Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Hjalmar Borgström (1864 – 1925)
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

Nach oben

Eldbjørg Hemsing: Borgström & Shostakovich · Violin Concertos
Eldbjørg Hemsing, Violine · Wiener Symphoniker · Olari Elts, Dirigent
(SACD, 2018, BIS 2366 | 7318599923666, Einspielung: September 2015)

Eldbjørg Hemsing gab mit 11 Jahren ihr Solodebüt bei den Philharmonikern in Bergen und ist in Norwegens Musikszene seit ihrer Kindheit ein Begriff, auch weil sie sich als engagierte Verfechterin der reichen Tradition ihres Heimatlandes etabliert hat. Als ihr vor einigen Jahren die Musik Hjalmar Borgströms vorgestellt wurde, war sie überrascht zu erfahren, dass er als Komponist und Kritiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Norwegen berühmt war. »Als ich zum ersten Mal die Partitur seines ersten Violinkonzerts eröffnete, war ich sofort fasziniert. Dieses Konzert ist unglaublich schön, voller norwegischer nationalistischer Gefühle, die typisch für seine Zeit sind, aber auch internationale Aufmerksamkeit verdienen. Es erinnert mich daran, woher ich komme – die raue Landschaft von Valdres und Jotunheimen, wo sich die umliegenden Berge dramatisch über die Täler erheben – und die Musik lässt mich nach meinen Wurzeln verlangen. Nach Borgströms Tod 1925 war das Konzert völlig vergessen und so bin ich heute auf einer Art Mission, meinen Teil dazu beizutragen, die Musik dieses Komponisten wieder zum Leben zu erwecken.«

Wie Grieg und viele andere nordische Komponisten im späten 19. Jahrhundert ging Borgström zum Studium nach Deutschland. Im Gegensatz zu Grieg, der nach der Rückkehr fest entschlossen war, an einer authentischen norwegischen Musik zu arbeiten, kehrte Borgström als überzeugter Verfechter der neuen deutschen Sinfoniemusik zurück. Sein Violinkonzert in G-Dur wurde indes 1914 im Rahmen der Hundertjahrfeier der norwegischen Verfassung uraufgeführt, und das sehr klangvolle und ausdrucksstarke Werk kam gut an. Es hat sich jedoch nicht im Repertoire etabliert und versank hundert Jahre lang in der Versenkung. Mit Leichtigkeit und farbenreicher Klarheit holt es Eldbjørg Hemsing nun beherzt in die Gegenwart und ins allgemeine Bewusstsein zurück. Was für ein temperamentvolles Debüt!

Für ihr erstes in einer auf mehrere Alben angelegten Reihe beim schwedischen Label BIS kombiniert die 28-Jährige Hemsing Borgströms Werk geschickt mit einem sehr gegensätzlichen und als unbestrittenem Meisterwerk betrachtetem Violinkonzert: Dmitri Schostakowitschs erstem, von dem Hemsing nicht nur »von klein auf begeistert« war, sie studierte zudem später in Wien bei Boris Kuschnir, selbst Schüler des Widmungsträgers des Konzertes, David Oistrach. So konnte sie unschätzbare Einblicke bekommen, wie sie sich diesem großen, in der russischen (Musik-)Geschichte eher zentralen Werk auf ebenso individuelle wie getreue Weise näherte. Immerhin entstand es in einer schwierigen Zeit für den Komponisten, dessen Musik damals als »formalistisch« und »antidemokratisch« angeprangert wurde, und das Violinkonzert konnte schließlich erst 1955 nach Stalins Tod uraufgeführt werden. Die Virtuosin Eldbjørg Hemsing kommt dem russischen Geist mit der Melancholie und dem Humor Schostakowitschs sehr nahe, ohne in historische Nachbildung zu verfallen.

Dass sie dabei von den renommierten Wiener Symphonikern unter der Leitung des estnischen Dirigenten Olari Elts unterstützt wird, erweist sich als angemessen: Ein überzeugenderes CD-Debüt wäre kaum vorstellbar, denn Hemsings Reife und ihre Kunst, nordische Sensibilität mit Weltgewandtheit zu verbinden, kommen so hervorragend zum Tragen. (ijb)

Mit folgenden Werken:
Hjalmar Borgström (1864-1925): Violinkonzert in G-Dur, Op. 25 (1914)
Dmitri Schostakowitsch (1906-75): Violinkonzert Nr.1 in A-Moll, Op. 77 (1947–48, rev. 1955)

Hjalmar Borgström: Eldbjørg Hemsing: Borgström & Shostakovich · Violin Concertos



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum | Datenschutz

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche

              

© 2000 - 2018, Design & Programmierung: Polarpixel