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Lange Rezensionen 1 - 27 von 27 im Genre »Pop« und Land »Grenzgänger« (insgesamt 38)

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Isgaard: Wooden Houses
( 2008, Flat Earth Music /Rough Trade 4260062410032 )

Drei Möglichkeiten hatte der Hörer bereits, um die gebürtige Husumerin mit dem isländischen Namen Isgaard (»Eisgarten«) kennen zu lernen: Frau Marke sang 2001/2002 die Refrains in den Songs »Ein schöner Tag« und »Dream of You« des Schiller-Albums »WELTREISE«. Sie nahm 2003 an der deutschen Vorentscheidung des ESC (Ex-Grand Prix) teil und belegte mit »Golden Key« vom gleichnamigen Album den siebten Platz. Sie intonierte 2007 das Titelstück »Iceland« zu dem Naturfilm »ISLAND 63° 66° N«, welches sich als Bonus auf diesem, ihrem dritten Album »WOODEN HOUSES« findet. Eigentlich gibt es das Stück sogar zweimal: »Wasteland« lieferte die musikalische Vorlage für »Iceland«, doch der Text ist ein anderer.

Die klassisch ausgebildete Sängerin verbindet in ihrer Musik Klassik mit Pop, völlig frei von Kitsch oder übertriebener Theatralik. Gemeinsam mit Produzent/Keyboarder/Schlagzeuger Jens Lück komponierte Isgaard ein Dutzend Lieder zum Träumen und Genießen. Hauptsächlich zeichnen Keyboards und der facettenreiche Gesang von operettenhaft bis zauberhaft zart die Klanglandschaften, bisweilen unterstützen Gitarre, Geigen und Cello die Arrangements. Dabei reicht die Palette von mystisch gehauchten Feengesängen zu Synthiesounds bis zum Titeltrack mit Ethno-/ Weltmusikcharakter. »WOODEN HOUSES« – ausdrucksvoller, melodischer, verträumter Balsam für Seele und Ohren. (nat)



Mehr CDs von Isgaard

 Isgaard: Wooden Houses

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1000 Gram: Ken Sent Me
( 2012, Fixe Recordings /Broken Silence FIXE006 )

Musik für ZEIT-Leser: Die jung-dynamische Zielgruppe sollte / müsste / muss »KEN SENT ME« begeistern. 1000 Gram, alias Moritz Lieberkühn und sein Göteborger Trio, spielen auf ihrem Debüt legeren Songwriter-(Indie-)Pop. Haarscharf balanciert die deutsch-schwedische Truppe am Abgrund des seichten und/oder schon-mal-Gehörten vorbei: Zumindest beim ersten Durchlauf klingt der 56-Minüter zu glattgebügelt, zu nett, zu gefällig. Nach mehrmaligem Hören gewinnt das Album jedoch an Wert, nicht zuletzt dank des Gesangs, der wunderbar mit den Gitarrenmelodien harmoniert.

Von den 13 Songs schafft zwar keiner die Ohrwurm-Hürde, doch hat das Quartett mit Liedern wie »Cut Me Some Slack« und dem reich instrumentierten Abschluss »Steps Into Unknown Territory« einige Hinhörer im Gepäck. Diverse Gäste an Keyboard, Perkussion sowie Gastsängerin Anna Roxenholt setzen Akzente. Ein Hinweis für die Romantik-Fraktion: Der Berliner Lieberkühn folgte seiner Herzensdame Anna Roxenholt (New Found Land) in deren Heimatstadt, wo er Alexander Simm (Gitarre, Keyboard), Jacob Öhrvall (Bass, Keyboard) plus Joel Wästberg (Schlagzeug) kennen lernte, mit denen er 1000 Gram gründete. (nat)



Siehe auch:
New Found Land

 1000 Gram: Ken Sent Me

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By The Waterhole: two
( 2016, Play My Music /Bandcamp PDCD008 )

Hinter dem etwas ungelenken Projektnamen »Am Wasserloch« (der vermutlich im Zusammenhang mit den ungewöhnlichen Tiermotiven auf den Covers ihrer Alben steht) verbirgt sich die Musikerin Eva Pfitzenmaier, aus dem tiefen Süden Deutschlands, dem Kur- und Skiort Titisee-Neustadt, über die Studienjahre in Amsterdam seit einiger Zeit in Bergen an Norwegens Westküste angekommen. Ihrem Solodebüt »one« (2013) lässt sie den Zweitling »two« folgen; und es handelt sich in der Tat um ein astreines Soloalbum, denn Frau Pfitzenmaier hat alles selbst gemacht, vom Komponieren übers Ausfeilen der wunderlichen Popsongs mit Keyboard, Loops/Drones/Effekten und halb gesungenen, halb gesprochenen Texten bis hin zum speziellen Cover.

Aufgenommen und abgemischt hat ihr Partner Stephan Meidell (Gitarrist bei Cakewalk und im Erlend Apneseth Trio), der auch als Co-Produzent genannt ist und mit dem die Vokalistin das Duo Krachmacher bildet. Die sieben Songs, die in ihrer spröden LoFi-Klangwelt ein wenig an die Stücke der ebenfalls in Bergen lebenden Mari Kvien Brunvoll (mit der Meidell gemeinsam studierte) erinnern, werden von Pfitzenmaiers ausdrucksstarker Stimme verdichtet. Sowohl aufgrund des Gesangs als auch der perkussiven Qualität der Sound(scape)s dürfte manch eine/r bei »two« an Wildbirds & Peacedrums denken, doch Mariam Wallentins Power und Genrebrechungen findet man bei By The Waterhole nicht. Dieser introspektive Jazzpop bleibt zwischen spukhaft und verträumt. (ijb)



Siehe auch:
Cakewalk
Erlend Apneseth Trio

Wildbirds & Peacedrums

Mari Kvien Brunvoll


 By The Waterhole: two

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de la Mancha: The End Of Music
( 2012, Karaoke Kalk /Indigo Karaoke Kalk 67 )

Was für ein vielversprechender Albumtitel! Und wenn dann noch der gerne mit noisigem Ambient, experimentellem Songwriting und berauschenden Drone-Alben aktive Rag Rosenqvist beteiligt ist, sind die Erwartungen gleich nochmal höher. Doch leider bietet die zweite CD des schwedischen Duos aus Rosenqvist und seinem Kindheitsfreund, Sänger und Texter Jerker Lund nichts, was den ambitionierten Titel erklären oder gar rechtfertigen würde. Wenn die beiden auf Sigur Rós, Led Zeppelin(!) und My Bloody Valentine(!!) als Einflüsse verweisen, könnte man eine emotional kraftvolle, musikalisch eigenwillige und klanglich beeindruckende Mixtur erwarten. Aber nichts davon ist hier zu finden, ja sogar Rockmusik sucht man hier nahezu vergebens - es sei denn, man dreht die Lautstärke weit über Gebühr auf und nutzt den Dröhn-Effekt der Bassfrequenzen, um die warmen, charmanten Gitarren und das weiche Schlagzeug ordentlich aus dem Lautsprechern zu powern.

»THE END OF MUSIC« gehört eher in die Schublade »Indie-Pop«, aber nicht arg »leftfield«, eher schmachtend, denn der Vergleich mit Sigur Rós hinkt hier ebenfalls, sind de la Mancha doch weitaus weniger am Mysteriösen und Unkonventionellen interessiert als die individualistischen Isländer, die manchmal ja klangen als seien sie aus einer anderen Welt herübergesegelt. Vielleicht bieten sich die Melancholie von Gravenhurst und ein wenig die einfach gestrickten Pianosongs von Ólafur Arnalds als eine Orientierung an. Hübsch, aber es fehlt weitestgehend die Power von Rosenqvists besseren Werken. (ijb)



Siehe auch:
Jasper TX
Dakota Suite | Dag Rosenqvist | Emanuele Errante

From The Mouth Of The Sun

Sigur Rós


 de la Mancha: The End Of Music

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Live Foyn Friis: Running Heart
( 2014, Curling Legs /Galileo CLP CD 138 )

Man tut Live Foyn Friis ein bisschen Unrecht, wenn man sie als entweder Jazz oder Pop oder gar Elektronica einsortieren muss. Das Schöne an ihrem Album »RUNNING HEART« ist, dass es der in Dänemark und Schweden lebenden Norwegerin und ihrer Band spielend gelingt, eine solche Zuordnung auszuhebeln, zumal man oftmals nicht recht sagen kann, wie viel Elektronik hier in diese vielschichtigen Stücke verwoben sind. Mit einer überaus verspielten, heiteren Musik mit streckenweise starkem perkussiven Einschlag und etlichen raffinierten Klang-, Instrumental- und Arrangementeinfällen beglücken die Songs der 29-Jährigen auf diesem schön kompakten Album (41 Minuten).

So gesehen ist »RUNNING HEART« auf der Wellenlänge, die bereits ihr Foyn Trio mit Spielfreude, Raffinesse und mitreißender Energie bespielte, nur diesmal nicht als Trio, sondern im Quartett — und ganz unter ihrem eigenen Namen. Das Foyn Trio war nämlich im Prinzip die gleiche Band, wurde hier nur um Drummer Andreas Skamby (sowie bei einem Lied um Cello und Euphonium) erweitert. Freigeistige Märchenstimmung mit Girlpower, catchy und auch ein kleines bisschen schräg. Indie-Popmusik für Leute, denen Pop zu langweilig ist. Jedes Lied eine Wundertüte. (ijb)



Mehr CDs von Live Foyn Friis



Siehe auch:
Foyn Trio
Alex Jønsson Trio


Live Foyn Friis: Running Heart

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Hello Goodbye: Haunted Holiday
( 2004, Racing Junior RJCD028 )

Das gemischte Doppel, 2:2 unentschieden, nimmt seinen Zweitling im eigenen Göteborger Proberaum auf, also wären sie wohl eigentlich eher unter »Schweden« einzuordnen. Was die Norweger Frode Fivel (Gitarre/Gesang) und Alex Kloster-Jensen (Produzent/ Gitarrist) sowie die schwedische Sängerin Lisa Lundkvist samt Landsmann Johannes Kanschat (Schlagzeug) dort fabrizieren? Verspielten, aber keineswegs oberflächlichen Lo-Fi-Indiepop, verpackt in 14 »Songs Of Sex And Poetry« meist unter der Dreiminutenmarke.

Kunst trifft Musik, Popharmonien prallen auf Surfsound, Lisas überdrehter Gesang hallt von den Wänden eines 60er Jahre-Beatkellers. Ganz leger intoniert Frode »Return To Sender«; Lisa zeigt bei »From Fashion to Failure« ihre sanfte Seite und flippt aus bei »Fear Of Comets«. Manchmal kooperieren die beiden Stimmen Hello Goodbyes, werfen sich emotionale Bälle zu wie in »I Thought I Knew«. Ein erwähnenswertes, leider etwas kurz geratenes Werk. (nat)



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 Hello Goodbye: Haunted Holiday

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Herman Düne: Not On Top
( 2003, Track & Field Heat 33 )

Löblich haben Herman Düne die Idee des Kosmopolitischen umgesetzt: Zwei in Frankreich lebende Brüder aus Schweden (samt Bandtitel als Nachnamen), ein Schweizer und eine Kanadierin in einem englischen Studio. Dafür gibt es schon mal die goldene Medaille in weltbürgerischem Einsatz und vermutlich einige Miles & More-Punkte gleich oben drauf. Zeit zum Proben blieb in diesem Fall leider nicht, aber das sind die Weirdos gewohnt.

Dass die krude Mischung aus Jugendgottesdienst, Pfadfinderromantik und Drogenexperiment trotzdem prächtig funktioniert, ist erstaunlich. Und mehr: Ihr 60s-Schrammel-Folk und krummbeiniges Gerocke sind so unbekümmert und liebevoll, dass man gar nicht genug bekommen kann. Der Charme des Nebenbei erlischt dabei ganz schnell unter den kinderliedhaft-naiven Melodien, die aber nie zu albern wirken. Und weil ausgelassenes Herumhüpfen und lautes Mitsingen sowieso viel mehr Spaß machen, als zwischen seinen beiden Boxen hocken zu bleiben, gibt's dieses Album nur in der Mono-Version. Das ist logisch, wenn man so denkt wie Herman Düne. (maw)



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 Herman Düne: Not On Top

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Low Roar: Once In A Long, Long While...
( 2017, Nevado Music /Rough Trade )

Ryan Karazija alias Low Roar hat mit »ONCE, IN A LONG, LONG TIME...« sein vielleicht düsterstes Album vorgelegt. Der Weltenbummler aus dem kalifornischen Oakland, der lange in Island lebte und enge Verbingungen zur Musikszene der Atlantikinsel pflegt, verarbeitet auf seinem dritten Album seine Scheidung. Schmerz, Verlorenheit und Verwirrtsein: Um mit diesen Emotionen umzugehen, setzt Karazija auf einen intelligenten Mix aus Elektropop, folkig-balladigen Elementen, Weirdpop und Neoklassik. Und ist doch im Herzen ein Popster, der Mädchenmusik macht! Dem tieftraurigen »Bones«, das er im Duett mit dem isländischen Shootingstar Jófríõur Ákadóttir« (Pascal Pinon, Samaris, JFRD) singt, kommt bei allem Selenschmerz doch leicht daher. Und die Sehnsucht, wie sie der Meister im synthieumschmeichelten »Give Me An Answer« besingt, trägt keinesfalls Trauerflor!

Samtpfötig schleicht sich das singer-songwriteraffine »Gosia« heran und erhebt das Tagträumen zur Kunstform. Nein, die Hoffnung auf Glück hat Low Roar auf dem dritten Album definitiv nicht aufgegeben! Mit ein wenig Hilfe von den weltweit verstreuten Freunden wie dem Tunng-Mastermind Mike Lindsay, der übrigens ebenfalls enge Beziehungen zur isländischen Musikszene pflegt. Ob Ryan Karazija Reykjavík aus Liebeskummer verlassen hat - oder weil die isländische Hauptstadt derzeit von Touristen überrannt wird: Wir wissen es nicht. Der Musiker ist in die neueste europäische Metropole des Cool gezogen: Nach Warschau! (emv)



Siehe auch:
Pascal Pinon
Samaris


 Low Roar: Once In A Long, Long While...

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Aino Löwenmark: Human
( 2016, Traumton /Indigo 4628 )

Fjarill, das schwedische-südafrikanische-deutsche Popduo, geht nach zehn Jahren und sechs CDs (fürs erste) in Pause. Aino Löwenmark, in Falun in der schwedischen Provinz Dalarna(s) aufgewachsen und nach Aufenthalten in England und Spanien schließlich in Deutschland gelandet, wollte andere Facetten ihrer musikalischen Kreativität entdecken und entschied sich für ein Solodebüt. Doch so ganz allein wollte sie es dann doch nicht angehen, und so wurde die Hamburger Wohnung, die sie mit dem ihrem Lebensgefährten, dem Tingvall-Trio-Schlagzeuger Jürgen Spiegel teilt, für ein halbes Jahr mit Instrumenten, Geräten und »Kabelchaos« in ein Studio umgebaut. Spiegel wurde zum Produzent und Co-Autor von »HUMAN«, Tingvall-Bassist Omar Rodrigues Calvo und Gitarrist Sandro Giampietro stiegen auch mit ein, und der u.a. aus Anett Louisans Band bekannte Cellist Friedrich Paravincini brachte gleich noch diverse Instrumente wie das Ondes Martenot (einen akustischen Synthesizer), Fender Rhodes, Hammond und Wurlitzer mit.

All diese Einflüsse zeigen die Richtung recht deutlich, in die Löwenmarks Album geht, und die Grundrichtung des sanft angefolkten Pop von Fjarill wurde beibehalten, vielleicht um einen souligen Windhauch angereichert. Die Songwriterin singt zumeist auf englisch, manchmal auf deutsch, und da schwedische Volksmusik für sie jedoch nur in ihrer Muttersprache vorstellbar sei, auch auf schwedisch. Es geht um Liebe, Licht und Vertrauen, um Freundschaft, Träumen und Zeitlosigkeit, alles hübsch allgemein gehalten, weshalb die Lieder mal als ordentlich produzierte Radiomusik daherkommen, jedoch immer wieder, wie »Halleluja« oder »All one«, mehr nach Kitsch und Schlager klingen als nach Folk und Pop. Das halb deutsche, halb schwedische »Sov nu« (»Schlaft jetzt«) macht es sich etwa zwischen Märchen, Schlaflied und (unbeabsichtigter?) Nachbildung von Peter Gabriels »Mercy Street« gemütlich. »Kreativ und spielerisch« soll »HUMAN« sein, ist aber leider nur zu selten wirklich fantasievoll, von einigen instrumentalen Farbenspielen abgesehen. (ijb)



Siehe auch:
Fjarill
Tingvall Trio


Aino Löwenmark: Human

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Marilyn Mazur; Josefine Cronholm & Krister Jonsson: Flamingo Sky
( 2014, Stunt /Dicentia STUCD 14122 )

Marilyn Mazur kann auch Pop. Wer daran bislang gezweifelt hat, dem empfiehlt sich dieses ganz und gar famose, vor Fantasie strotzende Album, das die weit gereiste und mit allen Spielarten des Jazz vertraute Dänin mit Josefine Cronholm und Krister Jonsson eingespielt hat. Dieses Trio braucht keine große Popband, um Großes zu leisten. Mazur und Cronholm teilen sich Percussion und Gesang (oft im Duett), während Jonsson mit Gitarre und gelegentlich Live-Elektronik die verschiedensten Stimmungen eindrücklich verdichtet und ausbaut. Bei gerade mal zwei Stücken gastiert der Bass von Klavs Hovman, der zuletzt das Trio mit Mazur und Makiko Hirabayashi veredelte. Sechzehn Percussion-Instrumente sind im Kleingedruckten verzeichnet, doch die wahre Kunst von »FLAMINGO SKY« ist der Abwechslungsreichtum, der aus der Zusammenarbeit im Trio entsteht.

Doch nicht nur flotte Popsongs schreibt die große Schlaginstrumentalistin (z.B. »The Butterflies«), auch Introspektiv-Feines wie von Jane Siberry oder Laurie Anderson (»Like a Lover«), mitreißende Afro- (»Ufozil«) und arabisch angehauchte Popnummern (»Frisk Baglæns«), nicht nur zarten Kammerjazz, wie von ihren ECM-Alben bekannt, auch düstere Stücke, in denen Jonsson die Gitarre mal nach Terje Rypdal (»Gone«), mal nach Eivind Aarset (»Strange Spell«) klingen lässt. Und nicht zuletzt weiß Mazur, die sich als ausdrucksstarke Sängerin erweist auch am Piano zu beeindrucken. Das farbenfrohe Cover und die vielen bunten Schriftfarben passen ganz wunderbar zu diesem Feuerwerk aus Jazz und Pop und Weltmusik. (ijb)



Siehe auch:
Marilyn Mazur
Josefine Cronholm

Krister Jonsson

Makiko Hirabayashi, Klavs Hovman, Marilyn Mazur


Marilyn Mazur: Flamingo Sky

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Nive Nielsen: Nive Sings
( 2012, Glitterhouse /Indigo GRCD747 )

Grönland ist selten auf unserer musikalischen Landkarte zu finden. Natürlich gibt es dort eine - gemessen an der Landeseinwohnerzahl - aktive Musikszene, aber die ist oft nur schwer erreichbar über spezielle Label. Das vor allem auf Americana und Singer/Songwriter festgelegte Label Glitterhouse stellt uns nun mit Nive Nilsen eine Inuit aus Nuuk vor, der Hauptstadt und mit über 15.000 Einwohner auch größten Siedlung Grönlands. Aufgenommen hat sie ihr Debüt während der letzten zwei Jahre über den ganzen Globus verteilt, aber auch auf einem Dachboden ihrer Heimatstadt, begleitet von einer stattlichen Zahl an Musikern, wie zum Beispiel, Jon Parish von PJ Harvey und Howe Gelb von Giant Sand.

Scheinbar unbekümmert spielt sie ihre rote Ukulele und singt mit einer Naivität zwischen Indie-Rock und Folk – das brachte ihr schon einen Auftritt vor der dänischen Königin ein! Dabei klingt Nive Nielsen überhaupt nicht so frostig und mit Eskimo-Klischees behaftet, wie die Plattenfirma glauben machen möchte, sondern schlicht und einfach nach liebenswert verschrobenem Indie-Folk, der manchmal auch zum hartkantigem Psychedelic-Rock abdriftet. Hörenswert. Schade nur, dass lediglich der für uns nicht verständliche Text des letzten Songs ihre nordpolare Herkunft verrät. (peb)

Nive Nielsen: Nive Sings

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Lucie Niemelä: Doses
( 2012, ZeitART Records LLCD001 )

Lucie Niemelä ist eine tschechische Sängerin/Komponistin, die es seit 2004 nach Finnland verschlagen hat. Ihre Musik beschreibt die Künstlerin so: »In meinen Liedern kombiniere ich mein mitteleuropäisches Erbe mit nordischen Klängen, die von der finnischen Natur und Lebensart inspiriert sind«. Ihr Debüt »DOSES« beginnt mit dem zarten Klavierstück »Seconds Fly Like Feathers«, doch Lucie kann auch anders: Dramatische Streicher untermalen den düsteren Text von »Apologies Pending«.

Die zwölf Lieder haben trotz romantisch-träumerisch-verspielter Musik Tiefgang, nicht nur kompositorisch, sondern auch textlich; raue Strophen handeln von Drogen, (zerfallenden) Beziehungen oder Gewalt (»Miners«). Dennoch kriegt die Wahlhelsinkierin immer wieder die Kurve zum Guten, zeigt dem Hörer Licht am Ende des Tunnels. Ihre Stimme und Arrangements bleiben nicht im Pop-Sektor, sie streifen immer wieder Jazz und Soul, vermutlich Einflüsse ihrer anderen, früheren Projekte Tune Toaster / Jaakko Laitinen & Väärä Raha.

Unterstützt wird Niemelä von befreundeten Musikern, die eine Beziehung zu ihrer Musik haben, wie Antti Kujanpää (Klavier, Keyboard), Joona Hasan (Gitarre), Lauri Lähteenkorva (Bass), Eeti Nieminen (Schlagzeug, Perkussion) sowie die Geschwister Heini (Hintergrundgesang, Geige, Keyboard) und Tuuli Ikonen (Hintergrundgesang, Flöte). Ein intelligentes, anspruchsvolles Debüt. (nat)

Lucie Niemelä: Doses

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Nuaia: Belong to the Moon
( 2015, Boogie Post Recordings BPCD019 )

Schon ihr Debütalbum war kurz und knackig. Auf den Punkt, ohne unnötige Umwege und Freispiele, bringt das schwedisch-dänische Trio nun, satte sechs Jahre später, ihr zweites Album heraus. Wiederum neun Stücke zwischen Pop und Jazz, schlanke 37 Minuten. So gesehen hat sich in all den Jahren nicht viel geändert bei Nuaia. Dennoch, die drei Mitglieder waren nicht untätig seither. Sofie Norling und Michala Østergaard-Nielsen konnten etwa mit ihrer anderen Band David's Angels erfolgreiche Veröffentlichungen und Tourneen bieten. So gewann die Stockholmerin Norling, Sängerin mit Live-Elektronik mittlerweile eine hohe Souveränität, die »BELONG TO THE MOON« sehr gut bekommt.

Sie schrieb auch hier die Texte zu den gemeinsam im Trio komponierten Songs, denen die beiden Multiinstrumentalisten Forsling und Østergaard mit allerlei Klangideen eine optimistische, wenn auch latent melancholische Verspieltheit verleihen. Wie auf der Debüt-CD faszinieren die traumartigen, punktuell experimentellen Klangbilder, die sich durchweg als Popmusik begreifen und Einladungen zum Hinhören und Neudenken von kleinen Verschiebungen der gewohnten Pfade sind. Die Gesamtstimmung ist diesmal etwas weniger exaltiert; dafür weisen Kompositionen, Arrangements und Interpretationen mehr Komplexität auf, weshalb »BELONG TO THE MOON« sicherlich das reifere und intensivere Album geworden ist. (ijb)



Mehr CDs von Nuaia



Siehe auch:
David's Angels
Østergaard Art Quartet


 Nuaia: Belong to the Moon

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Of The Valley: s/t
( 2018, Backseat /Soulfood )

Was hat die Neurowissenschaft mit der Musik zu tun? Offenbar eine ganze Menge! Denn der kanadische Singer-Songwriter Brian DellaValle ist genau wegen dieses Studienschwerpunktes nach Kopenhagen gezogen. Seine Klampfe hatte er aber dabei: Denn in den Gassen der dänischen Hauptstadt lässt es sich offenbar trefflich nachdenken. Und entschleunigen ebenso. DellaValle ist gekommen, um zu bleiben. Und hat unter dem Namen Of The Valley sein selbst betiteltes Debütalbum vorgelegt. Bescheidene und beschauliche Töne beherrscht der Bartträger (zwingend erforderliche Berufsuniform von Liedermachern!) ebenso wie den stilvollen Americana-Kammerfolkpop. Kurt Wagner von Lambchop mit seinem bedächtigen Gesangsstil kommt mitunter in den Sinn. Carl Coleman vom den dänischen Edel-Romantikern Palace Winter hat DellaValle übrigens beim Debüt mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Von seinen offenkundig italienischen Vorfahren hat der Mann mit der charakteristischen Baritonstimme aber auch eine gewisse Vorliebe fürs gepflegte kleine Melodrama geerbt, wie er im ebenso berührenden wie gefühlvollen, mit Bläsern überraschenden »Italy« zeigt. Ach, du wunderbarer Seelenschmerz! Diesem Mann muss übel das Herz gebrochen worden sein. Was ihn nicht davon abhält, die Welt mit Verve zu umarmen. Der vielleicht schönste Song des Albums ist die kleine Hymne »The Tides«, die sich schüchtern zu lichten Höhen aufschwingt. »Can your read the tide?«, fragte DellaVallle hier insistierend. Wir können es auf jeden Fall versuchen! (emv)



Siehe auch:
Palace Winter

 Of The Valley: s/t

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Giovanna Pessi & Susanna Wallumrød: If Grief Could Wait
( 2011, ECM /Universal ECM 2226 / 2777197 )

Gut, es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Susanna Wallumrød auf ECM veröffentlichen würde. Keine Überraschung. Ihr Bruder ist schließlich schon seit über fünfzehn Jahren dort zu Hause, und Susannas Alben haben mit einigen songorientierten ECM-Platten der letzten Zeit mehr gemein als mit dem Gros der Rune-Grammofon-Kolleg(inn)en. »IF GRIEF COULD WAIT« überrascht dann aber doch erst einmal: Gemeinsam mit der Basler Barock-Harfenistin Giovanna Pessi, die auf drei CDs des Christian Wallumrød Ensembles mitwirkte, ebenso bei Rolf Lislevand und als Teil von Susannas »Sonata Mix Dwarf Cosmos«, interpretierte sie einen Zyklus Alter Musik. Es geht ins 17. Jahrhundert, zu Henry Purcell. Untergejubelt, wenn man das mal so lax sagen darf, hat sie dabei drei Lieder der 1970er Songwriting-Klassiker Leonard Cohen und Nick Drake sowie zwei Eigenkompositionen.

Nicht wenige werden nun erst einmal abwinken, in arg zwiespältiger Erinnerung an Stings sehr ähnlich angelegte Versuche, seinen musikalischen Horizont in die vorklassische Musikgeschichte zu erweitern. Mit ungleich weniger Erfolg, muss festgehalten werden. Denn die nächste Überraschung ist: »If Grief could wait« ist gar nicht so weit von Susannas bisherigen Werk entfernt. Im Gegenteil, trotz Unterstützung durch zwei weitere »Alte Musiker«, Jane Achtman (Gambe) und Marco Ambrosini (Nyckelharpa), schreibt diese CD ihre aparte und sanfte Popstilistik unbeirrt fort, gewohnt modern und geschmackvoll. Weniger erfreut dürften die puristischen Liebhaber Alter Musik sein. Denn was Susanna Wallumrød als Popsängerin natürlich nicht zu bieten hat, ist eine klassisch geschulte Stimme, wie man sie sonst bei Purcell hört. (ijb)