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Alle Rezensionen zu Páll Ragnar Pálsson
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

 

Atonement – The Music of Páll Ragnar Pálsson
Caput Ensemble · Tui Hirv
( 2 CDs, 2020, Sono Luminus /Naxos DSL-92241 CD+BD , Einspielung: März 2019 )

»ATONEMENT« (»Sühne«, »Buße«) ist ein markanter, durchaus starker Titel für ein Album eines recht jungen Komponisten. Dass der Páll Ragnar Pálsson damit auch eine autobiografische Aussage über seine Arbeitsmethode treffen möchte, lässt sich aus den Anmerkungen im Beiheft entnehmen; der Titel ist jedoch zuerst einmal der eines Gedichts von Ásdís Sif Gunnarsdóttir und damit des ersten Werks, eines 2014 für das isländische Ensemble Nordic Affect geschriebenen für Quintett plus Sopranstimme. Hier wird »Atonement« zusammen mit vier weiteren, drei davon vom ebenfalls isländischen Caput Ensemble und einem vom Berliner Ensemble Adapter uraufgeführten Stücken für kammermusikalische Besetzungen präsentiert. Das amerikanische Label Sono Luminus hat sich in den letzten Jahren bereits mehrfach um zeitgenössische isländische Komponist/innen und Ensembles verdient gemacht und stellt hiermit Pálls Werke für Ensemble – für Flöte, Violine, Viola, Cello und Stimme, vereinzelt erweitert um Klarinette, Harfe, Klavier, Cembalo und/oder Perkussion – der internationalen Neue-Musikwelt vor; zuvor hatte Sono Luminus Stücke prominent in Programmen des Iceland Symphony Orchestra und der Cellistin Sæunn Thorsteinsdóttir veröffentlicht. Ein Orchester-Debütalbum mit dem Titel »NOSTALGIA« erschien 2017 zwar nur in Island, führte aber schon zu einer ganzen Reihe internationaler Erfolge und Aufmerksamkeit.

Er schreibt, »Atonement« bedeute für die Gedichtautorin, die auch die Vorlage von »Midsummer’s Night« lieferte, wie für ihn selbst als Komponist, sich »wieder mit sich selbst zu verbinden und inneren Frieden zu finden«. Hintergrund seiner Biografie ist – wie offenbar bei vielen Isländern – eine Jugend in einer Rockband, bevor er Komposition zuerst in seiner Heimat und dann bei Helena Tulve in Tallinn studierte. So steht er mittlerweile mit je einem Bein in der Musikszene Islands und Estlands, der Heimat seiner Frau: Die Sängerin Tui Hirv ist hier auf vier der fünf Werke zu erleben. Eine ungewöhnliche Wahl ist ein von Tui rezitierter Monolog aus Andrej Tarkowskijs Film »Stalker«, der Ende der Siebzigerjahre in Tallinn gedreht wurde und laut Páll »geschickte Verweise zu Estlands bewegter Geschichte« aufweist.

Insgesamt bietet »ATONEMENT«, das Covermotiv kündet es an, recht dunkle, gar düstere und auch etwas rätselhafte Musik. Wie Tarkowskij reflektiert Páll mit seiner Kunst die Welt in Form von spröder, teils verschlossener Poesie, die auf einzigartige Weise mit einem persönlichen, individuellen Blick das Material der Textautor/innen transformiert. Quasi autobiografisch ist das Album auch deshalb, weil die hier erzählte Geschichte 2011 mit dem ältesten Stück beginnt, als Páll und Tui als junge Eltern am Rand von Tallinn lebten. Die estnische Spiritualität, die bereits Tarkowskij und »Stalker« prägte, durch die Komponisten Pärt, Kreek und Eller internationale Aufmerksamkeit erfuhr, zieht sich somit auch als ein roter Faden durch diese Werke. Die Verzahnung von avantgardistischer Kammermusik und opernhafter Stimme wird es einigen Hörer/innen nicht leicht machen, die Tür zu Pálls Œuvre zu öffnen; daher sei als Einstieg das instrumentale »Lucidity« empfohlen, das zwischen Meditation, Traum und Naturmystik changiert und einen nicht von Sprache und Text überlagerten Blick unmittelbar in den individualistischen Kompositionsstil des 1977 geborenen Komponisten offenbart. Durch das gesamte Programm kann man eindrucksvoll erleben, wie wichtig Páll Ragnar Pálsson (und dem Label) jedes klangliche Detail ist; wie bei Sono Luminus zuletzt üblich, erscheint das Album auf zwei Discs, einer Standard-CD und einer BluRayDisc inklusive mp3 und FLAC in 9.1 Dolby Atmos, 5.1 dts-HD und 9.1 Auro-3D. (ijb)

Mit folgenden nordischen Komponisten und Werken:
1. Atonement (2014)
2. Lucidity (2017)
3. Stalker’s Monologue (2013)
4. Midsummer’s Night (2018)
5. Wheel Crosses Under Moss (2011)



Siehe auch:
Caput Ensemble & Anna Thorvaldsdóttir
Nordic Affect

Helena Tulve

Daníel Bjarnason


Páll Ragnar Pálsson: Atonement – The Music of Páll Ragnar Pálsson

Offizielle Website      http://pallragnarpalsson.com



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