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Lange Rezensionen 1 - 5 von 41 im Genre »Klassik« und Land »Island« (insgesamt 41)

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Ólafur Arnalds & Alice Sara Ott:
The Chopin Project
( 2015, Mercury /Universal )

Auf Pianosuche in Reykjavík: Der isländische Neoklassik-Grenzgänger Ólafur Arnalds und die deutsch-japanische Pianistin Alice Sara Ott wollen auf ihrem gemeinsamen »CHOPIN PROJECT« gerade nicht den hochkulturigen, perfekten Wohlklang erzeugen, sondern den polnischen Komponisten in einen ungewohnten Kontext stellen. So finden die beiden musikalischen Kollaborateure schließlich Instrumtente mit Charakter: Alte, ungewöhnliche Klaviere, deren Saiten zum Teil noch mit Filz umwickelt werden, um einen Klang zarter Entfremdung zu erzeugen. Chopin nicht makellos auf dem teuren Bechstein-Flügel, sondern Chopin in der Kneipe, auf einem leicht verstimmten Instrument. Chopin, mit leisen elektronischen Störgeräuschen kontrastiert und mit von gefühligen Synthies eingerahmt. Geht das? Und wie!

Denn Arnalds und Ott holen Chopin von seinem hohen Sockel herunter, auf den die etablierte Klassikszene den sensiblen Musiker gestellt hat. So klingen das »Regentropfen-Prélude« oder der langsame Walzer des »Nocturne« hier vertraut und trotzdem anders. Vergangenheit und Gegenwart berühren sich hier dann, wenn Arnalds die Chopin´schen Klänge mit seinen eigenen, eigenwilligen neoklassischen Gefühlswelten kontrastiert. Der junge Isländer hat eigens für das Projekt Intermezzi für Streicherquintett, Klavier und Synthesizer komponiert, die in ihrer tastenden Sensibilität dem Chopin´schen Geist doch sehr nahe stehen. Einen charmant unvollkommenen Sound wollen Arnalds und Ott entwickeln: Und wenn hier vernehmbares Quietschen, Atemgeräusche oder Papierrascheln zu hören sind, dann bringt uns das nur zum aufmerksameren Lauschen. (emv)



Siehe auch:
Ólafur Arnalds
Ólafur Arnalds & Nils Frahm


Ólafur Arnalds: The Chopin Project

Offizielle Website

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Duo Harpverk:
The Greenhouse Sessions
( 2012, /Bandcamp / iTunes Eigenverlag&Download )

Als Mitglieder des Iceland Symphony Orchestra verspürten Harfenistin Katie Buckley und Schlagwerker Frank Aarnink das Bedürfnis, in einem intimen Rahmen zu musizieren und gezielt für ihre beiden Instrumente Aufträge an bestimmte, vorwiegend isländische, Komponisten zu vergeben. So war mit Beginn des Jahres 2007 das Duo Harpverk geboren, und gleich als erstes Auftragswerk schuf Óliver Kentish im Januar jenen Jahres das großartig intime, fein ausgefeilte und mysteriöse »Leyndir Dansar« (»Hidden Dances«), eine Art Kreuzung aus Nocturne und Poesie.

Auch alle weiteren hier vertretenen Stücke gehen in solch fragile, schattenreiche Richtung, genannt seien Jenny Hettnes »verformte Schlaflieder« oder Úlfar Ingi Haraldssons »Schatten und Silhouetten«. So fragmentarisch, dass man beim nicht voll aufmerksamen Hören kaum mitbekommt, was man gehört hat, sind Anna S. Þorvaldsdóttirs vier »Particles«. Trotz der Vielzahl und Vielseitigkeit der hierfür aufgenommenen Komponisten erscheint die CD »THE GREENHOUSE SESSIONS« aus einem Guss, ergeben die Werke ein reichhaltiges, in seiner verhaltenen Stimmung gleichwohl eindringliches Gesamtbild. Und doch bietet die Zusammenstellung allenfalls einen kleinen, aber ungemein starken und faszinierenden Eindruck in das Schaffen des Duo Harpverk, aufgenommen während der Jahre 2009 bis 2012. (ijb)



Siehe auch:
Anna S. Þorvaldsdóttir
Valgeir Sigurðsson

Daníel Bjarnason


 Duo Harpverk: The Greenhouse Sessions

Offizielle Website

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Ensemble Adapter:
Sarah Nemtsov: A Long Way Away. Passagen
( 2012, Wergo /Note1 WER 6582 2 )

Adapter ist ein junges und tatkräfties Ensemble für Neue Musik, dessen Kern ein zu drei Vierteln isländisches Quartett bildet: Gunnhildur Einarsdóttir (Harfe), Kristjana Helgadóttir (Flöte), Ingólfur Vilhjálmsson (Klarinette) und Matthias Engler (Schlagzeug). Je nach Werk und Konzert erweitern die vier ihre Gruppe entsprechend zu Besetzungen mit bis zu 10 Spielern. Die Wahl der Instrumente deutet es schon stark an: Leichtverdauliche und klassische Musik dürfen Sie hier nicht erwarten. Adapter ergänzt den Kreis ihrer Aktivitäten zudem über Uraufführungen und CD-Einspielungen zeitgenössischer Werke bis hin zu internationalen Workshops, gattungsübergreifenden Projekten und Koproduktionen und engagiert sich so intensiv in der Gegenwartsmusik.

Mit Komponistin Sarah Nemtsov pflegt das Ensemble bereits eine längere Beziehung, und so kam der Wunsch auf, endlich mal einen ganzen Abend zusammen zu bestreiten. Für alle Beteiligten war es daher ein großes Glück, dass Wergo und der Deutsche Musikrat dieses einstündige Werk, »A Long Way Away. Passagen«, direkt in ihrer viel gerühmten Reihe mit Werken junger Komponisten veröffentlichte. Fast jede/r dort präsentierte Komponist/in kann ohne große Vorbehalte als Entdeckung verbucht werden - und der gewünschte Effekte stellt sich zuverlässig ein: Man möchte sofort mehr hören und erfahren.

Nun bleibt bei dieser CD einzuschränken, dass der »Inszenierte Zyklus für Ensemble«, über den Nemtsov in ambitionierten, aber auch etwas unspezifischen und banalisierenden Worten verkündet: »jede Note ist sehr, sehr persönlich für mich", ohne die visuell-szenische Seite, von der man im Promo-Video einen kleinen Eindruck bekommen kann, nicht recht in die Gänge kommt. Sicher, es soll nicht ungerecht verallgemeinert werden, und bestimmt gibt es Liebhaber, die diese komplexen Geflechte gut zu durchdringen vermögen, doch der Einstieg in Nemtsovs durchaus entdeckungswürdiges Schaffen wird einem durch diesen einstündigen Zyklus mehr erschwert als erleichtert.

Was schade ist, denn ihr Ziel, einige Spannung zwischen dem, was wir erinnern und was wir vergessen, auszuloten, hat für die 1980 geborene Komponistin eine existenzielle Bedeutung; sie verweist explizit auf ihre jüdische Herkunft. Dabei bezieht sie sich auf Texte und andere Referenzen, gestaltet zudem mit viel Geräuschmaterial in ihrer Musik. Unmittelbarer, ohne anbiedernder zu sein, überzeugt, auch auf CD, ihr 2011 in Donaueschingen uraufgeführtes »Hoqueti« für 6 Solo-Stimmen. (ijb)

 Ensemble Adapter: Sarah Nemtsov: A Long Way Away. Passagen

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

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Davíð Brynjar Franzson:
Davíð Brynjar Franzson: The Negotiation of Context
( 2014, Wergo /Note1 WER 7313 2 )

Diplom in Reyjavík, Master in Stanford, dann auch noch einen Doktortitel unter Brian Ferneyhough, Auftragswerke fürs Arditti Quartet, die Internationalen Ferienkurse Darmstadt und das Ensemble Adapter... der 1978 geborene Isländer Davíð Brynjar Franzson lebt mittlerweile in New York — und startet durch auf dem internationalen Parkett der kompositorischen Avantgarde. Nun auch auf dem Qualitätslabel Wergo, das seiner sperrigen Trilogie »The Negotiation of Context« (2009-2011) eine eigene CD widmet. Das New Yorker Quartett Yarn|Wire hat sich der Erweiterung des Repertoires für Percussion und Piano verschrieben und soll für »fesselnde Virtuosität« und »rastlos eigentümliche Programmgestaltung« (TimeOut NY) bekannt sein. Vor allem letzteres kann man anhand dieser zweifellos eigentümlichen kleinen Werkreihe wunderbar überprüfen.

Inwieweit Franzsons Musik noch Verbindungen zu Island pflegt, darf —wertfrei— in Frage gestellt werden. An Sigur Rós oder Amiina scheint sich der Komponist jedenfalls nicht zu orientieren. Eher schon an Herlmut Lachenmann. Gleichwohl frappiert eine gewisse schwebende Atmosphäre, die man landläufig mit isländischer Klangmalerei assoziiert; nur dass Franzson diesen Eindruck durch nahezu ausschließlich perkussive Elemente erzielt, wenngleich er dazu nahezu keine im Schlaginstrumente im gewohnten Sinn einsetzt. Zum größten Teil übernehmen die Flügel diese Rolle. Die Geräusche wandern anfangs, im kontrastreichen ersten Teil, zwischen Piano und Harmonium hin und her, im zweiten Teil dann entsteht trotz Ausweitung der Besetzung auf zwei Pianos und zwei Basstrommeln ein karges, impressionistisches, oft rohes, sogar grobes Aktionsquartett, fast befreit von assoziativen Qualitäten jenseits der Instrumente. Im dritten Teil schließlich müssen zwei Musiker einen Flügel bedienen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Eine bizarre Faszination geht von Franzsons radikaler, blutleerer Tonsprache aus. Grundsätzlich jedoch ist »The Negotiation of Context«, wie der Titel bereits andeutet, eine recht intellektuelle Angelegenheit, und in dieser spröden, aufgesplitterten Klanginstallation kommt jedem Einzelton eine riesige Bedeutung zu, die man als Zuhörer erst einmal »füllen« bzw. finden muss. (ijb)



Siehe auch:
Ensemble Adapter
Kallio Slaaki

Sigur Rós

Amiina


Davíð Brynjar Franzson: Davíð Brynjar Franzson: The Negotiation of Context

Audio-Link Offizielle Website

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Björk Guðmundsdóttir:
Björk Guðmundsdóttir: Vespertine – A Pop Album as an Opera
( 2019, Oehms Classics /Naxos OC 978 )

»VESPERTINE«, das Album, mit dem Björk 2001 das neue Jahrtausend begann, markiert(e) den – 1997 in »HOMOGENIC« bereits angelegten – entscheidenden Schritt weg von Popsong und Eingängigkeit hin zu komplexeren Projekten mit Chor- und Streicherarrangements und ausgeklügelten Songstrukturen. Dabei war das Album ihr bis dato wohl persönlichstes, reflektierte es doch sehr offen und ungeschminkt die Genesis ihrer Liebesbeziehung mit dem Künstler Matthew Barney, speziell in der Reflexion zwischenmenschlicher und körperlicher Empfindungen, Hoffnungen und Unsicherheiten.

Jan Dvořák, der mit Roman Vinuesa und Peter Häublein die Komponisten- und Arrangeur-Gruppe »Himmelfahrt Scores« bildet, setzt sich als Chefdramaturg am Nationaltheater Mannheim (NTM) für eine verstärkte Auseinandersetzung mit Popmusik ein, und »VESPERTINE« bot da einen sowohl herausfordernden als auch naheliegenden Ansatzpunkt. Nach langer Feinarbeit wurde die entwickelte Partitur, die Björks Gesang auf zwei Frauen- und zwei Männerstimmen sowie einen Frauen- und einen Kinderchor verteilt, in Zusammenarbeit mit dem dänischen Künstlerkollektiv »Hotel Pro Forma« als Oper am NTM realisiert.

Ob es überhaupt sinnvoll ist, ein persönliches Album, das trotz so orchestraler Note ein absolut intimes Werk seiner Urheberin ist, mit Hilfe weiterer Stimmen und Orchesterarrangements als opernhaftes Bühnenspektaktel neu zu erfinden, muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Allerdings darf man gerade bei einer Künstlerin wie Björk, deren Schaffen sich über die Jahre hinweg mehr und mehr in multimediale und »aufgeblasene« Musikprojekt-Formen entwickelte, dabei aber stets einem experimentellen Grundgestus treu blieb, ein solches Experiment zweifelsfrei und unbedingt wagen.

Schwerer wiegt wohl, dass der in der Oper so vorherrschende Gesangsstil, der gegenüber der Popmusik eher das Kunstgewerbliche und technisch kleinteilige Können betont, Björks Liedern das Individualistische, Kennzeichnende, Eigene und letztlich auch den emotionalen Gehalt abspenstig macht. So ist dieses »Pop Album as an Opera« (über die visuelle Inszenierung auf der Mannheimer Nationaltheaterbühne soll hier ausdrücklich, mangels Kenntnis, nicht geurteilt werden) zwar ein faszinierend ambitioniertes und durchaus hörenswertes Unterfangen, wird andererseits aber leider auch zum unnahbaren und perfektionierten Hochkulturgenuss-Programm, das niemals Staunen, Zauber oder intensive Emotionen hervorruft, geschweige denn Kontroverse, Irritation und wahre, fragile Poesie, wie es Björks Gesamtwerk durchweg auszeichnet. (ijb)



Siehe auch:
Valgeir Sigurðsson
Björk


Björk Guðmundsdóttir: Björk Guðmundsdóttir: Vespertine – A Pop Album as an Opera

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