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Lange Rezensionen 341 - 350 von 352 im Genre »Jazz« und Land »Norwegen« (insgesamt 632)

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Welo/Welo Quartet: Harvest Time
( 2019, Losen Records /In-Akustik LOS234-2 )

Man kann von diesem Album durchaus eine Verbindung zu jenem »musikalischen Rechenfehler« mit dem Titel »1+1=3« ziehen, der ebenfalls aus dem Hause Losen stammt und den wir erst neulich besprachen. Hierbei unternahm das diensthabende Trio (Fredrik Sahlander, Geir Åge Johnsen und Bernt Moen) den Versuch, Klassiker des Jazz in einem neuen, renovierten Sound erstrahlen zu lassen.

Das Welo/Welo Quartet geht nun genau den umgekehrten Weg: Es spielt fast ausschließlich Eigenkompositionen. Diese klingen aber so, als seien sie als gut abgehangene Standards geradewegs dem Real Book entsprungen. Das ist es dann aber auch schon. Den beiden Welos – es handelt sich dabei um den Pianisten Tor und seinen Saxofon spielenden Sohn Ola – gelingt es nicht, dieser Musik etwas Eigenes oder gar Einzigartiges anzuheften. Auch die beiden übrigen Mitspieler, Lars Tormod Jenset am Bass und Martin Wister am Schlagzeug – mithin gestandene Studio-Profis – schaffen das bei allen handwerklichen Fähigkeiten nicht. Wer sich beispielsweise mit den Saxofonisten-Protagonisten dieses Genres befasst hat, exemplarisch sei der frühe Joshua Redman genannt, der hat das alles leider schon x-fach gehört. (stv)



Siehe auch:
Fredrik Sahlander, Geir Åge Johnsen, Bernt Moen
Espen Eriksen Trio

Niels Lyhne Løkkegaard


 Welo/Welo Quartet: Harvest Time

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Bugge Wesseltoft: Everybody Loves Angels
( 2017, ACT /Edel 9847-2 )

Seit einiger Zeit ist im Jazz Usus, was Jahrzehnte lang fast nur von Pop- und Rockinterpreten praktiziert wurde: Musiker, ob solo oder in Gruppen, übertragen die zwischenzeitlich in den Kanon aufgenommenen Chart-Hits aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Jazz-Kontexte. US-Pianisten wie Hancock (»THE NEW STANDARD«) oder Mehldau (»THE ART OF THE TRIO«) haben hier mit ihren Lesarten früh Standards gesetzt.

Nachdem er auf seinem Bestseller »IT'S SNOWING ON MY PIANO« und der als Nachfolger gemeinten Duo-CD »LAST SPRING« vorwiegend überliefertes norwegisches Material interpretierte, auf »IM« eigene Stücke am Piano mit anderen Klangideen verknüpfte und sich auf »PLAYING« erstmals daran wagte, vorsichtig ein paar jüngere Evergreens zwischen seine leise improvisierten Stücke zu streuen, legt Bugge Wesseltoft mit »EVERYBODY LOVES ANGELS« nun so etwas wie sein erstes veritables Alterswerk vor.

Die elf Stücke (darunter nur eine zwei Minuten kurze Vignette aus eigener Feder) sind famos ausgewählt (Cat Stevens, Dylan, Jagger/Richards, Paul Simon, Bruno Mars, Lennon/ McCartney, J.S. Bach...) und tatsächlich fast ausschließlich weit über Gebühr gehörte, ja: Schlager. Doch indem Bugge sich im Februar 2017 für die Aufnahmen in die weit nördlich des Polarkreises gelegene Lofot-Katedrale zurückgezogen hat, gelang es ihm, aus der Stille heraus diese Evergreens von Grund auf neu erfahrbar zu machen. Dabei geht er eben nicht den direkten Weg, den sein finnischer Labelkollege Iiro Rantala mit seinem eher unterhaltsamen, leidenschaftlichen Pop-Ansatz vorgelegt hat; eher erinnert Bugges Variante an die introvertierten und sehr bewegenden Aufnahmen von Kirsti, Ola & Erik oder Hilde Hefte: die Songs auf ihre Essenz reduzieren und von da aus neu hören, ohne dynamische Extreme neu entdecken, als wären es unbekannte Melodien. Man braucht nur seine geradezu geniale Version von Jimi Hendrix' »Angel« zu hören; mehr bleibt da nicht zu sagen. (lha)



Mehr CDs von Bugge Wesseltoft



Siehe auch:
Iiro Rantala
Kirsti, Ola & Erik

Hilde Hefte

Bugge & Henning



Zum Artikel über Bugge Wesseltoft

Bugge Wesseltoft: Everybody Loves Angels

Offizielle Website

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Bugge Wesseltoft | New Conception of Jazz: New Conceptions of Jazz Box
( 3 CDs, 2008, Jazzland /Universal 1788023.24.25 / +DVD )

Nach zwölf Jahren NCOJ machte Bugge den Deckel wieder zu und wandte sich neuen Herausforderungen und Projekten zu. Doch das im Januar 1994 ins Leben gerufene, personell wechselnde Ensemble bleibt bis auf weiteres Wesseltofts bekanntestes Projekt, mit fünf Alben und zahlreichen Konzerten rund im den Globus. Kaum jemand, der sich für »Nordische Musik« interessiert, dürfte in den letzten zwei Jahrzehnten um die wegweisende »New Conception of Jazz« herumgekommen sein. Die 3CD+1DVD-Box dient gleichermaßen als Rückblick wie als Lückenschließer für alle, die verspätet auf NCOJ aufmerksam wurden bzw. werden: Ein Patchwork aus »Best of«, Albumtracks, Alternativfassungen, Outtakes und sehr viel Live-Material, welches CD3 und die DVD ausfüllt. Schwerpunkt liegt dabei auf der Phase zwischen den Alben »Moving« (fast komplett vertreten) und »Live«.

Die - in einem bestimmten Rahmen - enorme Vielseitigkeit beeindruckt nach wie vor: Jedes Album trumpfte mit starkem, eigenen Charakter auf; besonders »Film'ing« hätte in der Rückschau eine positivere Rezeption verdient, doch selbst Bugge packte kein einziges (Original-)Stück jener CD in diese Box, nur einen Chilluminati-Remix und eine vorher unveröffentlichte, reduziert-akustische Version des Duetts mit Dhafer Youssef, »Hope«. Dafür entschädigen die im Juli 2004 live in Montreux mitgeschnittenen 76 Konzertminuten umso mehr, wenngleich das Videobild hierbei fast vernachlässigt werden kann.

Komplett unveröffentlicht waren bislang die 2001 in Yokohama festgehaltenen Aufnahmen der »Moving«-Tour, die den Löwenanteil der Live-CD ausmachen; wobei allein verwundert, warum sowohl CD2 als auch CD3 mit »unreleased versions« von »Change (recorded live in Yokohama 2001)« in identischer Besetzung und bis auf wenige Sekunden Unterschied gleicher Länge beginnen. Nur Spezialisten werden die Unterschiede heraushören (wollen). Nicht vermerkt hingegen wurde, dass die Version von »Sharing« auf CD2 eine fast elf Minuten lange »extended version« ist und nicht der bekannte Albumtrack.

Der Querschnitt bietet einen vorzüglichen Überblick über Bugges Konzept »Wie kann Jazz heute aussehen, mit Mitteln der gegenwärtigen musikalischen Entwicklungen?«, wobei das Heute natürlich das Jahrzehnt 1995 bis 2005 meint. Seventies Rhodes-Sound meets Spät-Neunziger Drum&Bass, Elektronik trifft auf akustische Bass-und-Rhythmus-Gerüste... Die Zeit ist nicht stehen geblieben, auch NCOJ gehört bereits einer anderen Periode an, bleibt jedoch nachhaltig und wirkungsvoll. (ijb)



Mehr CDs von Bugge Wesseltoft & | New Conception of Jazz



Siehe auch:
Bugge Wesseltoft
Wesseltoft/Schwarz Duo

Sjur Miljeteig

OK World


Bugge Wesseltoft: New Conceptions of Jazz Box

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Yūgen: Jazzland Norway No.17 [o.T.]
( 2017, Jazzland /Edel 377 919 6 )

Irgendwer hat beim Nummerieren nicht aufgepasst... bzw. scheinbar das gesamte Jazzland-Team. Nachdem das Osloer Label Maria Kannegaards Live-Doppel-CD als Nr. 16 und das brillante Duoalbum von Greta Aagre und Erik Honoré als Nr. 17 der Reihe Jazzland Norway veröffentlichte, erschien das Debüt von Yūgen ebenfalls als Jazzland Norway No. 17. Ein Albumtitel wurde ansonsten nicht vergeben; das Cover zeigt ein wundervolles, zur Abstraktion neigendes Kirchenfensterfoto von Marthe Lea, doch sonst hält sich die Gestaltung der CD sehr bedeckt. Auf einem zweiten, unterbelichteten Foto lassen sich die Bandmitglieder, ein Stück vom Fotografen entfernt, vor einer dunklen Hecke stehend, mehr erahnen als erkennen.

Die spärlichen Informationen verraten, dass die zauberhaft geheimnisvollen, vermutlich recht frei improvisierten Yūgen-Stücke von Saxofonistin Marthe Lea und Violinist Håkon Aase eingespielt wurden; als special guest wirkte zudem Bassist Mats Eilertsen mit. Aufgenommen und gemischt hat die Platte Jan Erik Kongshaug. Marthe Lea, Absolventin der Jazzimprovisation an der Staatlichen Musikakademie in Oslo, greift auch mal zur Gitarre und setzt ihre Stimme ein, während Aase, den man u.a. als Teil des Experimentalensembles Filosofer oder in Thomas Strønens famoser Gruppe Time is a Blind Guide (ECM) sowie zuletzt in der Band von Silje Nergaard erleben konnte, auch Harmonium und Kantele spielt.

Es ist nicht das erste derart eigenwillige Projekt in der Jazzland Norway-Reihe, aber vielleicht das bislang interessanteste von diesen jungen Gruppen. In der latenten Märchenhaftigkeit erinnern Yūgen an Stein Urheim & Mari Kvien Brunvoll, doch Marthe und Håkon sind in all der kompositorischen Offenheit und assoziativen Freiheit doch stets greifbarer und dichter als Stein & Maris drei Alben. Dass ein Stück von György Ligeti geschrieben wurde und drei weitere als »traditionell« angegeben sind, passt da hervorragend. Yūgens Debütalbum mag kurz und mysteriös ausgefallen sein, doch es entfaltet einen Sog und erzählt von einem derart faszinierenden, Grenzen übergreifenden Blick auf die Welt, dass es einen lange gefangen nimmt. (ijb)



Siehe auch:
Håkon Aase mit Time is a Blind Guide
Mats Eilertsen

Filosofer

Stein Urheim & Mari Kvien Brunvoll


 Yūgen: Jazzland Norway No.17 [o.T.]

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Jacob Young: Forever Young
( 2014, ECM /Universal ECM 2366 )

Jacob Young bleibt der Spezialist für sanft loderndes Feuer: Das betrifft natürlich seinen Gitarren-Sound, der so klar und rein ist wie bei kaum einem anderen Saitenkünstler seit Jim Hall, ebenso seine Spielweise: Er kann zwar flinkfingrig über das Griffbrett huschen, nimmt sich aber lieber zurück. Über weite Strecken spielt er mit Nylon-Saiten, was dem Gitarren-Klang zusätzlich aparte Noten verleiht. Er pflegt melodische Linien und muss auch nicht ständig die anderen Musiker seiner Band bei deren Soli begleiten.

Womit wir schon bei den Musikern von »FOREVER YOUNG« sind: Trygve Seim ist schon seit langem an Youngs Seite und hat mit ihm auch schon in diversen anderen Formationen gespielt. Seim schafft den Spagat, den Melodiker zu geben und gleichzeitig so kraftvoll zu spielen, dass der Hörer merkt: Der könnte noch ganz anders! Muss er aber nicht. Zu diesen beiden Norwegern gesellt sich das vielleicht beste Piano-Trio des europäischen Jazz: Marcin Wasilewski (Piano), Sławomir Kurkiewicz (Bass) und Drummer Michał Miśkiewicz kennen sich seit über 20 Jahren und verstehen sich blind. Diese Kombination passt hervorragend, der Gitarrist und der Pianist ergänzen sich vortrefflich und kommen sich niemals in die Quere. Für Jacob Youngs Konzept ist das eine Traumbesetzung.

Seine Kompositionen entspringen nicht einem überbordend temperamentvollem Charakter, sind aber auch nicht von früherer Melancholie gezeichnet. Er schreibt teilweise recht einfache Melodien, die man beim zweiten, dritten Hören mitsingen kann. Auch beschränkt er die Harmonien gerne auf repetitive Vamps, über die er, Seim oder Wasilewski fein gesponnene Improvisationsnetze weben. »Beauty« steht exemplarisch für Youngs Klangkosmos, auch »Sofia’s Dance«, »We Were Dancing« und »I Lost My Heart To You« zeigen, dass Jacob Young nicht nur ein bemerkenswerter Gitarrist, sondern auch ein Komponist und Bandleader mit klaren Vorstellungen ist. (tjk)



Mehr CDs von Jacob Young



Siehe auch:
Siril Malmedal Hauge & Jacob Young
Jacob Young & Urban Gardening

Trygve Seim

Jakob Bro


Jacob Young: Forever Young

Offizielle Website

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Jacob Young & Urban Gardening: Jacob Young & Urban Gardening
( 2018, Oslo Session Recordings /In-Akustik OSR004 )

Was macht ein Musiker, der sich mit mehreren Alben auf Manfred Eichers Label ECM internationales Renommee verschafft hat, sich aber seinem Publikum auch mit sehr viel stärker geerdeter Musik präsentieren möchte? Er gründet sein eigenes Label. So geschehen bei dem norwegischen Gitarristen Jacob Young, der mit dem Projekt »Urban Gardening« seine mittlerweile vierte CD unter eigener Regie auf Oslo Session Recordings veröffentlicht.

Und dieses wäre beim heiligen Manfred wohl nicht durchgegangen: Dancefloor-Jazz, grooviger Funk und eine Prise R&B vereinen sich zu einer streckenweise explosiven Mischung, die zwar nicht immer punktgenau zündet, so aber doch über weite Strecken einen hohen Spaßfaktor besitzt. Interessanterweise wurde diese Musik von einigen »alten ECM-Hasen« wie etwa Knut Riisnæs und Øyvind Brække an der Bläsersektion eingespielt, zu denen sich aber auch ganz junge Talente gesellten, wie Rohey Taalah, die bei Jazzland zuletzt ein gefeiertes Debüt gab. Im zweiten Titel des Albums kann sie beim Deklamieren eines Charles-Bukowski-Gedichts Ihre ganze Coolness ausspielen. Die Zeile »If you‘re going to try, go all the way« ist dabei gar nicht mal so weit weg von Eichers Philosophie. Der zweiten Sängerin Siril Malmedal Hauge, mit der Young zuvor auf seinem Label ein feines Duo-Album veröffentlichte, bleibt es dann vorbehalten, den Outkast-Hit »Hey Ya« in einer fulminanten Coverversion zu singen - vielleicht der Höhepunkt der CD. Und Young selbst? Der brilliert mit mannschaftstauglichem Rhythmusgitarren-Spiel und setzt sich mit einigen feinen Soli gekonnt, aber nie penetrant in Szene.
 
Insgesamt fügt sich das alles zu einem Album, das über seine gesamte Länge hinweg die Spannung nicht ganz halten kann, vor allem, weil sich in dessen zweitem Teil eher konventionelle Modern-Jazz-Stücke aneinanderreihen und es mit einer Afro-Jazz-Nummer gegen Ende auch etwas zu einen Gemischtwarenladen wird, das aber unterm Strich dennoch ein Vergnügen ist. (stv)



Siehe auch:
Jacob Young
Knut Riisnæs

Trondheim Jazz Orchestra

Rohey


Jacob Young: Jacob Young & Urban Gardening

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Dhafer Youssef: Divine Shadows
( 2006, Jazzland /Universal 060249877224 )

Zugegeben: Dhafer Youssef ist kein Skandinaver; er ist neben Rabih Abou-Khalil und Anouar Brahem der wohl beste Oud-Spieler. Doch der seit 1990 in Europa lebende Musiker, der sich besonders durch seine Experimentierlust auszeichnet, hat für »DIVINE SHADOWS« ein norwegisches Dream-Team aus dem Dunstkreis von Nils-Petter Molvær und Bugge Wesseltoft um sich geschart. Folgerichtig veröffentlicht er die CD auf Wesseltofts für alle NuJazz-Spielarten offenem Jazzland-Label.

Mit Eivind Aarset (Gitarre), Arve Henriksen (Trompete), Jan Bang (Samples), Audun Erlien (Bass, Bass-Balalaika), Rune Arnesen (Drums, Samples) und Marilyn Mazur (Udu, Cymbals) sowie dem Osloer Session String Quartet gelingt Youssef eine faszinierende Reise quer durch alle Kulturkreise und Genres: Arabische Ornamentik verbindet sich mit kühlen Ambient-Loops, luftige Oud-Meditationen und heisere Trompeten erheben sich über zuckenden Beats und verzerrt singenden Gitarren. Ist das Ambient, Jazz, Folklore oder Klassik? Von allem ein bisschen und doch keines so richtig. Jedenfalls bestes Kopfkino, zum Entspannen ebenso geeignet wie zum Aufwachen – wozu der sorgfältig aufgebaute Klang einen guten Teil beiträgt: Die akustischen Instrumente und synthetisch erzeugten Sounds fügen sich harmonisch ineinander, und das ist keineswegs selbstverständlich. (peb)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Arve Henriksen

Marilyn Mazur


Dhafer Youssef: Divine Shadows

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Tor Yttredal & Vigleik Storaas: Chamber
( 2015, Inner Ear /Musikkoperatørene INEA21 )

Wer angesichts der reduzierten Besetzung, des dunklen Covers mit dem laublosen Ast und des Titels »CHAMBER« eine fast spartanisch anmutende Duo-Scheibe vermutet, die statt hörbarer Musizier- und überhaupt Lebensfreude lediglich musikalische Strenge und etudenhaftes Exerzieren vermutet, hat bis zum zweiten Komma dieses Satzes halbwegs Recht, danach aber überhaupt nicht mehr. Natürlich geben hier der Sopransaxophonist Tor Yttredal und der Pianist Vigleik Storaas nicht die Spaßkapelle vom Ballermann, sondern zelebrieren ein sehr intimes Miteinander zweier Seelenverwandten.

Aber streng oder gar bar jeder Lebensfreude klingen die Stücke keineswegs – die beiden Norweger verstehen ihre Zwiegespräche ausgesprochen interessant zu gestalten. »The Illusionist’s Lullaby« wirkt sogar wie ein aufgeschreckter Sperlingsschwarm, so vogelwild pfeift Yttredal, im Diskant vorzüglich konterkariert von Storaas – bis sich das Stück nach eineinhalb Minuten beruhigt wie der Sperlingsschwarm, wenn der Habicht wieder von dannen geschwebt ist. Das Titelstück ist mit über sieben Minuten das längste, behutsam baut Storaas Akkordarpeggien auf, erst nach zwei Minuten kommt Yttredal (der das Stück komponiert hat!) mit einer sehr schönen Melodie hinzu. Zuletzt geben sie noch zwei Fremdkompositionen, Cole Porters »I Love You« und das sehr schöne »Answer Me, My Love« von Fred Rauch. Insgesamt ein vorzügliches Duo-Album, natürlich eher kontemplativ denn fulminant. (tjk)



Siehe auch:
Vigleik Storaas Trio
Vigleik Storaas

Tor Yttredal / Bjergsted Jazz Ensemble


Tor Yttredal: Chamber

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Zanussi Five: Alborado
( 2006, Moserobie Music m.m.p. cd 049 )

Der norwegische Kontrabassist Per Zanussi (Jg. 1977, der Nachname stammt von seinem italienischen Vater) gehört zu den profiliertesten seiner Zunft, vor allem wenn es um phantasievollen Jazz fernab des Mainstream geht. Das klappt auch mit seinem Ensemble Five sehr gut, kein Wunder bei den illustren übrigen vier: Per Oddvar Johansen sitzt am Schlagzeug, dazu kommen drei Saxophonisten mit Kjetil Møster, Rolf-Erik Nystrøm und Eirik Hegdal – allesamt Größen in der norwegischen Szene, entsprechend lassen sie ihre Hörner heulen, schluchzen, fiepen, schreien und tanzen.

Zanussi lässt sein Quintett eine sehr energetische, farbige und manchmal wilde Musik spielen, die ständig changiert zwischen schönen Melodien von fast romantischer Zärtlichkeit (»Solitude Amidst The Suns«), kakophonen Saxophonen und Energieeruptionen – das alles über Zanussis und Johansens Grooves: Auch die sind sehr variabel von statisch bis offen, mit Afro Beat-Einflüssen und rockigen Passagen (»Zoanthropy Part 1« - der 2. Teil ist ein herrlich wildes polyrhythmisches Konglomerat). In »Interlocutor« erfreuen sie sich sogar an ziellos-sinnfreien Klangexkursionen, Zanussi greift auch gelegentlich zur Singenden Säge. Das beste und längste Stück haben sie sich für den Schluß aufgehoben: »Asso Di Picche« ist ein ebensolches. Insgesamt ein aufregender Spaß! (tjk)



Siehe auch:
Per-Oddvar Johansen
Kjetil Møster

Eyolf Dale

Eirik Hegdal


 Zanussi Five: Alborado

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Elin Ødegaard & Rune Klakegg: I Will Wait For You
( 2000, VIA Music VCD 380 )

»I WILL WAIT FOR YOU«, eine Duo-Aufnahme der Sängerin Elin Ødegaard und des Pianisten Rune Klakegg, als »Jazz« zu bezeichnen, ist gewiss nicht ganz falsch. Aber ebenso wenig trifft das wirklich ins Schwarze. Die beiden Norweger interpretieren zehn wohlbekannte Jazz-Standards in gänzlich unerwarteter Weise. Ødegaard und Klakegg ziehen die Songs gleichsam aus, entfernen den Swing, reißen Harmonien ein und bauen sie anders wieder auf – sodass oft nur die Melodie des ursprünglichen Songs bleibt. So entstehen quasi neue Lieder, die dem Kunstlied näher stehen als dem Jazz.

Diese reduzierten, ernsten Interpretationen sind sehr gewöhnungsbedürftig, »When I Fall In Love« oder »You Must Believe In Spring« hat man so bisher kaum gehört. Rune Klakegg spielt keine Note mehr als nötig, Elin Ødegaards Stimme wirkt beim ersten Hören distanziert und kühl; dieser Eindruck relativiert sich aber zunehmend. Wenn man sich darauf einlässt und nicht ständig auf Bass, Schlagzeug und »mitschnippbare« Rhythmen wartet, wird man mit sehr interessanten Versionen von »Long Ago And Far Away« oder »Once Upon A Summertime« belohnt. (tjk)



Siehe auch:
Rune Klakegg & Scheen Jazzorkester

Elin Ødegaard: I Will Wait For You

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