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Lange Rezensionen 11 - 20 von 262 im Genre »Pop« und Land »Norwegen« (insgesamt 514)

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Andrea Kvintett: Andrea Kvintett
( 2012, Norcd /Musikkoperatørene NorCD1210 )

Von NorCD erwartet man vorwiegend ausgefeilte und souveräne Jazzmusik, und das »Andrea Kvintett« kommt schon dem Namen nach, dann mit gleich drei Saxofonisten, Klarinette und Bass sowie der Leiterin und Sängerin mit Autoharfe ausgestattet, auf den ersten Blick und den ersten Höreindruck auch sehr jazzig daher. Doch halt! Hinter den elf Songs auf dem Debüt des scheinbaren Quintetts verbirgt sich vor allem eine Person: die norwegische Songwriterin Andrea Rydin Berge, die ihre Lieder zudem selbst arrangiert und produziert hat. Den eigenen Namen nennt sie in den Credits so häufig, dass man das keinesfalls übersieht. Produziert von Andrea Rydin Berge und Thomas Hukkelberg. Ausführende Produzenten Karl Seglem und Andrea Rydin Berge. Auch auf dem Cover ist Andrea sehr präsent, wogegen die vier übrigen Quintettmitglieder hinten nur als Schattenrisse mit ihren Instrumenten abgebildet sind. Schade, dass die Band nur im Albumtitel beschworen wird, während die Platte als One-Woman-Show auftritt. Das Format dazu fehlt Andrea leider (noch).

Mögen Hukkelbergs Popsensibilitäten auch nicht ganz so bekannt sein wie die seiner Schwester Hanne, ist anzunehmen, dass der in etlichen, oft radikal unterschiedlichen Musikstilen Erfahrene der 27-Jährigen präzise und handfest zur Seite gestanden hat. Wenn Andrea nun noch eine bessere, mutigere Songwriterin wird, könnten auch ihre ordentlichen Arrangements in der Zukunft vermutlich über das hier zu erlebende solide Niveau hinauswachsen.
Ein nettes, chansoneskes Jazzpop-Debüt; noch nicht ganz da, wo Andrea Berge vermutlich hinwill, durchweg etwas zu vorsichtig und unschlüssig, in der zweiten Hälfte sogar fast einschläfernd - nur Lied Nummer acht, »I borrowed your Car«, und auch nur dieses, bringt hübsch munter ein wenig Abwechslung. (ijb)



Siehe auch:
Hanne Hukkelberg
Thomas Hukkelberg


 Andrea Kvintett: Andrea Kvintett

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Annie: Anniemal
( 2004, 679 Recordings /Warner 20041 )

Was ist der Unterschied zwischen Madonna und Kylie Minogue? Richtig: Während man Madonna – ob man sie nun mag oder nicht – noch eine gewisse Phantasie und Vision zugestehen muss, ist Minogue nur die harmlose Nachahmer-Variante. Nun hat also auch Norwegen ihre Kylie Minogue. Annies Loops und Elektronik-Schleifen erinnern gar an Bertine Zetlitz, aber dieser Vergleich wäre eine Ohrfeige für Zetlitz, deswegen sei er gleich und ganz schnell wieder zurückgenommen.

Radio-tauglich ist Annies Bubblegum-Pop aber allemal – was angesichts der heutigen Radio-Landschaft aber eher ein Knockout-Kriterium für musikalische Qualität ist. Apropos Bubblegum: »Chewing Gum« heißt der Hit-Anwärter, der sich mit billigen Retorten-Beats und Simpel-Gesang ins Hirn der armen Teenieschaft fräsen wird. Bergen, so werden sie dann im Chor mit all den gerade Norwegen entdeckenden Rock-Journalisten sagen, ist ein Talentpool: Schließlich kommt ja auch Annie alias Anne Lilie Berge Strand daher. Armes Bergen. (peb)



Mehr CDs von Annie



Siehe auch:
Bertine Zetlitz

 Annie: Anniemal

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Annlaug: November
( 2010, Fivreld FIV01 )

Anders als im Folk-Duo mit Rannveig Djønne wählt Annlaug Børsheim als Solokünstlerin einen viel popmusikalischeren Ansatz, wenngleich Akkordeon, Banjo, Hardangerfiedel und Ukulele nicht fehlen und einige ihrer Lieder auf traditioneller Überlieferung basieren. Dass ihr Debüt den Titel »NOVEMBER« trägt, soll allerdings nicht heißen, dass die aus dem kleinen Dorf Ulvik am Hardangerfjord stammende Sängerin eine graue oder trübsinnige Platte eingespielt hätte. Ganz im Gegenteil - gerade der Titelsong ist eine sinnliche Feier von Annlaugs Lebens- und Liebeslust. Wären die Texte nicht in ihrem norwegischen Heimatdialekt gesungen, ein jeder würde sie sofort mitsingen.

Fast meint man jedoch, die Lieder seien englisch, so international kommt ihr Songwriting rüber, und abgedruckt sind die Texte sowieso nur in englischer Übersetzung. Aufgenommen hat sie die dreizehn Stücke mit schottischen Musikern in einem kleinen Dorf unweit von Edinburgh. Auch ihre melancholische, nachdenkliche Seite zeigt Annlaug, etwa im Streichquartett-Song »Sveve Heim« (»Soaring Home«), und gerade hier liegen die etwas zu gewöhnlichen Seiten dieser unterhaltsamen Platte. Am spannendsten sind die Lieder, die interesse Brücken zwischen folkigen Einflüssen aus Norwegen, keltischen Rhythmen und sehr gegenwärtigem Songwriting schlagen. Traumwandlerisch schön das abschließende Wiegenlied aus ihrem Heimatdorf, in dem sie sich selbst nur mit der Shrutibox begleitet, einem vage nach kleinem Akkordeon klingenden Instrument. (ijb)



Siehe auch:
Annlaug Børsheim & Rannveig Djønne
Valravn

Sorten Muld


 Annlaug: November

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Marianne Antonsen: Blomster I Soweto
( 1995, Kirkelig Kulturverksted FXCD152 )

Hört man diese tiefe und rauchig-herbe Soul-Stimme, so vermutet man dahinter einen Mann mit enormem Brustkorb. Marianne Antonsens Stimme harmoniert jedenfalls perfekt mit dem südafrikanischen Chor Imilonji Kantu Choral Society, der auch schon für Nelson Mandela sang. Die ins Norwegische übersetzten Texte der afrikanischen Volkslieder klagen denn auch Rassendiskriminierung an, obwohl dieses Phänomen freilich in Norwegen kein so großes Problem darstellt wie in Deutschland oder eben Südafrika.

»BLOMSTER I SOWETO« begeistert mit melodischen Traditionals im Township-Swing, veredelt durch den kehlig-leidenschaftlichen Gesang des Soweto-Chors. Derart schmissiger Afro-Pop gerät zusammen mit Antonsens nordischer Note zu einem geografischen Crossover-Treffen, das schlicht atemlos macht – durch seine musikalische Brillanz ebenso wie durch seinen politischen Anspruch. (peb)



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Marianne Antonsen: Blomster I Soweto

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Aurora: Infections of a Different Kind – Step One
( 2018, Decca)

200 Millionen Streams and 500.000 verkaufte Exemplare ihres Debütalbums »ALL MY DEMONS GREETING ME AS FRIENDS«: Aurora ist die allseits gehypte neue Lieblingsnorwegerin, gefeiert von den Mainstream-Postillen bis hin zu den anspruchsvolleren Blogs. Die heute knapp über 20jährige Musikerin aus Bergen spielte schon als Erstklässlerin Klavier und fing als Zehnjährige mit dem Songschreiben an. Dass sie schon früh in Richtung großes Publikum schielte, war von Anfang an nicht zu überhören. Einen Vertrag mit einem Major Label hat Aurora in der Tasche, und so sind die Aufnahmen für ihr zweites Album »INFECTIONS OF A DIFFERENT KIND - STEP ONE« auf einem Schloss in Südfrankreich entstanden und von namhaften Produzenten wie dem Landsmann Askjell begleitet worden.

Deutlich elektroppiger ist der Zweitling ausgefallen - und komplizierter, vielschichtiger! Was eine gute Nachricht ist: Denn die Dinge sind sehr selten schwarz-weiß. Im sehr tanzbaren, mit archaischen Sami-Rythmen spielende »Queendom Come« geht es darum, sich selbst als Kriegerin zu akzeptieren: Wir können kämpfen, und wie! Unverändert steht aber Auroras glockenhelle Stimme im Mittelpunkt: Als wenn die Eiskönigin zu singen beginnt! Unterstützt wird die Musikerin vom Trondheim Symphony Orchestra, der Harfenistin Ruth Potter (die mit Florence And The Machine arbeitet), einem Cello-Quartett und einem Schwulenchor aus Oslo. In der LGBT-Community hat die Norwegerin ohnehin viele Fans. Bisweilen also sehr üppig und sehr warm fällt der Sound auf dem Zweitling aus, obwohl im Hintergrund immer eine leichte Beunruhigung lauert. Ganz besonders bei sich aber scheint Aurora in den ruhigeren Songs, folkig-balladigen Songs wie »It Happened Quietly«, die allerdings alles andere als harmlos sind, sondern leise Schauergeschichten erzählen: Denn das Opfer kommt aus den Schatten zurück und bringt sich nachdrücklich in Erinnerung. Sympathisch ist Aurora im Übrigen auch deshalb, weil Ober-Zauberer Albus Dumbledore ihr Held ist. Dessen Credo: »It does not do to dwell in dreams and forget to love« ist ihr innerer Kompass. (emv)



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 Aurora: Infections of a Different Kind – Step One

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Band Of Gold: Band Of Gold
( 2015, Jansen Plateproduksjon)

Angenehm warm wird es uns hier! Denn mitten im Winter legen Nina Elisabeth Mortvedt und Nikolai Haengsle Eilertsen alias Band Of Gold ein sonniges, elegantes Retro-Debütalbum vor, das uns in die frühen 70er und direkt an die kalifornische Strände bringt. Das Duo schwelgt in souveräner Melodieverliebtheit. Und fügt ein exakt dosiertes Quäntchen leise Melancholie hinzu. Ein ganz klein wenig Geduld muss man bei allem Genuss mitbringen: Der allerletzte Track, nämlich »For You«, ist ein unwiderstehlicher, superlebendiger Gassenhauer, zu dem man einfach tanzen muss. Da werden sentimentale Erinnerungen an die legendären Moonbabies wach!

Die Fleetwood-Mac-Retrowelle ist aktuell in vollem Gange, aber Band Of Gold sind auf ihrem selbst betitelten Erstling keineswegs bloß großäugige Fans dieser Supergroup. Klar kann man Nina Elisabeth Mortvedt auf elegant groovenden Tracks wie »The Parade« als legitime Erbin von Stevie Nicks sehen. Aber die norwegische Chanteuse tänzelt viel lieber durch den Dschungel der popmusikalischen Zitate, so dass wir hier feine Anpielungen an die junge Madonna und die Damen von Abba hören. Und auch stilistisch ist die Bandbreite groß und reicht vom vergnügungssüchtigen Eisdielenpop bis zu verlangsamten Americana. Mortvedt bleibt aber immer die Diva, die genau weiß, was sie will. Dass hier hochkarätige Musiker aus der norwegischen Indieszene als Gastmusiker mitmischen, zeigt übrigens dafür, dass auch sie der Mortvedt zu Füßen liegen. Die illustre Schar reicht von Lars Horntveth (Jaga Jazzist) bis hin zu Musikern von Todd Terje, Motorpsycho und Dungen. (emv)



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Siehe auch:
Moonbabies
ABBA

Lars Horntveth

Jaga Jazzist


 Band Of Gold: Band Of Gold

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Nils Bech: Look Inside
( 2012, Fysisk Format /Musikkoperatørene FY064CD )

Sind die schmachtenden Gefühle der Operettenarie überhaupt noch zeitgemäß? Unbedingt, wenn sie wie bei Nils Bech im elektronischen Kunstlied-Modus auftreten! Auf »LOOK INSIDE«, dem zweiten Album des jungen norwegischen Musikers, treffen diese scheinbar wesensfremden musikalischen Stile zusammen, ohne dass es dabei zur misstönenden Karambolage käme. Und mit dem gepflegten Melodrama allein mag sich der Nachwuchs-Gentleman aus Oslo nicht zufriedengeben: Zu den hier versammeltem Gastmusikern gehören auch die Elektronik-Produzenten Ost & Kjex oder der zeitgenössische Klassik-Komponist Henrik Moe. Mit Unterschieden zwischen E- und U-Musik hält sich Bech aber nicht lange auf: Er konzentriert sich viel lieber auf feinen Zwischentöne, die aus dem Dampf überhitzter Gefühle aufsteigen. Unterkühlt schwül, das!

»LOOK INSIDE« ist bewusst als Album aufgebaut, das die Geschichte einer Beziehung erzählt, mit allen emotionalen Achterbahnfahrten bis zum Finden einer neuen Liebe. Bech singt mit zurückgenommenem Pathos und einem unüberhörbaren norwegischen Akzent. Obwohl die Grundstimmung eher verhangen ist und die emotionalen Zustände bisweilen an Verzweiflung grenzen, entsteht hier in diesen nur scheinbar komplizierten Songs wie »Breaking Patterns« eine unbestreitbare Wärme, zu der sich das Herz sehnsüchtig zusammenzieht. Hach, zu viel Gefühl tut bisweilen gut! (emv)



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Nils Bech: Look Inside

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Bel Canto: White-Out Conditions
( 1987, Crammed Discs CRAM 057 CD )

»Whiteout« ist nicht nur der Zustand in den nordischen Bergen, wenn Schnee und Wolken zu einer einzigen weißen Masse verschmelzen, sondern auch Tipp-Ex, ein Korrekturmittel. Bel Canto scheint mit dieser Platte auch etwas korrigieren zu wollen – den glamourösen, bunten Zustand des 80er-Pop nämlich. So düster, klanglich spröde und melancholisch die Tracks sind: Sie bieten, von heute aus gesehen, einen wunderbaren Trip in die Schattenseiten des grellen Jahrzehnts. Ein bisschen nach Mobys spacigen Ausflügen klingt zum Beispiel »Capio« voller verhallter Orgeln. Immer wieder dringt eine verschrobene, stark stilisierte Ethnizität in die Songs ein, in den Synthies von »Kloeberdanz«, in die künstlichen Ritual-Tempel-Trommeln von »Baltic Ice-Breaker« zum Text »Winter, the season of death«.

So ein bisschen Dark Wave ist das schon, aber ebenso viel Jean-Michel Jarre. Anneli Dreckers Akzent bringt ein bisschen Witz in die Melancholie; ihre kalte, fast gleichgültige Stimme jedoch trägt die dunkle Symphonik bestens, wunderschön etwa im Titeltrack »White-out Condition«. Ein stochernder und pochender Drum-Computer mit diesem ganz speziellen, direkten und doch wattigen Sound der 80er beschließt das unfröhliche Album – und doch: Wenn ich mir eine Platte dieses seltsamen Jahrzehnts in den Schrank stelle, dann wohl diese. (sep)



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Siehe auch:
Anneli Drecker
Ketil Bjørnstad

Geir Jenssen

Ketil Bjørnstad, Anneli Drecker, Lars Saabye Christensen


 Bel Canto: White-Out Conditions

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Bernhoft: Solidarity Breaks
( 2011, Kikitepe Cassette /Embassy of Music 5052498644827 )

Ist das etwa Lenny Kravitz unter Pseudonym? Oder gar der Sohn von Stevie Wonder? Auch Jamie Lidell und natürlich Jamiroquai kommen in die engere Wahl, aber nein, das ist Jarle Bernhoft, in den Neunzigern Schweinerocker mit der Band Explicit Lyrics und in den 2000ern mit den erfolgreichen Span, und nach zwei Soloalben heute Nu-Soul-Brother mit Superguterlaunemusik in der Tasche. Und was für eine One-Man-Band er da zu bieten hat! Dass Bernhoft aus Norwegen, nahe Oslo, kommt, würde man anhand dieser sonnendurchfluteten Frauenversteherseele mit funky Grooves kaum vermuten.

Mit ins Boot geholt hat Bernhoft sich nur wenige - aber effektive - Unterstützer: Neben Multistil-Schlagzeuger Torstein Lofthus (bekannt aus den Bands von Marit Larsen, Mathias Eick, Torun Eriksen, sowie als Mitglied von Shining und Chrome Hill) und Jazzbassist Audun Erlien (Eick, Molvær, Aarset, Seglem...) hat Bernhoft dafür gesorgt, dass all seine Songs sehr ordentlich bis makellos auf Massentauglichkeit produziert und programmiert wurden von Fred Ball (KT Tunstall, Little Boots, Sophie-Ellis Baxtor, Brett Anderson). Zwischen all den großen Namen kann ja nichts schiefgehen.

Ja, der Großteil der Platte sitzt. Alles sehr schön gemacht, nur leider hat man zunehmend das Gefühl, ein Covers-Album zu hören, »Die größten One-Hit-Wonders der Siebziger« oder so. Selbst ums ewige Achtziger-Revival kommt Bernhoft nicht herum: den Hit »Shout« der Tears For Fears musste der 1976 Geborene wohl als Erinnerung an seine Kindheit mit ins Programm nehmen, wenn auch entstellt als Elektropop mit Falsettgesang zwischen Michael Jackson und Prince im Stile der frühen Achtziger. So mit Referenzen aufgebläht wie nach dem Lesen dieser Rezension fühlt man sich auch nach dem Hören der CD. (ijb)



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Siehe auch:
Shining
Chrome Hill

Marit Larsen

Mathias Eick


 Bernhoft: Solidarity Breaks

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Stein Torleif Bjella: Heim for å døy
( 2013, Oh Yeah! /Sony BMG 88843004712 )

Miley Cyrus zieht sich aus, Bushido provoziert – noch immer greifen Musiker auf bewährte Strategien zurück, um die Charts zu entern. Marketingexperten sollten mal den Blick nach Norwegen richten, denn dort wurde ein neues Erfolgsmodell entwickelt, das den Liedermachern eine Renaissance beschert, die hierzulande undenkbar erscheint, weil der Begriff das Bild eines politisch engagierten Alt-68ers mit Fans im Rentenalter hervorruft. Den Anfang machte Odd Nordstoga, als er 2004 mit einem Lied über ein quiekendes Schwein auf der Bildfläche erschien. Es folgten Roy Lønhøiden und Tønes. Ihre Erfolgsgeheimnisse: durchschnittliches Aussehen, mittleres Alter, ehrliches Handwerk, Bodenständigkeit und Volksnähe.

Zu den Nutznießern dieser Entwicklung zählte außerdem Stein Torleif Bjella, der mit der Band Tolv Volt die großartigen Alben »AURASPRAY« (1999) und »KALAS« (2003) veröffentlicht hatte, nach denen damals allerdings kein Hahn krähte. In Schwung kam Bjellas Karriere erst, als er von Oslo zurück nach Hallingdal gezogen war und im regionalen Dialekt über das Leben einfacher Leute auf dem Land zu singen begann. Mit »HEIDERSMENN« (2009) und »VONDE VISU« (2011) entwickelte er sich vom Kritikerliebling zu einem Hitparaden-Aspiranten. Kennzeichen seiner Musik sind die Textlastigkeit, die einfache Instrumentierung und der unterschwellige Humor.

»HEIM FOR Å DØY« entspricht der erprobten Formel. Kjartan Kristiansen, der erneut auf dem Produzentenstuhl Platz nehmen durfte, ist bewusst kein Risiko eingegangen. Um Bjellas sonore Stimme und seine Akustikgitarre gruppieren sich ein Kontrabass, ein Schlagzeug und vielleicht auch mal ein Banjo, eine Geige oder ein Klavier. Wenn alles stimmt, zum Beispiel bei »Separate sinn« und »Modningsangst«, klingt das nach wie vor grandios. In anderen Momenten wäre etwas mehr Wagemut das richtige Rezept gegen den sich andeutenden Stillstand gewesen. Bjella muss sich langsam entscheiden, ob er in Reinhard Meys Fußstapfen treten will mit Texten auf hohem Niveau und überraschungsarmer Musik oder doch lieber Haken schlägt wie der junge Bob Dylan. (mau)



Siehe auch:
Odd Nordstoga

Stein Torleif Bjella: Heim for å døy

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