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Alle Rezensionen zu Kati Raitinen
(Genre »Klassik«, Land »Finnland«)

 

The World Is (Y)ours
Kati Raitinen: Cello
( 2019, arcantus arc 19012 )

Am heutigen 15. April 2019 feiert Kati Raitinen ihren 50. Geburtstag. Sie verbindet ihre Arbeit als Solocellistin des Royal Swedish Opera Orchestra im Konzerthaus Stockholm mit einer breit gefächerten internationalen Kammermusikaktivität, unter anderem im Streicherinnentrio ZilliacusPerssonRaitinen. Mit diesem superb zusammengestellten, gut einstündigen Programm reiner Solostücke schlägt die Finnin einen souveränen Bogen aus der Musikhistorie ihres Heimatlandes im Jahr 1887 – mit Sibelius' »Thema mit Variationen« – bis in die Gegenwart 130 Jahre später: »The Dark Triad« mit dem Untertitel »Psychological Tango Traits« des 1972 in Stockholm geborenen Komponisten Johan Ullén, der dieses 25-minütige Werk in drei Sätzen über die Charakterzüge Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus eigens für Kati Raitinen schrieb.

Raitinen hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Verbundenheit mit der Vielfalt der zeitgenössischen Musik aufzuzeigen, und dabei lädt sie uns ein zu Einojuhani Rautavaaras »Solo Sonata« aus dem Jahr 1969, ihrem Geburtsjahr, welches das Cello eine souveräne Brücke aus vergangenen Epochen (Bach, Braock) zu den emotional eindringlicheren Strömungen Mitte des 20. Jahrhunderts schlagen lässt und somit die Werke der jüngeren, noch aktiven Komponist/innen einleitet. Rautavaaras Werk ist bekanntlich nicht immer einfach, doch hier gelingt es der Interpretin, die Sonate in vier Sätzen lebendig wie ein ganz aktuelles Werk klingen zu lassen.

Am Un-Nordischsten ist wohl das rasante, höchst beeindruckend wendige und verschachtelte »Eternal Escape« (2001, mit gerade mal fünf Minuten das leider kürzeste Werk der CD) von Dai Fujikura, 1977 in Osaka geboren und wie die drei Jahre jüngere Engländerin Anna Clyne mit ihrem »Rest These Hands« (2009) einer der »modernsten«, populärsten jungen Komponisten der Generation um die 40. Beide scheinen keine Stilgrenzen und Berührungsängste zu kennen, sondern sprechen ebenso ein popmusikaffines Publikum an. Dies gilt weitgehend auch für Ullén, dessen Tango-Trilogie gar nicht so schwer und angestrengt daherkommt, wie der thematische Überbau vermuten ließe. Man kann die drei durchaus frischen Stücke ebenso ganz frei als aufregend kurzweilige Neue Musik erleben wie als Vertonung komplexer Überlegungen.

Mit Kati Raitinen gibt es ohne Frage viel zu entdecken, und so bleibt zu hoffen, dass dieses Programm nur ein erstes in einer längeren Reihe vergleichbar klug konzipierter und interpretierter Alben sein wird. Es gibt zu wenige solcher Cello-Alben, die eine persönliche Auswahl zeitgenössischer Werke verschiedener Herkünfte und Autoren so geschickt und unterhaltsam verbindet. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Anna Clyne (*1980): »Rest These Hands« (2009, Version für Violoncello 2014)
Jean Sibelius (1865-1957): »Thema mit Variationen« (1887)
Dai Fujikura (*1977): »Eternal Escape« (2001)
Einojuhani Rautavaara (1928-2016): Solo Sonata (1969)
Johan Ullén (*1972): »The Dark Triad: Psychological Tango Traits« (2017)



Siehe auch:
Einojuhani Rautavaara
Jean Sibelius

Trio ZilliacusPerssonRaitinen

John Ehde


Kati Raitinen: The World Is (Y)ours

Offizielle Website      https://www.zpr.se



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