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Lange Rezensionen 141 - 150 von 150 im Genre »Klassik« und Land »Norwegen« (insgesamt 152)

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Geirr Tveitt:
Slagr & Camilla Granlien: Songs By Geirr Tveitt
( 2013, Ozella Music OZ 048 )

Schon das Debut war ein großer künstlerischer Erfolg, und mit dieser CD geht das norwegische Kammerfolk-Trio Slagr noch einen Schritt weiter. Sie beschäftigen sich mit Kompositionen von Geirr Tveitt (1908-81), der die Klänge seiner Heimat Hardanger in moderne europäische „klassische“ Musik eingeflochten hat; zudem vertonte er eine ganze Reihe Gedichte, etwa von Olav H. Hauge, Aslaug Vaa, Aslaug Låstad Lygre und Alf Prøysen. Diese Werke entstanden in den 60er Jahren und sind geprägt von fragilen Melodielinien, die genau in die offenen Strukturen des Slagr-Universums passen.

Die Cellistin Sigrun Eng, Anne Hytta an der Hardanger Fiedel und Amund Sjølie Sveen, der an Vibraphon und gestimmten Weingläsern brilliert, haben sich für diese Aufnahmen mit der Folksängerin Camilla Granlien verstärkt. Ihre schnörkellose, manchmal fast strenge Stimme passt hervorragend zum glasklaren Sound des Trios. Eine außergewöhnlich reine Musik haben die vier Norweger geschaffen, mit glasklarer Klangästhetik – ein absoluter Genuss. (lha)



Siehe auch:
Alf Prøysen
Anne Hytta

Slagr


Geirr Tveitt: Slagr & Camilla Granlien: Songs By Geirr Tveitt

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UNOF (De Unges Orkesterforbund):
Minuetto Libero
Norwegian Contemporary Music for Youth String Orchestra
( 2013, LAWO Classics LWM003 )

Der Verband der Norwegischen Jugendorchester (UNOF) hat sich der Förderung von Orchestern für Kinder und Jugendliche im ganzen Land verschrieben und organisiert rund 4500 junge Musiker/innen zwischen 2 und 26 Jahren, in derzeit 140 lokalen Ensembles unterschiedlichster Größe und Besetzung. Jeder solle die Möglichkeit einer musikalischen Erziehung mit Orchesterinstrumenten haben und »an der Freunde und dem Abenteuer der Zusammenarbeit und Darbietung im Orchester teilhaben« (so steht es auf der UNOF-Webseite).

Eine tolle Einrichtung, keine Frage, und ebenso vorbildlich ist das Projekt, das bei zehn norwegischen Komponisten unterschiedlichen Alters und Stilistik je ein Streichorchesterstück von drei bis fünf Minuten Länge in Auftrag gab, damit es von mindestens 15 Jugendorchestern gespielt würde. So erhält man praktisch einen Querschnitt durch zeitgenössische Komponisten und ihre diversen Stile, in der Alterspanne zwischen dem 1937 geborenen Alfred Janson und dem 1973 geborenen Eivind Buene. So weit, so gut, doch ein nicht unter den Tisch zu kehrender, wesentlicher Kritikpunkt ist das komplette Fehlen von Frauen. In einem seit jeher so musikalisch offenen und interessierten Land, das sich selbst für den Status der Gleichberechtigung lobt und dafür im Ausland beachtet wird, und in einem staatlich finanzierten Verband, der sich die Schirmherrschaft der Königin auf die Fahne schreibt, ist es eine Blamage, dass für dieses Projekt nicht zur Hälfte Komponistinnen beauftragt wurden. Nein, nicht eine einzige ist hier vertreten.

Dabei gäbe es nicht wenige, die in Frage kämen: Maja S.K. Ratkje, die seit Jahren für Jugendliche und Kinder bis ins Babyalter schreibt, Cecilie Ore, eine Instanz in der norwegischen Musikszene, Lene Grenager, deren Werke auf bereits mehreren Porträt-CDs veröffentlicht wurden, Liv-Benedicte Bjørneboe, Ragnhild Berstad, Kari B. Tandberg, Mette Henriette Rølvåg... Eine Fortsetzung mit zehn Komponistinnen ist also dringend anzuraten. Und warum bei der Gelegenheit das Genre nicht ein wenig öffnen und Frauen aus Grenzbereichen zu Folk und Jazz mit ins Boot holen? (ijb)



Siehe auch:
Eivind Buene
Gisle Kverndokk

Ole Henrik Moe Jr.

Magne Hegdal


 UNOF (De Unges Orkesterforbund): Minuetto Libero <br>Norwegian Contemporary Music for Youth String Orchestra

Offizielle Website

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Fartein Valen:
Det Norske Solistkor: Refractions - Chorwerke von Valen, Berg, Messiaen, Webern
( SACD, 2013, BIS /Klassik Center Kassel BIS-1970 )

Düstere Wolken ziehen auf. Der vielseitige, 26-köpfige Norwegische Solistenchor, 1950 von dem Komponisten Kurt Nystedt gegründet, widmet sich auf »REFRACTIONS« einer ungewohnten Zusammenstellung von Kompositionen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Auswahl umkreist den Weg von der Spätromantik über die zweite Wiener Schule bis hin zu zwei unnahbar- bruchstückhaften Werken Messiaens, »O Sacrum Convivum« (1937) und den mit knapp zwanzig Minuten raumgreifendsten »Cinq Rechants« (1948), jeweils für gemischte Stimmen a cappella. Schwere, dunkle Kost, wie aus der Unterwelt und ohne Fröhlichkeit. Der zweite Weltkrieg und die ungewisse Zukunft saß noch tief in den Knochen bzw. Noten.

Die drei älteren Komponisten wurden in den 1880ern geboren, Alban Berg und Anton von Webern in Wien, Fartein Valen, in Stavanger. Was führt sie also hier zusammen? Die ältesten Stücke der CD, Bergs »Die Nachtigall« aus den »Sieben frühe[n] Liedern« (1907) und Weberns »Entflieht auf leichten Kähnen, Op.2« (1908) bilden »zart bewegte« Ruhepunkte inmitten der eindringlichen Stimmungswechsel: Zwei flackernde Irrlichter zwischen hochdramatischen und feierlichen vier Kompositionen des christlich geprägten Norwegers. Das Covermotiv bringt dies markant zum Ausdruck. Entgegen den früheren Werken für Chor und Orchester, »Ave Maria« und »Der 121. Psalm«, nähern sich die Motette »Hvad est du dog skiøn« und »Kom regn fra det høie« dem fragileren Webernschen Gestus an.

Gerade aufgrund der auf den ersten Eindruck unkonventionellen Kombination erweist sich »REFRACTIONS« als überaus gelungene und anregende CD, interpretatorisch wie klanglich hervorragend. Wer Angst vor der Begegnung mit Dissonanzen und sperrigen Chorwerken hat, wird vom Norwegischen Solistenchor sanft an die Hand genommen und durch die Dunkelheit gelotst. (ijb)



Siehe auch:
Kurt Nystedt
As Dreams – Choral Music


Fartein Valen: Det Norske Solistkor: Refractions - Chorwerke von Valen, Berg, Messiaen, Webern

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Fartein Valen:
Fartein Valen: The Churchyard by the Sea, Pastorale, Ode to Solitude, Nachtstück, Violinkonzert, Lied ohne Worte, Sinfonie Nr. 1
( 1999, Rune Grammofon RCD 2013 )

Er war ein Außenseiter im norwegischen Musikleben und andernorts kaum einmal dem Namen nach bekannt. Und daran hat sich auch mehr als 50 Jahre nach seinem Tod wenig geändert. Leider, denn Fartein Valen (1887–1952) gehört zu den wohl eigenwilligsten Persönlichkeiten in der skandinavischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. So experimentierte er unabhängig von Arnold Schönberg und dessen Wiener Schule mit freier Tonalität und zwölftönigen Themenbildungen, nachdem ihm das Studium an der Berliner Musikhochschule zu konservativ und ohne Zukunft erschienen war. Obwohl in seiner Heimat als Theorielehrer angesehen, gelang es Valen zeit seines Lebens nicht, sich als Komponist durchzusetzen.

Umso willkommener ist daher diese Portrait-CD, die bei dem Label Rune Grammofon erschien – und damit vollkommen abseits für Klassik-Liebhaber. Die Aufmachung unter dem Titel »The Eternal« erinnert in ihrem merkwürdigen Understatement ein wenig an ECM – schade nur, dass die Interpreten erst auf der letzten Seite des Booklets im Kleingedruckten genannt werden. Denn diese nehmen sich auf durchwegs hohem Niveau der eigenwilligen und in ihrer Tonsprache höchst originellen Werke an. Freilich muss man sich in die komplexen Strukturen einhören. Am leichtesten gelingt dies mit dem Violinkonzert, das nicht zufällig in machen Details dem von Alban Berg ähnelt. Die Einspielung mit Arve Tellefsen als Solisten ist schlichtweg genial; es handelt sich übrigens um eine Übernahme aus dem Simax-Katalog. (mku)

Fartein Valen: Fartein Valen: The Churchyard by the Sea, Pastorale, Ode to Solitude, Nachtstück, Violinkonzert, Lied ohne Worte, Sinfonie Nr. 1

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Fartein Valen:
Valen Trio: Valen · Egge · Hvoslef
( SACD, 2012, LAWO Classics /New Arts International LWC 1037 )

Innerhalb kurzer Zeit ist dies bereits die zweite Veröffentlichung mit Klaus Egges halbstündigem Trio; beide wurden interessanterweise 2011 in der Sofienberg-Kirche in Oslo aufgenommen und bilden jeweils den erzählerischen Schlusspunkt der Kammermusik-CD, auf der sie vertreten sind. Das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstandene Trio scheint derzeit eine kleine Renaissance zu genießen, erfreulich für das Schaffen Egges, wurde er doch lange als Komponist unterschätzt, im direkten Vergleich zu seinen Aktivitäten als Autor und Leiter des Norwegischen Komponistenverbands.

Die Musiker des Valen Trios kombinieren das Werk mit dem nur wenige Jahre älteren Trio von Egges Lehrer Fartein Valen und dem sehr jungen Trio des 1939 geborenen Ketil Hvoslef. Sie unterfüttern ihre Interpretation mit mehr Feuer und Dringlichkeit als die kurze Zeit später aufgenommene Lesart, die auf Simax' Porträt-CD mit Egge-Kammermusik zu finden ist und die im direkten Vergleich altmodischer und gemütlicher in Erscheinung tritt. Dabei ist überhaupt faszinierend, welche Präsenz und Zeitlosigkeit das Valen Trio allen drei Werken zu verleihen imstande ist. Gleichzeitig wirkt Egges viersätziges Trio, als sei es älter als das Fartein Valens, welcher einst viele Jahre der Auseinandersetzung mit der Musik seiner Zeit, der Jahre zwischen den Kriegen, Übergangsjahre auch in kultureller Hinsicht, und seiner eigenen Kunst gekostet hat. Entsprechend war es für die Hörer damals eine echte Herausforderung, die Entwicklung aus dem spätromantischen, tonalen Stil hin zum atonalen Ausdruck, für den der Komponist heute bekannt ist, anzunehmen. Und die Interpreten machen eben diese (aus damaliger Sicht) kühne Haltung nachvollziehbar, nacherfahrbar, wenngleich das Werk für heutige Ohren sehr leicht zu hören ist, Reger trifft auf Schönberg.

Das norwegische Trio, das sich nach Valen benannt hat, formierte sich 2009 und legte 2012 mit diesem exzellenten Programm sein Debüt vor. Für Interpretationen spätromantischer Werke wurden sie gepriesen, doch ihr Verdienst liegt bislang eher darin, prominente Komponisten um Auftragswerke für die Triobesetzung zu bitten. So entstand Ketil Hvoslefs ebenfalls nur »Trio« genannter Einsätzer ist entgegen Arvid Vollsnes' Liner Notes nicht wirklich schwer zugänglich, nutzt vor allem vertraute Elemente, obwohl es 2010 entstand, eher schon klar, ruhig, teils fast kontemplativ. Unter anderem eröffnet es deshalb das Programm, obwohl eine umgekehrte Reihenfolge naheliegender wäre. (ijb)

Fartein Valen: Valen Trio: Valen · Egge · Hvoslef

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Verschiedene:
Henie Onstad Kunstsenter: John Cage In Norway
( 2010, Prisma Records /Musikkoperatørene PRISMACD707 )

Über John Cage konnte man sich schon immer trefflich streiten; da kommt diese exzellent aufgemachte Archivaufnahme gerade recht. Im November 1983 im Henie Onstad Kunstsenter (HOK) aufgenommen, anlässlich Cages zelebriertem Besuch in Norwegen, bietet diese Archivveröffentlichung als Komplettpaket Fortbildung und Unterhaltung gleichermaßen.

Über die Werke wurde über die Jahrzehnte bereits vieles geschrieben; da kann an dieser Stelle nicht wirklich etwas hinzugefügt werden. Markant ist allerdings, neben dem überzeugend interpretierten Präpariertem-Klavier-Klassiker »Music for Marcel Duchamp«, vor allem das abschließende »Branches«, das mit »Instruments Made Of Different Plant Materials« gespielt wird. In diesem Fall hatte Cage eine Version speziell für norwegische Pflanzen geschrieben.

Weniger die - nun erstveröffentlichten - Aufnahmen selbst als vielmehr die aufwendige Präsentation ist der Hauptgrund, dass »JOHN CAGE IN NORWAY« für jeden Liebhaber zeitgenössischer Musik und für entdeckungfreudige Musikwissenschaftler und -studenten erwerbenswert wird: das elegante, 60-seitige Büchlein enthält Schwarzweiß-Fotografien, das Q&A mit Cage nebst Erläuterungen, ein rückblickendes Gespräch der beteiligten Musiker und einen Essay von Kurator Lars Mørch Finborud, »John Cage als Poet, Pilzliebhaber und Anarchist«.

Die Veröffentlichung entstand 2010 für die dreimonatige Ausstellung »John Cage. The Anarchy Of Silence« im HOK. Die alten Liveaufnahmen wurden von Audun Strype bestmöglich gemastert und dürften für jeden Cage-Freund eine erfreuliche Entdeckung oder Ergänzung sein. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass man als Cage-Interpret die offenen Partituren nicht einfach spielen konnte, sondern sie mit Eigeninitiative mitgestalten musste. (ijb)



Siehe auch:
mehr vom Henie Onstad Kunstsenter

 Verschiedene: Henie Onstad Kunstsenter: John Cage In Norway

Offizielle Website

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Njål Vindenes:
Everyday
( 2018, Bergen Mafia)

Beim norwegischen Label Bergen Mafia gibt man sich offen, was den Musikstil angeht: Hier kommen nicht nur die Alben der Bergener Party-Indierocker Kakkmaddafakka heraus, sondern neuerdings auch ganz klassische Gitarrenmusik. Kann es sein, dass es sich bei Njål Vindenes um den Papa der beiden Kakkmaddafakka-Brüder Axel und Pål Vindenes handelt? Diese naheliegende Frage würde sich nicht nur Sherlock Holmes stellen. Denn wer hat Bergen Mafia aus der Taufe gehoben? Bingo, die Gebrüder Vindenes! Ob es nun familiäre Verbindungen gibt oder nicht: Bei Njål Vindenes handelt es sich um einen klassisch ausgebildeten Gitarristen und Lautenisten, der am Bergen University College und an der Grieg-Akademie lehrt und seit den 90er Jahren bereits mehrere Solo-Alben herausgebracht hat. Mit »EVERYDAY« legt er bereits seinen fünften Longplayer in Eigenregie vor. Außer für Musik interessiert sich Vindenes übrigens noch für die Apfelweinproduktion und hat viel Zeit und Energie in die Entwicklung einer besonders fruchtige norwegische Mischung investiert. Den Mann sollten sie unbedingt auf die Frankfurter Dippemess einladen!

Der Herr Professor macht also Kammermusik! Und das auf eine erfreulich gelassene und trotzdem virtuose Weise. Vindenes konzentriert sich hier hauptsächlich auf die reiche spanische Tradition, wie etwa den zeitgenössischen katalanischen Komponisten Miguel Llobet Solés, aber auch die junge portugiesische Jazz-Musikern Luísa Maria Solar. Es finden sich aber auch Tangos, Bach'sche Fugen und eine Interpretation des klassischen italienischen Gassenhauers »O Sole Mio«. Gemeinsam ist all diesen unterschiedlichen Stücken: Sie sind von ruhiger Schönheit und stiller Lebensfreude. Was in dieser lauten Welt gar sehr zu loben ist! (emv)



Siehe auch:
Kakkmaddafakka
Pish


 Njål Vindenes: Everyday

Video-Link Offizielle Website

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Rolf Wallin:
Rolf Wallin: Wire and String
( SACD, 2011, Bodø Sinfonietta Eigenverlag PPC 9063 )

Rolf Wallin zählt zu Skandinaviens wichtigsten Komponisten der Gegenwart. Seine Werke werden in Norwegen von allen relevanten Ensembles gespielt, zugleich schreibt er ebenso ausgiebig Musik für Theater, Choreografien und Installationen, und vor allem setzt sich sein Schaffen ganz zeitgemäß über alle Stil- und Genregrenzen hinweg. So tritt der mit seinen bald 60 Jahren noch immer jugendlich wirkende Wallin schon mal beim PUNKT Festival als Remixer allein mit einer iPod-App auf. »Eine der wunderbarsten Aspekte beim Komponieren von Kunstmusik ist das Fehlen von Grenzen: Man kann in sehr ferne Regionen reisen, sowohl musikalisch als auch konzeptionell,« schreibt Wallin daher im Beiheft.

Die hier vom engagierten Kammerorchester Bodø Sinfonietta und Dirigent Christian Eggen unter Leitung des Komponisten eingespielten drei Werke sind, rein äußerlich zumindest, in einer klassischen Aufführungspraxis verankert. Inhaltlich jedoch geht bereits das erste Werk, sicher der Höhepunkt der CD, sehr eigene Wege. Mit »Imella« Wallin schrieb Wallin für die renommierte Geigen- und Fiedelspielerin Susanne Lundeng ein Konzert, das in so nicht zuvor genutzter Weise Elemente norwegischer Volksmusik mit der klassischen Solokonzert-Tradition verbindet. Die Noten legen für die Solistin keine unumstößliche Melodieführung fest, sondern, inspiriert von der Volksmusik, ein Reservoir von Themen und Regeln, die sozusagen eine improvisatorische Freiheit nicht nur ermöglicht, sondern herausfordert. Zugleich aber schrieb Wallin für das Kammerorchester eine hochspannende, in Stimmungen und Stilmitteln abwechslungsreiche Reise, die für sich genommen schon ein reizvolles Konzertstück abgibt. Es versteht sich bei diesen Musikern und kompositorischen Anlagen fast von selbst, dass man dieses beeindruckenden Werks mit jedem neuen Hören mit gespitzetn Ohren lauscht. Da ist es wiederum fast schade, dass das Album nur eine Variante anbietet. Die kurze Laufzeit der CD hätte eine zweite Aufnahme gut erlaubt.

Denn die beiden weiteren Werke auf der CD können es mit der Faszination von »Imella« nicht ganz aufnehmen: das Orchesterstück »The Age of Wire and String« bietet trotz einer charmanten Skurrilität eher einen Setzkasten aus Miniaturen, während die Streicherversion der 1994 für Piano und Sopran geschriebenen »Drei Gedichte von Rainer Maria Rilke« (1900 bis 1908) sich ein wenig wie ein Nachklapp der CD anfühlt und an Wolfgang Rihms »Hölderlin-Fragmente« erinnert. (ijb)



Siehe auch:
Susanne Lundeng & Rolf Wallin
Susanne Lundeng & Engegårdkvartetten

Arctic Philharmonic Orchestra

Christian Eggen & CIKADA: Eivind Buene


Rolf Wallin: Rolf Wallin: Wire and String

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Tone Wik:
Dolcissimo Sospiro – Werke von d’India, Marini, Merula, Monteverdi, Quagliati, Caccini, Ford
( 2004, 2L 2L19 )

Wie bringt man Liebe und Freude mit Schmerz und Tod musikalisch zusammen? Auf »DOLCISSIMO SOSPIRO« zeigt uns die Sopranistin Tone Wik, wie - mit »süßesten Seufzern«, dem Kennzeichen italienischer Renaissance-Musik. Ihre klare und expressive Stimme erstrahlt dabei vor einem mit Laute, Cembalo, Barockvioline und/oder -cello gewebten Klangteppich.

Die wirkliche Überraschung sind aber nicht die zehn Renaissance-Stücke von d'India, Marini, Merula, Monteverdi, Quagliati und Caccini, sondern »Rinuccini« des 1959 geborenen Ron Ford. Basierend auf Texten des Dichters Ottavio Rinuccini (1562-1621) kontrastieren die sieben Sätze mit den vorherigen und bilden eine Brücke zur Gegenwart. Mittels Zwölftontechniken und extremer Intervallsprünge spinnen sich Tone Wiks Sopran-Töne immer weiter »sphärisch seufzend« fort. Sie reiben sich an den Instrumenten und scheinen permanent um Erlösung zu flehen. (ano)

Tone Wik: Dolcissimo Sospiro – Werke von d’India, Marini, Merula, Monteverdi, Quagliati, Caccini, Ford

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Terje Winge:
Organism
( 2016, 2L /Naxos 2L-123 )

Dass bislang niemand auf den Gedanken gekommen zu sein schien, ein Orgelalbum »ORGANISM« zu betiteln, überrascht dann doch. Ob Terje Winges Projekt eigentlich eine Verbindung zwischen dem Titel und den drei porträtierten Komponisten herstellt, sei dahingestellt, faszinierend und nicht zuletzt klanglich außergewöhnlich ist sein 2L-Debüt in jedem Fall. Der 1950 geborene Winge ist Professor für Kirchenmusik und Orgel an der Norwegischen Musikakademie in Oslo, und er spielte auf einer der größten Orgeln seines Heimatlandes, der Jörgensen-Rieger-Orgel in der Kirche zu Ålesund, drei ausdrucksstarke Werke dreier seiner Landsleute und Zeitgenossen (alle gehören seiner Generation an, sind nur wenige Jahre älter), die zwar aus verschiedenen Orgeltraditionen komponieren, doch sie eint die Liebe zum sakralen Teil des Orgelkanons und zur Gregorianik. Anspruchsvoll mag dieses Programm sein, doch es ist keineswegs schwer zugänglich.

Denn wer könnte dem berauschenden, vielschichtigen Klang der Pfeifenorgel in einer geräumigen Kirche gegenüber distanziert oder gleichgültig bleiben? Und dazu benötigt es keine Jahrhunderte alten Hymnen aus dem Kirchenbuch, es nimmt einen bereits das Spiel eines versierten Organisten, mit den musikalischen Gedanken nordischer Gegenwartskomponisten auf eine kraftvolle Reise. So ist Morten Lindbergs audiophiler, alle Register ziehender Raum- und Surroundklang seines 2L-Labels geradezu perfekt für ein Programm wie dieses. Und es klingt hervorragend auch auf einem gewöhnlichen Stereogerät. Das Gefühl einer großen Kirche transportiert sich hier ebenfalls. Gänsehaut garantiert.

Kjell Mørk Karlsens Sonate »De Profundis« setzt einen dramatischen, höchst (klang-)dynamischen Anfang, und Winge zieht alle Register seines Könnens (und des Instruments). In Trygve Madsens 2003 geschriebenem »Le Tombeau de Dupré« geht es etwas moderater und deutlich melodischer zur Sache, ein guter Einstieg für Leute, die sich nicht gleich ans große Drama wagen wollen. Das mit über 25 Minuten längste Opus der rund 70 Minuten langen SACD bzw. Super Audio BluRay Disc, Kjell Flems »Ecclesia in mundo«, spielt auf schillernde Weise mit dem Klangarsenal der Orgel und punktet mit atmosphärischer Komplexität. (ijb)



Siehe auch:
Terje Winge & Jan Fredrik Christiansen
Nils Henrik Asheim


Terje Winge: Organism

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