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Alle Rezensionen zu Albert Schnelzer
(Genre »Klassik«, Land »Schweden«)

 

Albert Schnelzer: Tales from Suburbia
Claes Gunnarsson, Cello 
· Gothenburg Symphony · Benjamin Shwartz, Dirigent
( SACD, 2018, BIS 2313 | 7318599923130 , Einspielung: Mai 2017 )

Der 1972 in Värmland geborene Albert Schnelzer wird vom renommierten Label BIS als »einer der erfolgreichsten zeitgenössischen schwedischen Komponisten« bezeichnet, da es sein Schaffen nun auf CD einem internationalen Publikum vorstellt. Drei Orchesterwerke aus den Jahren 2011 bis 2014 spielten die Göteborger Symphonikern unter dem amerikanisch-israelischen Dirigent Benjamin Shwartz (geb. 1979) für diese Porträt-CD im Mai 2017 ein.

Schnelzers Musik ist inspiriert von Tanz und Literatur, aber wie bereits zwei Titel dieser Werke verraten, hat es ihm ebenso das Schaffen von Pink Floyd angetan; sowohl die Werktitel »Crazy Diamond« und »Brain Damage« als auch die Namen der einzelnen Sätze dieser jeweils knapp halbstündigen Kompositionen gehen auf Stücke auf deren meistverkaufter LP »Dark Side of the Moon« (1975) zurück, überhaupt eines der zentralen Werke zwischen sogenannter U- und E-Musik jenes Jahrzehnts. Bis heute verblüfft es, dass diese idiosynkratischen und unangepassten Alben zu solch weltweiten Bestsellern werden konnten und die englische Band damit Millionen begeistern konnten. (und können). Auch Albert Schnelzer sagt von sich, dass Pink Floyds Alben und Songs in seiner Jugend extrem wichtig für ihn gewesen seien, ihm Wegweiser, Zuflucht und Orientierung waren, »den eigenen Platz in der Welt zu verstehen«.

Wenn er die Musik von Pink Floyd auch nicht direkt zitiert, so wurden die beiden Werke doch unmittelbar von der Musik und den Texten von »Dark Side of the Moon« beeinflusst, die Textzitate dienten ihm »als eine Art Katalysator«, um seine eigene Musik und Geschichte freizusetzen. Wie die Quasi-Vorlage »Shine On You Crazy Diamond« darf also auch Schnelzers Cellokonzert als Hommage an und Porträt von Gründungsmitglied Syd Barrett verstanden werden, der sich später nicht mehr von den halluzinogenen Drogen erholte und 2006 in schlechter psychischer Verfassung verwirrt starb. Während »Crazy Diamond« eher das dunkle, recht ruhige Erzählen zwischen Biografie und musikalischem Drama in den Fokus nimmt, knüpft das streckenweise expressivere Konzert für Orchester »Brain Damage« hier thematischer an, indem das Wesen des Orchesters (aka Rockband) selbst als Dialog zwischen den einzelnen Instrumentenstimmen und Untergruppen reflektiert wird. Schnelzer kommentier, er wolle »Wut, Frustration, Trauer und vielleicht sogar einen Hauch von Hoffnung« der Rolle des Einzelnen in der großen Gruppe spürbar machen.

Zwischen den beiden ambitionierten Großwerken steht das gut viertelstündige, 2012 entstandene Orchesterstück, das der CD auch den Haupttitel verleiht: »Tales from Suburbia«. Laut Schnelzer liegt ihm die Idee zugrunde, dass Vororte den Übergang zwischen ländlicher Umgebung und Urbanität verkörpern, hier die organische Welt der Natur auf Betonstrukturen und Vergangenheit auf Gegenwart trifft. Über alle drei Werke dieser CD, vor allem über die Floyd-Projekte, lässt sich sagen, dass das Wissen um die thematischen Hintergründe und Inspirationen merklich hilft, den formal meist einfachen, an sinfonischen Aufbau angelehnten Formaten, zu eingehender Aufmerksamkeit zu verhelfen. Man hört doch anders hin, als wenn die Werke als rein abstrakte Kompositionen präsentiert würden. Schnelzer zeigt sich als gewandter, technisch souveräner Orchestrator, neigt jedoch zu schleppenden Erzählungen, die gut und gern etwas mehr Mut vertragen könnten. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Cellokonzert »Crazy Diamond« (2011) 
 · »Tales from Suburbia« (2012) 
· »Brain Damage« (Konzert für Orchester, 2014)

Albert Schnelzer: Albert Schnelzer: Tales from Suburbia

Offizielle Website      albertschnelzer.se



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