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Lange Rezensionen 1 - 262 von 262 im Genre »Pop« und Land »Norwegen« (insgesamt 514)

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Hanne Kolstø: While we still have Light
( 2015, Jansen Plateproduksjon /Musikkoperatørene JANSEN058 )

Und Hanne Kolstø macht einfach weiter: Ein Album nach dem anderen, dies ist bereits ihr fünftes seit 2011, und es ist wieder hervorragend, slightly avant-garde, ausgeklügelt produziert, vielseitig und mit Power arrangiert und vor allem eingängig. Das macht der Norwegerin derzeit keiner nach: Popmusik von einer konstanten Brillanz. Nach dem textlich direkteren Vorgänger besticht »WHILE WE STILL HAVE LIGHT« wieder mehr durch Raffinesse und kluges Songwriting in einer souveränen Mischung aus dunkel und Pop. Wobei »souverän« garantiert nicht meint, dass sie und ihr vielköpfiges Team die sichere Bank gewählt hätten, im Gegenteil.

Diesmal hat der etablierte Avantgarde-Komponist Eivind Buene leicht aparte Streicherarrangements beigesteuert, und das sorgt hin und wieder für eine ungewöhnliche Färbung der mit viel Aufwand produzierten Songs. Es sind zwar einfache, klare Lieder, aber mit Instrumentenfülle, einem geradezu akribischen Sound Design ausgeführt, reich und voluminös, aber nie erschlagend oder bombastisch. Wunderbar, wie etwa im letzten Song »White Noise Static« überraschend noch ein Saxofonsolo von André Roligheten (Albatrosh) alles zuvor Gehörte toppt und abrundet. Ob Hanne Kolstø in 12 Monaten wohl wieder mit einem neuen, tollen Album aufwartet? Wir wagen es nicht träumen. (ijb)



Mehr CDs von Hanne Kolstø



Siehe auch:
Eivind Buene
André Roligheten


Hanne Kolstø: While we still have Light

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-phy: Love Songs From Mars
( 2003, Apricot Records /Freibank )

Sie wollen so viele CDs wie möglich verkaufen. Sie wollen durch die ganze Welt touren. Und auch weit außerhalb Norwegens soll man ihre Musik genießen. Es sei ihnen gegönnt, weil berechtigt. Denn die drei Ladies Ellen Ersfjord (Bass, Gesang), Ingrid M. Tolstad (Gitarre, Gesang) und Vigdis Sjelmo (Schlagzeug, Percussion) bieten wunderbar kompakte wie zugleich verspielte Songs - mal durchaus gediegen krachig, dann wieder melodisch eingängig.

Durchaus lassen sich Vorlieben oder auch Vorbilder erkennen: U2, The Cure, die B-52 und immer wieder auch Blondie - gerade was den Gesang angeht. Aber -phy ist eine dieser seltenen Gruppen, die sich einerseits in einer Traditionslinie bewegen und doch eine ganz eigene Richtung eingeschlagen haben mit diesem zupackendem Debütalbum, dieser erfrischenden Sommerplatte, diesem rezeptfreiem Anti-Depressivum. (frk)

 -phy: Love Songs From Mars

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3-11 Porter: Surround Me
( 2008, Stereo Deluxe Records SDX0169678CD )

In unserer übersexualisierten Welt ist ein wahrer Moment der Sinnlichkeit Gold wert. So wie es aber 3-11 Porter angehen, verpufft jede Magie. Die Norweger Per Arne Bertheussen, Svein Hansen und Sängerin Tracee Lewis Mayn hauchen ihre Vocals über die Rillen – und sind dabei das Gegenteil von sexy. Einschmeichelnd rekeln sich auch die schlaffen Beats über extraflauschige Synthieflächen, geradezu anbiedernd harmlos und in ihrem Verständnis von 90er-TripHop, Lounge und 60er-Soul leider nie auf der Höhe der Zeit.

Dabei ist die Melange an sich natürlich alles andere als einseitig. Mal gibt es Anklänge von Worldbeats, spanischen Flamenco-Gitarren oder gleich jazzige Ambienten. Unter dem Strich eint neben der immerwährend-chilligen Behäbigkeit der Songs aber der Fakt: Allesamt sind sie formidable musikalische Fototapeten für die Berieselung moccafarben getünchter Kaffeebars, in denen es nur um das möglichst dezente Nebenbei geht. Und so werden sich hier die Geschmacksgeister scheiden: Manch einer mag hierzu »tolle Entspannungsmusik« sagen, der andere »seelenloses Geplänkel«. Manch einer freut sich über die »nostalgisch anheimelnden Klänge«, andere sehen darin nur »entkräftete Popmusik«. (maw)

 3-11 Porter: Surround Me

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a-ha: Time and Again – the Ultimate a-ha
( 2 CDs, 2016, Rhino /Warner 081227947200 )

Ob man »Take on me« irgendwann überdrüssig wird? Ob man je wieder eine zweite Hits-Kollektion von a-ha brauchen wird? Ob das norwegische Trio auch nach der zweiten Reunion wieder elf Jahre aktiv sein wird, bis zum nächsten groß verkündeten Bandende? Fragen, die in Anbetracht dieser neuerlichen Kompilation aufkommen. Der Überhit »Take on me« wird vermutlich auch noch in Jahrzehnten im Pop-Radio rauf und runter gespielt werden, und das zu recht. Darüber hinaus ist allerdings nicht anzunehmen, dass Menschen, die nicht explizit Fans von a-ha sind, dann noch weitere »Hits« kennen werden.

1991 erschien »Headlines and Deadlines – The Hits of a-ha«, mit dem Besten der ersten vier Alben. Da ist alles Wertvolle an Hits drauf, und dabei hätte man es belassen können, denn weitere Zusammenstellungen variierten diese 16 Songs nur wenig. Zum Zwanzigjährigen im April 2005 gab's »The Singles 1984|2004« mit 19 sowie »The Definitive Singles Collection« mit 17 Hits bis 2002(!). Und nach nur weiteren zwei Studio-CDs gab's zum Abschluss der zweiten Bandphase das Jubiläums-Album »25« mit restlos allen 33 (auch den Promo-)Singles und sechs weiteren Tracks, fast eine oftmals als »Anthologie« bezeichnete Sammelpackung.

Was also ist nach einem weiteren (zumal lauen) Reunion- und Comebackalbum zum nun 30. Bandjubiläum dazugekommen, das eine fünfte Kollektion rechtfertigen und attraktiv machen könnte? Unverblümt, man darf es geradezu sarkastisch lesen, gab man ihr gleich den Titel »TIME AND AGAIN«, zu deutsch »Wieder und wieder«. Nun, um die Käufer zu locken, gibt es nun neben den 19 ausgewählten Singles auf der ersten CD ausschließlich Remixes auf CD2: drei aus den Achtzigern, einer aus den Neunzigern (diese »previously unissued«) und ganze zehn (»previously issued«) aus den Jahren 2000 bis 2010. Als einziger Bonus lassen sich zwei okaye Neubearbeitungen der ersten beiden Hits »Take on me« und »The Sun always shines on TV« finden.

Also »ULTIMATE« ist diese Veröffentlichung bedauerlicherweise eindeutig nicht. Wem die Hits genügen, der nehme die 1991er CD (die man doch besser als 25th Anniversary Edition herausgebracht hätte), wer etwas tiefer ins Gesamtwerk eintauchen möchte, greife zu »25«. Die 16 Remixes sind fast komplett zum Vergessen, und, was man wirklich auch mal deutlich sagen muss: Sooo geniale Hitautoren sind a-ha nun wirklich nicht. Nach den drei großen Knallern vom ersten Album haben sie doch stets von diesem Jugenderfolg gezehrt. (Daher hier wohl auch das Jugendporträt als CD-Cover.) Zu viele von den wieder und wieder als »biggest hits« feilgebotenen Singles sind doch eigentlich eher schwache Songs. Ohne »Take on me« würde (jenseits von ergebenen Fans) kein Hahn nach halbgaren Liedern wie »Cry Wolf«, »Touchy!« oder dem schamlosen »Take on me«-Recycling »You are the one« krähen. Besser, man hört a-ha als feine Albumband und widmet sich »Scoundrel Days« oder »Minor Earth Major Sky«. Diese »Immer wieder«-Collections müssen ein Ende haben! (ijb)



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Zum Artikel über a-ha

 a-ha: Time and Again – the Ultimate a-ha

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Greta Aagre & Erik Honoré: Tuesday Gods
( 2017, Jazzland /Edel 377 903 7 )

Nachdem ihre erste Duoplatte »YEAR OF THE BULLET« 2012 als Verwandte von »UNCOMMON DEITIES« gesehen werden konnte, so ist die Nachfolgerin »TUESDAY GODS« klar als Schwester von Erik Honorés zeitgleich erschienener Hubro-CD »UNREST« erkennbar. Beide erzählen deutlich von Unruhe, entstanden in einer Zeit persönlicher Umbrüche und Turbulenzen. Doch wo das vorwiegend instrumentale, dunklere »UNREST« dies musikalisch stärker mit Brüchen hörbar und erfahrbar macht, ist das Songalbum »TUESDAY GODS« mit Honorés Texten von einer schwebenden Homogenität geprägt; die zarten, von Greta Aagre präsent und effektfrei gesungenen Lieder kleidete Honoré in komplexe Soundskulpturen, aus denen die jahrelange Arbeit mit dieser, seiner ureigenen, subtilen Punkt-Stilistik spricht.

Mit den beiden spielte Bjorn Charles Dreyer auf allen Stücken Gitarre, doch sein Spiel mischt sich filigran in die ausgefeilten Klangbilder, wie man es häufig von Eivind Aarset kennt. Das alles erinnert stark an Sidsel Endresens großartiges Album »UNDERTOW«, wo Gitarrist Roger Ludvigsen vergleichbar schwebend mitwirkte. Auf beiden Alben tritt außerdem sehr sporadisch Nils Petter Molværs Trompete auf, hier zudem auf zwei Stücken André Kassen am Saxofon. Auch die herbstlich gedankenversunkene Atmosphäre lässt an »UNDERTOW« denken, wenngleich »TUESDAY GODS« lichter und optimistischer wirkt. Beide sind ganz und gar großartige Werke, souverän und weise: Jazzlands schönste CD seit langer Zeit, vielleicht sogar seit »UNDERTOW«, und das war vor 17 Jahren. (ijb)



Mehr CDs von Greta Aagre & Erik Honoré



Siehe auch:
Bjorn Charles Dreyer
Yūgen

Sidsel Endresen

André Kassen


Greta Aagre: Tuesday Gods

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Björn Afzelius & Mikael Wiehe: 1993
( 2004, MajorStudio /Warner 50504675712 )

1993 fanden Björn Afzelius und Mikael Wiehe zusammen, um im Studio eine intime Club-Atmosphäre einzufangen. Entsprechend simpel das musikalische Konzept, das allein aus Afzelius und Wiehe und zwei Gitarren besteht, und das voll aufgeht. Oder aufgegangen wäre, wenn diese Aufnahmen zur Veröffentlichung gekommen wären. Von 1993 bis 1999 schoben Afzelius und Wiehe die Fertigstellung auf, dann starb Afzelius.

Erst 2004, die digitale Technik macht's möglich, vollendet Wiehe im Alleingang die mittlerweile elf Jahre alten Aufnahmen. Und daran hat Mikael Wiehe gut getan: »1993« wirkt nicht im Geringsten angestaubt. Die Texte wirken scharf und persönlich zugleich. Die intime Stimmung zieht einen gänzlich in den Bann. Einziger Schwachpunkt dieser wunderbaren Aufnahmen: »Så Vill Jag Bli«. Diesen Song sollte man auf keinen Fall hören, bevor man den CD-Spieler ausschaltet, weil man sonst unweigerlich »Mein Hut, der hat drei Ecken« den Rest des Tages als Ohrwurm mit sich herumträgt. (hew)

Björn Afzelius: 1993

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Ai Phoenix: The Light Shines Almost All The Way
( 2007, Glitterhouse /Indigo GRCD 662 )

Ai Phoenix? Große Klasse! Und dann kommt da dieses Album auf den Tisch, wird in den CD-Player ein- und dann wieder beiseite gelegt, später wieder hergenommen im festen Vorsatz, die Rezension endlich zu schreiben – bis man dann nach vielen Wochen schließlich beim Hören der Vorgänger-Alben landet auf der Suche nach der Begründung, warum man die Band einst so geliebt hat. Sicher bilden immer noch Mona Mørk, Patrick Lundsberg und Bosse Litsheim den Kern der Bergener Band, und ihre Musik bewegt sich noch immer im Halbdunkel hingepatschter Folkpop-Melancholie.

Ihre Songs brauchen aber mehr Anläufe, um das Herz zu stürmen, und die Liebe entflammt nicht mehr so heftig. Ai Phoenix sind inzwischen mehr die langjährige gute Frendin, bei der man noch Rat und Trost sucht. Deren Wärme man spüren kann, obwohl sie doch selbst Trost bräuchte. Aufregende Abenteuer aber wird man anderswo erleben. (peb)



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 Ai Phoenix: The Light Shines Almost All The Way

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Jonas Alaska: If Only As A Ghost
( 2013, Sony Music 88765477192 )

Vielleicht fühlt sich Jungsein genau so an: Ein bisschen übermütig, ein bisschen nachdenklich, ein bisschen traurig. Ein bisschen hingebungsvoll und ein wenig selbstironisch. Und das im Minutentakt. Der junge norwegische Singer-Songwriter Jonas Alaska kommt äußerlich so ungelenk daher wie ein dreiviertel ausgewachsener Windhund, der nicht so recht weiß, in welche Richtung er seine langen Gliedmaßen schlenkern soll. Aber dieser Eindruck täuscht. Mit »ONLY AS A GHOST« legt die Nachwuchskraft aus Oslo bereits ihr zweites Album vor, das mit feiner Zurückhaltung zwischen 60ies-Pop und Americana-Klängen seiltanzt. Den Altmeistern Simon And Garfunkel dabei mitunter fröhlich zuzwinkert. Ein Album, das trotz aller zwischenzeitlichen Melancholie funkelt wie einer dieser ersten Sterne am mittelblauen Abendhimmel.

Alaska, dessen großes musikalisches Vorbild übrigens Bob Dylan ist, beherrscht die leisen, die balladigen Töne bestens. Aber hüpft mit Tracks wie der flotten Verlierer-Hymne »I Saw You Kid« ausgelassen über Großstadtgassen, die verdächtig an die Carnaby Street im Swinging London erinnern. Setzt bei aller Verspieltheit auf ehrliche Gefühle und erzählt Geschichten mit mitunter bösem Ausgang, die uns aber nicht übermäßig deprimieren, sondern eher auf merkwürdige Art wärmen. Und irgendwie wünscht man sich diesen Nerd mit den tellergroßen Augen zum besten Freund, aber subito.

Solche souveräne Gelassenheit beim Songwriting hätte man dem blondgelockten Jungspund, der am Liverpool Institute Of Performing Arts studiert hat, gar nicht zugetraut. Jonas Alaska flirtet in Tracks wie dem putzmunteren »Come On And Dance« ausgelassen mit dem Piano und bugsiert uns unmissverständlich in Richtung Tanzfläche. Noch so ein ansteckend fröhlicher kleiner Gassenhauer also, der aber bestens zu den reduzierteren Songs wie dem Titelstück passt. In denen der Norweger zu Klampfenbegleitung wortreich einer verstorbenen Liebe nachtrauert. Das wäre zum Heulen, wenn es nicht so herzzerreißend schön wäre. (emv)



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Jonas Alaska: If Only As A Ghost

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Alice And The Mountain: Nine Lives
( 2013, Karmakosmetix)

Schillernd wie das Innere einer Perlmuttmuschel präsentiert sich Alice And The Mountain alias Silje Kåfjord auf ihrem Debütalbum »NINE LIVES« . Bloß sich nicht fassen und domestizieren lassen mit vorschnellen musikalischen Einordnungen! Die Chanteuse aus Südnorwegen springt scheinbar mühelos zwischen den Genres: Trip Hop und Neo-Pianoromantik, balladigen Dreigroschenoper-Anspielungen, Nu Lounge Jazz und Kammer-Elektronikpop. Uff, die Dame hat hohe Ansprüche! Am kommerziellsten ist hier noch das sehr tanzbare, vertrackte und schimmernde Dancefloor-Stückchen »Hunt You« ausgefallen.

Die Sängerin flirtet mit hörbarem Vergnügen mit den großen Vorgängerinnen: Mitunter meint man Anklänge an Joni Mitchells intelligente Grenzgängereien zu hören. Und wenig später an die neumodische Mystik von Loreena McKennitt. Das könnte angestrengt und überladen wirken, kommt aber tatsächlich sehr locker und leichtfüßig daher. Übrigens am Piano einfühlsam unterstützt von Bernt Moen, der in reduzierten Tracks wie »Little Things« den kongenialen Partner an den Tasten gibt.

Die Kåfjord säuselt, schreit, gurrt, lockt, schmachtet und sehnsüchtet. Aber schafft es dabei, sich eine Aura des Geheimnisvollen, des Nicht-Fassbaren zu bewahren. So wie sie es auf schwerelos tagträumerische Art im klassisch schönen Song »Like In A Dream« tut. Emotionaler Höhepunkt des Albums aber ist der Seelentröster »Resting Place«, der in seiner zarten Innigkeit an das unvergessene Credo der Cowboy Junkies erinnert: You´ll be loved again! (emv)

 Alice And The Mountain: Nine Lives

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Anne Marie Almedal: Blue Sky Blue
( CD+DVD, 2010, +47 /VME i+47 10/007 )

Eines der stärksten Lieder gleich zum Einstieg - allerdings ist es eine der beiden Coverversionen, die die Norwegerin Anne Marie Almedal auf ihrer zweiten Soloplatte präsentiert: Massive Attacks Klassiker »Safe from Harm«, souverän zurückhaltend dargeboten, begleitet von klanglich so reich wie leise arrangierter Band mit Cello, Kontrabass und gleich mehreren Gitarren. Doch schon Lied Nummer zwei, »I think I love you«, eine von zehn Eigenkompositionen des Duos (in Kunst und Leben) Almedal und Nicholas Sillitoe, schrammt richtig eng an schlagerhafter Beliebigkeit vorbei; obgleich der Song gut funktioniert, hat man das Gefühl, ihn bereits hundert Mal (und davon gefühlte 95 Mal zu oft) gehört zu haben.

Zwischen diesen Polen bewegt sich das gesamte, teils sehr geschmackvolle, hin und wieder etwas zu weichzeichnerische Album. Ein paar Mal gelingen kleine Pop-Perlen wie »Show more Love«, aus wenigen, sensibel auf einander abgestimmten Elementen - nicht selten ohne Schlagzeug, dafür mit Saxofon, Glockenspiel oder Hammondorgel. Auf der Plus-Seite ist auch die elegante, piano-betonte Lesart von Jagger/Richards' »Paint it, black« zu verbuchen; leider darf nicht unterschlagen werden, dass Almedals interpretatorische Präsenz auch hier nicht über adrette Sorgfältigkeit hinausreicht. Man kann sich nicht beschweren - aber so richtig begeistern kann »BLUE SKY BLUE« eben auch nie. (ijb)



Siehe auch:
AM and the UV
Velvet Belly

Illumination

Chilluminati


Anne Marie Almedal: Blue Sky Blue

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Andrea Kvintett: Andrea Kvintett
( 2012, Norcd /Musikkoperatørene NorCD1210 )

Von NorCD erwartet man vorwiegend ausgefeilte und souveräne Jazzmusik, und das »Andrea Kvintett« kommt schon dem Namen nach, dann mit gleich drei Saxofonisten, Klarinette und Bass sowie der Leiterin und Sängerin mit Autoharfe ausgestattet, auf den ersten Blick und den ersten Höreindruck auch sehr jazzig daher. Doch halt! Hinter den elf Songs auf dem Debüt des scheinbaren Quintetts verbirgt sich vor allem eine Person: die norwegische Songwriterin Andrea Rydin Berge, die ihre Lieder zudem selbst arrangiert und produziert hat. Den eigenen Namen nennt sie in den Credits so häufig, dass man das keinesfalls übersieht. Produziert von Andrea Rydin Berge und Thomas Hukkelberg. Ausführende Produzenten Karl Seglem und Andrea Rydin Berge. Auch auf dem Cover ist Andrea sehr präsent, wogegen die vier übrigen Quintettmitglieder hinten nur als Schattenrisse mit ihren Instrumenten abgebildet sind. Schade, dass die Band nur im Albumtitel beschworen wird, während die Platte als One-Woman-Show auftritt. Das Format dazu fehlt Andrea leider (noch).

Mögen Hukkelbergs Popsensibilitäten auch nicht ganz so bekannt sein wie die seiner Schwester Hanne, ist anzunehmen, dass der in etlichen, oft radikal unterschiedlichen Musikstilen Erfahrene der 27-Jährigen präzise und handfest zur Seite gestanden hat. Wenn Andrea nun noch eine bessere, mutigere Songwriterin wird, könnten auch ihre ordentlichen Arrangements in der Zukunft vermutlich über das hier zu erlebende solide Niveau hinauswachsen.
Ein nettes, chansoneskes Jazzpop-Debüt; noch nicht ganz da, wo Andrea Berge vermutlich hinwill, durchweg etwas zu vorsichtig und unschlüssig, in der zweiten Hälfte sogar fast einschläfernd - nur Lied Nummer acht, »I borrowed your Car«, und auch nur dieses, bringt hübsch munter ein wenig Abwechslung. (ijb)



Siehe auch:
Hanne Hukkelberg
Thomas Hukkelberg


 Andrea Kvintett: Andrea Kvintett

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Annie: Anniemal
( 2004, 679 Recordings /Warner 20041 )

Was ist der Unterschied zwischen Madonna und Kylie Minogue? Richtig: Während man Madonna – ob man sie nun mag oder nicht – noch eine gewisse Phantasie und Vision zugestehen muss, ist Minogue nur die harmlose Nachahmer-Variante. Nun hat also auch Norwegen ihre Kylie Minogue. Annies Loops und Elektronik-Schleifen erinnern gar an Bertine Zetlitz, aber dieser Vergleich wäre eine Ohrfeige für Zetlitz, deswegen sei er gleich und ganz schnell wieder zurückgenommen.

Radio-tauglich ist Annies Bubblegum-Pop aber allemal – was angesichts der heutigen Radio-Landschaft aber eher ein Knockout-Kriterium für musikalische Qualität ist. Apropos Bubblegum: »Chewing Gum« heißt der Hit-Anwärter, der sich mit billigen Retorten-Beats und Simpel-Gesang ins Hirn der armen Teenieschaft fräsen wird. Bergen, so werden sie dann im Chor mit all den gerade Norwegen entdeckenden Rock-Journalisten sagen, ist ein Talentpool: Schließlich kommt ja auch Annie alias Anne Lilie Berge Strand daher. Armes Bergen. (peb)



Mehr CDs von Annie



Siehe auch:
Bertine Zetlitz

 Annie: Anniemal

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Annlaug: November
( 2010, Fivreld FIV01 )

Anders als im Folk-Duo mit Rannveig Djønne wählt Annlaug Børsheim als Solokünstlerin einen viel popmusikalischeren Ansatz, wenngleich Akkordeon, Banjo, Hardangerfiedel und Ukulele nicht fehlen und einige ihrer Lieder auf traditioneller Überlieferung basieren. Dass ihr Debüt den Titel »NOVEMBER« trägt, soll allerdings nicht heißen, dass die aus dem kleinen Dorf Ulvik am Hardangerfjord stammende Sängerin eine graue oder trübsinnige Platte eingespielt hätte. Ganz im Gegenteil - gerade der Titelsong ist eine sinnliche Feier von Annlaugs Lebens- und Liebeslust. Wären die Texte nicht in ihrem norwegischen Heimatdialekt gesungen, ein jeder würde sie sofort mitsingen.

Fast meint man jedoch, die Lieder seien englisch, so international kommt ihr Songwriting rüber, und abgedruckt sind die Texte sowieso nur in englischer Übersetzung. Aufgenommen hat sie die dreizehn Stücke mit schottischen Musikern in einem kleinen Dorf unweit von Edinburgh. Auch ihre melancholische, nachdenkliche Seite zeigt Annlaug, etwa im Streichquartett-Song »Sveve Heim« (»Soaring Home«), und gerade hier liegen die etwas zu gewöhnlichen Seiten dieser unterhaltsamen Platte. Am spannendsten sind die Lieder, die interesse Brücken zwischen folkigen Einflüssen aus Norwegen, keltischen Rhythmen und sehr gegenwärtigem Songwriting schlagen. Traumwandlerisch schön das abschließende Wiegenlied aus ihrem Heimatdorf, in dem sie sich selbst nur mit der Shrutibox begleitet, einem vage nach kleinem Akkordeon klingenden Instrument. (ijb)



Siehe auch:
Annlaug Børsheim & Rannveig Djønne
Valravn

Sorten Muld


 Annlaug: November

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Marianne Antonsen: Blomster I Soweto
( 1995, Kirkelig Kulturverksted FXCD152 )

Hört man diese tiefe und rauchig-herbe Soul-Stimme, so vermutet man dahinter einen Mann mit enormem Brustkorb. Marianne Antonsens Stimme harmoniert jedenfalls perfekt mit dem südafrikanischen Chor Imilonji Kantu Choral Society, der auch schon für Nelson Mandela sang. Die ins Norwegische übersetzten Texte der afrikanischen Volkslieder klagen denn auch Rassendiskriminierung an, obwohl dieses Phänomen freilich in Norwegen kein so großes Problem darstellt wie in Deutschland oder eben Südafrika.

»BLOMSTER I SOWETO« begeistert mit melodischen Traditionals im Township-Swing, veredelt durch den kehlig-leidenschaftlichen Gesang des Soweto-Chors. Derart schmissiger Afro-Pop gerät zusammen mit Antonsens nordischer Note zu einem geografischen Crossover-Treffen, das schlicht atemlos macht – durch seine musikalische Brillanz ebenso wie durch seinen politischen Anspruch. (peb)



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Marianne Antonsen: Blomster I Soweto

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Aurora: Infections of a Different Kind – Step One
( 2018, Decca)

200 Millionen Streams and 500.000 verkaufte Exemplare ihres Debütalbums »ALL MY DEMONS GREETING ME AS FRIENDS«: Aurora ist die allseits gehypte neue Lieblingsnorwegerin, gefeiert von den Mainstream-Postillen bis hin zu den anspruchsvolleren Blogs. Die heute knapp über 20jährige Musikerin aus Bergen spielte schon als Erstklässlerin Klavier und fing als Zehnjährige mit dem Songschreiben an. Dass sie schon früh in Richtung großes Publikum schielte, war von Anfang an nicht zu überhören. Einen Vertrag mit einem Major Label hat Aurora in der Tasche, und so sind die Aufnahmen für ihr zweites Album »INFECTIONS OF A DIFFERENT KIND - STEP ONE« auf einem Schloss in Südfrankreich entstanden und von namhaften Produzenten wie dem Landsmann Askjell begleitet worden.

Deutlich elektroppiger ist der Zweitling ausgefallen - und komplizierter, vielschichtiger! Was eine gute Nachricht ist: Denn die Dinge sind sehr selten schwarz-weiß. Im sehr tanzbaren, mit archaischen Sami-Rythmen spielende »Queendom Come« geht es darum, sich selbst als Kriegerin zu akzeptieren: Wir können kämpfen, und wie! Unverändert steht aber Auroras glockenhelle Stimme im Mittelpunkt: Als wenn die Eiskönigin zu singen beginnt! Unterstützt wird die Musikerin vom Trondheim Symphony Orchestra, der Harfenistin Ruth Potter (die mit Florence And The Machine arbeitet), einem Cello-Quartett und einem Schwulenchor aus Oslo. In der LGBT-Community hat die Norwegerin ohnehin viele Fans. Bisweilen also sehr üppig und sehr warm fällt der Sound auf dem Zweitling aus, obwohl im Hintergrund immer eine leichte Beunruhigung lauert. Ganz besonders bei sich aber scheint Aurora in den ruhigeren Songs, folkig-balladigen Songs wie »It Happened Quietly«, die allerdings alles andere als harmlos sind, sondern leise Schauergeschichten erzählen: Denn das Opfer kommt aus den Schatten zurück und bringt sich nachdrücklich in Erinnerung. Sympathisch ist Aurora im Übrigen auch deshalb, weil Ober-Zauberer Albus Dumbledore ihr Held ist. Dessen Credo: »It does not do to dwell in dreams and forget to love« ist ihr innerer Kompass. (emv)



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