwischendurch auch mal frisch aufgeweckt aufhorchen und ein bisschen mitwippen. Wie der Titel schon sagt, verlangen die elf Stücke oftmals ein gewisses Entgegenkommen seitens des Publikums. Nicht jeder Track ist so unmittelbar eingängig wie die schwungvolle Krautrocknummer »The Electric Airbag Police«. Mit »COME CLOSER AND I’LL TELL YOU« soll wohl gleichermaßen ein Versprechen wie ein Aufruf zur Vorsicht gemeint sein. (ijb)



Siehe auch:
Bushman's Revenge
Grand General

Lord Kelvin

Scent Of Soil


 Astro Sonic: Come Closer And I

Audio-Link

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Audun Trio: Rondane
( 2017, Losen Records LOS 191-2 )

Das Audun Trio sind drei junge Männer aus Norwegen, und ihr gemeinsamer Bandname ist, ungewöhnlicherweise, tatsächlich der Vorname des Pianisten, der einen großen Teil der Stücke schrieb und mit seinem emotional-melodischen Spiel die sieben Nummern der CD markant prägt. Mit Audun Barsten Johnsen hören wir Håkon Norby Bjørgo am Bass und Magnus Sefaniassen Eide am Schlagzeug. Eine traditionelle Konstellation also, und auch ihr Ansatz ist ein vorrangig »klassischer«, zwischen dem bekannten melodischen »Nordic Jazz« und dem latent nordamerikanischen Einfluss aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Der Titel »Ragtime« weist sogar spezifisch auf eine bestimmte Vergangenheit der Jazzgeschichte hin.

Gleichwohl klingt ihr Debütalbum gar nicht altbacken, ist es auch relativ frei von besonderen Überraschungen oder neuen Ideen. Es schön zu hören, dass sich das Audun Trio keinesfalls angestrengt oder auf Teufel komm raus innovativ geben muss; ihre Stücke sind nämlich durchaus gelungen und ihr Spiel auf hohem Niveau; gefällt, unterhält und ist nicht banal. Der Titel »RONDANE« verweist, wie das starke Coverfoto von Bjørn Lindgren unterstreicht, auf den faszinierend schönen Nationalpark im Herzen des Landes. Ob die Musiker beim Schreiben oder Spielen an die intensive Natur ihrer Heimat dachten? Man weiß es nicht, aber das Foto passt sehr gut, und es ist zu hoffen, dass diese Norwegern häufig nachgesagte Neigung, sehr mit »ihrer« Natur verbunden zu sein, ihrem einnehmenden Debüt zu etwas Aufmerksamkeit verhilft. (ijb)



Mehr CDs von Audun Trio



Siehe auch:
Helge Lien Trio

 Audun Trio: Rondane

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Eivind Austad Trio: Moving
( 2016, Ozella Music /Galileo OZ 061 CD )

Pianist Eivind Austad und sein Trio sollen in Norwegen schon seit 15 Jahren zur »jungen Jazz-Szene« (Zitat Presseinfo) zählen – eigentlich ein bisschen widersprüchlich, und so ganz jung sehen die drei auch nicht mehr aus, mit ihren kahlen Köpfen. Schätzen wir Austad, Bassist Magne Thormodsæter und den vor allem aus mehreren, auf Bolage veröffentlichten Bands bekannten Schlagzeuger Håkon Mjåset Johansen mal auf Anfang bis Mitte vierzig. Doch immerhin erscheint nun das Debüt des Trios, mit sechs Stücken aus der Feder des Leaders und zwei hübschen Fremdkompositonen.

»MOVING« ist vielleicht nicht der fantasievollste Titel (manch einer denkt direkt an Bugge Wesseltofts Album), und der traditionelle »Nordic« Jazz, mit dem sich die jungen Herren international vorstellen, birgt weitgehend auch keine besonderen Überraschungen, sondern reiht sich grundsolide in die Reihe vieler ähnlicher Trios ein. Zwar spielen die drei sehr gekonnt, nutzen manche feine kompositorische Finesse versiert, man hört die sichere Hand – hier sind keine Neulinge am Werk, schon schön, wie manches Stück bis über sieben, acht Minuten die Spannung hält und auch mal andere Stile durchscheinen lässt – doch ist auch etwas schade, dass die eigenen Nummern trotz ihrer Gewandtheit so wenig memorabel ausgefallen sind.

Als Dreingabe hören wir, als Abschluss der CD, Cole Porters »All of you« und David Bowies »Life on Mars?« Da die Aufnahmen bereits im Dezember 2015 eingespielt wurden, ist eine Reaktion auf den Tod des Urhebers auszuschließen, und doch kann man festhalten, dass ihnen in diesem letzten Stück eine schöne eigene Interpretation gelingt, die zudem auf sanfte Art anrührt. (ijb)



Mehr CDs von Eivind Austad & Trio



Siehe auch:
Håvard Stubø Quartet
Stubø, Franck & Johansen

IPA


Eivind Austad: Moving

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Magnus Bakken Quartet: Cycles
( 2015, AMP Music & Records AT005 )

Magnus Bakken gehört zu einer ganz jungen Generation von Jazzmusikern in Norwegen, die einen neuen Weg gehen und sich eher am internationalen zeitgenössischen Jazz orientieren denn an einer Klangästhetik, die als »typisch norwegisch« bezeichnet wird. Der Tenor- und Sopransaxophonist Bakken hat in Berklee und Oslo studiert und legt mich »CYCLES« ein bemerkenswert reifes Album vor – man bedenke: Der Mann ist Jahrgang 1991!

Schon das über 10-minütige Titelstück, das die CD eröffnet, birgt sämtliche Qualitäten von Bakken wie der Band. Bakken schreibt mit viel Phantasie und hat einen klaren Klang im Blick. Nach fast drei Minuten der gesamten Band bricht das Stück auf, Pianist Jørn Øien übernimmt allein, bis die Band wieder reinkommt. Verschiedene Zwischenmelodien und Passagen führen den Hörer auf immer neue Pfade, aufmerksames Hören empfiehlt sich. Mehrere Stücke sind über 10 Minuten lang, in diesen können sich auch Christian Meaas Svendsen (b) und Jon Audun Baar (dr) auszeichnen: Das Quartett ist hervorragend eingespielt. Zudem hat Bakken sich einen Stargast eingeladen – George Garzone war Freund und Mentor des Norwegers in Berklee, selbstverständlich hat dieser einige Soli beizusteuern. Bakken selbst spielt ziemlich kraftvoll, es macht wirklich Freude, ihm zuzuhören! (tjk)



Siehe auch:
Jørn Øien Trio
Christian Meaas Svendsen

Ninjabeat

Nakama


Magnus Bakken: Cycles

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Rebekka Bakken: Things You Leave Behind
( 2018, Okeh /Sony 190758763729 )

Endlich, endlich wieder eine wirklich grandiose CD von Rebekka Bakken! Auf »THINGS WE LEAVE BEHIND« konzentriert sich die Norwegerin auf ihre eigenen Songwriter-Qualitäten, völlig zu Recht: Mit »Closer« eröffnet sie gospelig-düster, »Black Shades« könnte auch von Tom Waits stammen – eine gewisse künstlerische Seelenverwandtschaft ist hier unverkennbar. »I prefer my men in shirts / Come what may what comes my way« - nach mehreren Jahren Chaos in ihrem Leben kann sie nun einiges hinter sich lassen: »Go and rest your mind / Go and find peace / Go and find your true north / Though it won’t be me« singt sie in »True North« ihrem Verflossenen zu, und nun kann sie zu neuen Ufern aufbrechen – was in ihrem Fall heißt: zurück nach Norwegen, neuer Mann und sogar ein Kind: »You know I’m Norwegian / I like my men on ice«.

Und was hat sie für Songs geschrieben! Sie klingt zerbrechlich und melancholisch, fast kaputt hier und da – aber ebenso kraftvoll und optimistisch. »Yankee Days« und der Titelsong sind phantastisch, auch »Black Shades« und »Shelter«. Gegen Ende kommen zwei, drei schwächere Songs, aber dafür entschädigt ein wunderschönes Cover von Cindy Laupers »Time After Time«. Geholfen haben ihr Jesper Nordenström (Tasteninstrumente), Johan Lindström (Saiteninstrumente) und Rune Arnesen (Schlaginstrumente) nebst ein paar Gästen. Auf jeden Fall ist dies die beste CD von Rebekka Bakken seit langem – und ihre Stimme ist immer noch zum Niederknien. (tjk)



Mehr CDs von Rebekka Bakken


Zum Artikel über Rebekka Bakken


Zur Konzertkritik über Rebekka Bakken

Rebekka Bakken: Things You Leave Behind

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Jon Balke & Magnetic North Orchestra: Magnetic Works 1993-2001
( 2 CDs, 2012, ECM /Universal ECM2182/83 )

Bei ECM gilt bekanntlich: Gute Musik ist zeitlos. Daher kann man bei dieser Zusammenstellung weder von einem »Best of« noch von einer Retrospektive sprechen. Die letzte (veröffentlichte) Aufnahme des Magnetic North Orchestra liegt bereits neun Jahre zurück, und eine ebenso lange Zeitspanne umschließt diese neu geordnete Zusammenstellung eines großen Teils der ersten drei MNO-Alben. Unter dem viel versprechenden programmatischen Titel »Further« entstand im Juni 1993 Balkes erstes ECM-Album nach dem Ende von Oslo13, wofür er einige ältere Weggefährten (Kleive, Jørgensen, Brunborg, Halle), Trompeter Jens Petter Antonsen sowie vor allem Anders Jormin und Marilyn Mazur und obendrein drei Streicher zu einem elfköpfigen Ensemble vereinte, mit denen er neue Wege zwischen komponierter und improvisierter Musik auslotete und als Leader und Komponist mit einer Reihe gestalterischer Fragen experimentierte.

Auf dem Nachfolgealbum »Solarized« wurde 1998 Antonsen von Arve Henriksen ersetzt, und das Cikada String Quartet kam direkt von Balkes »Rotor« mit. Diese einzige nicht bei ECM veröffentlichte CD, die Balke damals ausnahmsweise nicht auf dem Cover nannte, konnte man in den letzten Jahren nur noch als Sammlerstück erwerben, und so findet sich hier - mit Ausnahme eines Stücks - das komplette Album wieder. Eine sinn- und wertvolle (Wieder-)Entdeckung, ist es trotz expressiver Melodik letztlich das »schwierigste«, experimentellste der MNO-Werke, wobei es, bemerkenswerter Weise, in diesem Zusammenhang aber fast noch eingängiger erscheint als einst als alleinstehende Platte.

Für »Kyanos« verschlankte Balke das MNO aufs Kernteam, ein Septett mit Cellist Svante Henryson als einzigem Neuzugang und Streicher im Ensemble. Die deutlich verhaltenere, atmosphärische Stimmung integrierte erstmals vorsichtig Elektronik (siehe auch CD-Rezension unten). Dass die Anthologie hier endet, ist einerseits schade, ergibt aber Sinn, wenn man bedenkt, dass Jon Balke danach sowohl mit dem (fast) komplett umbesetzten MNO als auch auf bisher zwei Batagraf-Alben einen Richtungswechsel hin zu mehr Rhythmus und weltmusikalischem Einfluss verfolgte. Wie das jüngst wieder formierte MNO zwanzig Jahre nach der Gründung klingt, bleibt daher eine hochspannende Frage. Hoffentlich bald bei Balkes Hauslabel ECM. (ijb)



Mehr CDs von Jon Balke & Magnetic North Orchestra



Siehe auch:
Jon Balke | Batagraf
Cikada String Quartet

Marilyn Mazur

Anders Jormin


Jon Balke: Magnetic Works 1993-2001

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