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Alle Rezensionen zu Mari Samuelsen
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Mari
Mari Samuelsen: Violine · Konzerthausorchester Berlin · Jonathan Stockhammer: Dirigent
( 2 CDs, 2019, Deutsche Grammophon /Universal 00289 483 58694 , Einspielung: Okt/Nov 2018 )

Nach dem medienwirksam präsentierten Wechsel zum Prestige-Label Deutsche Grammophon durfte man gespannt sein, wie Mari Samuelsens Debut ausfallen würde. Und in der Tat scheuten alle Beteiligten keine Mühen, bis hin zum aparten Coverportrait mit Hochglanzästhethik. Zwei CDs/LPs mit knapp zwei Stunden neu eingespielter Musik wurden Samuelsen ermöglicht: In zwei Aufnahmesessions in renommierten unterschiedlichen Berliner Veranstaltungsorten – im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und in den Teldex Studios – spielte die Norwegerin eine persönliche, sehr eigene Zusammenstellung aus 21 Stücken unterschiedlichster Herkunft ein – stilistisch, musikgeschichtlich, geografisch. Federführend dabei war Christian Badzura, langjähriger A&R-Chef bei DG, der im Haus bereits verantwortlich war für Hilary Hahn & Hauschka, Daniel Hope, Bryce Dessner, Max Richter, Jóhann Jóhannsson sowie zuletzt für Víkingur Ólafsson, an dessen DG-Debut er ebenfalls als Arrangeur mitwirkte.

Hier erarbeitete Badzura mit der Künstlerin eine ganze Reihe von teils recht ungewöhnlichen neuen Arrangements bekannter Kompositionen aus Barock, Neo-Klassik, Filmmusik und Pop: zwei Stücke etwa von Brian Eno, der jüngst ebenfalls mit einem Album bei DG reüssierte, stehen für einen Pop-Ansatz von Minimal Music, eines aus seiner Zeit bei Warp in den 2010ern, »Emerald and Stone«, und den Klassiker »By This River« aus den Siebzigerjahren, aus der Zeit mit Roedelius und Moebius aka Cluster aus Conny Planks Produktion. So schön diese Stücke auch sind, Enos Ambient-Melodien werden allerdings bald zum Kitsch, wenn sie süßlich von der Geige interpretiert werden. Noch mehr trifft dies auf Max Richter zu, ebenfalls DG-Vertragspartner und gleich vierfach vertreten, dessen Schaffen ohnehin stets sehr dem Kitsch zugetan ist – weshalb er in den letzten Jahren zum begehrten Komponist für emotionale Filmmusik avancierte. Während indes Richters Solostück »Fragment« der Interpretin Raum für einen persönlichen Moment mit feiner Intimität bietet, scheint der hemmungslose Bombast der Stücke aus der Filmmusik zur Serie »The Leftovers« geradezu benachbarte Stücke mit einzusaugen; speziell in Kombination mit Jóhann Jóhannssons schlichtem »Good Night, Day« aus seinem »Orphée«-Projekt oder »Come In!« des 1946 geborenen Russen Vladimir Martynov verlangen sie gehörige Kitsch-Toleranz.

Für sich genommen sind die meisten Kompositionen dieser spannenden Auswahl sehr reizvoll – die kleineren bis solistisch-intimen durchweg interessanter –, aber als wild in Arrangements, Besetzungen, Jahrhunderten und Stimmungen umher-springende Jukebox fehlt dem ambitionierten Doppelalbum der klare Faden einer künstlerischen Idee. Klar, »MARI« ist, mehr noch als »NORDIC NOIR« (Decca), als Popalbum konzipiert, das die Show(wo)manship von Virtuosenstücken wie Philip Glass' »Knee Play 2« mit neuen Arrangements für Violine und Streicher von Bach-Stücken (neben zwei solistischen Sätzen) und die Spiritualität des Letten Pēteris Vasks (Jg. 1946) mit eindringlich mysteriöser »Arrival«-Filmmusik von Jóhannsson verknüpft. Aber man tut sehr gut daran, dieses Album eher in kleinen Einzeldosen zu genießen statt als knalligbunte Show nach Art eines Helene-Fischer-Abends. (ijb)


Siehe auch:
Jóhann Jóhannsson / Max Richter ("Arrival")
Vilde Frang

Eldbjørg Hemsing

Víkingur Ólafsson


Mari Samuelsen: Mari

 

Nordic Noir
Mari Samuelsen: Violine · Håkon Samuelsen: Cello · Trondheim Soloists · Jesper Söderqvist: Marimba, Glocken, Toms, Ambiences · Gunnar Flagstad: Piano · Frans Bak, Keld H. Ibsen: Elektronik, Synthesizer, Soundscapes
( 2017, Decca Classics /Universal 00028948148790 , Einspielung: Januar 2017 )

Nach einer James-Horner-CD mit ihrem Bruder Håkon ist »NORDIC NOIR« Mari Samuelsens erstes eigenes Album, und es ist, für eine renommierte Solistin, ein überaus ungewöhnliches Projekt, mit einem spannenden, eigenen Konzept. Denn die Violinistin präsentiert bei Decca Classics keine Zusammenstellung von klassischer Virtuosenmusik aus der Feder der üblichen Herren von Rang und Namen, sondern eine geschickt ausgewählte Kombination weniger bekannter skandinavischer Komponisten der Gegenwart. Der Titel verweist auf das beliebte Krimigenre nordischer Bücher und Filme, das zwar häufig die Klischees düsterer Geschichten in zwielichtiger Atmosphäre ausbreitet, zugleich aber auch immer wieder für intensive dramatische Höhepunkte sorgt.

In diesem Geist möchte die Norwegerin die Klangwelt ihres Solodebüts verstanden wissen, in einer »filmischen Bilderwelt von dunklen Nächten«, in der Unbehagen und nordisch feuchte Wald- und Herbststimmungen vorherrschen. Ganz so simpel, wie man befürchten könnte, ist ihre Auswahl freilich nicht ausgefallen. Nach Filmmusik klingt »NORDIC NOIR« zwar dennoch, jedoch ohne Hits und vor allem wunderbar kontrastreich und zum Teil schön dramatisch. Dazu hat Mari Samuelsen mit Komponisten bekannter nordischer Dramaserien zusammengearbeitet und sie gleich auf dem Album mitwirken lassen, neben ihrem Bruder Håkon am Cello und dem wie immer famosen TrondheimSolisten- Kammerorchester. Uno Helmersson (*1977) etwa schrieb die Musik für den schwedisch-dänischen Serienhit »Die Brücke«, der Däne Frans Bak (*1958) für »Kommissarin Lund – Das Verbrechen« (»Forbrydelsen«) und die gleichermaßen nordische US-Version »The Killing«. Weitere Beiträge gibt es vom Schweden Johan Söderqvist (*1966, »So finster die Nacht«) und von Islands Minimal-Songwriter Ólafur Arnalds, der mit seiner Musik für die englische Serie »Broadchurch« begeisterte, von der hier allerdings nichts zu hören ist; stattdessen orchestrierte Viktor Orri Árnason zwei passende Stücke von Arnalds' Soloalben, »Near Light« vom Album »LIVING ROOM SONGS« und »Words of Amber« von »FOR NOW I AM WINTER«. Interessanterweise erinnern diese Arrangements extrem an das Werk eines anderen beliebten Filmkomponisten, Max Richter.

Die zwei ungewöhnlichsten und daher vielleicht besten Beiträge, die sich raffiniert in die Dramaturgie der CD einfügen, stammen indes von zwei älteren Herren: Von Estlands Arvo Pärt hören wir eine gelungene Interpretation seines kurzen Violinstücks »Darf ich...« (1995/99) und, als einzige Komposition aus Norwegen, »Vel komne med æra«, einen Satz aus Geirr Tveitts (1908-1981) auf traditioneller Hardangermusik basierender Suite »Hundrad hardingtonar op. 151«. Wenn auch die meisten anderen Kompositionen für sich nicht zwingend oder allzu memorabel sind, »NORDIC NOIR« ist in jedem Fall kein Sammelsurium von Klischeemelodien für den gemütlichen Leseabend, sondern ein klug gestaltetes Neo-Klassikalbum, mit dem Mari Samuelsen ihre künstlerische Individualität und eine reizvolle Sicht auf Musik fast aller nordischen Länder aufzeigt. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
Uno Helmersson: »Timelapse« (aus »Magnus«) · »Study In Rituals«
Ólafur Arnalds (arr. Viktor Orri Árnason): »Near Light« · »Words Of Amber«
Frans Bak: »The Mist«
Arvo Pärt: »Darf ich«
Jesper Söderqvist: »Love & Rage«
Geirr Tveitt (arr. Simon Hale): »Vél komne Med Æra«



Siehe auch:
Ketil Bjørnstad
Arvo Pärt

TrondheimSolistene

Ólafur Arnalds


Mari Samuelsen: Nordic Noir

Offizielle Website      https://marisamuelsen.com



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