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Lange Rezensionen 1 - 5 von 106 im Genre »Klassik« und Land »Schweden« (insgesamt 106)

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Hugo Alfvén:
Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 5 a-Moll op. 54, Andante religioso
( 2007, Naxos CD 8.557612 )

Die 5. Sinfonie ist eine unzeitgemäße Komposition. 1942 begonnen, 1953 uraufgeführt und 1958 nochmals revidiert, handelt es sich gleichwohl um ein bedeutendes Alterswerk des großen Schweden Hugo Alfvén (1872–1960). Der dramatische, dunkle Tonfall lässt nochmals die nordische Spielart der spätromantischen Tradition in allen Facetten aufleben, einschließlich eines eigenwilligen »Danse macabre«.

Nur ganz selten im Konzertsaal zu hören, liegt mit der aktuellen Produktion aus Norrköping, die die gelungene Gesamtaufnahme bei Naxos nunabschließt, überhaupt erst die zweite Einspielung des Werkes vor. Und sie besticht durch makelloses Spiel, eine ausgewogene, durchgehend gespannte Interpretation und einen angenehm direkten, satten und dennoch nicht lastenden Klang. (mku)

Hugo Alfvén: Hugo Alfvén: Sinfonie Nr. 5 a-Moll op. 54, Andante religioso

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Claude Loyola Allgén:
Claude Loyola Allgén: Sonata for Solo Violin
( 2006, BIS CD-1381/82 )

Kurios, kautzig, einsam und tragisch. So lässt sich das Leben und Schaffen des in Kalkutta geborenen schwedischen Komponisten Claude Loyola Allgén (1920–1990) umschreiben. Am Anfang stand ein erfolgreiches Bratschen-Studium, es folgten Kontrapunktstunden, schließlich der Kreis der »Montagsgruppe«. Dann aber konvertierte Allgén, wechselte auf die Jesuitenschule nach Innsbruck – die Priesterweihe blieb ihm aber ebenso verwehrt wie der musikalische Durchbruch. Zu sehr erschien er den Zeitgenossen des musikalischen Establishments als Sonderling (er befindet sich damit in Skandinavien in guter Gesellschaft!); zu sehr isolierte sich Allgén selbst. Obwohl niemand seine Werke kannte, hielt man sie für unspielbar. Und so schrieb Allgén, den niemand wollte und der (wieder zurück in Stockholm) von Sozialhilfe lebte, nur für sich und die Zukunft.

Schwierig als Mensch, wurde ihm Aufmerksamkeit nur von den wenigen Interpreten geschenkt, die den Vorurteilen keinen Glauben schenkten und sich ernsthaft mit dem Schaffen auseinandersetzen wollten. Voraussetzung ist freilich physische und psychische Ausdauer. Und nachdem bereits 2005 Joar Skorpen bei dem Label »Nosag« erstmals (und live!) die gigantische Sonate für Violine allein (1989) vorgelegt hat, präsentiert nun Ulf Wallin seine (schrittweise produzierte) Sicht. Er hinterlässt dabei zwar einen abgeklärteren Eindruck als Skorpen, benötigt aber eigentümlicherweise auch eine ganze Stunde mehr für die drei Sätze des Werkes (insgesamt 161 Minuten). Gewöhnungsbedürftig ist auch die etwas hallige Akustik, obgleich Wallin selbst den Ort bestimmte.

Allgén verstarb, als sein Haus in Flammen aufging – vermutlich war er bei einer brennenden Kerze eingeschlafen. Seine erst späten gewonnenen musikalischen Freunde verfassten zur Beisetzung einen Gedenkspruch, der wie eine Verheißung klingt: »Claude, wir hören voneinander!« (mku)

Claude Loyola Allgén: Claude Loyola Allgén: Sonata for Solo Violin

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Kurt Atterberg:
Kurt Atterberg: Konzert für Violoncello und Orchester op. 21, Orchesterfassung von: Johannes Brahms. Streichsextett G-Dur op. 36
( 2007, BIS CD-1504 )

Da hat sich der Komponist Atterberg ein wirklich tolles Stück für den Solisten Atterberg geschrieben. Denn das schwedische Multitalent saß nicht nur lange als Ingenieur im Stockholmer Patentamt, leitete die schwedische Komponistenvereinigung, komponierte und dirigierte, sondern war auch noch ein hervorragender Cellist. Seine unbedingt hörenswerten Sinfonien liegen inzwischen alle auf CD vor, auch viele andere hörenswerte Werke – doch nun erst kommt das Cellokonzert aus dem Jahre 1923.

Einmal mehr erweist sich Atterberg dabei als glänzender Romantiker. Sein unverkennbar warmer und mild glühender Stil mit weiten Kantilenen und melancholisch versonnener, herber Harmonik tritt auch hier klar hervor. Und da der weltbekannte Truls Mørk den Cellopart sehr klangbetont gestaltet, geht einem bei dieser Einspielung schier das Herz auf. Kurios, dass Atterberg den Beginn des Konzerts so gestaltet, dass man sich an das Violinkonzert seines finnischen Kollegen Sibelius zwingend erinnert fühlt.

Die ebenfalls von Atterberg stammende, als satte Streicherserenade angelegte Bearbeitung von Brahms' Sextett ist eine originelle Koppelung. Das Orchester aus Umeå klingt dabei zwar etwas zu entfernt, zeigt sich aber insbesondere beim Konzert allerbestens vorbereitet. (mku)

Kurt Atterberg: Kurt Atterberg: Konzert für Violoncello und Orchester op. 21, Orchesterfassung von: Johannes Brahms. Streichsextett G-Dur op. 36

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Kurt Atterberg:
Kurt Atterberg: Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 10 (1914/16) »Västkustbilder«, Sinfonie Nr. 6 C-Dur op. 31 (1927/28)
( 1999, cpo 999 640-2 )

Leider haben es die Sinfonien von Kurt Atterberg (1887–1974) bis heute nicht ins Repertoire hiesiger Orchester geschafft und gelten daher noch immer unter Kennern als Geheimtipp. Was für geniale Partituren dieser unverbesserliche Spätromantiker hinterlassen hat (übrigens war Atterberg kurioserweise »nebenbei« als Ingenieur im Stockholmer Patentamt beschäftigt), zeigt die inzwischen abgeschlossene und von der internationalen Kritik begeistert aufgenommene Gesamteinspielung der Werke bei dem Label cpo.

Eine CD sticht freilich besonders heraus, nämlich die mit den Sinfonien Nr. 3 und Nr. 6 – möglicherweise auch die besten und wichtigsten Beiträge Atterbergs in dieser renommierten Gattung. So strotzen die teils still leuchtenden, teils entfesselt stürmenden »Westküstenbilder« (Nr. 3) vor straff durchorganisierter Kraft und Ausdrucksintensität (der zweite Satz bietet die vielleicht gelungenste Sturm-Vertonung der Zeit). Viel »klassischer« in der Form und Erfindung wirkt hingegen die Nr. 6, die wegen eines Schubert-Zitats einst für großen Presserummel sorgte – weil Atterberg mit dem Werk einen weltweit ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb gewann und sich von dem Preisgeld ein Auto kaufte ...

Die hervorragend aufgelegte Radio-Philharmonie aus Hannover entfaltet einen sagenhaft dichten Sound, auch wenn es der Live-Produktion der 3. Sinfonie trotz der glühenden Interpretation etwas an klanglicher Brillanz fehlt. (mku)

Kurt Atterberg: Kurt Atterberg: Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 10 (1914/16) »Västkustbilder«, Sinfonie Nr. 6 C-Dur op. 31 (1927/28)

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Bror Beckman:
Beckman/Karg-Elert: Cloud Poems – Wolkengedichte
( 2012, Es-Dur Records ES 2041 )

Harmonium und Akkordeon haben das gleiche Klangerzeugungsprinzip, die Spielweise ist auch nicht bahnbrechend unterschiedlich – verständlich also, dass die Literatur für Harmonium von Akkordeonisten durchaus spielbar ist.

Bror Beckman (1866-1923) und Sigfrid Karg-Elert (1877-1933) haben beide viel Musik für Harmonium komponiert, beide sind der Spätromantik zuzurechnen. Sie kannten und schätzten sich sehr, allerdings ist Karg-Elert wesentlich bekannter als Beckman.

Helmut C. Jacobs ist nicht nur Akkordeonvirtuose und Professor für Romanische Philologie an der Universität Duisburg-Essen, er forscht auch nach verschütteter Literatur für nicht alltägliche Instrumente. Davon profitieren posthum der Schwede Beckman und der Deutsche Karg-Elert.

Beckmans Suite D-Dur op.13 in vier Sätzen weist nordische Einflüsse auf, ist aber vor allem von barocken Prinzipien geprägt. Die Drei Sinfonischen Balladen op. 14 sind deutlich impressionistisch gefärbt mit klanglichen Farben und melodischen und harmonischen Freiheiten. Beckmans innovativstes Werk für Harmonium sind die Wolkengedichte op. 17, in denen er gleichsam Gemälde von Caspar David Friedrich oder William Turner vertont. Diese Stücke blieben zu Lebzeiten des Komponisten unveröffentlicht; bemerkenswerter Weise ist Beckman ausschließlich in seiner schwedischen Heimat von Bedeutung.

Sigfrid Karg-Elert widmete sich als Komponist, Interpret und Pädagoge intensiv dem Kunstharmonium, wie Beckman ließ auch er sich von der Natur inspirieren. Deutlich wird das in seinen Sechs Romantischen Stücken op. 103, in denen er Impressionen aus dem Riesengebirge verarbeitete. Stilistisch schlägt Karg-Elert eine Brücke von romantischer Expressivität zu impressionistischer harmonischer Farbenpracht. (tjk)



Siehe auch:
Lundqvist: Metamorphoses – Works For Accordion

Bror Beckman: Beckman/Karg-Elert: Cloud Poems – Wolkengedichte

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