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Alle Rezensionen zu David Monrad Johansen (1888 – 1974)
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

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David Monrad Johansen: Chamber Music
Fragaria Vesca
(2016, Simax/Grappa PSC1334, Einspielung: Juli 2015)

Als Komponist in Norwegen nicht von Edvard Grieg beeinflusst zu sein, speziell zur Zeit der Spätromantik, ist wohl nachgerade ein Ding der Unmöglichkeit. Auch der 1888 in der nordnorwegischen Kommune Vefsn, nahe Mosjøen, geborene David Monrad Johansen baute in seinem Werk wie Grieg darauf, traditionelle Musik des ländlichen Norwegens einzuflechten. Außerdem schrieb Johansen als Musikwissenschaftler und respektierter Musikkritiker; als seine zentrale Veröffentlichung gilt seine lange als Standardwerk angesehene Grieg-Biografie.

In den Zwanziger- und Dreißigerjahren trat Johansen allerdings auch als führende Figur in der nationalistischen Bewegung hervor. Er strebte an, zeitgenössische Ideen mit dem »wahrhaft Norwegischen« zu verbinden. Inwieweit ihm das gelang, lässt sich anhand dieser Veröffentlichung des 2006 von Geiger Tor Johan Brøen gegründeten, multinational besetzten Kammermusik-Ensembles Fragaria Vesca beurteilen. Immerhin war Johansen in den verschiedenen Welten tief verankert: Nach spätromantischen Werken und Studien der französischen Impressionisten wurde er in Berlin von Humperdinck unterrichtet, in Paris von Strawinskys Ballettmusik und von Honegger inspiriert, später, durch den Einfluss seines Landsmanns Fartein Valen, von atonalem Kontrapunkt und, bei Grabner in Leipzig, von klassischem Kontrapunkt, was sein Schaffen letztlich zu einer Verbindung aus Neoklassizismus und Tradition veränderte.

In diese neoklassizistische Schublade passen eigentlich alle hier vertretenen vier Werke aus den Jahren zwischen 1913 und 1967 mehr oder weniger, speziell das ernste, fast halbstündige, von Haydn inspirierte Klavierquartett, an dem Johansen über Jahre arbeitete und das 1953 uraufgeführt wurde. Kammermusik schrieb Johansen überhaupt nur wenige, so dass diese fast 80 Minuten lange Zusammenstellung als hervorragender Querschnitt dieses Œuvres gelten kann.

Die Violinsonate aus dem Jahr 1913 entführt uns in eine ferne Vergangenheit; das zwanzigminütige Werk in drei Sätzen wirkt älter, als es tatsächlich ist. Charmant ist es, auch sehr ernst und etwas angestrengt, ganz im Gegensatz zu den fünf Preludes, die 1925 für eine am Ende nicht durchgeführte Theaterinszenierung namens »Den store Freden« (»Der große Frieden«) entstanden. Ernsthaftigkeit, kompositorische Frische, erzählerische Komplexität, Philosophie und eine sehr eigene Perspektive kommen am rundesten zusammen in dem 1967 zum 50. Geburtstag des Komponistenverbands geschriebenen Quintett für Flöte und Streichquartett. Das Ensemble spielt alle Werke mit überzeugender Hingabe, und die Aufnahme in der Osloer Sofienbergkirche ist klanglich präsent. (ijb)

Mit folgenden Werken:
1. Quintet for flute, 2 violins, viola & cello, Op. 35
2. Den Store Freden (The Great Peace), incidental music for 2 violins, cello & piano
3. Sonata for violin & piano, Op. 3
4. Piano Quartet in C major, Op. 26



Siehe auch:
Johan Kvandal (David Monrad Johansens Sohn)
Fartein Valen

Tor Johan Brøen spielt Klaus Egge


David Monrad Johansen: David Monrad Johansen: Chamber Music



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