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Alle Rezensionen zu Eldbjørg Hemsing
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Tan Dun: Fire Ritual – Violinkonzerte
Eldbjørg Hemsing 
· Oslo Philharmonic Orchestra · Tan Dun
( SACD, 2019, BIS 2406 | 7318599924069 , Einspielung: September 2018 )

Mit der dritten CD ihrer Reihe bei BIS kommt Eldbjørg Hemsing nach Hause und spielt mit den Osloer Philharmonikern. Einerseits. Andererseits führt sie dieses Programm weiter von zu Hause weg als die beiden vorigen Alben, denn sie präsentiert uns hier – erneut eine singuläre Auswahl – zwei Konzerte des in New York lebenden Chinesen Tán Dùn. Ihn lernte sie 2010 bei der Weltausstellung »Expo« in Shanghai kennen, denn dort spielte sie die Uraufführung des »Love Concerto« – welches allerdings auf dieser CD nicht enthalten ist. »Rhapsody and Fantasia« basiert auf früheren Kompositionen, wurde ursprünglich für den Geiger Cho-Liang Lin geschrieben, aber Tán Dùn erstellte 2018 eine Neufassung, wie das im September 2018 uraufgeführte dritte Violinkonzert »Fire Ritual«, eigens für Eldbjørg Hemsing.

Die Titel der beiden Sätze des Violinkonzerts »Rhapsody and Fantasia« sprechen bereits Bände: Von »Rock the Violin in Rhapsody« zu einem »Traum aus der Peking-Oper« bietet Tán Dùn ein buntes Feuerwerk aus Bildern unterschiedlicher kultureller, geografischer und musikalischer Welten. Dem breiten Publikum ist der prominente Komponist sicherlich aufgrund seiner farbenprächtigen Filmmusiken zu ebensolchen chinesischen Großproduktionen, oftmals Historien- und Martial-Arts-Epen, bekannt; Yimou Zhangs »Hero«, »Mulan – Legende einer Kriegerin« von Jingle Ma, 2001 erhielt er den Oscar und den Grammy für die Musik zu Ang Lees »Tiger and Dragon« usw. Wer also jene Werke schätzt, kommt mit diesem Violinkonzert voll auf seine Kosten, zumal er selbst diese Einspielungen dirigiert. Er warf gewissermaßen seine ganze Erfahrungsvielfalt seines Lebens zwischen den Kontinenten, zwischen Jazzelementen, europäischer Romantik, asiatischer Musikkultur und Rock, in diesen Topf, und die Solistin und ihre Orchester schöpfen gerne aus dem Vollen, wobei auch sensible und subtile Momente nicht fehlen.

Auch »Fire Ritual« ist natürlich ein sprechender Titel. Thematisch geht es hier jedoch etwas ernster zu, denn das ebenfalls halbstündige Werk ist den Opfern aller Kriege gewidmet und erzählt, quasi ebenfalls ort- und zeitlos, von Leben, Tod und Wiedergeburt. Zum Einsatz kommen Spieltechniken traditioneller chinesischer Instrumente, wozu man auch die perkussiven Gongs, die Trommeln und die Vokalisierungen der Musiker zählen kann. In den fünf Sätzen hinterlässt »Fire Ritual« einen wohl etwas fokussierteren und emotional vielschichtigeren Gesamteindruck als »Rhapsody and Fantasia«, doch besticht dieses Album gerade in der Kombination zweier so verschiedenartiger Facetten ein und desselben Kosmopoliten. Eine weitere überzeugende kulturelle Begegnung der ambitionierten Osloer Violinistin. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
[1] Violinkonzert »Rhapsody and Fantasia«: 
I. Rock the Violin in Rhapsody, 
II. A Dream Out of Peking Opera (rev. 2018) · [2] 
Violinkonzert »Fire Ritual« (2018)

Eldbjørg Hemsing: Tan Dun: Fire Ritual – Violinkonzerte

 

Dvořák: Violin Concerto · Suk: Fantasy & Love Song
Eldbjørg Hemsing 
· Symphonieorchester Antwerpen · Alan Buribayev
( SACD, 2018, BIS 2246 | 7318599922461 , Einspielung: September 2016 )

Mit der ersten CD der Albenserie, die das renommierte schwedische Label BIS ihr widmete, begeisterte Eldbjørg Hemsing Anfang des Jahres nicht nur uns bei »Nordische Musik«. Die junge norwegische Geigerin und ihr Label legen bereits wenige Monate nach dem Debüt die zweite Folge vor – aufgenommen wurde die CD bereits im September 2016 in Antwerpen – und tatsächlich war ursprünglich geplant, dieses Album als erstes der Reihe zu veröffentlichen, bevor die Vorliebe für Borgström und Schostakowitsch für eine Planänderung sorgte. Sicher eine gute Entscheidung, denn so markant wie in jener Zusammenstellung betritt selten eine Solistin die internationale Bühne.

Hier kombinieren Hemsing und BIS wieder ein weitgehend bekanntes klassisches Werk der Violinliteratur, Dvořáks Konzert in a-moll aus dem Jahr 1873, mit einem nicht ganz so bekannten. In diesem Fall spielt sie einen weiteren tschechischen Komponisten, der – trotz eines anderen Stils – gar als Seelenverwandter bezeichnet wird: Der 1874 geborene Josef Suk wird als ein Lieblingsschüler Dvořáks genannt, doch darüber hinaus wurde er 1898 auch sein Schwiegersohn.

Seine einsätzige »Fantasie«, eine Art »kleines« (20 Minuten langes) Konzert für Violine und Orchester, stammt aus dem Jahr 1902 und ist eine wunderbare Entdeckung zwischen feiner Poesie und intensiver Leidenschaft. Auch sein etwa zehn Jahre zuvor komponiertes »Liebeslied« schrieb er für die Violine, zu jener Zeit, als er seine zukünftige Frau Otilie Dvorák kennenlernte. Erwartungsgemäß ist diese sympathsiche Zugabe von großer Romantik geprägt. Eldbjørg Hemsing trifft die jugendliche Frische hervorragend und bringt sie, unterstützt vom kasachische Dirigenten Alan Buribayev und der klaren, eindringlichen Surround-Aufnahme souverän in unsere Gegenwart. Dass auch ihr Dvořák rundum gefangennimmt, versteht sich gewissermaßen von selbst. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Antonín Dvořák (1841-1904): Violinkonzert a-moll op. 53 (1879)
Josef Suk (1874-1935): Fantasie in g-moll für Violine und Orchester op. 24 (1902/03)
· Liebeslied op. 7,1 (arrangiert für Violine und Orchester)

Eldbjørg Hemsing: Dvořák: Violin Concerto · Suk: Fantasy & Love Song

 

Borgström & Shostakovich · Violin Concertos
Eldbjørg Hemsing: Violine · Wiener Symphoniker · Olari Elts: Dirigent
( SACD, 2018, BIS 2366 | 7318599923666 , Einspielung: September 2015 )

Eldbjørg Hemsing gab mit 11 Jahren ihr Solodebüt bei den Philharmonikern in Bergen und ist in Norwegens Musikszene seit ihrer Kindheit ein Begriff, auch weil sie sich als engagierte Verfechterin der reichen Tradition ihres Heimatlandes etabliert hat. Als ihr vor einigen Jahren die Musik Hjalmar Borgströms vorgestellt wurde, war sie überrascht zu erfahren, dass er als Komponist und Kritiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Norwegen berühmt war. »Als ich zum ersten Mal die Partitur seines ersten Violinkonzerts eröffnete, war ich sofort fasziniert. Dieses Konzert ist unglaublich schön, voller norwegischer nationalistischer Gefühle, die typisch für seine Zeit sind, aber auch internationale Aufmerksamkeit verdienen. Es erinnert mich daran, woher ich komme – die raue Landschaft von Valdres und Jotunheimen, wo sich die umliegenden Berge dramatisch über die Täler erheben – und die Musik lässt mich nach meinen Wurzeln verlangen. Nach Borgströms Tod 1925 war das Konzert völlig vergessen und so bin ich heute auf einer Art Mission, meinen Teil dazu beizutragen, die Musik dieses Komponisten wieder zum Leben zu erwecken.«

Wie Grieg und viele andere nordische Komponisten im späten 19. Jahrhundert ging Borgström zum Studium nach Deutschland. Im Gegensatz zu Grieg, der nach der Rückkehr fest entschlossen war, an einer authentischen norwegischen Musik zu arbeiten, kehrte Borgström als überzeugter Verfechter der neuen deutschen Sinfoniemusik zurück. Sein Violinkonzert in G-Dur wurde indes 1914 im Rahmen der Hundertjahrfeier der norwegischen Verfassung uraufgeführt, und das sehr klangvolle und ausdrucksstarke Werk kam gut an. Es hat sich jedoch nicht im Repertoire etabliert und versank hundert Jahre lang in der Versenkung. Mit Leichtigkeit und farbenreicher Klarheit holt es Eldbjørg Hemsing nun beherzt in die Gegenwart und ins allgemeine Bewusstsein zurück. Was für ein temperamentvolles Debüt!

Für ihr erstes in einer auf mehrere Alben angelegten Reihe beim schwedischen Label BIS kombiniert die 28-Jährige Hemsing Borgströms Werk geschickt mit einem sehr gegensätzlichen und als unbestrittenem Meisterwerk betrachtetem Violinkonzert: Dmitri Schostakowitschs erstem, von dem Hemsing nicht nur »von klein auf begeistert« war, sie studierte zudem später in Wien bei Boris Kuschnir, selbst Schüler des Widmungsträgers des Konzertes, David Oistrach. So konnte sie unschätzbare Einblicke bekommen, wie sie sich diesem großen, in der russischen (Musik-)Geschichte eher zentralen Werk auf ebenso individuelle wie getreue Weise näherte. Immerhin entstand es in einer schwierigen Zeit für den Komponisten, dessen Musik damals als »formalistisch« und »antidemokratisch« angeprangert wurde, und das Violinkonzert konnte schließlich erst 1955 nach Stalins Tod uraufgeführt werden. Die Virtuosin Eldbjørg Hemsing kommt dem russischen Geist mit der Melancholie und dem Humor Schostakowitschs sehr nahe, ohne in historische Nachbildung zu verfallen.

Dass sie dabei von den renommierten Wiener Symphonikern unter der Leitung des estnischen Dirigenten Olari Elts unterstützt wird, erweist sich als angemessen: Ein überzeugenderes CD-Debüt wäre kaum vorstellbar, denn Hemsings Reife und ihre Kunst, nordische Sensibilität mit Weltgewandtheit zu verbinden, kommen so hervorragend zum Tragen. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Hjalmar Borgström (1864-1925): Violinkonzert in G-Dur, Op. 25 (1914)
Dmitri Schostakowitsch (1906-75): Violinkonzert Nr.1 in A-Moll, Op. 77 (1947–48, rev. 1955)

Eldbjørg Hemsing: Borgström & Shostakovich · Violin Concertos

Die CD »Borgström & Shostakovich · Violin Concertos« war »CD des Monats« im Monat 5 / 2018.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Eldbjørg Hemsing ist eine echte Entdeckung!
Eva-Maria Vochazer


Tim Jonathan Kleinecke


Peter Bickel


Stefan Vinaricky

Offizielle Website      http://eldbjorghemsing.info



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