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Lange Rezensionen 1 - 20 von 106 im Genre »Klassik« und Land »Schweden« (insgesamt 106)

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Hugo Alfvén:
Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 5 a-Moll op. 54, Andante religioso
( 2007, Naxos CD 8.557612 )

Die 5. Sinfonie ist eine unzeitgemäße Komposition. 1942 begonnen, 1953 uraufgeführt und 1958 nochmals revidiert, handelt es sich gleichwohl um ein bedeutendes Alterswerk des großen Schweden Hugo Alfvén (1872–1960). Der dramatische, dunkle Tonfall lässt nochmals die nordische Spielart der spätromantischen Tradition in allen Facetten aufleben, einschließlich eines eigenwilligen »Danse macabre«.

Nur ganz selten im Konzertsaal zu hören, liegt mit der aktuellen Produktion aus Norrköping, die die gelungene Gesamtaufnahme bei Naxos nunabschließt, überhaupt erst die zweite Einspielung des Werkes vor. Und sie besticht durch makelloses Spiel, eine ausgewogene, durchgehend gespannte Interpretation und einen angenehm direkten, satten und dennoch nicht lastenden Klang. (mku)

Hugo Alfvén: Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 5 a-Moll op. 54, Andante religioso

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Claude Loyola Allgén:
Claude Loyola Allgén: Sonata for Solo Violin
( 2006, BIS CD-1381/82 )

Kurios, kautzig, einsam und tragisch. So lässt sich das Leben und Schaffen des in Kalkutta geborenen schwedischen Komponisten Claude Loyola Allgén (1920–1990) umschreiben. Am Anfang stand ein erfolgreiches Bratschen-Studium, es folgten Kontrapunktstunden, schließlich der Kreis der »Montagsgruppe«. Dann aber konvertierte Allgén, wechselte auf die Jesuitenschule nach Innsbruck – die Priesterweihe blieb ihm aber ebenso verwehrt wie der musikalische Durchbruch. Zu sehr erschien er den Zeitgenossen des musikalischen Establishments als Sonderling (er befindet sich damit in Skandinavien in guter Gesellschaft!); zu sehr isolierte sich Allgén selbst. Obwohl niemand seine Werke kannte, hielt man sie für unspielbar. Und so schrieb Allgén, den niemand wollte und der (wieder zurück in Stockholm) von Sozialhilfe lebte, nur für sich und die Zukunft.

Schwierig als Mensch, wurde ihm Aufmerksamkeit nur von den wenigen Interpreten geschenkt, die den Vorurteilen keinen Glauben schenkten und sich ernsthaft mit dem Schaffen auseinandersetzen wollten. Voraussetzung ist freilich physische und psychische Ausdauer. Und nachdem bereits 2005 Joar Skorpen bei dem Label »Nosag« erstmals (und live!) die gigantische Sonate für Violine allein (1989) vorgelegt hat, präsentiert nun Ulf Wallin seine (schrittweise produzierte) Sicht. Er hinterlässt dabei zwar einen abgeklärteren Eindruck als Skorpen, benötigt aber eigentümlicherweise auch eine ganze Stunde mehr für die drei Sätze des Werkes (insgesamt 161 Minuten). Gewöhnungsbedürftig ist auch die etwas hallige Akustik, obgleich Wallin selbst den Ort bestimmte.

Allgén verstarb, als sein Haus in Flammen aufging – vermutlich war er bei einer brennenden Kerze eingeschlafen. Seine erst späten gewonnenen musikalischen Freunde verfassten zur Beisetzung einen Gedenkspruch, der wie eine Verheißung klingt: »Claude, wir hören voneinander!« (mku)

Claude Loyola Allgén: Claude Loyola Allgén: Sonata for Solo Violin

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Kurt Atterberg:
Kurt Atterberg: Konzert für Violoncello und Orchester op. 21, Orchesterfassung von: Johannes Brahms. Streichsextett G-Dur op. 36
( 2007, BIS CD-1504 )

Da hat sich der Komponist Atterberg ein wirklich tolles Stück für den Solisten Atterberg geschrieben. Denn das schwedische Multitalent saß nicht nur lange als Ingenieur im Stockholmer Patentamt, leitete die schwedische Komponistenvereinigung, komponierte und dirigierte, sondern war auch noch ein hervorragender Cellist. Seine unbedingt hörenswerten Sinfonien liegen inzwischen alle auf CD vor, auch viele andere hörenswerte Werke – doch nun erst kommt das Cellokonzert aus dem Jahre 1923.

Einmal mehr erweist sich Atterberg dabei als glänzender Romantiker. Sein unverkennbar warmer und mild glühender Stil mit weiten Kantilenen und melancholisch versonnener, herber Harmonik tritt auch hier klar hervor. Und da der weltbekannte Truls Mørk den Cellopart sehr klangbetont gestaltet, geht einem bei dieser Einspielung schier das Herz auf. Kurios, dass Atterberg den Beginn des Konzerts so gestaltet, dass man sich an das Violinkonzert seines finnischen Kollegen Sibelius zwingend erinnert fühlt.

Die ebenfalls von Atterberg stammende, als satte Streicherserenade angelegte Bearbeitung von Brahms' Sextett ist eine originelle Koppelung. Das Orchester aus Umeå klingt dabei zwar etwas zu entfernt, zeigt sich aber insbesondere beim Konzert allerbestens vorbereitet. (mku)

Kurt Atterberg: Kurt Atterberg: Konzert für Violoncello und Orchester op. 21, Orchesterfassung von: Johannes Brahms. Streichsextett G-Dur op. 36

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Kurt Atterberg:
Kurt Atterberg: Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 10 (1914/16) »Västkustbilder«, Sinfonie Nr. 6 C-Dur op. 31 (1927/28)
( 1999, cpo 999 640-2 )

Leider haben es die Sinfonien von Kurt Atterberg (1887–1974) bis heute nicht ins Repertoire hiesiger Orchester geschafft und gelten daher noch immer unter Kennern als Geheimtipp. Was für geniale Partituren dieser unverbesserliche Spätromantiker hinterlassen hat (übrigens war Atterberg kurioserweise »nebenbei« als Ingenieur im Stockholmer Patentamt beschäftigt), zeigt die inzwischen abgeschlossene und von der internationalen Kritik begeistert aufgenommene Gesamteinspielung der Werke bei dem Label cpo.

Eine CD sticht freilich besonders heraus, nämlich die mit den Sinfonien Nr. 3 und Nr. 6 – möglicherweise auch die besten und wichtigsten Beiträge Atterbergs in dieser renommierten Gattung. So strotzen die teils still leuchtenden, teils entfesselt stürmenden »Westküstenbilder« (Nr. 3) vor straff durchorganisierter Kraft und Ausdrucksintensität (der zweite Satz bietet die vielleicht gelungenste Sturm-Vertonung der Zeit). Viel »klassischer« in der Form und Erfindung wirkt hingegen die Nr. 6, die wegen eines Schubert-Zitats einst für großen Presserummel sorgte – weil Atterberg mit dem Werk einen weltweit ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb gewann und sich von dem Preisgeld ein Auto kaufte ...

Die hervorragend aufgelegte Radio-Philharmonie aus Hannover entfaltet einen sagenhaft dichten Sound, auch wenn es der Live-Produktion der 3. Sinfonie trotz der glühenden Interpretation etwas an klanglicher Brillanz fehlt. (mku)

Kurt Atterberg: Kurt Atterberg: Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 10 (1914/16) »Västkustbilder«, Sinfonie Nr. 6 C-Dur op. 31 (1927/28)

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Bror Beckman:
Beckman/Karg-Elert: Cloud Poems – Wolkengedichte
( 2012, Es-Dur Records ES 2041 )

Harmonium und Akkordeon haben das gleiche Klangerzeugungsprinzip, die Spielweise ist auch nicht bahnbrechend unterschiedlich – verständlich also, dass die Literatur für Harmonium von Akkordeonisten durchaus spielbar ist.

Bror Beckman (1866-1923) und Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) haben beide viel Musik für Harmonium komponiert, beide sind der Spätromantik zuzurechnen. Sie kannten und schätzten sich sehr, allerdings ist Karg-Elert wesentlich bekannter als Beckman.

Helmut C. Jacobs ist nicht nur Akkordeonvirtuose und Professor für Romanische Philologie an der Universität Duisburg-Essen, er forscht auch nach verschütteter Literatur für nicht alltägliche Instrumente. Davon profitieren posthum der Schwede Beckman und der Deutsche Karg-Elert.

Beckmans Suite D-Dur op.13 in vier Sätzen weist nordische Einflüsse auf, ist aber vor allem von barocken Prinzipien geprägt. Die Drei Sinfonischen Balladen op. 14 sind deutlich impressionistisch gefärbt mit klanglichen Farben und melodischen und harmonischen Freiheiten. Beckmans innovativstes Werk für Harmonium sind die Wolkengedichte op. 17, in denen er gleichsam Gemälde von Caspar David Friedrich oder William Turner vertont. Diese Stücke blieben zu Lebzeiten des Komponisten unveröffentlicht; bemerkenswerter Weise ist Beckman ausschließlich in seiner schwedischen Heimat von Bedeutung.

Sigfrid Karg-Elert widmete sich als Komponist, Interpret und Pädagoge intensiv dem Kunstharmonium, wie Beckman ließ auch er sich von der Natur inspirieren. Deutlich wird das in seinen Sechs Romantischen Stücken op. 103, in denen er Impressionen aus dem Riesengebirge verarbeitete. Stilistisch schlägt Karg-Elert eine Brücke von romantischer Expressivität zu impressionistischer harmonischer Farbenpracht. (tjk)



Siehe auch:
Lundqvist: Metamorphoses – Works For Accordion

Bror Beckman: Beckman/Karg-Elert: Cloud Poems – Wolkengedichte

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Gustaf Bengtsson:
Gustaf Bengtsson: Violinkonzert h-Moll (1941), Cellokonzert a-Moll (1932)
( 2005, Sterling CDS-1063-2 )

Beruflich konnte Bengtsson nie in Stockholm Fuß fassen. Vielleicht auch aus diesem Grund zählt er zu den großen unbekannten Komponisten in der schwedischen Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts – denn als Organist, Chorleiter und Musikschuldirektor hatte er seinen festen Platz eingenommen (er leistete herausragende Arbeit in Motala, Linköping und Karlstad).

Die beiden Konzerte, die hier erstmals eingespielt wurden, haben eine musikalische Sprache, die noch ganz in der ungebrochenen romantischen Tradition lebt. Aus mitteleuropäischer Perspektive würde man die mehr melodisch als dramatisch, mitunter gar lyrisch gestimmten Werke eher 50 Jahre früher ansiedeln. Virtuos sind die Partituren allemal – nicht nur für den Solisten, sondern gelegentlich auch für das Orchester (Cellokonzert).

Das noch sehr junge Orchester der Oper in Malmö (es wurde überhaupt erst 1991 gegen alle Sparzwänge gegründet!) und die beiden Solisten engagieren sich zwar für die Werke, doch fehlt es an charakteristischen Wendungen, die der unbestreitbar versierte Bentgsson vermissen lässt, und am zündenden interpretatorischen Funken (obwohl zwei famose Solisten aufspielen). (mku)

Gustaf Bengtsson: Gustaf Bengtsson: Violinkonzert h-Moll (1941), Cellokonzert a-Moll (1932)

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Franz Berwald:
Franz Berwald: Sinfonie sérieuse · Sinfonie capricieuse · Erinnerung an die norwegischen Alpen
( 2005, Chandos /Naxos CHAN 10303 )

In den letzten zehn Jahren sind gleich mehrere Gesamteinspielungen der gewichtigen Sinfonien des großen Schweden Franz Berwald (1796–1868) erschienen. Diese Produktionen sind von ganz unterschiedlichem Niveau, und zumeist hat der Rezensent im Plattenregal dann doch zu einigen fast schon historischen Einspielungen gegriffen, weil sie den Kern der Partituren am besten treffen.

Doch nun hat Thomas Dausgaard eine wirkliche Alternative geschaffen. Mit sicherer Hand wählt er durchgehend adäquate Tempi. Außerdem verfügt er über einen mit absoluter Präzision agierenden Klangkörper, der alle Farbnuancen der technisch schwierigen Partituren kraftvoll zum Leuchten bringen kann (nur im Kopfsatz der »Sinfonie sérieuse«, Takte 29–31, irritiert ein merkwürdiges Stolpern). Wer Berwald noch nicht für sich entdeckt hat – mit dieser Aufnahme sollte er beginnen. (mku)



Siehe auch:
Dausgaard dirigiert Gudmundsen-Holmgreen
Thomas Dausgaard & Swedish Camber Orchestra

Dausgaard dirigiert Dag Wirén


Franz Berwald: Franz Berwald: Sinfonie sérieuse · Sinfonie capricieuse · Erinnerung an die norwegischen Alpen

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Franz Berwald:
Franz Berwald: Symphonie Nr. 1 & 2
( 2003, Deutsche Grammophon /Universal 474.054-2 )

Das hätte Franz Berwald (1796-1868) sich nicht zu träumen gewagt: Dass zwei seiner Symphonien sogar in die Jubiläumsserie »eloquence« aufgenommen würden, die von der Deutschen Grammophon, Decca und Philips Classics aufgelegt wurde. Berwald, der für seine Zeitgenossen so unbekannt gebliebene schwedische Frühromantiker! Ein Zeitgenosse Schuberts, von Beethoven nicht unbeeinflusst geblieben. Es war ihm noch nicht einmal vergönnt, von seinen eigenen Symphonie-Kompositionen mehr als die erste aufgeführt zu hören, wenngleich er als Geigenvirtuose in zahlreichen Konzertsälen Europas beklatscht wurde.

Die Göteborger Symfoniker haben die beiden frühen Berwald-Symphonien – Nr. 1 »Sinfonie sérieuse« und Sinfonie Nr.2 »Sinfonie capricieuse« – unter dem estnischen Dirigenten Neeme Järvi 1985 aufgenommen. (mls)

Franz Berwald: Franz Berwald: Symphonie Nr. 1 & 2

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Jussi Björling:
Jussis Beste
Puccini, Bizet, Mascagni
( 1995, RCA /BMG 74321-317-2 )

Die Sonne scheint bei Capri im Meer zu versinken, wenn der legendäre Jussi Björling (1911-1960) die Highlights aus seinem Opern-Repertoire zum Besten gibt: Puccini ist mit »Tosca«, »La Bohème« und »Turandot« gleich dreimal vertreten, aber auch Bizets »Perlenfischerduett« (mit Robert Merrill) und die Siciliana aus der »Cavalleria Rusticana« von Mascagni lassen »JUSSIS BESTE« als ein »Best Of Best« aller Opernhits aus den 50er Jahren erscheinen. In Norwegen erreichte diese CD übrigens Platinstatus – 35 Jahre nach dem Tod des Tenors.

Der »schwedische Caruso« Jussi blieb seiner Heimat immer verbunden. Deshalb sind Reminiszenzen an den Norden mit »O Helga Natt« und zwei Grieg-Lieder (»En Svane«, »En Drøm«) für ihn eine Selbstverständlichkeit. Und wenn das Värmland-Lied in einer historisch-schlichten Aufnahme von 1936 erklingt, dann versinkt die Sonne ganz langsam irgendwo in den schwedischen Schären. Jussis Stern erstrahlt zeitlos am Musikhimmel. (mls)



Siehe auch:
Jussi Björling

Jussi Björling: Jussis Beste

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Jussi Björling:
ReDiscovered – Carnegie Hall Recital, Werke von Beethoven, Schubert, Strauss, Brahms, Mozart, Sibelius, Sjöberg, u.a.
( 2003, RCA /BMG 82876.53379.2 )

Der schwedische Caruso (1911-1960) war nicht nur auf der Opernbühne eine Legende, sondern erlangte auch für seine Liederrezitative Weltruhm. Zu den Perlen seiner Sangeskunst zählt der Live-Mitschnitt des Konzerts am 24. September 1955 in der Carnegie Hall in New York, mittlerweile von RCA erstmals auf einer CD komplett aufgelegt.

Björling singt hier neben populären Opern-Ausschnitten von Giordano, Bizet, Mascagni, Mozart und Puccini einige Schubert- und Strausslieder sowie sechs skandinavische Lieder von Grieg, Sibelius und Sjöberg mit einer in ihrer Schlichtheit ergreifenden Inbrunst. Eine weitere Besonderheit bei diesem Recital: Immer wieder fügte Björling zwischen den gedruckten Programmnummern Zugaben ein, die er jeweils ansagte und so in ständigem Dialog mit seinem Publikum stand. Den Wechsel vom melancholisch-sanften Lied zur dramatischen »Cavalleria rusticana« meistert er mit so geschmeidiger Stimme, dass man auch fünfzig Jahre später dem Carnegie-Konzert noch lustvoll lauscht. (mls)

Jussi Björling: ReDiscovered – Carnegie Hall Recital, Werke von Beethoven, Schubert, Strauss, Brahms, Mozart, Sibelius, Sjöberg, u.a.

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Victoria Borisova-Ollas:
The Triumph of Heaven
( 2008, Phono Suecia PSCD 171 )

Wow! Die Frau hat Power in der Feder. Die Frauenquote unter Komponisten ist ja für Freunde der Gleichberechtigung ein ziemlicher Skandal – und eigentlich gibt’s auch keinen Grund dafür, dass der Beruf bis heute eine Männerdomäne ist. Die gebürtige Russin und Wahl-Schwedin Victoria Borisova-Ollas (geboren 1969) ist ein perfektes Beispiel dafür. Mit dieser CD kann man sich nämlich davon überzeugen lassen, dass Frauen das Tonsetzerhandwerk beherrschen, ordentlich Krach machen und trotzdem hoch emotionale Musik dabei herstellen können.

Am Eindrucksvollsten ist das in den beiden Orchesterstücken »Wings of the Wind« und der 1.
Symphonie »The Triumph of Heaven« zu hören. In einer herben, aber doch wild-schönen Tonsprache irgendwo zwischen Spätromantik und Neuer Musik liegt eine ungebändigte Kraft, die sich immer wieder in Bläser- und Schlagwerk-Gewittern entlädt – zusammengewoben von wunderschönen Melodiebögen.

So umwerfend diese Werke sind, so leise wird die CD Richtung Ende. Das weltberühmte Raschèr Saxophon-Quartett spielt ein noch keck auftrumpfendes »Roosters in Love«, bevor mit »Im Klosterhofe« und »Silent Island«, zwei fast impressionistisch-stillen Werken, die Vorstellung der Komponistin leise verhallt. Fazit: Macht Lust, mehr von der Frau zu hören – auch im Konzertsaal. (sep)

Victoria Borisova-Ollas: The Triumph of Heaven

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Daniel Börtz:
Daniel Börtz: Marie Antoinette (Gesamtaufnahme in schwedischer Spache)
( 3 CDs, 1998, Caprice Records CAP 22047 )

Es lag nicht nur am gesunden schwedischen Patriotismus und einem eher zusammengestoppelten Kulturhauptstadt-Programm, dass der Uraufführung von Daniel Börtz' (geb. 1943) abendfüllender Oper »MARIE ANTOINETTE« mehr als 50 ausverkaufte (!) Vorstellungen folgten. Denn in diesem Werk, das das Schickal von Marie Antoinette und ihren Liebhaber Axel von Fersen Revue passieren läßt, bilden das handlungsstarke Libretto (Claes Fellbom) und die keinem Mainstream verbundene Musik, die neben rezitativischen Passagen und konzertanten Szenen auch Versatzstücke älterer Provenienz (Gluck und Purcell) natürlich integriert, eine bühnenwirksame Einheit.

Dank der vorzüglichen interpretatorischen Leistung des gesamten Ensembles der Folkoper Stockholm konnten äußere Dramatik und psychische Innenspannung auch auf diesem Live-Mitschnitt eingefangen werden. Die Abbildung des präsent plazierten Orchesters bleibt hingegen zweidimensional. Warum der Edition das Libretto nur auf Schwedisch beigegeben wurde, lässt sich nicht ergründen. Einführung und Zusammenfassung geben allerdings einen guten Überblick über die faszinierende wie tragfähige Komposition, die auch südlich des Mare Balticum Gehör und Aufmerksamkeit finden sollte. (mku)

Daniel Börtz: Daniel Börtz: Marie Antoinette (Gesamtaufnahme in schwedischer Spache)

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Camerata Nordica; Terje Tønnesen:
Benjamin Britten: Music for String Orchestra
( SACD, 2013, BIS /Klassik Center Kassel BIS-2060-SACD )

1974 als Oskarshamn Ensemble gegründet, erarbeitete sich die aus 15 bis 20 Streichern zusammensetzende, panskandinavische Camerata Nordica den Ruf einer beliebten und vielseitig aktiven Gruppe, sowohl ihre musikalischen Programme (bis in die Rockmusikszene hinein) und ihre weiten Konzertreisen als auch ihr lokales Engagement im Südosten Schwedens betreffend. Das Ensemble hat keinen festen Dirigenten und spielt üblicherweise im Stehen.

Selbstredend beschränkt sich ihre Stückwahl nicht auf skandinavische Komponisten. Diese CD mit fünf facettenreichen Werken Benjamin Brittens beweist nachdrücklich, dass das Ensemble, unter der Leitung des genreübergreifend aktiven Norwegers Terje Tønnesen, durch einen starken eigenen Zugang zur Streicherliteratur des 20. Jahrhunderts punkten kann. Gerade wer bislang vor allem die großen Haupt- und Spektakelwerke Brittens kennt (und schätzt), darf mit dieser 81 (!) Minuten langen CD einige kraftvolle Frühwerke des späteren Meisters entdecken. Als Abschluss gibt es gar die Weltersteinspielung der eindringlichen »Elegie für Streicher« des damals gerade 15-jährigen Schülers zu hören.

Zur gleichen Zeit, aber auf zwei Jahre später, 1930, datiert, entstanden die jugendlich ungestümen »Zwei Portraits«, und noch weiter zurück reichen die Ursprünge der »Simple Symphony«, die Britten Anfang der 1930er aus eigenen Kindheitskompositionen der Jahre 1923 bis 1926 erarbeitete. So heiter und leichtfüßig wie etwa in den Sätzen »Boisterous Bourée« oder »Playful Pizzicato« dürfte man den Engländer kaum einmal zu Gehör bekommen.

Den »Variationen über ein Thema von Frank Bridge« des dann bereits Anfang 20-jährigen Komponisten (1937), hört man, bei aller Vitalität, schon die spätere Ernsthaftigkeit deutlicher an, welche sich in der erst 1950 geschriebenen, 1976, also kurz vor Brittens Tod, für Kammerorchester arrangierte Sonate für Viola und Klavier fortsetzt. Ein hoch dynamisches Programm in Werk und sensibel erarbeiteter Interpretation, zwischen Drama und Nachdenklichkeit, also ganz aus jener Zeit entsprungen, legen Camerata Nordica hier auf BIS vor. Für Kenner wie Einsteiger gleichermaßen eine Freude. (ijb)

 Camerata Nordica: Benjamin Britten: Music for String Orchestra

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Camerata Nordica; Terje Tønnesen:
Visions fugitives — Music for Strings
( SACD, 2014, BIS BIS-2126 )

»In jeder flüchtigen Erscheinung sehe ich Welten, voll vom Wechselspiel der Regenbogenfarben.« Der Vers des russischen Lyrikers Konstantin Balmont (1867-1942) inspirierte den jungen Prokofiew, zwischen 1915 und 1917 zum Komponieren einer Sammlung aphoristischer Klavierminiaturen, »Visions fugitives« — »Flüchtige Erscheinungen«. Rudolf Barshai, bekannt vor allem durch seine Transkriptionen von Schostakowitsch-Kammermusik, stellte 15 der kurzen Stücke neu zu einem Orchesterzyklus zusammen, welche wiederum Terje Tønnesen und das Ensemble Camerata Nordica zum Thema ihrer nach Britten und Beethoven dritten BIS-CD machten.

Die durchweg leichtgestaltigen Miniaturen finden teils schwergewichtige Gegenüber in drei Suiten, die zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in Europa entstanden: Paul Hindemiths anspruchsvolle, neobarocke Fünf Stücke aus dem »Schulwerk für Instrumental-Zusammenspiel«, Béla Bartóks berühmter neoklassizistischer Dreisätzer »Divertimento« und, in ihrer Einfachheit und Gegenwärtigkeit noch am ehesten Verwandte der »Visions fugitives«, Weberns »Fünf Sätze« Op.5, selbstredend in der Orchesterversion. Wie im Booklet kenntnis- und lehrreich ausgeführt, punktet diese CD durch ein stilistisch und formal vielseitiges Schlaglicht-Programm vier Meister jener Zeit, zwischen (damaliger) Retrospektion und Neutönigkeit. Manche/r mag die Sachlichkeit der Interpretation bedauern, doch womöglich führt erst diese zurückhaltende und technische Lesart die kontrastreiche Auswahl zu einer »runden Sache« zusammen, welche gleichwohl als Gesamtpaket zu faszinieren wie durch kleine Kanten zu überraschen weiß. Der SuperAudioCD-Klang verhilft den vielschichtigen und abwechslungsreichen Stücken sehr gut zur Geltung. (ijb)

 Camerata Nordica: Visions fugitives — Music for Strings

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Bernhard Henrik Crusell:
Klarinettenkonzert B-Dur op. 1, Klarinettenkonzert B-Dur op. 11, Sinfonia concertante B-Dur op. 3
( 2001, Centaur CRC 2495 )

Sicherlich: Man kennt inspiriertere und aufnahmetechnisch weitaus glücklichere Aufnahmen, bei denen diese Musik nicht ganz so »weichgespült« klingt, ihre Schärfe verliert und obendrein auch noch leicht konsumierbar anmutet. Das alles hat Bernhard Henrik Crusell (1775–1838) nicht verdient. Denn die Werke dieses in Finnland geborenen und ab 1793 in Stockholm wirkenden Klarinettisten und Komponisten haben es wirklich in sich. Doch auf welch hohem Niveau sich etwa seine Klarinettenkonzerte befinden, ist leider noch immer viel zu wenig bekannt.

Auch die »Sinfonia concertante« (ein Mittelding zwischen Sinfonie und Konzert) hat ihre Reize, selbst wenn hier das unterhaltende Moment stärker hervortritt. Gleichwohl: Selbst in diesem frühen Werk wird der geübte Hörer bisweilen mit einen eigentümlich nordischen Ton (im »klassischen« Gewand) Bekanntschaft machen. Handwerklich gut gemacht und durchaus klangschön fehlt bei dieser Neuproduktion dennoch der zündende Funke. Eigentlich kein Wunder, denn die randvolle CD wurde in nur einem Tag aufgenommen. Zudem stehen die Solisten zu sehr im Vordergrund, das Orchester wurde vom Tonmeister dagegen ungebührlich in den Hintergrund gerückt. Und das Booklet ist lediglich in englischer Spache abgefasst. (mku)