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Alle Rezensionen zu Vikingur Ólafsson
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

 

Johann Sebastian Bach
( 2018, Deutsche Grammophon /Universal 483 5022 )

Im Jahr 2017 debütierte der isländische Pianist Vikingur Ólafsson bei der Deutschen Grammophon und man ließ ihn dort, vielleicht um sich aus der Masse der klassischen Klavierinterpretationen herauszuheben, die »Études« des oftmals der Trivialität gescholtenen Minimal-Musikers Philip Glass interpretieren. Ausgerechnet! Und diese führte der junge Mann, der auf den Covern aussieht wie ein grundsolider Sparkassen-Filialleiter, bei dem man nur zu gerne einen Bausparvertrag abschließen würde, mit einer solchen Vitalität bei gleichzeitiger Detailtreue auf, dass Glass ihn kurzerhand dazu einlud, seine »Études« bei einer gemeinsamen Konzertreise zu interpretieren.
 
Um es vorweg zu nehmen: Die Anerkennung, die ihm für dieses Debüt entgegenschwang, dürfte ihm auch für seine aktuelle Bach-Interpretation zuteil werden. Sprichwörtlich im Mittelpunkt der 35 Tracks auf dem Album steht die Aria variata BWV 989, das neben den Goldberg-Variationen einzige Variationenwerk Bachs für Klavier. Einen weiteren Schwerpunkt bilden einige Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier. Um diese Werke gruppiert sich eine klug ausgewählte Sammlung von Inventionen, Phantasien, aber auch Chorälen und Orgelkonzerten. Stücken also, die von Bach ursprünglich nicht für Klavier komponiert und erst später transkribiert wurden.

Klug ist die Auswahl deshalb, weil sie nicht nur den christlich-pastoralen Bach präsentiert, sondern auch den den weltlich-verspielten, den überschwänglichen, ja den provokanten. Und weil sie dem Pianisten alle Möglichkeiten zur Interpretation ermöglicht. Ólafsson erweist sich hier als Kenner der Materie, er hat die wesentlichen Schulen der Bach-Interpretationen studiert. Als »Glenn Gould der Geysire« (New York Times) macht er sich bisweilen tatsächlich die rhythmische Strenge des Kanadiers zu eigen, wirft aber dessen verschrobene Introvertiertheit über Bord und präsentiert uns auch einen farbigen, einen mächtigen und auf jeden Fall modern interpretieren Bach. Er kann sich somit von den Vorbildern befreien und macht sein ganz eigenes Ding daraus – typisch skandinavisch eben. Ein wunderbares Album, bei dem eigentlich nur eine Frage offen bleibt: Was halten die Skandinavier eigentlich von Bausparverträgen? (stv)


Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson

Vikingur Ólafsson: Johann Sebastian Bach

 

Philip Glass · Piano Works
( 2017, Deutsche Grammophon /Universal 479 6918 , Einspielung: Oktober 2016 )

Mit dieser Zusammenstellung von »PIANO WORKS« des großen amerikanischen Komponisten Philip Glass, rechtzeitig zu dessen 80. Geburtstag im Januar 2017 veröffentlicht, legt der junge, vielgelobte Isländer Vikingur Ólafsson ein starkes Debütalbum vor; und zwar nicht irgendwo auf einem einem kleinen isländischen Label, sondern gleich bei der Deutschen Grammophon. Dort im Hause ist man jüngst bestrebt, verstärkt auf alte Traditionen zu bauen, weshalb der markante gelbe DG-Rahmen seit kurzem wieder knapp ein Drittel des CD-Covers füllend auf den Veröffentlichungen prangt.

Kein schlechter Start für den 32-jährigen Pianisten von der Atlantikinsel also: Mit einem Philip-Glass-Album kann man sich durchaus sehen lassen, zumal wenn die Auswahl der Stücke auf bislang weniger exzessiv zu hörende fällt. Abgesehen vom »Opening« der »Glassworks« aus dem Jahr 1981 hat sich Ólafsson auf eine eigene Auswahl von Glass' »Études« beschränkt, die zwischen 1991 und 2012 komponiert wurden (veröffentlicht in zwei Büchern à 10 Etüden). Und der Interpret traf nicht nur eine Auswahl von zehn Stücken (zuvor hatte er alle 20 in London gespielt), die er auf seine eigene Weise anordnet, obendrein bietet er in der Mitte des Programms die Étude Nr.2 sowie abschließend auch das »Opening« jeweils in einem »Rework« von Christian Badzura, d.h. in Adaptionen mit Streichquartett, hier dem Siggi String Quartet. Badzura hat, nebenbei bemerkt, in Lübeck Klaviermusik studiert und arbeitet als »Artists und Repertoire Manager« beim der Deutschen Grammophon, d.h er sucht die Künstler für das Traditionslabel und hat wohl auch Ólafsson unter Vertrag genommen.

Wie Philip Glass zu den beiden zusätzlichen Varianten steht, ist nicht verbucht, und wahrscheinlich wären sie auch nicht nötig gewesen, denn der Interpret überzeugt als Solist sehr mit seinem recht leichten, schwebenden Tonfall, fast als ob er Vorurteilen isländischer Natur- und Traummystik die Hand reichen wollte. Doch tappt er nie in die Klischeefalle, sondern beweist in dieser Lesart stets einen eigenen Blick, die gerade bei Studienwerken wie diesen gefragt ist. So gelingt es Ólafsson, sowohl seinen poetisch-nordischen Blick als auch eine selten zu erlebende Seite des Komponisten klug und unaufdringlich zur Geltung zu bringen. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
»Opening« from »Glassworks« (1981)
Études No. 2, 3, 5, 6, 9, 10, 13, 14, 15, 18 (1991-2012)



Siehe auch:
Vikingur Ólafsson spielt Jóhann Jóhannsson

Vikingur Ólafsson: Philip Glass · Piano Works

Offizielle Website      http://www.vikingurolafsson.com



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