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Lange Rezensionen 11 - 20 von 106 im Genre »Klassik« und Land »Schweden« (insgesamt 106)

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Victoria Borisova-Ollas:
The Triumph of Heaven
( 2008, Phono Suecia PSCD 171 )

Wow! Die Frau hat Power in der Feder. Die Frauenquote unter Komponisten ist ja für Freunde der Gleichberechtigung ein ziemlicher Skandal – und eigentlich gibt’s auch keinen Grund dafür, dass der Beruf bis heute eine Männerdomäne ist. Die gebürtige Russin und Wahl-Schwedin Victoria Borisova-Ollas (geboren 1969) ist ein perfektes Beispiel dafür. Mit dieser CD kann man sich nämlich davon überzeugen lassen, dass Frauen das Tonsetzerhandwerk beherrschen, ordentlich Krach machen und trotzdem hoch emotionale Musik dabei herstellen können.

Am Eindrucksvollsten ist das in den beiden Orchesterstücken »Wings of the Wind« und der 1.
Symphonie »The Triumph of Heaven« zu hören. In einer herben, aber doch wild-schönen Tonsprache irgendwo zwischen Spätromantik und Neuer Musik liegt eine ungebändigte Kraft, die sich immer wieder in Bläser- und Schlagwerk-Gewittern entlädt – zusammengewoben von wunderschönen Melodiebögen.

So umwerfend diese Werke sind, so leise wird die CD Richtung Ende. Das weltberühmte Raschèr Saxophon-Quartett spielt ein noch keck auftrumpfendes »Roosters in Love«, bevor mit »Im Klosterhofe« und »Silent Island«, zwei fast impressionistisch-stillen Werken, die Vorstellung der Komponistin leise verhallt. Fazit: Macht Lust, mehr von der Frau zu hören – auch im Konzertsaal. (sep)

Victoria Borisova-Ollas: The Triumph of Heaven

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Daniel Börtz:
Daniel Börtz: Marie Antoinette (Gesamtaufnahme in schwedischer Spache)
( 3 CDs, 1998, Caprice Records CAP 22047 )

Es lag nicht nur am gesunden schwedischen Patriotismus und einem eher zusammengestoppelten Kulturhauptstadt-Programm, dass der Uraufführung von Daniel Börtz' (geb. 1943) abendfüllender Oper »MARIE ANTOINETTE« mehr als 50 ausverkaufte (!) Vorstellungen folgten. Denn in diesem Werk, das das Schickal von Marie Antoinette und ihren Liebhaber Axel von Fersen Revue passieren läßt, bilden das handlungsstarke Libretto (Claes Fellbom) und die keinem Mainstream verbundene Musik, die neben rezitativischen Passagen und konzertanten Szenen auch Versatzstücke älterer Provenienz (Gluck und Purcell) natürlich integriert, eine bühnenwirksame Einheit.

Dank der vorzüglichen interpretatorischen Leistung des gesamten Ensembles der Folkoper Stockholm konnten äußere Dramatik und psychische Innenspannung auch auf diesem Live-Mitschnitt eingefangen werden. Die Abbildung des präsent plazierten Orchesters bleibt hingegen zweidimensional. Warum der Edition das Libretto nur auf Schwedisch beigegeben wurde, lässt sich nicht ergründen. Einführung und Zusammenfassung geben allerdings einen guten Überblick über die faszinierende wie tragfähige Komposition, die auch südlich des Mare Balticum Gehör und Aufmerksamkeit finden sollte. (mku)

Daniel Börtz: Daniel Börtz: Marie Antoinette (Gesamtaufnahme in schwedischer Spache)

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Camerata Nordica; Terje Tønnesen:
Benjamin Britten: Music for String Orchestra
( SACD, 2013, BIS /Klassik Center Kassel BIS-2060-SACD )

1974 als Oskarshamn Ensemble gegründet, erarbeitete sich die aus 15 bis 20 Streichern zusammensetzende, panskandinavische Camerata Nordica den Ruf einer beliebten und vielseitig aktiven Gruppe, sowohl ihre musikalischen Programme (bis in die Rockmusikszene hinein) und ihre weiten Konzertreisen als auch ihr lokales Engagement im Südosten Schwedens betreffend. Das Ensemble hat keinen festen Dirigenten und spielt üblicherweise im Stehen.

Selbstredend beschränkt sich ihre Stückwahl nicht auf skandinavische Komponisten. Diese CD mit fünf facettenreichen Werken Benjamin Brittens beweist nachdrücklich, dass das Ensemble, unter der Leitung des genreübergreifend aktiven Norwegers Terje Tønnesen, durch einen starken eigenen Zugang zur Streicherliteratur des 20. Jahrhunderts punkten kann. Gerade wer bislang vor allem die großen Haupt- und Spektakelwerke Brittens kennt (und schätzt), darf mit dieser 81 (!) Minuten langen CD einige kraftvolle Frühwerke des späteren Meisters entdecken. Als Abschluss gibt es gar die Weltersteinspielung der eindringlichen »Elegie für Streicher« des damals gerade 15-jährigen Schülers zu hören.

Zur gleichen Zeit, aber auf zwei Jahre später, 1930, datiert, entstanden die jugendlich ungestümen »Zwei Portraits«, und noch weiter zurück reichen die Ursprünge der »Simple Symphony«, die Britten Anfang der 1930er aus eigenen Kindheitskompositionen der Jahre 1923 bis 1926 erarbeitete. So heiter und leichtfüßig wie etwa in den Sätzen »Boisterous Bourée« oder »Playful Pizzicato« dürfte man den Engländer kaum einmal zu Gehör bekommen.

Den »Variationen über ein Thema von Frank Bridge« des dann bereits Anfang 20-jährigen Komponisten (1937), hört man, bei aller Vitalität, schon die spätere Ernsthaftigkeit deutlicher an, welche sich in der erst 1950 geschriebenen, 1976, also kurz vor Brittens Tod, für Kammerorchester arrangierte Sonate für Viola und Klavier fortsetzt. Ein hoch dynamisches Programm in Werk und sensibel erarbeiteter Interpretation, zwischen Drama und Nachdenklichkeit, also ganz aus jener Zeit entsprungen, legen Camerata Nordica hier auf BIS vor. Für Kenner wie Einsteiger gleichermaßen eine Freude. (ijb)

 Camerata Nordica: Benjamin Britten: Music for String Orchestra

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Camerata Nordica; Terje Tønnesen:
Visions fugitives — Music for Strings
( SACD, 2014, BIS BIS-2126 )

»In jeder flüchtigen Erscheinung sehe ich Welten, voll vom Wechselspiel der Regenbogenfarben.« Der Vers des russischen Lyrikers Konstantin Balmont (1867-1942) inspirierte den jungen Prokofiew, zwischen 1915 und 1917 zum Komponieren einer Sammlung aphoristischer Klavierminiaturen, »Visions fugitives« — »Flüchtige Erscheinungen«. Rudolf Barshai, bekannt vor allem durch seine Transkriptionen von Schostakowitsch-Kammermusik, stellte 15 der kurzen Stücke neu zu einem Orchesterzyklus zusammen, welche wiederum Terje Tønnesen und das Ensemble Camerata Nordica zum Thema ihrer nach Britten und Beethoven dritten BIS-CD machten.

Die durchweg leichtgestaltigen Miniaturen finden teils schwergewichtige Gegenüber in drei Suiten, die zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in Europa entstanden: Paul Hindemiths anspruchsvolle, neobarocke Fünf Stücke aus dem »Schulwerk für Instrumental-Zusammenspiel«, Béla Bartóks berühmter neoklassizistischer Dreisätzer »Divertimento« und, in ihrer Einfachheit und Gegenwärtigkeit noch am ehesten Verwandte der »Visions fugitives«, Weberns »Fünf Sätze« Op.5, selbstredend in der Orchesterversion. Wie im Booklet kenntnis- und lehrreich ausgeführt, punktet diese CD durch ein stilistisch und formal vielseitiges Schlaglicht-Programm vier Meister jener Zeit, zwischen (damaliger) Retrospektion und Neutönigkeit. Manche/r mag die Sachlichkeit der Interpretation bedauern, doch womöglich führt erst diese zurückhaltende und technische Lesart die kontrastreiche Auswahl zu einer »runden Sache« zusammen, welche gleichwohl als Gesamtpaket zu faszinieren wie durch kleine Kanten zu überraschen weiß. Der SuperAudioCD-Klang verhilft den vielschichtigen und abwechslungsreichen Stücken sehr gut zur Geltung. (ijb)

 Camerata Nordica: Visions fugitives — Music for Strings

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Bernhard Henrik Crusell:
Klarinettenkonzert B-Dur op. 1, Klarinettenkonzert B-Dur op. 11, Sinfonia concertante B-Dur op. 3
( 2001, Centaur CRC 2495 )

Sicherlich: Man kennt inspiriertere und aufnahmetechnisch weitaus glücklichere Aufnahmen, bei denen diese Musik nicht ganz so »weichgespült« klingt, ihre Schärfe verliert und obendrein auch noch leicht konsumierbar anmutet. Das alles hat Bernhard Henrik Crusell (1775–1838) nicht verdient. Denn die Werke dieses in Finnland geborenen und ab 1793 in Stockholm wirkenden Klarinettisten und Komponisten haben es wirklich in sich. Doch auf welch hohem Niveau sich etwa seine Klarinettenkonzerte befinden, ist leider noch immer viel zu wenig bekannt.

Auch die »Sinfonia concertante« (ein Mittelding zwischen Sinfonie und Konzert) hat ihre Reize, selbst wenn hier das unterhaltende Moment stärker hervortritt. Gleichwohl: Selbst in diesem frühen Werk wird der geübte Hörer bisweilen mit einen eigentümlich nordischen Ton (im »klassischen« Gewand) Bekanntschaft machen. Handwerklich gut gemacht und durchaus klangschön fehlt bei dieser Neuproduktion dennoch der zündende Funke. Eigentlich kein Wunder, denn die randvolle CD wurde in nur einem Tag aufgenommen. Zudem stehen die Solisten zu sehr im Vordergrund, das Orchester wurde vom Tonmeister dagegen ungebührlich in den Hintergrund gerückt. Und das Booklet ist lediglich in englischer Spache abgefasst. (mku)

Bernhard Henrik Crusell: Klarinettenkonzert B-Dur op. 1, Klarinettenkonzert B-Dur op. 11, Sinfonia concertante B-Dur op. 3

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Curious Chamber Players:
Works by Malin Bång, Jeppe J. Christensen, Ylva Lund Bergner, Christian W. Christensen, Nicolai Worsaae, Rei Munakata
( 2012, dB Productions /Klassik Center Kassel dBCD145 )

Die »neugierigen Kammermusiker«, ein Ensemble aus zwölf Musiker(inne)n, von denen einige auch komponieren, präsentieren auf ihrem Debütalbum sechs junge schwedische und dänische Komponisten. Die älteste unten ihnen ist auch schon fast 40 Jahre alt: Malin Bång, »Composer in Residence« der Gruppe, lebt derzeit in Berlin als DAAD-Stipendiatin und durfte darüber hinaus schon fürs Klangforum Wien und die Donaueschinger Musiktage schreiben. Ihr »Turbid Motion« kommt, wie der Titel schon andeutet, etwas überdreht daher, aber auch undurchdringlich und vage.

Den Curious Chamber Players ist nicht nur an kompositorischem Ausdruck , sondern auch an Innovation der Spielmethoden mit Hilfe von Alltagsklängen gelegen. Frei und neu soll »Neue Musik« sein. So klingelt bei Ylva Lund Bergner das Telefon oder quietschen die Instrumente wie alte Türen. Immerhin ist ihr »Euphorbia«inspiriert von Natur, von einer der tödlichsten Pflanzen, und sie möchte Schmerz, Schock und spastische Krämpfe in Musik übersetzen. Nicht jedermans Sache, versteht sich. Aber zumindest eines der spannenderen und dichteren Stücke dieser CD. Was dagegen Christian W. Christensens »Andante con moto« für Flöte, Klarinette, Piano und drei Streicher jenseits des Titels mit Beethovens Klavierkonzerten zu tun hat, wie der Komponist äußert, wird sich vermutlich kaum jemanden erschließen.

Das meiste in diesem Programm bleibt vage und ungreifbar. Sympathischen Abschluss bildet das vielleicht stärkste Stück, Jeppe Just Christensens bizarres Pianoquartett. Hier spricht eine neue musikalische Stimme, die mit Bewusstsein für das viele bereits Existierende in der zeitgenössischen Musik ungewohnte neue Ideen zu einer klaren, wenn auch ungemütlichen Form augestaltet. (ijb)



Siehe auch:
Malin Bång: Spanning – Scandinavian Electro Acoustic Music

 Curious Chamber Players: Works by Malin Bång, Jeppe J. Christensen, Ylva Lund Bergner, Christian W. Christensen, Nicolai Worsaae, Rei Munakata

Audio-Link Offizielle Website

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Duo Dialog:
Duo Dialog
( 2008, Caprice Records CAP 21787 )

Dialog ist wahrlich der beste Name für dieses Duo, das seine gesamte Hör-Faszination damit bestreitet, extrem kommunikativ zu spielen. Was auf der anderen Seite wiederum verwundert ist, dass diese CD, voll mit Neuer Musik, so einschmeichelnd, so gut hörbar, ja so schön ist. Auch wenn die Stücke von sehr verschiedenen Komponisten stammen, haben sie doch einen bestimmten Ton gemeinsam: harmonisch fundiert, wenn auch mit einigen »schrägen« Ausreiflern. Jazzig, wenn man darunter eine Spielweise versteht, die immer ein bisschen nach Improvisation klingt. Ein Hauch Impressionismus, eine leichtfüßige Melancholie, pastellfarben.

Was den Werken auflerdem gemeinsam ist, dass sie auf das Dialog-Duo zugeschnitten sind. Nicht nur die Musiker kommunizieren musikalisch. Die Werke geben diese Kommunikation vor: Klarinetten- und Gitarrenstimme kopieren einander, nehmen fallengelassene Fäden auf, der eine schickt dem anderen Echos hinterher. Larsson und Grönlund spielen das auflerdem so präzise und sinnlich, dass einen die CD sanft aus dem Tag rückt. Böse, anstrengende Neue Musik? Ganz im Gegenteil ... (sep)

 Duo Dialog: Duo Dialog

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Andreas Eklöf:
Andreas Eklöf: NOR
( 2008, Compunctio COMPCD003 )

Musik wie ein Puzzle, in einem phantasievollen Booklet verpackt. Wenige, oftmals gleiche, nur gering modulierte Töne greifen ineinander, treffen trotz langsamer Tempi wie die Zähne eines Uhrwerks an klar definierten Stellen zusammen und wirken doch menschlich. Andreas Eklöfs Musik sitzt zwischen den Stühlen von Avantgarde und moderner Klassik und könnte doch beide Lager vereinen: Er arbeitet viel mit präparierten Pianos – ein Stilmittel, das oft John Cage zugeschrieben wird, jedoch schon viel länger bekannt ist und entsprechend benutzt wurde.

Wenn Eklöf in »Patterns For Three Pianos« oder »Piece For Three Pianos« mit minimalsten Mitteln Spannung erzeugt durch die Reibung von Tönen, die die präparierten und nicht präparierten Klavierseiten erzeugen, dann begeistert dieser geplante Zufall. Insbesondere wenn man erfährt, dass die drei Pianisten ihre Aufnahmen sogar in drei unterschiedlichen Studios einspielten. (lha)



Siehe auch:
The Gothenburg Combo
Amund Sjølie Sveen


Andreas Eklöf: Andreas Eklöf: NOR

Offizielle Website

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Anders Eliasson:
Anders Eliasson: Double Concerto / Sinfonia per archi
( 2008, cpo 777 334-2 )

Anders Eliasson passt in keine Schubladen. Und gilt trotzdem als einer der wichtigsten Komponisten des jungen 21. Jahrhunderts. Was zunächst etwas seltsam erscheinen mag, denn Eliassons Werke sind eine sperrige Mischung: komplex, scheinbar durchgerechnet, klanglich nicht eingängig, in Werkbezeichnungen (Concerto, Sinfonia) irgendwo im 20. oder gar 19. Jahrhundert zurückgeblieben. Gleichzeitig ist aber seine Musik von einer solchen sinnlichen Wucht, so präsent, so unvorhersehbar, spannend und dermaßen anspruchsvoll (im positiven Sinne: mit viel Anspruch und ansprechend), dass man in ihm, dem Stillen, der sich kaum je selbst zu sich und seiner Musik zu Wort meldet, zu Recht einen der ganz Großen erkennen kann.

Sein Doppelkonzert und die »Sinfonia Per Archi« sind gute Beispiele für die Eliasson-Faszination. Das Konzert ist für die Solisten eine immense technische Herausforderung. Gleichzeitig sind die Stimmen und der Orchesterapparat motivisch so eng verwoben, dass man dieses Stück nur gemeinsam, ohne Solisten-Allüren, bewältigen kann – was hier auch gelingt. Die kreiselnden Motivbausteine greifen uhrwerkgenau ineinander, und trotzdem bleibt der Fluss erhalten.

Noch besser klappt das im ersten Satz der »Sinfonia«, der tatsächlich wie ein Gussstück ohne eine einzige Bruch- oder Nahtstelle klingt. Bei der Beschreibung von Eliassons Musik werden oft visuelle Bilder, oft aus der Natur herangezogen. Hier vielleicht: ein tiefer, schlammiger Strom. Was trotzdem unzureichend ist, weil Eliasson schafft, was so viele vor ihm schon versucht haben: absolute Musik zu schreiben. Über die zu reden sich eigentlich verbietet. Also: Anhören! (sep)

Anders Eliasson: Anders Eliasson: Double Concerto / Sinfonia per archi

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Eric Ericson:
Europäische Chormusik
( 6 CDs, 2014, Warner Classics 825646261505 )

Wenn es einen Chorleiter im skandinavischen Raum gibt, dessen Name nicht nur berühmter ist als der anderer Kollegen, sondern auch berühmter als der Chöre selbst, dann trifft dies wohl auf den Schweden Eric Ericson zu, der mit seinen beiden Ensembles in den frühen 1970ern als »Chorwunder des Nordens« bekannt wurde und quer durch Europa reisend begeisterte. Bis ins hohe Alter noch künstlerisch wach und aktiv (siehe z.B. Accentus & Eric Ericson: »North«), starb Ericson 2013 in seinem 95. Lebensjahr. Ihm zu Ehren (und um ihren durch Übernahmen signifikant vergrößerten Katalog ans Publikum zu bringen) veröffentlichte Warner Classics kurze Zeit später diese hervorragende 6-CD-Box mit Aufnahmen der Jahre 1968 bis 1975 zum unschlagbaren Niedrigpreis, die jedem Liebhaber von Chormusik viel Freude bereiten wird.

Die Zusammenstellung der 6 Silberlinge folgt einer (zwischenzeitlich) nicht ganz nachvollziehbaren Aufteilung in »Chormusik aus fünf Jahrhunderten« (CDs 1-3) und »Virtuose Chormusik« (4-6), wobei beide Auswahlen Kompositionen zwischen dem 16. Jahrhundert (Tallis, Monteverdi, Gesualdo, Dowland, Byrd) und der (damaligen) Gegenwart (Ligeti, Penderecki, Edlund, Werle) umfassen. Die beiden Programme wurden in den 1970ern unter diesen Titeln als zwei einzelne Multi-LP-Sets veröffentlicht. Explizit versuchen sich die Programme nicht an enzyklopädischer Vollständigkeit, weshalb man ganze Epochen vermissen könnte (Schütz, Bach, frühe Romantik mit Mendelssohn und Schubert). Doch auch ohne jene Meisterwerke gibt es ungemein vieles, das noch immer, ungeachtet inzwischen veränderter Interpretations- und Hörmoden, spannend (wieder) zu erleben ist und in seiner Verschiedenartigkeit individuellen Vorlieben und Entdeckungen zugute kommt.

Ericson wusste — und das pflegte er auch nach dem Ende seiner Zeit als Leiter der beiden Chöre noch viele Jahre als (Star-)Gast bei anderen Ensembles — wie man einen einheitlichen Gruppenklang ausformuliert und darf daher bis heute als Wegweiser verstanden werden. Bekannt ist Ericson auch dafür, dass er sich in demutig vor der Musik intensiver Vorbereitung und Probezeiten selbst ebenso verschrieb wie seine Sänger/innen. (ijb)



Siehe auch:
Eric Ericson & Accentus

Eric Ericson: Europäische Chormusik

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