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Lange Rezensionen 11 - 20 von 137 im Genre »Klassik« und Land »Norwegen« (insgesamt 139)

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Flint Juventino Beppe aka Fred Jonny Berg:
Fred Jonny Berg: Flute Mystery
( SACD, 2009, 2L 2L58SABD (2 Discs) )

Heute nennt sich der Komponist Flint Juventino Beppe, 2009 auf dieser Referenzeinspielung fünf seiner Orchesterwerke hieß er noch Fred Jonny Berg, ebenfalls kein typisch norwegischer Name. Die Werke des 1973 Geborenen schwelgen mit Vorliebe in romantischen Gesten, wie schon der Titel »Flöten-Mysterium« andeutet. Ob die Nordlichter auf dem Cover da nicht zu viel des Guten sind, lassen wir mal als Frage im Raum stehen.

Da immerhin kein geringerer als Vladimir Ashkenazy die beiden »großen« Werke, zwei im Umfang ähnliche Konzerte für Flöte und Orchester (wobei nur das zweite programmatisch diese Bezeichnung als Titel trägt, wohl weil in »Flute Mystery« die Harfe als Partnerin der Flöte auftritt) als Dirigent verantwortete, liegt der Fokus dieser Veröffentlichung vorrangig auf diesen Säulen des einstündigen Programms. Das »Flötenkonzert Nr.1« schrieb Berg 2007 für Emily Beynon und Ashkenazy – und es allein lohnt die Anschaffung dieser ersten Werkschau. Trotz der schon von den Satzbezeichnungen »Memento« oder »Obituary« angedeuteten intensiven Melancholie fasziniert an dem Werk die oftmals leise Introspektion (»Reminiscence«) und eine hingebungsvolle Verträumtheit.

Konterkariert werden die beiden Flötenkonzerte durch drei kontrastreiche Tondichtungen für Orchester, die den Einfluss der großen Skandinavier Grieg und vor allem Sibelius nicht verschweigen können (und wollen). Fred Jonny Bergs kompositorische Sprache – zumindest was die hier vertretenen Werke betrifft – ist fern von modernistischen oder neutönenden Stilmitteln und liegt ganz auf emotionaler Eingängigkeit. Im mal sprunghaft leichten, mal von militärischem Rhythmus aufgepeitschten »Warning Zero« spielt er gar mit dieser Erwartungshaltung. Die volle Orchesterkraft schöpft er gerne aus, sei es in genüsslicher Opulenz, verspielten Figuren oder vorantreibendem Drama. Nur kein Stillstand! Keine Frage, mit solcher Orchesterschau kommt der (Grammy-nominierte) Surround-Klang von 2L ganz zu sich. (ijb)

Flint Juventino Beppe aka Fred Jonny Berg: Fred Jonny Berg: Flute Mystery

Offizielle Website

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Sigurd Berge:
Sigurd Berge: Early Electronic Music
( 2010, Prisma Records /Musikkoperatørene 708 / 7041881237089 )

Prisma Records wurde von Lasse Marhaug und Lars Mørch Finborud, beim renommierten Henie Onstad Kunstsenter (HOK) für die experimentelle Musik zuständig, ins Leben gerufen, vorrangig um in den HOK-Archiven auftauchende Schätze und Seltenheiten zu veröffentlichen. Die vorliegende CD mit frühen elektronischen Werken des norwegischen experimentellen Komponisten Sigurd Berge (1929–2002) ist dafür ein exemplarischer Fall: Hier wird eine Auswahl von Berges frühesten Experimenten mit Tape Machines und Synthesizern einem interessierten (Fach-)Publikum zugänglich gemacht.

Drei Bänder wurden 2009 in den HOK-Musikarchiven gefunden, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus den späten Sechziger Jahren, aus Berges Zeit am Norwegischen Studio für Elektronische Musik stammen. Darauf fanden sich drei bislang unveröffentlichte und zwei bereits bekannte Stücke sowie das Musique-Concrète-Werk »Delta«, das Berge auch 1970 in einer Zusammenarbeit mit dem Avantgardetrio von Svein Finnerud verwendete.

Berge promovierte 1952 an der Musikhochschule in Oslo. Er studierte moderne elektronische Musik in Kopenhagen und Utrecht und schrieb mehrere Bücher über kreative Nutzung von Musik. Sein Schaffen beschränkte sich nicht auf abstrakte elektronische Experimente, doch hier hören wir ausschließlich das: einiges Geblubber und geisterhafte uralt-elektronische Soundspielereien, plus einen halbstündigen Auszug aus einer Anfang 1970 angeblich wegweisenden multimedialen Installation. Wer Arne Nordheims Solo-Elektronik-Werke aus der Zeit schätzt, wird über diese Sammlung hocherfreut, zumindest aber davon fasziniert sein. Von einzelnen Höhepunkten abgesehen passiert jedoch zu wenig Ergreifendes, um mehr als ein fach(simpel)spezifisches Publikum anzusprechen. Interessant, aber auch ganz schön alt, das! (ijb)



Siehe auch:
Arne Nordheim
Lasse Marhaug

Stian Skagen

Sigurd Berge: Horntrio


Sigurd Berge: Sigurd Berge: Early Electronic Music

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Bergen Philharmonic Orchestra Andrew Litton:
Prokofiev: Symphonies Nos 4 [1947] & 7
( SACD, 2016, BIS 2134 )

Nur ein Jahr nach dem vorigen Prokofiev-Album setzt BIS die Werkreihe mit zwei weiteren Sinfonien des Russen in der Interpretation der Bergener Philharmoniker mit Andrew Litton fort. Wenn nun noch die ersten drei folgen, werden sie alle Sinfonien in (vermutlich) exzellenten »nordischen« Interpretationen veröffentlicht haben – neben einer Reihe weiterer Orchesterwerke. Das Besondere an dieser fünften Prokofiev-CD ist der Fokus auf die »zweite« Vierte Sinfonie sowie, dass hier der vierte Satz der Siebten in einer zweiten Version mit alternativem Schluss vorliegt. Über letzteres kann man streiten, denn der schöne Gesamtfluss des Albums wird durch die angehängte zusätzliche »Vivace« (15 Sekunden länger als die integrierte Ausführung) und mit eher musikhistorischem Gestus etwas aufgeweicht. Da die Super-Audio-CD somit ganz 82 Minuten lang ist, bekommt man so andererseits ein überaus reichhaltiges Prokofiev-Bergen-Paket.

Dessen ungeachtet lassen sich für diese Einspielung weitestgehend dieselben Qualitäten ins Feld führen wie für die vorhergehende – mit dem Unterschied wohl, dass speziell die Sinfonie Nr. 7 weniger »Allgemeingut« und nicht ansatzweise so politisch aufgeladen rezipiert wird wie Nr. 5. Prokofievs letztes großes Werk ist pure Musik. Der Anfang-Sechzigjährige war bereits am Ende seines Lebens, nicht mehr bei bester Gesundheit, und mit dem Tod im Blick schaute er zugleich (zurück) in die Kindheit und strebte nach einer Musik großer Einfachheit. Wer dieses persönliche Spätwerk im Schatten der bekannteren Sinfonien bislang eher links liegen gelassen hat, kann es mit dieser Interpretation ganz wunderbar in seiner vielsagenden Komplexität und subtilen Lebensweisheit entdecken. Der doppelt vorhandene vierte Satz liegt darin begründet, dass sich Prokofiev nach der Erstaufführung überreden ließ, das Ende in optimistischerer Form neuzugestalten. Dem interessierten Hörer bietet sich daher die Chance, durch Programmierung des CD-Spielers beide Versionen in ihrer unterschiedlichen Wirkung für sich zu erleben.

Die Vierte existiert in zwei komplett unterschiedlichen Fassungen; hier ist die nach knapp zwanzig Jahren von Grund auf überarbeitete und mit neuer Opuszahl versehene Version von 1947 (also nach Entstehung der Sechsten) zu erleben, die der früheren an Komplexität und Ambition überlegen ist. Auch hier punktet die SACD mit dem lebendigen Dirigat durch ein warmes, lebendiges Klangbild. Vor allem die kraftvollen, leidenschaftlichen Passagen scheinen ganz auf Littons Wellenlänge zu liegen. (ijb)

 Bergen Philharmonic Orchestra: Prokofiev: Symphonies Nos 4 [1947] & 7

Offizielle Website

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Bergen Philharmonic Orchestra Andrew Litton:
Prokofiev: Symphony No.5 · Scythian Suite
( SACD, 2015, BIS /Klassik Center Kassel BIS-2124 | SACD )

Auf Andrew Littons Einspielung von Prokofievs Sechster Sinfonie mit dem Bergen Philharmonic Orchestra folgt die SACD mit der Fünften, aufgenommen in der klanglich nicht ganz einfach zu dokumentierenden Grieghalle. Bei der Fünften denkt man an sowjetischen Durchhalte-Patriotismus zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1944), kein Wunder war Prokofiev bis zu seinem Tod wenige Jahre später der Staatskomponist der Russen. Der Amerikaner Andrew Litton gibt diesem Ansatz wenig Futter und dirigiert das Werk schön und ausgewogen entgegen den Absichten des Komponisten; was freilich verzeihlich ist, schließlich leben wir in anderen Zeiten, und an Kriegspropaganda mangelt es sicher nicht.

Also bekommen wir Opus 100 in eleganter, ausbalancierter Frische und Herzlichkeit – wie es heutzutage vom Publikum gerne gehört wird. Litton, der vor kurzem nach 12 Jahren die Leitung des Orchesters an den Engländer Edward Gardner weitergab, führt »seine« Bergener somit versiert zu einer breiten Zuhörerschaft. Seine Fünfte ist rund und klar, ohne Dynamik vermissen zu lassen. Die hervorragende Aufnahmequalität und das SACD-Mastering bringen dies vorbildlich zum Ausdruck, weshalb diese Einspielung auch für Kenner und Liebhaber russischer Sinfonik einen Kauf wert und eine Bereicherung jeder Prokofiev-Sammlung ist, auch wenn etwas mehr Kanten wohl eher im Sinne jener und des Komponisten wären. Besonders zum Ende hin spielt das Orchester mit solcher Energie, dass man selbst zu Hause im Wohnzimmer nach dem letzten Takt aufspringen und applaudieren möchte.

Auch der folgenden, 30 Jahre älteren, 1915 während des Ersten Weltkriegs entstandenen »Skythischen Suite«, einem Extrakt aus der wenig begeistert aufgenommenen Suite aus dem Ballett in vier Szenen »Ala und Lolli«, mangelt es wahrlich nicht an Feuer. Kraftvoll und eindringlich nutzen Litton und die Bergener Philharmoniker jeden Höhepunkt für geradezu fiebrige zwanzig Minuten. (ijb)



Siehe auch:
Bergen Philharmonic Orchestra spielt Grieg
Leif Segerstam


 Bergen Philharmonic Orchestra: Prokofiev: Symphony No.5 · Scythian Suite

Video-Link Offizielle Website

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Anne-Lise Berntsen:
Kom Regn
( 2003, Kirkelig Kulturverksted FXCD 266 )

Regen kann schön sein, aber Sonne ... doch fangen wir lieber vorn an: Anne-Lise Berntsens Sopran ist glockenrein, und die Klosterorgel im süddeutschen Maihingen besitzt dutzende Register mit warmen, satten Klängen – eigentlich zwei wunderbare Voraussetzungen für eine gelungene Einspielung von alter norwegischer Musik. Doch die »frei improvisierten Interpretationen« von mittelalterlichen norwegischen Kirchenpsalmen der beiden sind passagenweise schlicht nervtötend.

Monoton tupft Nils Henrik Asheim die immergleichen Intervalle in seinen Spieltisch, Berntsen folgt ihm in Höhen und Tiefen, aber in der Gesamtwirkung überwiegt trotz Erik Hillestads Produktion das Fragmentarische. Da hilft auch kaum das stimmungsvolle Booklet, der exquisite Klang und die hochinteressante Geschichte dieser Orgel: Napoleon versiegelte sie, weil die Kirche zuviel Macht hatte. und dieses Siegel blieb für zwei Jahrhunderte bestehen. Statt des titelgebenden Psalms »Kom Regen aus den Höhen« wünschen wir uns jedenfalls sehnsüchtig... Sonne! (mls)



Siehe auch:
Lasse Marhaug & Nils Henrik Asheim
Nils Henrik Asheim mit Maja S. K. Ratkje


Anne-Lise Berntsen: Kom Regn

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Anne-Lise Berntsen:
Ludo
( 1997, Kirkelig Kulturverksted FXCD 192 )

»LUDO« (aus dem lateinischen: ich spiele) suggeriert, dass hier musikalische »Spielwiesen« betreten werden. Was konzeptionell insgesamt sehr gut gedacht ist, gelingt auf dieser CD jedoch leider nur phasenweise. Der Beginn, »Pro Logo« überschrieben, geriet zweifelsohne grandios. Nach einer kurzen Klaviereinleitung wird der Hörer sodann schwungvoll ins Mittelalter katapultiert; es ertönen Klänge, die an Spielmannszüge à la »Rattenfänger von Hameln« erinnern. Dann wechselt die Stimmung: Die Sängerin Anne-Lise Berntsen tritt mit italienisch einleitenden Worten in Erscheinung. Der erfrischende Beginn verliert sich nun zusehends in langatmigen, spitzen Gesangseinlagen und penetranten Klavierfigurationen.

Man hätte sich bei »LUDO« dem Titel gemäß mehr spielerische Leichtigkeit gewünscht. Die Musik wirkt in den Arrangements von Helge Iberg sehr oft statisch, angestrengt und ausgesprochen düster, z. B. bei »An Even Whiter Shade of Pale« oder Glucks »Divintés du Styx«. Auch die Einleitungen der Bearbeitungen von Opern-Arien – z. B. Händels »Lascia ch io pianga« oder Puccinis »O mio babbino caro« – erscheinen willkürlich und reichen an die Originale nicht heran. So bleibt letztlich bei diesem Crossover-Projekt ein etwas fahler Beigeschmack zurück. Schade: gute Ideen, unglückliche Umsetzung. (ano)

Anne-Lise Berntsen: Ludo

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Ketil Bjørnstad:
Ketil Bjørnstad & Erik Hillestad (Text): Messe For En Såret Jord
( 1992, Kirkelig Kulturverksted FXCD 112 )

Mit der »Messe For En Saret Jord« knüpft Erik Hillestad (diesmal mit Ketil Bjørnstad als Partner) quasi nahtlos an sein (Vorgänger-) Album »A Mass For People On The Move« an. Als Thema wählte das Gespann das ökologisch-religiöse Thema vom Konflikt zwischen Mensch und Natur. Melancholische, hymnisch-eingängige Melodien (mal von Solo-Streichinstrumenten, mal von Solo-Stimmen eindrucksvoll in Szene gesetzt) wechseln wie gewohnt mit ausgezeichnet arrangierten, mitunter dynamischen Passagen ab.

Der gelungene Gesamteindruck ist nicht zuletzt auch ein Verdienst des stimmgewaltigen Oslo Kammerkor. Als herausragend erweist sich etwa das hochdynamische »Gloria«, das als gelungene Symbiose zwischen angenehm aufgepeppten Pop-Klängen und geistlichem Chorgesang changiert. »Befreiende« Kirchenmusik jenseits der bloßen Trivialität findet man leider nur allzu selten. Texter Hillestad und Komponist Bjørnstad beweisen, dass es dennoch möglich ist. (ano)



Siehe auch:
Jazz- & Pop-CDs von Ketil Bjørnstad
Krüger & Hillestad

Oslo Kammerkor

Kirkelig Kulturverksted



Zum Artikel über Ketil Bjørnstad

Ketil Bjørnstad: Ketil Bjørnstad & Erik Hillestad (Text): Messe For En Såret Jord

Offizielle Website

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Ketil Bjørnstad:
Ketil Bjørnstad: A passion for John Donne
( 2014, ECM /Universal ECM2394 602537959853 )

Direkt im Anschluss an seine fantasievolle Kantate »Sunrise« nach Texten von Edvard Munch schrieb Ketil Bjørnstad ein weiteres Chorwerk gleichen Umfangs, diesmal für das Internationale Kirchenmusikfestival im März 2012 und den Oslo Kammerkor, der einige Tage später, nur ein paar Straßen weiter im Rainbow Studio »Sunrise« zur CD-Veröffentlichung aufnahm. In der Sofienberg-Kirche jedoch, ebenfalls von Jan Erik Kongshaug bei der Uraufführung erstklassig aufgezeichnet, sang der Kammerchor unter Håkon Daniel Nystedts Leitung eine »Passion« nach Texten des (laut Wikipedia) bedeutendsten metaphysischen Dichters John Donne, der 1572 bis 1631 in London lebte und Predigten, religiöse Gedichte, Elegien, Lieder und Sonette verfasste.

Donne und Bjørnstad und ECM passen freilich bruchlos zusammen, sind quasi geistesverwandt: »Auch nach über zwanzig Jahren der Arbeit mit Texten von John Donne finde ich immer noch neue Zugänge zum Verständnis seiner Schriften, und ich finde darin überall Musik. Sie steckt in der Sprache, im Rhythmus, in der Stille zwischen den Sätzen – eine leidenschaftliche Suche nach Sinn und Versöhnung.« Für die Verse des Briten fand der Norweger bereits musikalische Umsetzung in Form von drei Liedalben, »The Shadow« (1990), »Grace« (1999) und »The Light« (2008). Mit »A PASSION FOR JOHN DONNE« nahm er Donnes Texte nun erstmals zur Grundlage eines großen Chorwerks, begleitet von Håkon Kornstads Saxofon und Flöte, was punktuell – und nicht ganz überraschend – ein ein wenig Jan Garbareks ätherisch-neoklassisches Oeuvre in Erinnerung ruft. Der Komponist selbst sitzt am Flügel, und Birger Mistereggen steuert zarte Percussion bei. Der besondere Auftritt indes: Dies ist nicht nur Håkon Kornstads (erstaunlich spätes) ECM-Debüt, sondern auch sein Debüt als Tenor, nach drei Jahren Opernstudiums an der staatlichen Kunsthochschule in Oslo.

Zwölf Chorlieder und drei Zwischenspiele bilden ein abendfüllendes Opus, das den metaphysischen Dimensionen auch ohne bewusstes Folgen der Texte gerecht wird. Komponist, Texter und vor allem auch die durchweg sensiblen Interpreten lassen »A PASSION FOR JOHN DONNE« zu einem eindringlichen Genuss werden, einem thematisch angemessen sphärisch-feinnervigen Werk und womöglich mehr noch als »Sunrise« ein Triumph schnörkelloser, zugleich zu Herzen gehender Eleganz. (ijb)



Siehe auch:
Håkon Kornstad
Oslo Kammerkor

Birger Mistereggen / Trio Mediæval

Jan Garbarek



Zum Artikel über Ketil Bjørnstad

Ketil Bjørnstad: Ketil Bjørnstad: A passion for John Donne

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Ketil Bjørnstad:
Ketil Bjørnstad: Sanger om Tilhørighet
( 2016, Grappa GRCD4517 )

Je älter er wird, desto mehr macht Ketil Bjørnstad, hat man den Eindruck. Gerade erst kamen auf ECM seine Kantate »Sunrise« nach Munch-Texten und seine »Passion für John Donne« heraus, da gibt es, neben zwei CDs mit älteren Klavierstücken bei Grappa zwei weitere große Werke mit Chor und Gesang, die 17 Lieder der Suite »Frolandia« nach und mit Ole Paus und ein modernes Oratorium namens »SANGER OM TILHØRIGKEIT«.

Diesmal stammen sogar Musik und Text aus der Feder des Romanautors Bjørnstad: »Vor 15 Jahren schrieb ich gemeinsam mit Stein Mehren das 'Tusenårsoratoriet' ['1000-Jahr-Oratorium']. Es war eine schwierige Zeit für die Welt, mit viel Angst und Sorge um die Zukunft. Und die Welt ist seitdem kein sichererer Ort geworden. Im Gegenteil. Ich möchte sowohl mit dem Text als auch der Musik darüber reflektieren, was womöglich das wichtigste Element unserer Leben ist, ganz gleich, wo auf dem Planeten wir uns befinden: das Empfinden, sich einer Sache oder jemandem zugehörig zu fühlen.«

Die 16 »Lieder über die Zugehörigkeit« (wobei die englische Übersetzung »Songs of Belonging« mehr Poesie ausstrahlt) entstanden als Auftragswerk für die Olavsfestdagene, das »St Olav Festival« in Trondheim, und die dortige Uraufführung des Werks im Nidarosdom im Juli 2014 ist die auf dieser CD zu hörende Aufnahme, abgemischt und gemastert von Jan Erik Kongshaug. Bjørnstad schrieb für die Mezzosopranistin Tora Augestad und den Tenor Håkon Kornstad, der, bekannt geworden als innovativer Saxofonist, sich an der renommierten Kunsthochschule in Oslo zum Operntenor ausbilden ließ und zuletzt bereits als Solist in der stilistisch genau in die gleiche Richtung gehenden, aber ungleich überzeugenderen »Passion für John Donne« auftrat.

Während die soliden Gesangssolisten etwas angestrengt wirken, hinterlassen indes die Instrumentalisten einen prägnanteren Eindruck: Kornstad am Saxofon (unterstützt von seiner typischen, zart eingesetzten Elektronik), die souverän agierende Cellistin Anja Lechner, der sensible Perkussionist Birger Mistereggen und, quasi als Ruhepol unter allem agierend, der Komponist am Flügel. Eindringlich tritt auch der Nidarosdomchor in Erscheinung. Das Opus selbst bleibt leider etwas zu gleichförmig und getragen; es fehlt an erzählerischer und kompositorischer Dynamik und Spannung. Wie des öfteren auch in seinen Klavierstücken verweilt Bjørnstad, offenbar im Bestreben, klassisch und eingängig zugleich zu schreiben und Volkstümlichkeit, Modern Jazz und Konzertmusik zu verbinden, hier zu häufig im Rahmen des Erwartbaren, weshalb die 16 Lieder, so sympathisch sie individuell auch sein mögen, in braver Gemächlichkeit enden. (ijb)



Siehe auch:
Ketil Bjørnstad & Ole Paus
Håkon Kornstad

Tora Augestad mit Trygve Seim



Zum Artikel über Ketil Bjørnstad

Ketil Bjørnstad: Ketil Bjørnstad: Sanger om Tilhørighet

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Ketil Bjørnstad:
Ketil Bjørnstad: Sunrise - A cantata on texts by Edvard Munch
( 2013, ECM /Universal ECM2336 | 374 5479 )

Ketil Bjørnstad kann wie kaum ein anderer in verschiedensten Genres Erfolge und Meisterwerke verbuchen – als (klassischer) Komponist, als Jazzmusiker, im Pop- und im Folksegment, aber auch als Kurator. Nicht zu vergessen ist darüber hinaus sein umfangreiches Werk als Schriftsteller. Mit diesem Auftragswerk für den 70. Geburtstag des Nordstrand Musikkselskap-Chors im Jahre 2011 verfasste der zu jenem Zeitpunkt knapp 60-Jährige einen Brückenschlag zwischen all diesen Facetten. Auf den ersten Blick ein folkloristisch angehauchtes, neoklassisches Chorwerk (von Egil Fossum arrangiert), wartet die 19-teilige Kantate auch mit freejazzigen Stücken und poetischen Intermezzi (Saxofon, Cello, Kontrabass, Percussion) sowie mit von Kari Bremnes gesungenen Liedern auf.

Im Fokus dieses vorrangig dunklen, indes teils andächtigen und bewegenden Opus' steht, unterstrichen von Bjørnstads bedachtsamen Pianomelodien, natürlich der Kammerchor, stets fließend zwischen in der (europäischen) Musikgeschichte verankertem Traditionsbewusstsein und zeitlos-gegenwärtiger Liedkunst. Auffällig ist, wie schnörkellos und bezaubernd Bjørnstad diese vielen Aspekte verbindet, ohne je zum Virtuosencharakter zu greifen. Damit wird er dem geehrten Künstler Edvard Munch durchaus gerecht, der hier, für viele sicher eine echte Entdeckung, als Autor poetischer Texte die Basis für die Stücke gab, nicht als Maler.

Der Titel »SUNRISE« und der Holzschnitt auf dem Cover deuten es schon an: Munchs Ringen mit den Kräften des Lebens und mit der (nordischen) Natur bilden Inspiration und Rahmen der Kantate. Dabei stehen seine eindringlichen Texte den berühmten und nach wie vor aufwühlenden Bildern nicht nach. Der Komponist vermeidet jedoch direkte musikalische Illustration, sondern nutzt die textlichen Vorlagen zu einem reflektierenden, teils hymnischen Songzyklus, der gleichermaßen biografische wie poetische Passagen aufweist und so in einer Reihe mit ähnlich angelegten ECM-Werken über Pasolini, Tarkowskij oder Bjørnstads eigener Antonioni-Hommage »La Notte« steht. Dabei kann er auf lebenslange Erfahrung als Autor zurückgreifen, im Besonderen seines Anfang der 1990er Jahre entstandenen dokumentarischen Romans »Historien om Edvard Munch«. Das Leben des großen Künstlers hat ihn nicht losgelassen und führte daher zu einem weiteren Höhepunkt in Bjørnstads umfangreichen Lebenswerk. (ijb)



Siehe auch:
Kari Bremnes
Oslo Kammerkor

Bjørn Kjellemyr



Zum Artikel über Ketil Bjørnstad

Ketil Bjørnstad: Ketil Bjørnstad: Sunrise - A cantata on texts by Edvard Munch

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Lange Rezensionen 11 - 20 von 137 im Genre »Klassik« und Land »Norwegen« (insgesamt 139)

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