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Alle Rezensionen zu Jón Leifs (1899 – 1968)
(Genre »Klassik«, Land »Island«)

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Jón Leifs: Edda (1. Teil) – Die Schöpfung der Welt
Gunnar Gudbjörnsson: Tenor · Bjarni Thor Kristinsson: Bariton · Schola Cantorum · Isländisches Sinfonieorchester · Leitung: Hermann Bäumer
(2007, BIS SACD-1350, Einspielung: 2006)

Mit dieser CD setzt das schwedische Label BIS seine in jeder Weise ambitionierte Serie mit Einspielungen der Werke des isländischen Komponisten Jón Leifs (1899–1968) fort. Nach Kammer- und Klaviermusik sowie den wichtigsten großformatigen sinfonischen Partituren geht es nun an Leifs' opus magnum: die Vertonung der Edda in einem mehrteiligen Oratorium. Bereits um 1930, während sich Leifs in Deutschland nach einem Kompositionsstudium als freier Journalist durchschlug, fertigte er das umfangreiche, nicht weniger als 350 Strophen zählende Libretto an – eine eindrucksvolle Collage aus der mit der Edda verbundenen Sagenwelt.

Konzipiert in vier großen Abschnitten (Die Erschaffung der Welt, Das Leben der Götter, Götterdämmerung, Auferstehung) mag das oberflächlich an Wagner erinnern – Leifs aber ging die Sache weitaus nüchterner und ohne gewichtigen Ballast an. Über der Komposition stand indes von Anfang an kein guter Stern. Der im Januar 1939 abgeschlossene erste Teil blieb zunächst unaufgeführt. Auch die (teilweise) Uraufführung in Kopenhagen (1952) endete aufgrund der Publikumsreaktionen in einem Desaster. Der zweite Teil des Oratoriums wurde erst 1966 abgeschlossen, der dritte blieb Fragment, und mit dem vierten hatte Leifs gar nicht erst begonnen ...

Die von Quinten, Dreiklängen, statischen Akkorden und mächtigem Schlagwerk geprägte Komposition wirkt durch den archaischen Text letztlich noch gewaltiger als Leifs instrumentale Partituren. Die ebenso engagierte wie präzise Interpretation sowie das beeindruckende klangliche wie dynamische Spektrum der Produktion sind Ergebnis einer kollektiven Kraftanstrengung – einer Kraftanstrengung, die dem fraglos hohen Rang der Partitur vollauf gerecht wird. (mku)



Siehe auch:
Schola Cantorum Reykjavicensis

Jón Leifs: Jón Leifs: Edda (1. Teil) – Die Schöpfung der Welt

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Jón Leifs: Háfis and other Works for Voices and Orchestra
Isländisches Sinfonieorchester (ISO) · Leitung: Anne Manson
(2002, BIS 1050, Einspielung: 1999)

Die Musik des Isländers Jón Leifs erhält seit etwa einem Jahrzehnt die Aufmerksamkeit der Fachwelt, nach der sich der Komponist zu Lebzeiten vergeblich sehnte. Inzwischen scheint die Zeit für Leifs ungewöhnliche Klangbilder reif zu sein, wie die neue Einspielung mit verschiedenen Werken seiner Vokalmusik spannend dokumentiert.

In »Håfis« (dt. Treibeis) vertonte Leifs 1965 eine isländische Ode für Orchester und Chor, bei der Tonwellen von Meereswogen den Hörenden umspülen und schließlich im Pianissimo verebben. Mit dem »Guðrúnarkviða« nach Texten aus der Lieder-Edda (1940, für vier Solisten und Orchester), gibt Leifs eine musikalische Antwort auf die Nazi-Invasion in Dänemark. (Er lebte bis 1944 mit seiner jüdischen Frau und seinen Kindern in Deutschland.) Weitere Stücke runden den hörenswerten Einblick in Jón Leifs Vokalkompositionen ab. (mls)

Jón Leifs: Jón Leifs: Háfis and other Works for Voices and Orchestra

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Jón Leifs: Hekla · Iceland Overture · Requiem · Loftur-Suite · Réminiscence du Nord · Elegy
Motet Choir of the Hallgrims' Church · Schola cantorum · Isländisches Sinfonieorchester (Sinfóníuhljómsveit Íslands; ISO) · Dirigent: En Shao
(1999, BIS CD-1030, Einspielung: 1998/99)

Im Zentrum der vom Label BIS betriebenen Jón Leifs-Edition stehen vor allem die großen Orchesterwerke des Vaters der isländischen Musik, die nahezu ausschließlich von der archaischen nordischen Sagenwelt oder den Naturgewalten der stürmischen Insel berichten. Dennoch fehlem einem die Superlative, um den in jeglicher Weise radikal komponierten, Klangmassen wild herausschleudernden Vulkanausbruch »Hekla« auch nur einigermaßen angemessen in Worte zu fassen.

Was dabei den Schlagzeugern nicht nur spieltechnisch, sondern auch bei der Beschaffung des außergewöhnlichen Instrumentariums zugemutet wird, berichtet der Solo-Pauker des bis an die körperlichen Grenzen strapazierten Ensembles im aufschlußreichen Booklet. Dass Leifs aber auch intimere Töne anschlagen konnte, beweisen das Requiem und die Elegy. Doch selbst hier herrschen zwischen Dur- und Moll-Terz wechselnde Akkordfortschreitungen vor – die ausschwingende melodische Linie blieb dem Komponisten außerhalb der zahlreichen Zitate alter Weisen nahezu fremd.

Obwohl nur die Hallgrimskirkja das erweiterte Orchester und die raumgreifende »Hekla«-Partitur auf Island beheimaten kann, darf dies nicht über ihre problematische Akustik hinwegtäuschen. In der »Island-Ouvertüre« mussten wegen des langen Nachhalls gar einige Generalpausen eingefügt werden (vor Buchstabe G und T). (mku)

Mit folgenden Werken:
Iceland Overture op. 9 · Requiem op. 33b · Loftur-Suite op. 6a · Réminiscence du Nord op. 40 · Hekla op. 52 · Elegy op. 53

Jón Leifs: Jón Leifs: Hekla · Iceland Overture · Requiem · Loftur-Suite · Réminiscence du Nord · Elegy

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Jón Leifs: Konzert für Orgel und Orchester · Variationen über ein Thema von Beethoven · Fine II · Dettifoss
Loftur Erlingsson: Bariton · Björn Steinar Sólbergsson: Orgel · Mótettukór Hallgrímskirkju · Isländisches Sinfonieorchester (ISO) · Dirigent: En Shao
(1999, BIS CD-930, Einspielung: 1998/99)

Es spricht für die engagierte Repertoirepolitik des überaus rührigen schwedischen Labels BIS, dass diese CD mit Werken des isländischen Nationalkomponisten Jón Leifs zwar pünklich zu dessen 100. Geburtstag erschien, sie aber »nur« die schon vor einiger Zeit begonnene Veröffentlichungsreihe (als fünfte im Bunde) u.a. mit drei Ersteinspielungen fortsetzt: Das »Orgelkonzert« (1930), an dem Leifs über zehn Jahre gearbeitet hat, fasziniert nicht nur durch seine polyphon wie homophon bewältigten Klangmassen, sondern auch durch den in einer nach Bach/Reger-Manier anhebenden Passacaglia auskomponierten Weg zu einer eigenen Tonsprache.

Weitaus lyrischer erscheinen da schon die parallel entstandenen »Beethoven-Variationen«. Gemeinsam mit den Tongemälden »Geysir« und »Hekla« bildet das nach dem gewaltigen Wasserfall benannte Stück »Dettifoss« (1964) ein Triptychon grandioser Naturschilderung; schade nur, dass einem die zugrunde liegenden Verse von Einar Benediktsson im Booklet vorenthalten werden. Die Kompositionen sind für die Musiker offenkundig eine Herzensangelegenheit. Ihre Umsetzung schonungslos dreinbrechender Passagen, aber auch zarter Momente hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. (mku)

Mit folgenden Werken:
Konzert für Orgel und Orchester op. 7 · Variationen über ein Thema von Beethoven op. 8 · Fine II op. 56 · Dettifoss op. 57

Jón Leifs: Jón Leifs: Konzert für Orgel und Orchester · Variationen über ein Thema von Beethoven · Fine II · Dettifoss



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